Ich werde Profi

Ich werde Profi

Oh, endlich hab´ ich es kapiert und weiß was ich will. Seit Jahren spiele ich Akkordeon, kann eigentlich viele Lieder einfach so dahinträllern und vor allem andere Musiker begleiten. Aber ich habe keine ausgefeilte Technik, weil ich nie Unterricht hatte und jahrelang auch gar nicht mehr gespielt habe. Jetzt aber in Zeiten von Corona, gibt es ein Überangebot an Freizeit und ich spiele und übe mehr als früher. Dabei schaue ich auch viele Videos auf YouTube an, in der Hoffnung, hier etwas Neues zu lernen. Und das ist wirklich Wahnsinn. Es gibt so viele sehr gute Musiker, die die Töne einfach in den Fingern haben und mit einer Leichtigkeit spielen, dass man meint, sie wären damit geboren. Sie stehen mit einer ausgesprochenen Selbstsicherheit auf der Bühne und zeigen, was sie gelernt haben, ohne nervös zu sein. Sie wissen einfach um ihr Können. Mir ist klar, da gehört auch viel Übung dazu. Aber es desillusioniert mich manchmal, diesen Künstlern zuzuschauen, gleichzeitig motiviert es mich, viel zu üben.

Und in der Tat habe ich jetzt beschlossen, Akkordeonprofi zu werden. Ein bisschen Talent braucht man vielleicht, aber vor allen Dingen ist es das Üben, manchmal das sture Üben, auch wenn man gerade gar keine Lust hat. Und üben kann ich, tagelang und wochenlang und ich merke richtig, wie meine Finger geschmeidig werden. In meinem fortgeschrittenen Alter brauche ich sicher Jahre, um ein Profi zu werden; ich veranschlage mal locker 25 Jahre. Aber dann bin ich wirklich Profi und beginne ein Profileben. Dieser Zeitraum von 25 Jahren ist übersichtlich, wird aber gebraucht, denn man lernt nicht mehr so schnell und die Gelenke werden auch immer älter. Ich bin nur vorher nicht auf diesen Trichter gekommen, weil ich einfach keine Zeit dazu hatte. Anders als jetzt, ich übe sogar viel freiwillig, um die viele durch Corona bedingte Freizeit auszunützen. Ich werden sogar einen Onlinekurs belegen mit einem virtuellen Akkordeonspieler. Sowas gab es früher ja nicht, aber warum nicht die sich bietenden Möglichkeiten nutzen! Das Schöne daran ist, wenn ich also Profi werden will, muss ich auch so lange leben, also mindestens noch 25 Jahre und mehr. Das kann ich mir ruhig vornehmen. Dann hätte ich, bis ich 100 Jahre alt bin, sogar noch 10 Jahre Zeit, um auf Tournee zu gehen; meinetwegen durch die ganze Welt. Schließlich ist auch Heesters noch im Alter von 100 Jahren auf der Bühne gestanden und hat das doch ganz gut gemeistert. Vielleicht wäre ich sogar der älteste Akkordeonspieler der Welt, der dann auch noch live spielt, vielleicht im Madison Square Garten in New York, oder ich würde das Wembleystation in London füllen mit meiner, in den letzten 25 Jahren erlernten Kunst. Die Menschen würden mir zujubeln, ich wäre überall bekannt; naja, die Groupies in meinem Alter will ich mir jetzt nicht so unbedingt vorstellen. Eigentlich ist ab jetzt damit mein gesamtes weiteres Leben durchgeplant und vorbestimmt und ich kann jeden Tag etwas für meine Karriere tun, vorausgesetzt, meine Bestimmung lässt mich auch jeden Tag wieder aufs Neue morgens aufwachen und aufstehen.

Aber wie gut, wenn ich´s recht bedenke, dass ich jetzt gerade, in diesen Zeiten, kein Profi bin. Ich hätte keine Auftritte und mein geliebtes wahrscheinlich Schickimicki-Profileben wäre ja dem Lock down und der Ausgangssperre zum Opfer gefallen. Ich würde mich ärgern und vielleicht Depressionen bekommen, müsste mich behandeln lassen und vielleicht gar nicht mehr auf die Beine kommen. Wie gut, dass ich das alles noch in der Zukunft vor mir habe. Ich kann planen und viel erreichen und muss mir noch um Nichts Sorgen machen. Jedoch ist so ein Virus auch gut, denn er schenkt einem viel Zeit, führt einen auf die Profifährte und zeigt einem, wie die Zukunft sein kann.

Allerdings habe ich in der letzten Nacht geträumt, dass ich gerade, im Jahre 2045, von einer jungen Betreuerin mit dem Rollstuhl auf die Bühne gefahren worden bin. Ich schlage die ersten Töne an, da ertönt eine Durchsage im Stadion, dass wegen der neu aufgetretenen weltweiten Pandemie mit Covid-45 das gesamte Stadion geräumt werden müsse. Ich selbst wurde positiv getestet und hatte mich wohl irgendwie an der Fanpost, oder an der Betreuerin, angesteckt. Naja, wenn das so ist oder so kommt, dann werde ich doch noch mal meine Karrierepläne überdenken; vielleicht doch nicht in so großen Stadien auftreten, vielleicht gar nicht so berühmt werden wegen der hochansteckenden Fanpost. Ich schau mal die nächsten Tage, vielleicht habe ich wieder einen Traum, der mir zeigt wie es mit mir weitergeht.

Aber üben kann ich ja trotzdem mal ….. für alle Fälle ….. falls ich Profi werde.

