Mir Kinner vom Duerf

Mir Kinner vom Duerf

Wos hatte mir für en Spoass früher. Unner Lawe woar im Vergleich zu hoit kärglicher, ower dafür oarch aufrechend. Bei uns woar nit ümmer die Muetter dabei oder hoat uns überoll higfoahrn. Nä, mir sen im Duerf gebliewe und höm unner Programm selwer gemoacht. Und des Wuert „Langeweile“ höm mir a goar nit gekennt, weil unner Lawe sou aufrechend woar. Haustüer auf und naus und dann höm mir uns mit viele annere Kinner do die Zeit vertriewe. Im Gäichetäl, die Muetter woar froah, wenn mir fuert woarn vo dahäm, do hoat se amol a bissla Ruuh gehoot. Blos, wenn dar Voater vo die Arwed hämkumme is, vo die Frühschicht um halwer vier, doa muesste mer ümmer dahäm sei. Doa wollt er sei Kinner zäil, woarscheinlich hoat er bei siewe Kinner scho kän Überblick mehr gehoot. Mir höm öftersch mol die Ranze voul griecht, weil mer vor lauter Spieles die Zeit vergesse hatte.

Mir sen oft nei zum Onkl Paul, wos mei Dout woar und höm doa in dara Schoier gspiielt. Sou a Bauernhouf mit Küh, Katze, Hünd und Hüenner woar e änzicher Abentoierspielplatz, souwos gaits in dara Fuerm hoit nix mer. Ich wäs nit ob dar Dout des elles überhaupt wäs, wenn er des liest, ower es mäicht nix, is ja scho lang har. Üm nei die Schoier zu kumme, muesste mer erscht amol a poar Hüerde überwind. Des alte Houftor woar mästens abgschloasse. Des woar für mich überhaut kä Problem, weil klatter konnt ich wie e Äffle und für die annere hob ich die Pfuerte vo inne aufgemocht. Die näxte und gröaßte Prüfung woar dar Huundsköter. Ich wäss sein Nome nix mer, könnt ower Hasso gewaast sei. Ar woar klä, stämmich, struwelich und mueds wild und ar woar links im Houf o sou a Laufkäite ogebunde. Sou hoat dar dan ganze Houf beherrscht vo owe bis unne. Wenn mer ower rachts ganz seitlich gelaffe is, do wu dar Miist woar, is mer grod sou vorbeikumme und oft genuch is mer a nei die Sudde getraate, wenn er än grod amol wieder ospring wollt und mer vor lauter Angst nou a kläns Schrittle, zu die Seite nein Mist, gemoacht hoat. Dan Hasso sei Gsicht woar sou noah, dass mer direkt sein Atem obgriecht hoat und sei bluetunerlaffene Aache gsahn hoat. Wenn er jetzt gegauzt hoat, es woar ower mehr sou a ganz wilds Gekläff, do hoat er än richtich voulgspäzt. Ich hob ne öftersch amoal die Zunge rausgeleckt, weil ich gewüsst hob, ar griecht mich nit. Nit ümmer höm mir uns vorbeigetraut, weil du hoast nie gewüsst, ob dar nit doch amol e noie Käite griecht hoat. Wenn du om Mist vorbei woarscht, konnste dich rachts halt bis zum Stool und hattst dan Hundsköter gschafft. Jetz biste soufurt belohnt woarn. Unte im Houf woar sou e alts Foos mit e Ausloaßventil gstanne und des woar voul vo Zuckerrüewesirup. Dar woar nit für uns Kinner gedoacht, sondern dan Sirup höm die Kölwli griecht, damit se besser woasse. Ich hob mir jedesmol a Haand voul rausgeloasse, weil ich wollt ja a nou gröasser war. Obwohl ich viel dovo gschluckt hob, sen die Kölwli ümmer schneller gewoase wie ich. Trotzdem woar des e Genuss und es hoat e Zeit gedauert, bis du die Haand wieder sauwergeleckt hattst. Wenns schneller gia sollt, bist de direkt nei zu di Kölwli und die höm des einwandfrei und in kurzer Zeit mit ihrer pelziche Zunge sauwergschlabbert.

