Silvester entlang der Zeitzonen
In diesen Tagen ist alles anders, sogar zum Jahresende. Man kann sich nun mal nicht so treffen wie sonst, so feiern wie sonst und so zusammen sein wie sonst und dann muss man auch noch um 21 Uhr zu Hause sein. Wir haben das, glaube ich, gerade so geschafft, zeitlich und auch sonst mit letzter Kraft. Wir wollten gestern gerne mit zwei anderen Freunden zusammen feiern und haben uns deshalb schon am Mittag um 12 Uhr zum Brunch getroffen. Wir haben beschlossen für jede Zeitzone auf das neue Jahr anzustoßen und fingen also um 12 Uhr mit Auckland/Neuseeland an. Genau einen halben Tag voraus ist das Leben dort und wir haben das gebührend mit einem Glas Sekt gefeiert und auf das dortige Neujahr angestoßen. Unser Brunch lief gemütlich mit Lachs, frischen Brötchen, veganem Wurstsalat und Eier mit Schinken und waren dann um 14 Uhr schon in Melbourne/Australien angekommen. Nach drei Zeitzonen lief der Sekt nicht mehr so flüssig die Kehle hinab und wir mussten das Entleeren in mehrere Einzelschlucke einteilen. Aber es ging noch, da wir nach dem Umtrunk um 15 Uhr (Brisbane/Australien) einen kleinen gemütlichen Spaziergang einlegten. Ich hatte dabei das eigentümliche Gefühl, als ob ich meinen rechten Fuß etwas hinterherschleppen müsste, aber schon auf dem Rückweg ging es mir wieder gut und wir beeilten uns, damit wir um 16 Uhr das Silvester in Tokyo/Japan auf keinen Fall verpassten. Es hat funktioniert, es gab Kaffee und Kuchen und zur Abrundung etwas Sake, den jemand von der letzten Japanreise mitgebracht hatte. Dieser Schnaps trank sich, nach der Käse-Sahnetorte und den restlichen Weihnachtsplätzchen, wie Wasser und T. sagte, dass er glaube, sein Magen sei nicht ganz in Ordnung. Sicherheitshalber ging er zur Toilette, hielt sich dort merkwürdig lange auf und ab und zu konnte man Würgegeräusche hören, so als wenn er gerade eine esoterisch-energetische Entspannungssitzung abhalten würde. Er kam recht munter wieder zurück und hielt um 17 Uhr ein kurzes unzusammenhängendes Referat über die chinesische Mauer, da um 17 Uhr Peking auf unserer äthylenischen Reise um den halben Globus stand. Danach …….. danach musste ich einen Moment eingeschlafen sein, denn ich wurde durch ein Klappern geweckt, da der Tisch für das anstehende Racletteessen um 18 Uhr gerichtet wurde. Zuerst schubste ich aus Versehen einen Teller vom Tisch, dann fiel mir mein Sektglas aus der Hand, aber es gelang, mit vereinten Kräften, alle Gläser bis 18 Uhr zu füllen, denn Jakarta/Indonesien wartete schon mit einem Feuerwerk. Ja nun, kein echtes Feuerwerk, aber offensichtlich war das Raclette Gerät zu heiß und jemand hatte sein Fleisch auf der Platte vergessen, so dass durch die Rauchentwicklung der Rauchmelder an der Decke anging. Wie eingeübt schoss T. mit geschlossenen Augen aus seiner noch hähnchenbrustkauenden Stellung und erwischte auf Anhieb den Ausstellknopf des Rauchmelders. Das muss man nach so vielen schon gefeierten Zeitzonen erst mal schaffen. Wir schlugen uns tapfer durch die Platte mit Hähnchenbrust, Rinderfilet und Blutwurst, wobei B. meinte, das sei doch gar keine Blutwurst, sondern ro-ro-rote Beeeetesalat. Sie verschluckte sich mehrere Male, wobei die rote Beete-Blutwurst wieder auf ihrem Teller landete. Im glückseligen Zustand des zu erwartenden neuen Jahres schaffte sie es jedoch, wieder alle Gläser ohne Verlust zu füllen. S. fühlte sich nicht imstande um 19 Uhr Dhaka/Bangladesch zu feiern aber bei Kathmandu/Nepal um 19:15 Uhr war sie wieder in der Runde dabei. Es wurde nun ausgemacht, so langsam wieder die Sachen zusammenzupacken, damit wir bereit waren, wenn unser Abholservice um 20:30 eintraf. Ich nahm einige Sachen aus dem Kühlschrank, wobei mir in dem Moment nicht klar war, ob die Dose Hundefutter von uns war, naja und die Dose Butter hätte aber sicher von uns sein können. Für 20 Uhr stellte ich vorsorglich den Wecker, diese Zeitzone in Islamabad /Pakistan wollte ich auf keinen Fall versäumen, um in diesem Jahr ein letztes Gläschen zu mir nehmen. Zu dieser Zeit vermisste ich meinen einen Schuh und meine Brille war unter den Tisch gerutscht, während T. schon wieder Würgegeräusche auf der Toilette produzierte. Anscheinend hatte sich B. nicht getäuscht, denn jetzt sah auch bei mir die Blutwurst wie rote Beete aus. Und offenbar war die lebendig, denn sie bewegte sich auf dem Tisch hin und her. Den Wecker um 20 Uhr hörte ich aus der Ferne, war aber sofort wieder wach, da mein Kopf für einen Moment in die rote Beete gefallen war. 20:30 Uhr …….. Pause.
Um 24 Uhr hörte ich eine einzelne Rakete; mir war klar, dass ich wieder zu Hause angekommen war. Da auch meine Frau ganz ruhig atmete, machte ich mir nicht mehr die Mühe, wegen des Jahreswechsels bei uns nochmal extra aufzustehen.
09:00 Uhr Neujahr/Deutschland.
T. rief an und beschwerte sich, dass ich nicht nur die Butter, sondern auch den Käse, die Milch, den veganen Wurstsalat und alle restlichen Brötchen wohl mitgenommen hätte. Dafür habe er meine Brille gefunden, eine Socke und der linke Schuh unter dem Tisch wäre auch meiner. Aber er fand, es wäre doch, seiner Erinnerung nach, bis 17 Uhr ein schöner Tag gewesen und er fragte, wann wir denn nach Hause gegangen waren.
Ja, ich fand es auch schön. Eine richtig interessante Zeitreise mit Höhepunkten aller Art, aber scheinbar sehr anstrengend, denn wo sollten meine Kopfschmerzen sonst herkommen. Ich glaube das machen wir nächstes Jahr wieder.
Prost Neujahr!
fa210101
Sehr lustig.Wenn ich auch nicht glaube,dass du Silvester so verbracht hast.Die Idee mit den Zeitzonen gefällt mir.
Mein Silvester war ruhig,besinnlich mit Monika am Kamin.Um Mitternacht sind wir zu den Nachbarn gegangen und haben das neue Jahr begrüßt.
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