fa291220

Silvester entlang der Zeitzonen

Silvester entlang der Zeitzonen

In diesen Tagen ist alles anders, sogar zum Jahresende. Man kann sich nun mal nicht so treffen wie sonst, so feiern wie sonst und so zusammen sein wie sonst und dann muss man auch noch um 21 Uhr zu Hause sein. Wir haben das, glaube ich, gerade so geschafft, zeitlich und auch sonst mit letzter Kraft. Wir wollten gestern gerne mit zwei anderen Freunden zusammen feiern und haben uns deshalb schon am Mittag um 12 Uhr zum Brunch getroffen. Wir haben beschlossen für jede Zeitzone auf das neue Jahr anzustoßen und fingen also um 12 Uhr mit Auckland/Neuseeland an. Genau einen halben Tag voraus ist das Leben dort und wir haben das gebührend mit einem Glas Sekt gefeiert und auf das dortige Neujahr angestoßen. Unser Brunch lief gemütlich mit Lachs, frischen Brötchen, veganem Wurstsalat und Eier mit Schinken und waren dann um 14 Uhr schon in Melbourne/Australien angekommen. Nach drei Zeitzonen lief der Sekt nicht mehr so flüssig die Kehle hinab und wir mussten das Entleeren in mehrere Einzelschlucke einteilen. Aber es ging noch, da wir nach dem Umtrunk um 15 Uhr (Brisbane/Australien) einen kleinen gemütlichen Spaziergang einlegten. Ich hatte dabei das eigentümliche Gefühl, als ob ich meinen rechten Fuß etwas hinterherschleppen müsste, aber schon auf dem Rückweg ging es mir wieder gut und wir beeilten uns, damit wir um 16 Uhr das Silvester in Tokyo/Japan auf keinen Fall verpassten. Es hat funktioniert, es gab Kaffee und Kuchen und zur Abrundung etwas Sake, den jemand von der letzten Japanreise mitgebracht hatte. Dieser Schnaps trank sich, nach der Käse-Sahnetorte und den restlichen Weihnachtsplätzchen, wie Wasser und T. sagte, dass er glaube, sein Magen sei nicht ganz in Ordnung. Sicherheitshalber ging er zur Toilette, hielt sich dort merkwürdig lange auf und ab und zu konnte man Würgegeräusche hören, so als wenn er gerade eine esoterisch-energetische Entspannungssitzung abhalten würde. Er kam recht munter wieder zurück und hielt um 17 Uhr ein kurzes unzusammenhängendes Referat über die chinesische Mauer, da um 17 Uhr Peking auf unserer äthylenischen Reise um den halben Globus stand. Danach …….. danach musste ich einen Moment eingeschlafen sein, denn ich wurde durch ein Klappern geweckt, da der Tisch für das anstehende Racletteessen um 18 Uhr gerichtet wurde. Zuerst schubste ich aus Versehen einen Teller vom Tisch, dann fiel mir mein Sektglas aus der Hand, aber es gelang, mit vereinten Kräften, alle Gläser bis 18 Uhr zu füllen, denn Jakarta/Indonesien wartete schon mit einem Feuerwerk. Ja nun, kein echtes Feuerwerk, aber offensichtlich war das Raclette Gerät zu heiß und jemand hatte sein Fleisch auf der Platte vergessen, so dass durch die Rauchentwicklung der Rauchmelder an der Decke anging. Wie eingeübt schoss T. mit geschlossenen Augen aus seiner noch hähnchenbrustkauenden Stellung und erwischte auf Anhieb den Ausstellknopf des Rauchmelders. Das muss man nach so vielen schon gefeierten Zeitzonen erst mal schaffen. Wir schlugen uns tapfer durch die Platte mit Hähnchenbrust, Rinderfilet und Blutwurst, wobei B. meinte, das sei doch gar keine Blutwurst, sondern ro-ro-rote Beeeetesalat. Sie verschluckte sich mehrere Male, wobei die rote Beete-Blutwurst wieder auf ihrem Teller landete. Im glückseligen Zustand des zu erwartenden neuen Jahres schaffte sie es jedoch, wieder alle Gläser ohne Verlust zu füllen. S. fühlte sich nicht imstande um 19 Uhr Dhaka/Bangladesch zu feiern aber bei Kathmandu/Nepal um 19:15 Uhr war sie wieder in der Runde dabei. Es wurde nun ausgemacht, so langsam wieder die Sachen zusammenzupacken, damit wir bereit waren, wenn unser Abholservice um 20:30 eintraf. Ich nahm einige Sachen aus dem Kühlschrank, wobei mir in dem Moment nicht klar war, ob die Dose Hundefutter von uns war, naja und die Dose Butter hätte aber sicher von uns sein können. Für 20 Uhr stellte ich vorsorglich den Wecker, diese Zeitzone in Islamabad /Pakistan wollte ich auf keinen Fall versäumen, um in diesem Jahr ein letztes Gläschen zu mir nehmen. Zu dieser Zeit vermisste ich meinen einen Schuh und meine Brille war unter den Tisch gerutscht, während T. schon wieder Würgegeräusche auf der Toilette produzierte. Anscheinend hatte sich B. nicht getäuscht, denn jetzt sah auch bei mir die Blutwurst wie rote Beete aus. Und offenbar war die lebendig, denn sie bewegte sich auf dem Tisch hin und her. Den Wecker um 20 Uhr hörte ich aus der Ferne, war aber sofort wieder wach, da mein Kopf für einen Moment in die rote Beete gefallen war. 20:30 Uhr …….. Pause.

Um 24 Uhr hörte ich eine einzelne Rakete; mir war klar, dass ich wieder zu Hause angekommen war. Da auch meine Frau ganz ruhig atmete, machte ich mir nicht mehr die Mühe, wegen des Jahreswechsels bei uns nochmal extra aufzustehen.

09:00 Uhr Neujahr/Deutschland.

T. rief an und beschwerte sich, dass ich nicht nur die Butter, sondern auch den Käse, die Milch, den veganen Wurstsalat und alle restlichen Brötchen wohl mitgenommen hätte. Dafür habe er meine Brille gefunden, eine Socke und der linke Schuh unter dem Tisch wäre auch meiner. Aber er fand, es wäre doch, seiner Erinnerung nach, bis 17 Uhr ein schöner Tag gewesen und er fragte, wann wir denn nach Hause gegangen waren.

Ja, ich fand es auch schön. Eine richtig interessante Zeitreise mit Höhepunkten aller Art, aber scheinbar sehr anstrengend, denn wo sollten meine Kopfschmerzen sonst herkommen. Ich glaube das machen wir nächstes Jahr wieder.

Prost Neujahr!

fa210101

Der Titze ihr Geens – Reschpekt is halt alles

Der Titze ihr Geens – Reschpekt is halt alles

Die Titze höm zwä Hoiser weiter nein Durf gewoant. Die Titze hom nit blos e Oma gehot, sondern a e ganze Kavallerie vo Geens. Ich wor noch net so alt, drüm höm die riesich ausgsahn und wenn die sich gstreckt höm, hömse üwer mein Koupf nausgekuckt. Normalerweise sen ja Geens friedlich und mache nix, wenn de grood sou am Houf vorbeiläffst. Der Titze ihr Geens worn ower aneschter, des worn richtiche Kampfgeens. Die höm ümmer e moards Gschrei gemocht, wennse dich gsahn höm und sen ganz schnell auf dich zugelaffe. Manchmal höm se dich gepackt mit ihr Schnöwel und höm dich gscheit nein Oarsch gezwickt. Wenn de die Laaderhoase ohattst, des höm die gewüsst und dich dofür dann nein Oarm gezwickt, dass de monchmol bloawe Platte griecht hoast. Mit dara Geens bin ich nie woarm wuern, ich hat sougor äher e bissle Angst ghot. Die höm uf dann Houf aufgeposst, schörfer wie e Hund, obwohl duet a nou a Hund, dar Rolf, gewohnt hot.