Jetz isses nein Freizeitpark gange, nei die groaße Schoier mit dare Maschine, dan ganze Stroah und dan Hoi wos doa rümgelaache is. Unte konnste Versteckeles im Stroah spiel. Da hom mir Höuhle und unterirdische Geng gebaut. Rachts is e Tröppe nauf en Zwischeboude gange, do woar die Ruewemühl und wenn de ouwe Ruewe neigschmisse hoast, sen unte in der Koammer die Schnitzeli nei die Wanne gfalle. Die Küh hattes guet, Rueweschnitzel und Sirup, des höart sich noch a Festesse o. Do woar a känner do dar gsocht hoat: „Poasst uf die Finger auf!“ Weil mäst woarn mer alää, wenn mer die Mühl und dan Keilriema ogschmisse höm, weil do der Onkel und die Tante daus en Acker woarn.

Vo dann Boude is die Lätter weiter noch ouwe gange bis unner es Dooch und do ouwe woarn die mäste Stroahbüschel gsatze, genausou wie unta uff en Boude. Wos sen mir vo do ouwe rogsprunge, unte nein Stroah oder nein Hoi, mit und ohne Salto. Des woarn scho a poar Meter. Mir höm Wettbewerbe gemoacht – hoit säicht mer Tschällensch – und jeder wollt ümmer vo weiter ouwe rospring. Wenn de des mit die Aache vo hoit oguckst, woar des scho teilweise gfährlich. Doamols hattste ower kä Angst und grod daswache is a nie wos passiert, nit amoal wenn mer freihendich ouwe üwer die Querbalke gelaffe sen. Des woar sou a Oart Mutprobe. Wos hom mir ausgsahn donoach, üweroll Stroha in die Kläder und des hoat die ganze Nocht gekratzt, weil früher hoat mer sich nit unbedingt gewöscht wache sou a bissle Stroah oder Staab. Mästens hoats am Somstich gelangt.

Ja, mir hatte unner Fräd und Freizeitbeschäftigung, die Kölwli hatte ihr Rueweschnitzel und Sirup, blos dar Hasso hoat sich geärchert, weil ar konnt nie än nein Oarsch gebeiß. Des hätt dar zu garn gemoacht. Und dar Doit wüed sich frähn, weil damals nix passiert is bei unner Abentoier in dara Spielschoier.

Fao211128

Coronaimpfung ist wichtig!

Coronaimpfung ist wichtig – Ein Aufklärungsskript

Die Lage bezüglich Corona und der wichtigen Bekämpfungsmaßnahmen ist sowohl bei uns als auch weltweit immer noch aggressiv angespannt. Tagtäglich erlebe ich, dass ein gewisser Teil der Menschen lieber irgendwelchen Videos und Fakenews auf den einschlägigen Kanälen glaubt, als anerkannten Wissenschaftlern, die weltweit zu einer gemeinsamen Einschätzung der Lage kommen: die Impfung und auch die jetzt dringend durchzuführende Boosterimpfung sind wichtige Elemente in der Bekämpfung der Pandemie.

Für die Entwicklung des Impfstoffes wurde viel Forschungskapazität und Geld freigemacht. Durch den hohen Druck der sich entwickelnden Pandemie, wurden die Entwicklungsstufen überlappend durchlaufen und somit die Fertigstellung des Impfstoffes zeitlich entscheidend verkürzt, ohne dass die Sicherheit und die Qualität darunter gelitten haben. In den Kontrolluntersuchungen zeigte sich sehr schnell, dass in der Placebogruppe (ungeimpft) sehr viel mehr Menschen erkrankten als in der geimpften Gruppe.

Viele Menschen haben Angst vor genbasierten Impfstoffen, die Nukleinsäuren wie DNA oder RNA enthalten. Diese führen innerhalb einer Zelle, also nicht im Zellkern, zu einer Proteinbiosynthese (Herstellung) von Antigenen. Genetische oder genbasierte Impfstoffe umfassen also DNA-Impstoffe, RNA-Impfstoffe und virale Vektoren.

Vektorimpfstoffe (Astra, Johnson)

Vektorimpfstoffe enthalten den Bauplan für einen Bestandteil des Virus. Dieser Bauplan wird im Reagenzglas künstlich hergestellt und besteht bei Vektorimpfstoffen aus DNA. Im Fall der Covid-19-Impfung trägt der Bauplan die Anleitung für das Spike-Protein des Coronavirus. Dieses Protein bedeckt die Oberfläche des Virus wie Stacheln und ist daher gut für unser Immunsystem erkennbar. Beim Vektorimpfstoff werden die DNA-Stücke in veränderte Adenoviren, die für den Menschen harmlos sind, eingepackt, damit der Bauplan in die Körperzellen gelangen kann. Nachdem der Impfstoff in den Muskel gespritzt wurde, dringen die Adenoviren in unsere Zellen ein und übertragen den DNA-Bauplan in den Zellkern. Zelleigene Proteine schreiben die DNA anschließend in mRNA um. Die mRNA dient dann den Ribosomen außerhalb des Zellkerns als Vorlage für die Produktion der Spike-Proteine. Die Spike-Proteine werden anschließend zur Zelloberfläche transportiert und sind somit für die Immunzellen erkennbar. Das Immunsystem wird dadurch aktiviert und es werden beispielsweise Antikörper gegen das Spike-Protein produziert. Zudem wird im Immunsystem eine Erinnerung hinterlegt, welche die Person bei einer erneuten Infektion vor dem Virus schützt.