Unner Weche höm sich owar a ümmer gekroizt. Mir hatte derhäm zwä Soi im Stool, ich muesst se ümmer ausmist und äns oder zwämol die Wocha muesst ich no es Milichhoisla nawet en Säa und muesst en Ämer voul Molke houl. Sou guet isses unner Soi gange. Blos dar Wech is ümmer o die Titze ihrn Houf vorbeigange. Hiezus woarsch üwerhaupt kä Problem. Doa höm die Geens gor nix gemocht, weil se ja gewüsst höm, ich kum uf en Rückwach wiedr vorbei. Die Muetter hot mir ümmer en groaße Ämer mitgawe, do sen genau zäha Liter neigange. Dos war für mich Büewle schua e ziemlichs Gewicht zum Trocha. Also die Molke nein Ämer, en Säa entlang, in die Kochagasse nei, durch en Adu Sichfried sei Schoier, des woar die Abküezung. Doa worsch a bissle dunkl und du bist dauernd irchendwu oagstossa, des hot dir schue mol en Liter Verlust im Ämer eigebrocht. Nocher die Ödelsgasse füer, die Schweiferter Stroass no und genau wie sust, höm die Geens am Houf gewoard. Die höm sich jetz nit äfoch hiegstellt, doa woarn die zu gscheit, es hot ower ümmer emol äne aus dan Houf rausgeguckt und du hoast richtich gemirkt, wie die sich auf dich frähn. Mei Schriet is ümmer langsamer wuern, ich bin uf die annere Stroaßeseit gewechselt, mei Hatz hoat gekloapft, ich hat vielleicht die Housa voul. Wenn du grod gedacht hoast, jetz bist de vorbei, na höm die Onlauf genumme, höm die Flüchl gschleudert als wenn se davofliech wöllte, höm e Gezeter gemocht und schua hatt mich die örschta wieder nein Oarsch gezwickt ghot. Ich woar zwoar flink, ower nou klää und die Molke im Ämer wollt ich a nit aufgah. Drüm bin ich ab wie e Pfeil. Weil ich öwer ümmer mit dan rachte Fueß on Ämer gstoaße bin, ist dar Inhalt ümmer wenicher woan; ich ower, weil wenicher Gewicht im Ämer, ümmer schneller. Doa höm die dumme Genns nocher schnell aufgawa, höm ower weiter rümgschnattert, dass es sich oughört hoat, wie wenn se mich feist auslache. Dahäm akumma, woar dar Ämer halwer lähr und wie später dar Voater gfrächt hot, wou denn die Molke is, hat die Muetter gsocht, sie hoat gleich die Helft die Soi gawa, weil die so en Duescht hatte. Des woar jetzt scho a poor mo sou passiert und daswache hob ich mit der Muetter en Ploan gemocht. Es nächste mol hoat se mir es Sunntichsbläittla nei die Hoase und unter es Höm gstopft, sou dass ich wie a Panzer obgsichert woar. Des Bläittla hat gscheit o die Haut geriewe, ower ich hob mich viel sicherer gfühlt und wie ich mit meim Ämer kumme bin und die Geens a wieder kumme sen, hat ich wenicher Angst und bin a gor nit sou schnell davoa gelaffe. Ich mähn grod, dass die Geens dadurch plötzlich e bissle Reschpekt hatte, weil des Geschrei woar goar nit sou groaß wie sust und vor allem, ich hob viel mehr Milich häm gebroacht. Des woar scho a ganz guets Gfühl, ower jetz wollt ich gaanz a goor uf die Gewinnerstroaß sei.

Beim nächste Gang woar des Houftor zu und bloos die Pfuete auf. Ich bin ganz normal vorbeigange und hob genau gewüsst, dass die mich aus die Achawinkl beobochte. Na hob ich mein Ämer hiegstellt und bin wieder zurück uf des Goartemoierla nawe die Pfuete. Es hoat nit lang gedauert da hoat die gröaste Gaans scho wieder ihrn Koupf rausgstreckt, üm zu gucke, ob ich schue wieder zurückkumm. In dann Moment hob ich schnell die Pfuete vo ouwe zugedrückt und die blöde Gaans woar in der Mitte vom Hals eigeklömmt. Sie ist mit ihrm Oarsch ganz wild wuern und hoat dan ganze Kürwer hi und har gschloidert. Und weil ich doch e bissle Angst hat, weil se jetz grod sou wild woar, hob ich nou fäister zugedrückt. Allmählich hoat se die Aache rausgedrähet und statt gschnattert blos nou geröchelt. Doa hob ich se noch amol tief ogeguckt und hob se dann ausgelosse, wobei se sich soufurt klaglos nei die Schoier zurückgezouche hoat.

Bis uf dann Liter durch die Abkürzung durch die Schoier hob ich in dara weitere Zukunft kä Molke mehr verlorn. Die Geens höm sich sougor ümmer gfräht, wenn ich jetz vorbei kumme bin und hob era nix gemocht.

Reschpekt is halt alles.

fa201227

Panem et Circenses

Panem et Circenses

Den Ausdruck „panem et circenses“, also „Brot und Spiele“, gibt es schon seit der Römerzeit. Der Begriff wurde von dem römischen Dichter Juvental geprägt und hat eine weitreichende Bedeutung, die sich auch auf die heutige Zeit übertragen lässt. In der damaligen römischen Republik wurde das Volk vom Magistrat dadurch bestochen, dass sie Brot und meist kostenlose Zirkusspiele bekamen. So wurden sie bei der Stimmabgabe für Wahlen manipuliert und gefügig gemacht und in Notzeiten hat es der Obrigkeit geholfen, Aufstände des Volkes zu vermeiden. Wer Essen hat, rebelliert nun mal nicht und wer durch Spiele abgelenkt ist, hat keine Zeit mehr sich aufzulehnen. So konnte man sich damals schon bei Wahlen Vorteile verschaffen und sich sogar in Ämter hineinkaufen. Wer das meiste bezahlt hat und die schönsten Spiele abgehalten hat, hatte die größten Vorteile.

Gerade jetzt wird wieder viel diskutiert, warum noch sportliche Ereignisse wie Wintersport und Fußball, wenn auch ohne Zuschauer, stattfinden dürfen. Ich persönlich finde das ganz wichtig, weil nach einigen Tagen „Lockdown“ Zuhause ist man schon mal geneigt sich ablenken zu lassen. Da kommt das Fernsehprogramm mit seinem Sportteil von 09:00 Uhr bis 22:00 Uhr am Wochenende doch gerade recht. Spiele, die wir beobachten können, sindgut für die Seele und lenken ab von den Problemen der sonstigen Welt. Insofern hat sich doch im Vergleich zu früher nichts geändert. Klar, damals hatte das Volk keine Rechte, wurde dirigiert und hatte nur im Rahmen von Aufständen die Möglichkeit etwas zu ändern. Das ist in unserer demokratischen Grundordnung anders. Wir haben andere Möglichkeiten im Bezug auf Meinungsfreiheit und persönlicher Freiheit. Vergleichbar ist jedoch, dass die gesamte Bevölkerung gerade Einschränkungen hinnehmen muss, dass sich viele einfach nicht gut fühlen und sich durch Anweisungen von oben gesteuert und eingeengt fühlen, obwohl das völlig in Ordnung ist und auch nicht anders geht. Gerade jetzt bin ich froh, dass es noch Spiele gibt, zwar nicht im Kolosseum in Rom, aber im Fernseher. Fußballspiele rauf und runter, Winterspiele das ganze Wochenende, Singspiele, Geschicklichkeitsspiele und vieles mehr. Das alles wird uns geboten und ist wie ein kleiner Ausgleich dafür, dass wir uns viel zu Hause aufhalten müssen, denn irgendwann ist die Arbeit zu Hause getan und dann ist es gut noch zur Abwechslung die „Spiele“ zu haben. „Brot“ und Nahrungsmittel haben wir ja eigentlich genug oder zumindest so viel, dass wir keinen Hunger leiden müssen. Unsere gewonnene Freizeit können wir mit vielen sinnvollen Tätigkeiten ausfüllen, und jetzt gerade, weil es auch nicht anders geht, mit den öffentlichen Spielen. Ich bin wirklich, wie schon gesagt,  froh darüber und viele andere Menschen auch. Also lasst uns doch nicht dagegen protestieren, dass „die in den oberen Ligen“ noch spielen dürfen. Der Großteile der Bevölkerung profitiert davon.

Natürlich kann man hinterfragen, was das für eine Zeit ist, wenn die Spiele, die wir im TV anschauen, dafür herhalten müssen unsere Freizeit zu gestalten. Da gewinnt man schnell den Eindruck einer sich verschärfenden Lage, aber man bleibt trotzdem ruhig und abgelenkt. Ja, genauso wie früher: Wenn die Zeiten schlechter werden, gibt es Brot und Spiele, Geschenke und Ablenkung, Streicheleinheiten und Zugeständnisse. Ich glaube wir werden das noch oft genauso erleben müssen, denn es werden noch weitere selbstverschuldete Pandemien, Kriege und Naturkatastrophen kommen, die wir auch dann wieder aushalten müssen. Insofern ist die öffentliche Einrichtung mit „Brot und Spiele“ schon seit Jahrtausenden bewährt. So wie früher lassen wir uns durch die vielen Angebote ganz leicht ablenken und leiten, verharren vor dem Fernseher und warten auf bessere Zeiten. In uns allen steckt halt doch eine große Portion Römer.

Salve!

fa201222

Eisblume sen ausgschturwe

Eisblume sen ausgsschturwe

Ella reide vo dare Umwelt, vo dare Pflanze und Tiere die scho ausgsschturwe sen und wie orch mir Mönscha mit unner naturfeindlichs Verhalte do dro Schuld sen. Ich möicht hoit amol o e Blume erinner, die mei Generation nou hoifich gfunne hoat, hoitzutoch is se awer verschwunna.

Unner Kinner hob ich gfräecht, ower die kenne die gor nix mer und ich hob se a scho seit Joahre nix mehr gsahn. Es is daswache sehr wohrscheinlich, dass die in die letze Joahre äfoch ausgschturbe sen. Sunst hattst du die im Winter überoll gfunne, mästns sougor im Haus, ower des is jetz rüm. Du konnst rümguck wie de willst, es is känne mehr zu sahn. Dabei sen des mit die schüenste Bluma, dies üwerhaupt uf dare Welt geit. Sie sen mäst hell durchsichtich und vo dann gebouchene Stamm gien o die Seite sou ganz feine Ästlich raus, dass es aussieht wie a ganz fein geglöpplter Tüschdeckeläufer und sou filigran, wie e schöpferisches Kunstwerk. Schod, dass die Kinner hoitzutoch des blos nou uf Bilder sah könne. Ower sie gucke in dan Internet gor nit noch, weil se ja nit wüsse, dass es die omol gaw hot. Des elles hengt notürlich mit dare Umwelt zom und damit, dass mir blos no in so fäiste modäena Hoiser wohne, die wu du fast nix mer gelüft konnst. Die Fenstergläiser sen doppelwandich oder sougor dreifoch, da hot sou a empfinliche Eisblume kä Gelachehät mia sich feistzusetze und zu woasse. Die Suete vo Bluma braucht bestümte Vorraussetzunge, damit se sich wohlfühlt und des wor halt früher bei uns der Fall und wahrscheinlich in ella annere Hoiser a. Eisblume sen spezialisiert auf Fensterschoiwe die wu blo ä Glos höm, und guet isses, wenn die Schoiwa oder dos ganze Fenster gor nit sou dicht is. Daswache höm die früher a när aweng Kitt üm die Schoiwe rümgemocht und vielleicht noch e poor Jaoahr is dar wieder rausgfalle; die Schoiwe hoat geklappert wenn dar Wind gange is, aber für die Eisbluma woar alles gericht. Du hoast se aweds erscht gor nit gsann, weil se sou langsam gewoase sen. Wenn du ower früh aufgewacht bist, war se scho es ganze Fenster naufgewoase, vo ä Eck neis annere. Weils ja üm die Weihnochtszeit woar, hoast de sou wie sou gedocht, des sen weiße Tanneweidl. Es hoat a dauß ziemlich eisich sei mues, sunst wär des a nit gange, und vo inne woarsch guet, wenn die Luftfoichtichkät hoach genuch woar.

Mir woarn drei Kinner in dare Schlofstuewe und höm vo Natur aus die ganze Nocht feist gschnauft. Und bei jedem Atemzuch hoast du die Schnaufwolke gsann, obwohl du die Zudecka bis o die Nose gezouche hattst.

Die Wolke is nocher nü os Fenster gezouche und hot sich direkt doa niedergschloche. A wenn du unbedingt sah wollst, wos jetz passiert, du bist ümmer vorhar eigschlofe. Des wor a guet sou, weil uns hots in dara kalte Kommer ümmer gfroan. Mir hatte zu Dritt ä Wirmfloasche und die is, wenn mir nei die kalte Bette sen, reiüm gange. Änne hot ogfangt, dann dar Annere und dar Dritt hoatse nocher die ganze Nocht behalt döf. Es woar guet, wenn du in deim Stroahsock sou e Kuhle neigemacht hattst, doa hats de links und rachts a nou a bissle Schutz. Wenn de dich ower zu tief neigegrowa hatst, dann woarscht de früh direkt uff die Brietter gelache. O die ganz kalte Toch, a wenns daus Schnie gawe hot, doa hot dar Wind dan feine Schnie nei ufs Fensterbriet gedrückt und die Stroahmatzraze woar oft früh o die Ecke feistgfruen. Da bist du ower schnell raus und nei die woarme Küche, wu die Muetter beizeit scho des Foier ogemocht hat und die woarme Milich fertich woar.

Es is a nit sou, dass die Eisbluma ümmer gleich ausgsann höm. Die hatte ganz verschiedene Furme, woarn dick oder dünn und mehr und wenicher stoark. Ower egal wie, sie woarn arch schüa, für mich, wie gsocht, mit die schüenste Bluma üwerhaupt. Mir selwer höm se, sou wie annere Pflanze a, durch unner Verhalte schier ausgerott und dabei wärsch ganz äfoch die wieder harzuzüchta. Mir müesste blos aus unner Burche raus, in e äfoche Hütte wohn, mit äfoche Schoiwe, mit Holzscheitlich heiz und vor allem oweds des Foier ausgie loas. Wenns nochher kalt genuch is, dann hätte die sich a wieder ruck zuck ogsiedelt und mir hätte früh, wenn die Sunn aufgäaht, die schüenste Eisblumewiese. Guet ich brauchs nixmer, ich hob genuch Eisbluma gsann, aber mer sollt die Kinner wieder nausschick in die Natur, in soate Hütte, weil da komer nit äfoch aweds des Räidla vo dara Fueßboudaheizung hoachgedräa.