mRNA-Impfstoffe (Biontech, Moderna)

Die mRNA-Impfstoffe enthalten den Bauplan für einen bestimmten Bestandteil des Virus. Dieser Bauplan wird im Reagenzglas künstlich hergestellt und besteht aus mRNA. Im mRNA-Impfstoff wird die mRNA zu ihrem Schutz in eine Hülle aus Fetten (Lipid-Nanopartikel) eingepackt, damit sie in Körperzellen gelangen kann und nicht sofort wieder abgebaut wird. Die Körperzellen nehmen die mRNA auf, lesen den Bauplan ab und produzieren das Spike-Protein. Dieses wird anschließend auch wieder an die Oberfläche der Zelle transportiert und von den Immunzellen erkannt. Das Immunsystem wird dadurch aktiviert und es werden Antikörper gebildet.

Sowohl bei mRNA-Impfstoffen als auch bei Vektorimpfstoffen wird der Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus in die Zellen eingeschleust. Die beiden Impfstoffe unterscheiden sich bei der Art des Bauplans (RNA bei mRNA-Impfstoffen, DNA bei Vektorimpfstoffen) und bei der Umhüllung (Fetthülle bei mRNA-Impfstoffen, Adenovirushülle bei Vektorimpfstoffen). Das Genom wird hierdurch überhaupt nicht verändert.

Totimpfstoffe

Die Totimpfstoffe, welche in der Coronaforschung gerade getestet werden, enthalten das komplette SARS-Cov-2-Virus, in diesem Fall jedoch inaktiviert. Im Vergleich zu den oben beschriebenen Impfstoffen, die nur auf das Spike-Protein abzielen, löst ein Ganzvirusimpfstoff eine breitere Immunantwort aus. Die Immunantwort richtet sich dann nicht nur gegen das Spike-Protein, sondern gegen weitere Viruskomponenten. Bei einer breiteren Immunantwort geht es nicht nur um die Bildung von virusneutralisierenden Antikörpern, sondern auch um die Stimulation anderer Komponenten des Immunsystems, insbesondere der T-Lymphozyten. Theoretisch ist eine breitere Immunantwort von Vorteil. Ob das in diesem Falle wirklich einen besseren Schutz vor der Erkrankung vermittelt, müssen die klinischen Studiendaten und Post-Marketing-Untersuchungen zeigen. Damit die Immunantwort des Körpers stärker ausfällt, werden hier Wirkverstärker (z.B. Aluminiumhydroxid) eingesetzt werden. Wirkverstärker sind schon bei vielen anderen Impfungen wie Tetanus, Diphtherie, Influenza, Hepatitis B u.s.w. bekannt.

Nebenwirkungen

Impfreaktionen treten direkt im Anschluss an eine Impfung auf und dauern meist nur einen Tag. Sie sind Zeichen einer Immunreaktion des Körpers und deshalb unbedenklich.

Das Risiko einer schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkung (Nebenwirkung) nach einer COVID-19-Impfung ist sehr gering. Auch Spätfolgen beziehungsweise Langzeit-Nebenwirkungen sind sehr unwahrscheinlich, denn die meisten Nebenwirkungen treten in der Regel innerhalb weniger Tage bis maximal einige Wochen nach der Impfung auf. Langzeitfolgen, die sich erst Jahre später zeigen, sind bei bisherigen Impfungen nicht bekannt und auch bei den Corona-Impfstoffen nicht zu erwarten.

Gründe um sich impfen zu lassen

Im Gegensatz zur Impfung wird bei einer Coronainfektion die gesamte RNA des Virus in die Zellen übertragen und dort vermehrt. Man kann sich leicht vorstellen, dass dies zu viel massiveren Veränderungen und einer stärkeren Erkrankung des Körpers führt und man sollte deshalb vor der Erkrankung viel mehr Angst haben als vor der Impfung. Es gibt Modellstudien, die zeigen, dass ohne die bereits durchgeführten Coronmaßnahmen und Impfungen bereits Millionen von Menschen an dieser Pandemie gestorben wären.