Des ist exakt dar Toad vo di Eisbluma. Ich täts a jedm wünsch, des a hoit nou amol sah zu könne.

Es geit vo dara Elke Bräunling des schuene Kinnergedicht:

A Blume blueht am Fenster

Sie is silberhell und weiß

Und sie funklt wie a Sternle

Glitzerhell im Sonnegleiß

Und ich starre auf des Wunder

Des sou selten hoit nou gschieht

Weil bei uns aus Eis im Winter

Ganz selten a Blume blüeht

fa201217

A Toch mit viel „Nix“ is a Nixtoch

A Toch mit viel „Nix“ is a Nixtoch

Wahrscheinlich liecht des o dara Johreszeit, wahrscheinlich am November, weil die Toch äfach trüe sen und du des Problem sunst gar nit mirkst. Dar Somstoch geaht nou, abwer wenn am Sunntoch nix los ist, da müsst mer dan „Sonntag“ vom Gfühl har umtäff in „Nixtag“ oder wie mir soche „Nixtoch“. Es is äfach nix los, dar Kalener is lähr, kä änzicher Termin und die Loit, di wu mir eigelode hatte, höm a scho wieder abgsacht, weil sie hätte doch a weng Fieber und do geat halt in dara Zeit nix. Feichlinge sens, sölla halt soch dass se sich wacha dan Virus nix wie nei die Housa mocha. Ower dass die net kumme is a guet, weil mir hätte a nix o Kuche da, weil mir uns a auf nix vorbereitet höm. In der Früh hast du gar kän Grund aufzustean, weil, obwohl das Rollo fast ouwa is, kümmt nix a Licht rei und sou hast du in deim Koupf nix annersch wie trüewe Gedanke, und ich sochs gleich, da würd sich a dann ganze Toch wohrscheinlich nix bessern.

Weil nix o Licht im Ziemmer is wie ich aufs Klo muess, kriech ich die Kurva üms Bett rüm nit sou richtig und blei mit mei kläns rachts Ziehla o die Kante vo dann Bett henge. Es tut nix wäha, wenn ich soch tät, is geloucha; nä, es is a wahnsinnicher Schmerz, wie wenn mir äner mit em Hommer drauf geklopft hätt. Trotzdem konn ich, wie mei Fra frächt, wos denn passiert is, ganz tapfer soch: „Nix, schlof weiter!“. Irchendwie hob ich´s bis zum Klo gschafft und wie ich färtich wor, hab ich gemirkt: vo dan Klopapier is a nix mer do. Hob ich neichta nix mer dro gedocht nochzufülla. Dar Lokus is auf dar anere Etasche und, weil die Technik ja do is, will ich mei Fraa aruef, dass se mir a bissla Klopapier brengt. Ich drück uf des Kästle aber nix passiert. Worüm is des grod jetz lähr wenn ichs amol brauch! Na muesst ich halt a bissla rümblärr bis se mich ghört hat, sie hat awer gemähnt, es wär nix mer im Haus und ob ich a e poor Bläitter vom Fernsehheftla nam tät. Mir is in dann Moment nix anerschter übrichgebliebe und ich hob mich mit Sat1 und RTL obgeputzt.

Dann hob ich mich ogezouche und hob mich nei die Küche gschleppt, weil sou a früscher Kaffee früh mich o soatte Toch rettet. Ihr könnt euch ower jetz scho gedenk, dass o en solche Toch des an nit sou passiert wie´s söll. Also ich drück auf dan Startknoupf und scho leicht die Maschine los. Zum Glück kä Meldung, dass die Bohne fahle oder es Wasser lähr is. Nä, es funktioniert einwandfrei und scheinbar will dar Toch doch nou zu en ganz gemüetliche Sunntoch war. Ich hob mich scho gfräht, namm mei alte Kaffeetasse am Henkel und bautz; reißt des mir nix dir nix dann Henkl ro. Der hat äfoch nix mer ghalte und dar ganze Kaffee platscht auf en Bode und mei Tasse geat in die ewiche Jochtgründe ei. In dara ganze Küche is nix mer trucke. Ich hob nacher wieder sauber gemocht, wor fertich und beim letzta Schrittla trat ich nou amol in sou a Stück Schirwe, dosmol awer nix mer mit em rachte, sondern mit em linke Fueß. Es hat zum Glück nix gebluet und des is a sou an Toch schue a groaßes Glück.

Ich hatt scho gar kän Hunger mehr, also hom mer, obwohl Sunntoch war, zum Mittachessen gar nix geplant. Und weil ich ümmer nou nit richtich wach wor und mir a nix annersch eigfalle is, hob ich mich wieder auf die Couch geleicht und wollt a weng Sport moch. Formel 1 is grod ogange und kaum wor dar Start hat a scho wieder sou e Renner gebrönnt, es wor ja der erschte Advent, awer mei Laune hat´s um nix gebessert. Also hob ich die Kiste wieder ausgemocht und wor sou dogelache und hab gedocht, jetz moch ich äfach amol gor nix. Aber scho is mei Fraa kumme und hat gsocht:

„Du, mir höm hoit nix vür und mir höm a scho lang nix mer gemocht, also wenn ich wöllt könnte mir uns zom a bissla auf die Couch geleich und o nix mehr anersch denk als o uns“. Mir ist nix degeiche eigfalle, awer dann hob ich gsocht:

„Wenn´s Dir nix ausmoch tät, no tät ich erscht dusch. Weil´s ja nix bessersch geit als wenn mer frisch geduscht ist.“

Also is mir nix anersch übrich gebliewe und ich hob mich nei´s Bod gemocht. Da hat uf ämol mei Handy geklingelt. Mei Freund wor in dara Leitung und hat gsocht:

Ja also es wär hoit sou a trüber Toch und nix los, ob mir uns nit röff könne bei ihm dahäm zum Kaffee trinke; ich söllt ower seiner Fraa nix davo erzäihl, weil sie will hoit amol gor nix moch und sich ausruh. Mir sölle äfach spontan vorbeikumm.

Ich hob gsocht: „Hör zu du Kaschper, dan ganze Toch is scho nix los und ich wort drauf, dass änner orueft. Du denkst dir zwor nix dabei, awer jetzt grod wu du oruefst ist bei uns des mit dem „Nix los“ vorbei, verstähste? Und wenn du mänst, du verstähst jetz nix, dann kannst de mich a gleich amol am Oasch…….“

Aber nä, liewer net, ich mues aufläich und mich beeil, sunst passiert bei uns a wieder nix.

fa201208

Da wo mei Heimat is

Da wo mei Heimat is

Wenn du vo Graßelt kümmst, über die Höha färscht und noguckst, da siehst du des Dörfla sofort. Schüe lieche die Hoiser vo Wasserloasa da unta, änns nawe en annere, fast a bissle zamgeduckt, weil dahinner kann mer bis nei die Rhüe guck, und vor dan Kroizberch sieht a jedes annere Dorf a ziemlich klä aus. Blos dar Kirchturm guckt ouwa raus und streckt sei Spitze bis nein Himmel. Doa bin ich geburn, in änns vo dara Hoiser, war im Kinnergoade und in dara Volkschuel, aber mit 12 Joahr hömsa mich in des Internat nach Muescht neigsteckt, damit aus mir wos wued. Und seitdem wor ich immer blos amol kurz da, wenns hoach kümmt amol a poor Tooch hinnerenanner, des hässt, dan gröaßte Teil vo mein Lawe war ich gor net dahäm. Ower vom Gfühl har hob ich in Wasserloase wos gehot, ohne dass des mir in mei Gedanke war, öbbes wos Viele süche und seltn fine, nämlich a „Heimat“. Nit dass ich persönlich die nit a woanersch gfuna hob, ower da wo mer gebuern is, wu mer es erschte mal nei die Welt geguckt hat, des is noch amol anerschter. Des is wie wenn des Durf dir bei dei Geburt scho wos neigeimpft hat, direkt nei dei Erbgut, dass de quasi häufich gezwunge bist, da immer mal wieder hizufoahrn. Und monchmol föhrscht du auf der Autobahn vo Südn nach Nordn und auf ämal meichst du en Schlenker, bei Rütschehause ro, durch Graßelt bis nach Wasserloase, bleist an Moment owe uf die Höha stiehn und guckst äfach blos no. Da föhrt´s dir dann richtich nein Koupf und du denkst dra wie des früher sou woar. Nacher fährschte langsam durch´s Durf, meichst des Fenster auf und schnupperscht die Luft – und inhalierscht wieder a Dosis „Heimat“.

Is oich aufgfalle dass es für „Heimat“ kä Wurd im Dialekt geit? Es geit nämlich käns, wos des sou beschreibt, und es is ja wahrlich a e schües Wurd. Es beschreibt ja äfoch des Gfühl wos mer hoat und des kann mer gor nit anerscht ausdrück, weil Heimat is a innichs Gfühl, sou ganz tief in dir dinn im Bauch, sou warm, wie wenn du grod an Taller Linsesuppe gesse hast. „Dahäm“ dageiche iss wiedr wos annersch, des is äfach, dass mer da is wu mer garn wohnt.

Die Heimat is wos besondersch, des wäß mer und die wird daswache a in viele Lieder beschriewe und besunge. Wenn mer selwer grod in der Heimat is, merkt mer sou direkt nix. Ower sobald du fuet bist, nacher kümmt des Gfühl uf ämol ganz stark zu dir, sou ähnlich wie Bauchwertich, sou wie wenn du zu wenich Nährstoffe hätt´st im Körper, obwohl du gsund bist. Und jetz grod im Winter frierscht du a viel leichter, wenn du fuet muesst, weil dir die Wierm vo dara Heimat fehlt. Wer also kä Heimat hat, oder da nit hikonn, is also quasi krank. Und weil´s in dara Welt sou viel Loit geit, die nit in ihr Heimat sei könne, is also a groaßer Täl vou dara Welt krank. Dabei könnt die Heimat überool sei, da wo du geburn bist, da wu die Loit sen mit dare du dich verstähest, da wo dei Familie is und wu du eigebunne bist in sou a Gflecht mit annere Mönsche und ihr wos gemeinsam mocht. Des wird än ower a grad wieder ou Weihnachte bewusst, wu jeder ächentlich dahäm sei söllt. Und wenn´s daus ganz kalt is und du guckst zum Fenster naus nein Schnie und mirkst, wie dei Bauch ganz warm is, sou wie wenn du grod a Wirmflöschle drauf geleicht hätt´st, dann isses vielleicht des Heimatgfühl.

Es geit ja des Lied: „Heimatlos sind viele auf der Welt, heimatlos und einsam wie ich“. Ja, mer hat scho a groaße Sehnsucht nach sei Heimat und viele reide davo wie´s is wenn mer känne hat oder grod nit dahäm sei kann. Ich kenn scho Einiche, die höm sofort es Wasser in die Ache wenn sa blos ou Dahäm denke oder blos die Sprach hörn. Stell dir vür du wärscht a Flüchtling, irchendwu in dara Welt, hätt´st du nit a souwos wie Hämkrankert, wärscht einsam und dir wär blos nou zum hoila? Vielleicht sölle mir, die wo in ihrer Heimat senn, jetz grod o Weihnachte a da dro amol denk. Und vielleicht könne mer a, bei dara Gelachehät, irchend jemand a bissle Heimat geb.

Wasserloase is a Dürfle wie viele annere a, nit schüenner, nit gröaßer, awer für mich halt immer nou wie mei Heimat. Und daswache mueß ich äfach immer amol har kumm, wenn ich die Familie besüch, die wu nou da wohnt, oder muess auf a Festla, wenn ma wieder äns is. Und ab und zu will ich a blos a poor Mönscha sah die ich nou kenn und garn mouch.

Und Loit, wenn amol wieder a Auto langsam durch Wasserloasa durchföhrt, wenn des Auto net amol hält, a wenn´s scho Nocht is und wenn änner die Scheibe rokurbelt und sein Rüesl raushengt: es könnt jemand sei, dar äfach ma wieder a bissle „Heimat“ schnupper will.

fa201203

Chronische Ohrknorpelvitalititis (Covit 20)

Chronische Ohrknorpelvitalititis (Covit 20)

Covid 19 gibt es jetzt schon seit etwa einem Jahr, aber Covit 20 ist eine neue pandemische Erkrankung und doch ist sie weltweit noch nicht ausreichend beschrieben. Ich habe sie bei meinen Untersuchungen gefunden und habe als Entdecker nun das Recht, dieser Krankheit einen prägnanten Namen zu geben, damit man jetzt und auch in der ewigen Zukunft weiß, wovon man redet. Und immer wird die Beschreibung mit mir verknüpft, so wie die seltenste neue Pflanze im Dschungel oder die winzige neuentdeckte rosa Beutelratte auch nach ihrem Entdecker benannt wird.

Erst war es mir gar nicht gleich aufgefallen, dafür kam das Licht aus dem verkehrten Winkel, aber nach einer kleinen Körperdrehung fiel mein Blick wie gebannt auf die Beiden. Sie wurden jetzt quasi von hinten beleuchtet und waren, das war das Faszinierende, sogar leicht durchscheinend trotz eines kleinen Geflechtes von roten Äderchen. Wie leicht hätte ich es schon früher entdecken können, ja müssen, denn Gelegenheiten dazu gab es genug. Aber es braucht halt immer ein zufällig anmutendes Zusammenfallen von verschiedenen Faktoren. Und wenn wirklich alles passt, dann kommt es, wie hier, zu einer großen wissenschaftlichen Entdeckung. Hier war es wirklich die Pandemie in Deutschland, welche Zeit und Muse schenkte, und jahreszeitlich bedingt der „black friday“ bei Mützel in Euerdorf. Es klingt banal, aber das muss erst einmal so zusammenkommen.