Deshalb:

Vorbeugung ist besser als Erkrankung

Auch junge Menschen können schwer an Covid-19 erkranken

Coronaimpfstoffe sind sicher und haben eine hohe Wirksamkeit

Die Impfung birgt weniger Risiken als eine Covid-19-Infektion

Mit der Impfung schützt man sich und vor allem auch die Mitmenschen

Die Impfung wird weltweit als ein Baustein in der Pandemiebekämpfung angesehen

Impfung entlastet unser Gesundheitssystem

Fao211203

Wellengangserotik

Wellengangserotik

Es gibt Menschen, zu denen ich auch gehöre, die Bewegungen auf Schaukeln, auf Schiffen oder auch im Auto gar nicht gut vertragen. Dies nennt man „Reisekrankheit“ und es geht einher mit Blässe, Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen. Auch ich habe diese Krankheit und musste in der Kindheit, das Schaukeln oder Autofahren, immer mit Erbrechen bezahlen. Ich habe viel geschaukelt, also habe ich viel erbrochen, das war es mir wert. Wenn ich heute aber selbst am Steuer sitze, ist dieses Problem kaum vorhanden. Ich habe deshalb den Bootsführerschein gemacht und es ist alles gut gegangen.

Wir hatten das Boot nach Kroatien mitgenommen und hier mit unseren Kindern und mit den anderen Familien, die auch dabei waren, wundervolle Touren gemacht. Wir hatten viel Spaß, aber durch die Kinder auch eine Menge Trubel und so haben wir, meine Frau und ich, uns nach ein wenig Zweisamkeit gesehnt. Dies war in der Hütte, oder auch am Strand und vor allem in der Gruppe nicht durchzuführen und so beschlossen wir, mit unserem Boot, ein größeres Schlauchboot mit einem 6-PS-Motor, hinaus auf die See und in die gewünschte Einsamkeit zu fahren. Es sollte eine schöne Stunde werden, deshalb hatten wir auch eine Flasche Wein und Gläser mit eingepackt. Gesagt, getan und so tuckerten wir, gegen den Widerstand der Kinder, allein zu zweit mit unserer eigenen Luxusyacht hinaus in die seichten Wellen, und zwar so weit, dass wir nicht mehr gehört und auch gar nicht mehr so genau gesehen werden konnten. In einer Entfernung vom Ufer, die mir sicher genug schien, stoppte ich den Motor, um mich allmählich dem erregenden wellenförmigen Auf und Ab des Meeres hinzugeben. Wir öffneten die Flasche Merlot, schenkten uns zwei Gläser davon ein und nach einem erwartungsvollen „Prost“ ließen wir uns auf den mit Teppich ausgelegten Boden des Bootes hinabsinken und waren, abgedeckt vom Bootsrand, somit vom Ufer aus nicht mehr zu sehen.

Eine zittrige wellenförmige Erregung in den Zehen, ein Gefühl wie Ameisenlaufen und Durchblutungsstörung gleichzeitig, ließ mich innehalten und veranlasste meine Füße zu einem unwillkürlichen Zucken. Meine Frau schaute mich freudig und gleichzeitig erwartungsvoll an: „Na, du bist ja schon ganz schön in Fahrt“! Ich konnte ihre Worte verstehen – doch irgendwie nur wie durch Watte – und konzentrierte mich voll auf meine Beine, die ebenfalls anfingen wie ein Vulkan zu beben. Die wellenförmige Erregung hatte jetzt auch meinen Unterleib erfasst und für einen kurzen Moment verglich ich die gespürte Erregung mit meiner erwarteten erotischen Erregung und stellte fest, dass sich in unserem Liebesspiel ein großes Störfeld anbahnte. Als auch der Magen mit einbezogen wurde entrang sich mir ein Stöhnen, das so gequält klang, dass es nicht mehr als lustvoll bezeichnet werden konnte. Abrupt richtete ich mich auf, um meinen Blick an dem feststehenden Horizont auszurichten. Es gelang mir, meine Bewegungssensoren etwas zu stabilisieren und ich wusste, dass wir immer noch, wahrscheinlich von der gesamten Gruppe, beobachtet wurden, hatten wir doch unsere erotische Stunde „on the sea“ so wortreich und blumig angekündigt, dass alle Erwachsenen neidisch waren und schon Pläne schmiedeten, wann sie wohl selbst mit dem Boot hinausfahren könnten. Ich ließ mich also erneut auf den Boden gleiten und zog meine Frau erwartungsvoll mit hinunter. Sie meinte wahrscheinlich immer noch, ich hätte mir für diese, besondere Stunde eine Art neues „Liebesspiel“ ausgedacht. Kaum war ich wieder waagrecht auf dem schaukelnden Boden, gab es eine Art Explosion in meinem Magen. In meinen Augen erschienen bunte Kringel und meine innere Schaukel schleuderte hin und her. Die vulkanische Eruption kam so plötzlich, dass ich meine Frau nur noch zur Seite schieben konnte und mit extatischem unlustvollem Erguss den Fischen Kroatiens einen kulinarischen Hochgenuss in Form von halbverdautem Cevapcici und Diuvecreis zukommen ließ. Die Fische waren froh, meine Frau nicht so, dennoch entdeckte ich in ihren Augen auch Verständnis, ob des unerwarteten Verlaufes. Nach einer Weile hatten wir uns beide wieder beruhigt, es gelang mir den Motor zu starten und wir tuckerten gemächlich wieder in den kleinen Hafen. Auf der kurzen Rückfahrt erholte ich mich schnell und setzte mein Siegerlächeln auf, um allen Beobachtern zu beweisen, wie großartig die letzten Minuten gewesen waren. „Warum ich so blass wäre“? wurde ich von einigen Neugierigen gefragt. „Naja, ich strenge mich halt an, wie ich es immer mache, meine Herren“! Damit waren alle zufrieden und bis zum Ende des Urlaubs auch meine Frau.

Fao250921

Männer sind so romantisch

Männer sind romantischer als Frau denkt

Jeder Mann hat folgenden Satz von seiner Frau oder Partnerin schon einmal gehört:

„Sei doch mal ein bisschen romantisch!“

So, als ob die Frauen generell wüssten, was Romantik ist und wir Männer nie was damit zu tun hatten. Ich habe das von meiner Frau auch schon gehört, obwohl ich mich für ein besonders romantisches Exemplar der Gattung Mann halte.

Aufgrund des wiederholten Vorwurfes, Männer leiden an Romantiklosigkeit, habe ich mich jetzt mit dem Begriff „Romantik“ in der Literatur beschäftigt. Und, um es kurz zu machen, ich und viele andere Männer, wir sind sehr romantisch, auch wenn die Frauen das nicht so sehen und wir vielleicht eher „Spätromantiker“ sind.

Unter Romantik versteht man einen emotionalen Zustand, der in engem Zusammenhang mit Liebe, Gefühl und Sehnsucht steht. Und in den Dating-Foren zählen folgende Dinge als besonders romantisch: Lieblingsblumen einfach so als Aufmerksamkeit schenken, das Lieblingsessen kochen, Lieblingssachen (Essen, Musik, Kleider, Künstler) merken, fragen wie der Tag so war und seine Gefühle in Gedichtform ausdrücken.  Wenn man das also weiß, ist es für uns Männer gar nicht mehr schwierig, romantisch zu sein.

Also habe ich einen Feldversuch unternommen. Ich bin am Morgen früher aufgestanden, habe Brötchen beim Bäcker geholt, den Tisch gedeckt, Kaffee gemacht und ihr eine Tasse dampfenden Kaffee ans Bett gebracht. Das fand meine Frau sehr außergewöhnlich und sie war den ganzen Tag sehr nett zu mir, fast schon ein bisschen zärtlich.

Beim nächsten Versuch habe ich eine Steigerung eingebaut, denn in der Romantik gehören auch gereimte Verse als Stilmittel dazu. Also habe ich wieder Frühstück gemacht und ihr einen Zettel mit einem auf den Teller gelegt:

„Während du schliefst, habe ich Kaffee gemacht und die ganze Zeit an Dich gedacht“.

Meine Frau war sehr, sehr begeistert und erzählte am Telefon allen ihren Freundinnen, dass ich auf einmal so romantisch wäre und dass ihr das ja ganz toll gefalle und sie hoffe, dass dies noch lange anhält.

Ich war jedoch noch nicht am Ende mit meiner Studie und begann die nächste Stufe der Romantik zu erklimmen. Ich machte wieder Frühstück, holte ihre Lieblingsbrötchen, brachte ihr einen Kaffee ans Bett und lud sie ein, mit in den Garten zu kommen, denn dort könnten wir in der Sonne frühstücken. Den Strauß roter Rosen stellte ich mitten auf den Tisch. Meine Frau war zugegeben sehr ergriffen und einige Tränen rollten über ihre Wangen. Damit hatte sie nicht gerechnet, denn sie hatte weder Geburtstag noch war unser Hochzeitstag. Tja, da habe ich wieder gemerkt: wenn man das so gut plant wie ich, dann funktioniert das auch. Wie gesagt, Frauen mögen gereimte Verse, deshalb gab ich jetzt, als Höhepunkt dieses außergewöhnlichen Frühstückes, noch einen selbstgedichteten Zweizeiler von mir:

„Ich stahl die Rosen vom Nachbarn, ich war ein Dieb,

doch sie sollen dir sagen, ich hab dich so lieb“.