Da ich also Zeit hatte, fuhr ich nach Euerdorf, um mir wie gewohnt ein Schnäppchen zu angeln. Ich suchte verschiedene Klamotten in meiner passenden Größe aus und steuerte auf eine Umkleidekabine zu. Wegen der Pandemie musste eine Atemmaske getragen werden. Ich öffne den Vorhang, hänge die Hemden an den angebrachten Hacken und fange an mein Hemd aufzuknöpfen, um meine gesammelten Schätze anzuprobieren. Da erstarrt meine Bewegung, da erstarrt mein Blick im Spiegel und wie gesagt, nach einer kleinen Körperbewegung wird das schon fast krankhaft wirkende Ausmaß der Veränderung sichtbar. So, als hätte das Scheinwerferlicht nur darauf gewartet, lässt es die vorher weltweit noch nie beschriebenen Veränderung – ausgelöst durch Corona und die Pandemie – jetzt, ins rechte Licht gerückt, nahezu hyperplastisch sichtbar werden. Die „Lell-Ohren“.

Die „Lell-Ohren“, das haben meine weiteren Forschungen in dieser Sache ergeben, zeichnen sich aus durch ein akutes seitliches Wegstehen der Ohrmuschel zur Seite bis zu einem Winkel von 90 Grad und in schweren Fällen sogar darüber. Diese Erkrankung tritt vor allem bei den Menschen auf, deren Ohren zeitlebens nahe an der Schläfe standen und nun wie in einer abstrusen Verrenkung zur Seite stehen. Allerdings wurde dieser Zustand im Zusammenhang mit Corona noch nie beschrieben und scheint eine, immer häufiger auftretende, Spätfolge zu sein.

Die Erklärung für diese Erkrankung zeigt sich nach kurzem Nachdenken und unter Einbeziehung aller wissenschaftlichen Deutungen sehr schnell. Durch das häufige Tragen von Gesichtsmasken, deren Haltegummi um die Ohren geführt wird, leidet der Ohrknorpel in unerträglicher Art und Weise. Je nachdem wie fest der Gummizug eingestellt ist, werden die Ohren mehr oder weniger gebogen. Die Erkrankung ist erkennbar an dem beidseitigen Abstehen der Ohrmuscheln; gleichzeitig ist zu befürchten, dass durch den Gummizug die ohnehin nur mäßige Durchblutung des Knorpels weiter leidet und das Ohr insgesamt Schaden nimmt. Die weiteren Spätfolgen für die „Lell-Ohren“ können noch nicht genau beschrieben werden, da die Menge an Durchblutung mit der Dauer der Einschnürung exponentiell abnimmt. Möglicherweise kommt es dann zu einer heftigen Verfärbung der Ohren und der Verdacht liegt nahe, dass so ein Ohr dann nicht mehr zu retten sein wird.

Ich bin mir sicher, dass diese Entdeckung jetzt jede Menge Geld aus verschiedenen wissenschaftlichen Stiftungstöpfen für die weitere Erforschung des gemeinen „Lell-Ohres“ freisetzt. Bislang scheint schon sicher, dass Ohren, an denen in der Kindheit oft gezogen wurde, eine Art Resistenz entwickelt haben und somit nicht so anfällig für das „Lellen“ sind.

Wir dürfen auf weitere Ergebnisse gespannt sein. Sicherlich wird diese durchaus kontrovers diskutierte Krankheit auch bei den nächsten Querdenker-Demos auf Plakaten auftauchen: „Schluss mit den Lell-Ohren“ oder „Mein Lell-Ohr gehört mir“ oder „Lell-Ohr-Wahnsinn sofort stoppen“ und auf einem Plakat der politischen linken Seite würde stehen: „Lell-Ohren sind ekelhAFD“. Zur Beruhigung aller sei aber gesagt, dass inzwischen schon an einem Impfstoff gearbeitet wird, der die Immunität des Ohrknorpels lebenslang erhält. Da kann dann nichts mehr passieren.

Inzwischen wurde der wissenschaftliche Name der Erkrankung in die internationale Klassifikation (ICD10) der Krankheiten im Kapitel VIII (Erkrankungen des Ohres) aufgenommen mit dem Namen „Covit a 20“ „chronische Ohrknorpelvitalititis albina, entdeckt 2020“.

Ich bin mir sicher, man wird noch viel davon hören.

fa201201

Vegane Einladung

Vegane Einladung

Ich habe festgestellt, dass veganes Essen sehr gut schmeckt und im Vergleich zum „normalen“ Essen auch gesund ist. Allerdings kann ich mich noch nicht dauernd damit ernähren und büchse immer noch oft aus in die Welt der hochkalorischen und fetthaltigen Speisen. Und manchmal braucht man das auch. Nur blöd, wenn man gerade zum Essen eingeladen ist in einer WG, in der überwiegend vegan gekocht wird.

Wir haben unsere Tochter besucht, waren mit dem Wohnmobil hingefahren und am Abend sollte es ein veganes Essen mit ihrer gesamten WG geben. Irgendwie konnte sich mein innerer Schweinhund nicht so ganz darauf einlassen, einfach aus Angst zu verhungern, und so beschloss ich, mir zur Beruhigung meines Gemütes, zwei Wiener Notwürstchen, die wir am Nachmittag gekauft hatten, mitzunehmen. Ich hatte mir gedacht, dass ich die einfach zum veganen Essen dazu verschlingen könnte. Auf dem Weg kamen mir jedoch Zweifel, ob es sinnvoll sei, eine vegane Küche mit ordinärem Essen so offensichtlich zu entweihen, und um Diskussionen vorzubeugen, versteckte ich die Würstchen geschickt handflächenseitig im rechten Hemdärmel, so dass nur noch die beiden Zipfel herausschauten. So dachte ich, könnte ich immer mal während des Essens heimlich in die Wurst beißen.

Nach dem Eintreffen bat mich unsere Tochter, doch eine Kiste vom Schrank zu heben, damit wir diese später mit nach Hause nehmen konnten. Leider rutschte beim Ausstrecken der Arme eines dieser Würstchen im Ärmel nach hinten und blieb etwa ich Achselhöhe stecken. Da das Essen nun auch direkt startete, konnte ich dieses Missgeschick, ohne aufzufallen, jetzt nicht beheben. Und so schlummerte das Wienerchen in der warmen Achselhöhle, kitzelte bei jeder Bewegung an den Härchen und ich meinte auch schon, direkt einen leichten Duft nach Wiener Würstchen zu registrieren. Der Geruch wurde jedoch übertönt von einem Dampfgeruch aus Gemüse, Linsenbolognese, Cous-Cous, Tomaten-Quiche und veganen Grünkernburgern, der wie eine Glocke in der Küche hing und meinen „Wiener-Körpergeruch“ an Stärke übertraf.