Das plötzliche Klirren sagte mir, dass meiner Frau die Kaffeetasse aus der Hand gefallen war. Sie war emotional fertig, richtig fertig, stand auf und küsste mich so heftig, dass ich kaum noch atmen konnte.

Ich selbst war begeistert, dass dies alles so gut funktioniert hatte. Nach meiner eigenen selbstgebastelten Anleitung musste ich jetzt nur noch die „Sehnsucht“ ins Spiel bringen, die ja ein wichtiges Element der Romantik darstellt. Also fragte ich sie, ob wir nicht bald mit dem Wohnmobil ans Meer fahren wollten, mit Freunden, aber auch mit genügend Zeit, um allein zu sein und um dort unsere Romantik so richtig auszuleben. Meine Frau machte nur noch hormonelle Luftsprünge und ich wäre ja wohl der tollste Mann, den man sich so vorstellen könne und sie wäre so froh mich getroffen zu haben. Ja, da konnte ich ihr jetzt beim besten Willen nicht widersprechen.

Wir waren jetzt schon einige Tage am Meer und da hat man direkt die gravierenden, geschlechterspezifischen Unterschiede in der romantischen Betrachtung der Welt bemerkt. Immer am Abend zog es, meine Frau und fast alle anderen Frauen des Campingplatzes, ans Meer zum Sonnenuntergang. Dort auf dem Felsen zu sitzen und in das Abendrot zu schauen scheint bei den Frauen direkt den emotionalen G-Punkt zu stimulieren. Mein Hinweis, dass sie doch gestern und vorgestern schon den gleichen Sonnenuntergang mit derselben roten Farbe betrachtet hätten, wurde mit dem Hinweis gekontert, dass die Stimmung doch jeden Tag ganz anders wäre und ob ich das nicht merken würde.

„Ja natürlich, du hast recht“, habe ich gesagt. Aber wenn ich genau drüber nachgedacht habe ……. nein, ich habe diese Stimmung nicht so gemerkt. Ich merkte nur, dass meine eigene Stimmung sich verändert hatte, denn wir waren gerade auf dem Weg zum Essen. Ich hatte Hunger und meine Frau labte sich an dem sanften Rot der untergehenden Sonne.

Später trug ich ihr trotzdem noch ein selbstverfasstes Gedicht vor, das alle Stilelemente der Romantik enthielt, nämlich: Abend, Sonne, Mond, Träume, Sehnsucht, Ruhe und Gefühle:

„Durch die Haare deiner Lider, spiegelt sich ein Bild von mir

Das geht ja auch gar nicht anders, denn ich steh direkt vor dir

Weiter geht dein Blick, bis hinüber in das Abendrot

Jeden Tag da stirbt die Sonne, ihren abendlichen Tod

Leise plätschern tun die Wellen, dort am harten Felsenhang

Zieht es dich jetzt in die Ferne, weg von dem geliebten Mann?

Nein, nur Träume tun dich leiten, erwecken in dir die Gefühle

Romantik ist, wenn du geniest, Sonne, Mond und dazu die Stille.“

In diesem Urlaub hatte ich noch viele Wünsche frei und wir hatten noch viele romantische Abende. Es ist nicht schwierig romantisch zu sein, das sollten alle Männer wissen. Man muss nur einige Grundregeln beachten. Ich bin romantisch. Ich bin genauso romantisch wie der Dichter „Friedrich Hebbel“, denn er schrieb einst folgendes Gedicht, ein typisches Beispiel für die Romantik:

Ich und Du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

(Friedrich Hebbel)

Fao201021

Menner sen sou romandisch

Menner sen romandischer wie Fraa denkt

Jeder Moo hoat dann Satz vo seiner Fraa oder Padnerin scho amol gehöart:

„Sei doch a bissla romandisch!“

So als ob die Weiwer generell besser wüsste, wos Romandig is und mir Menner dovo noch nie wos gehöart hätte. Ich hob des vo meiner Fraa a scho gehöart, obwohl ich denk, dass ich e besondersch romandisches Exemplar vo dare Gaddung Moo bin.

Weil dar Vorwurf, dass Menner kä Romandig höm, ja ümmer wieder auftritt, hob ich jetz amol des Dema in dara Literatur ausgiebich studiert. Und, ich wills kuez moach, ich und viel annere Menner, mir sen in Wirklichkät oarch romandisch, a wenn die Weiwer des nit sou sann und mir vielleicht äher sou Spätromantiker sen.

Romandig wüerd ja gemeinhin sou a weng üwerbewertet und mer verstähet darunner en Zustaand vo Emotione, wu viel Gfühl und Liebe und Sehnsucht dabei is. Und wenn mer sou Däitingforen oguckt, do sen folchende Sache besondersch romandisch: wenn du deiner Padnerin en Strauß vo ihrer Lieblingsblume schengst, des Lieblingsesse koachst, wenn du dir mierkst woos se gann hoat (Esse, Musik, Kläder), wenn de se ümmer fräechst, wie ihr Tooch sou woar und vor allem, wenn du dei Gfühle in Gedichtfoarm ausdrückst. Wenn mer jetz des elles wäss, no is es überhaupt nix mer schwäär, dass mer romandisch is.

Also hob ich gleich des amol zomgfasst und en Versuch unternumme. Ich bi früh e bissle ähr aufgstanne, hob beim Begg die Wegg gehoult, en Tüüsch gericht, hob en Kaffee gemoacht und ihr e Schole voul os Bed gebroacht. Des hoat mei Fraa aussergwöhlich gfunna und sie woar en ganze Tooch oarch guet zu mir, schua fast a weng zäerdlich.

Bein nächste Versuch hob ich a Steicherung eigebaut, weil in der Romantig gehöarn a sou gereimte Gedichtli als Stilmittl dozu. Also hob ich wieder Frühstück gemoacht und uff ihrn Taaler en Zäidl geläicht mit en Väes:

„Während du nou gschloffe hoast, hob ich en Kaffee gemoacht und die ganze Zeit o dich gedoacht“

Mei Fraa woar oarch begeistert und hoat om Telefon ihr ganze Freundinne erzähilt, dass ich uff ämol sou romandisch wär und des wär ja sou a schüene Sach und sie hofft, dass des nou lang ohellt.

Ich woar owr nou überhaupt nit om Ende mit meiner Studie und bin dann zur näxte Stufe gange. Ich hob wieder Frühstück gemoacht, die Lieblingsbrödli gehoult, en Kaffe os Bett gebroacht und dann gfräecht, ob se nit zum Kaffee mit nein Goarde kumm tät, do könnte mer in der Sunn frühstück. Dann Strauß mit roate Roase hob ich mitte uff en Tüüsch gstellt. Mei Fraa woar richtich ergriffe und e poar Träne senn era üwer die Bagge gerollt. Domit hoat se üwerhaupt nit gerechert, weil sie hoat känn Hoachzetstooch und a känn Gebuetstooch gehoot. Tja, do hob ich wieder gemirkt, wenn mer des guet eifäidlt, nocher wüed des a wos. Wie gsocht, Weiwer möicha die gereime Verse und daswache hob ich gleich nou ein Zweizeiler zum Besta gawe als Höhepunkt vo dann außergewöhnliche Frühstück:

„Ich hob die Roase vom Nochber gstoule, ich woar a Dieb,

ower die sölle dir soch, ich hob dich ganz schüe lieb“.

Des plötzliche Klirre hoat mir gsocht, dass meiner Fraa die Kaffeeschole aus die Haand gfalle woar. Sie wor emotional fertich, is aufgstanne und hoat mich obgeknutscht, dass ich kaum nou gschnauf konnt.

Ich selwer woar begeistert, dass des sou guet funktioniert und jetz muesst ich blos nou, noach meiner ächene Anleidung, des mit dare Sehnsucht befriedich. Also hob ich se gfräecht, ob mier nit bald mit em Wohnmobil os Meer foahr wölle, wu mer genuch Zeit hätte, dass mer unner Romandig sou richtich ausleb könnte. Mei Fraa hoat hormonelle Luftsprüng gemoacht und ich wär ja wohl der beste Moo üwerhaupt, sie könnt sich känn annere vürstell und sie wär sou froah, dass se mich grod getroaffe hoat. Do konnt ich ere beim beste Wille nit widersprech.