Jedes Mal, wenn ich mich am Kopf kratzte, konnte ich nun ein Stückchen von der Wurst abbeißen und war versucht zu kichern, da genau in diesem Moment, durch die Armbewegung, der Wurstzipfel in meiner Achselhöhle kitzelte. Danach schob ich heimlich die Wurst etwas im Ärmel nach vorne und war bereit für den nächsten Bissen. Und wieder die Kettenreaktion: Kopfkratzen, Wurst beißen, Achselhöhle kitzeln, Wurst nachschieben. Hätte man mich genau beobachtet, so wären meine eigentümlichen Bewegungen beim Essen sicher aufgefallen und man hätte wegen des häufigen Kopfkratzens sicherlich ein juckendes Ekzem auf der Kopfhaut vermutet oder zumindest einen starken Schuppenbefall. So aber war allgemein eine rege Diskussion über die Vorteile der veganen Ernährung im Gange, so dass mein Verhalten keine Aufmerksamkeit erregte. Auch ich warf in die Runde, dass ich vegane Ernährung zu schätzen gelernt hätte und ich vor allem über die Schmackhaftigkeit der verschiedenen Gerichte sehr überrascht sei. Und veganes Essen würde, entgegen meiner früheren Vorstellung, auch satt machen, denn das sei früher immer meine Angst gewesen. Dies konnte ich nun halbwegs guten Gewissens sagen, da ich zumindest eines der Würstchen inzwischen komplett und heimlich aufgegessen hatte und sich doch schon ein Sättigungsgefühl einstellte. So verging der Abend mit weiteren Diskussionen, ich musste mich nicht mehr kratzen und der Ärmel war leer.

Nur beim Nachtisch auf Sojabasis mit Heidelbeeren musste ich meinen rechten Arm eng an den Körper pressen, da das Würstchen, wahrscheinlich durch die aufkommende Transpiration durch die Verdauungswärme, jetzt doch ins Rutschen kam und weiter nach unten wandern wollte und somit als Abdruck unter dem engen Hemd zu sehen gewesen wäre. Doch alles ging gut und nach einigen Stunden machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Wohnmobil. Das Würstchen in der Achselhöhle war inzwischen wahrscheinlich durchgegart, trotzdem ließ ich es jetzt geschickt und unmerklich neben dem Gehsteig auf den Rasen gleiten. Was für ein leckeres Essen für den ersten Hund, der in wenigen Stunden hier Gassi gehen würde.

Am nächsten Morgen, beim Herrichten des Frühstücks bemerkte meine Frau, dass von den insgesamt vieren Wiener Würstchen, doch zwei fehlen würden.

„Ja, ich hätte am Nachmittag so einen Hunger gehabt“, bemerkte ich.

„Ach, dann ist ja gut“, sagte sie zu meiner Überraschung.

Das wunderte mich jetzt doch sehr, da ich normalerweise mit Vorhaltungen gerechnet hätte, wenn ich vor dem Essen noch fette Würstchen verspeise. Warum es gut war merkte ich auch sofort als mein Blick auf die Verpackung fiel. Was stand da? „Wiener Würstchen“ und in Großbuchstaben, quer über die Verpackung: „VEGAN“.

Ich sagte nichts mehr, weil mir quasi die Würstchen die Sprache verschlagen hatten, aber ich war doch sofort froh, ein komplettes veganes Essen zu mir genommen zu haben, ohne rückfällig geworden zu sein. Ein gutes und gesundes Essen war das gewesen, eben vegane Ernährung.

Ja, diese Stärke hat nicht jeder.

fa201123

Der arme Poet und die Finanzwelt

Der arme Poet und die Finanzwelt

Ich bin zwar kein Poet, auch kein armer Poet, und wahrscheinlich auch nicht annähernd ein Schriftsteller. Trotzdem habe in diesem Jahr schon fünfzig Kurzgeschichten geschrieben. Meiner Frau gefallen diese Geschichten und einigen anderen Lesern auch. Anderen Menschen mit einer Art Kunst zu gefallen ist auch schon etwas Wertvolles, also fragte ich meine Frau, wie ich diese Kunst wohl in bare Münze umsetzen könne. Viele Schriftsteller und Künstler werden normalerweise erst posthum sehr bekannt, das wäre mir persönlich fast ein wenig zu spät. Da ich ja jetzt auch schon im fortgeschrittenen Alter bin und es in meinem Leben wahrscheinlich nicht  mehr schaffen werde, in den Bund der großen deutschen Schriftsteller aufgenommen zu werden, kam mir jetzt die Idee, den sicher von meiner Frau posthum veröffentlichten Kurzgeschichtenband jetzt schon in geldliche Auszahlungen umzusetzen, auch wenn es hoffentlich noch einige Jahre dauert, bis das „posthum“ beginnt.

Also sprach ich zu meiner Frau: „Schau mal, wenn du nach meinem Ableben den Band mit den Geschichten veröffentlichst und ihn, sagen wir mal 100.000-mal verkaufst, was ja durchaus möglich ist, dann könnte ich ja jetzt schon, wenn ich nur 10 Cent pro Buch als Vorschuss bekomme, direkt 10.000 Euro von dir ausgezahlt bekommen. Und ich hätte auch schon einige gute Ideen, was ich mit dem Geld anfangen könnte“. Meine Frau hat diese Rechnung kurz überschlagen, kam auf dasselbe Ergebnis und war sofort damit einverstanden. Sie war sogar richtig begeistert von dieser Idee und meiner Initiative, also dass ich es schaffe, quasi aus dem Nichts, so einen Haufen Geld zu verdienen, obwohl man nie weiß, wie die Zukunft mal ablaufen wird. In ihrer stürmischen Zustimmung erhöhte sie sogar die Buch-Tantiemen auf 15 Cent pro Buch, so dass sie mir einen Betrag von 15.000 Euro in Aussicht stellte. Man muss wissen, dass meine Frau in unserem ehelichen Arbeitsverhältnis die Buchführung innehat. Ich fand es einfach großartig von mir, dass ich in kurzer Zeit so einen Reibach gemacht hatte und ich fand es natürlich auch klasse, dass meine Frau mich für meinen finanziellen Gewinn so lobte. „Ich finde das sehr gut“, sagte sie, „dass du so fleißig bist und das Geld für die Familie mit nach Hause bringst“. Und ich wüsste ja, wir müssten die Wohnung komplett renovieren, und das wäre genau der Betrag, den sie so kalkulatorisch veranschlagt hätte. Und es wäre ja doof, wenn sie das Geld jetzt von der Bank holen müsste, vor allem da es erst, und das auch nur möglicherweise, in der Zukunft auf das Konto einginge. Also könnten wir doch alles lassen wie es ist, das wäre das einfachste und mit dem geringsten Aufwand verbunden.

Ich finde es wunderbar, wenn Frauen sich in ihren Berufen, Familien und Bestimmungen durchsetzen, vor allem wenn das bei mir so ein angenehmes und belohnendes Gefühl des Gebrauchtwerdens hinterlässt. Ich als Brötchenverdiener der Familie habe in der Zukunft sehr viel Geld verdient und kann das jetzt schon zu Lebzeiten zum Wohle meiner Familie einsetzen, obwohl ich das Geld nie in der Hand hatte und es ja noch nicht mal auf dem Konto ist. Ja, das ist halt genauso wie in der großen Finanzwelt: Mit Geld handeln, obwohl man gar keines hat, das machen die Meisten genauso. Gewusst wie. Und meine Frau weiß wie.

fa201120