Mir woarn jetz scho a poar Tooch om Meer und do hoat mer direkt die gschlechterschpezifische Unnerschiede in der romandischen Betrochtung vo die Welt gsahn. Ümmer oweds hoats mei Fraa und fast elle annere Weiwer vom Campingplatz os Meer zum Sunneuntergang gezoucha. Wenn die do uff en Felse sitze und nei die Sun gucke, scheint des direkt ihrn emotionale G-Punkt zu stimuliern. Und mei Hinweis, dass doch näichte und vornäichte dieselwe roate Foarb zu sahn woar, is mit dan Hinweis gekondert wuern, dass ower die Stimmung jedes moal annerscht is und ob ich des nit märk tät.

„Ja freilich du hoast racht“ hob ich gsocht und wenn ich genau da drü nochgedoacht hob … nä, ich hob die Stimmung nit sou gemirkt. Ich hob blos gemirkt, dass mei Stimmung verändert woar. Mir woarn ümmer grod uff en Waach zum Awedesse, ich hat Hunger und mei Fraa hoat sich o die roate Foarb vo die Sun gelaabt.

Später hob ich ihr dann nou e selwerverfasstes Gedicht fürgetroche in dann elle Stilelemente vo die Romandig dinn woarn, nämlich: Owed, Sun, Mond, Träume, Sehnsucht, Ruhe und Gfühle:

Durch die Hoar vo deiner Lider, spichlt sich e Bild vo mir

Des gähet ja a nit annerscht, weil ich stiah direkt vor dir

Weiter gähet dei Blick, bis nüwer nei des Abendrot

Jedn Tooch do stirbt die Sunn ihren abendlichen Tod

Leise plätschern tun die Wellen, duert om hoarte Felsehang

Zieht es dich jetz in die Ferne, fuert vo deim geliebte Mann?

Nein, nur Träume tun dich leiten, erwecken in dir die Gefühle

Romandig is wenn du geniest, die Sun, dann Mond und dazu die Stille.

In dann Urlaub hatt ich nou viele Wünsche frei und mir hatte viele romandische Awede. Noch meiner Anleidung is es jetz a nit schwär, dass mer romandisch is.

Ich bin genau sou romandisch wie dar Dichter „Friedrich Hebbel“, weil dar hoat vor langer Zeit scho des typische romantische Gedicht gschriewe:

Ich und Du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

(Friedrich Hebbel)

Fao201021

C-Kartong und deutsche Frolein

C-Kartong und deutsche Frolein

Es is scho e Wahnsinn, ich bin zäha Joahr noch em Kriech geburn. Damaols woar des Lawe nou viel äfocher, ower trotzdem a ziemlich obwechslungsreich. Weil mer jetz sou viel vo die Amis in Afghanistan gelasa hoat, sen mir die Amis vo früher wieder eigfalle. Dar örschte Ami, dan ich gsahn hob, woar a dunkler ameriganischer Soldoat. Ich bin von Kinnergoarte hämgelaffe, nauf Richtung Söa und beim Koaschper sei Haus do isser mir entgäiche kumme. Ar hoat zwoar e Uniform ower kä Gewehr dabei gehot, ower dafür war ar sou rumpelschwooz, dass ich mich fast a bissle gfürcht hätt, wenn sei weiße Zähi nit soue hell geloicht hätte. Ich hob die Foarb ja von en vo die heiliche drei Könich gekennt, daswache bin ich tapfer weiter gelaffe, hob ziemlich gstaunt, hat es Maul uf und ar hoat mich blos ogelacht. Mei öerschter Ami und gleich sou e dunkler. Zu dara Zeit woarn sehr viel Amis vo Schweifert oder Kissinge in unner Gäichet und höm Manöver gemacht. Da biste monchmol früh aufgewacht und hoast die Hubschrauber gehört und a die Panzer, wie die gebrummt höm, dass des ganze Haus gezittert hoat. Und du hoast se a gsahn, wie se quer über die Egger gfoahrn sen, mitte durch es Geträäd und durch en junge Mais. Des hoat natürlich kän Bauer gfalle und die höm des ümmer dan Bürchermäster gemeld, ower dar hoat die Panzer a nit aufhalt könn.  Ämol hatte se sougor e Funkstation mit lange Antenna bei uns uff en Houf aufgebaut und do höm se mitenanner gsproche, obwohl dar annere wu ganz wu anerscht woar. Des woar interessant! Vo dare hoat mer ümmer wos zu Essa griecht, Kaugummi oder sou Dose vo dara ihr Verpflechung, vor allem wenn mer fäist gelacht hoat. Ich woar a ziemlich blond und konnt guet lach und gewink und des hoat dara gfalle. Außerdem woar ich dürr un in dara ihr Aache vielleicht scho halwer verhungert. Ower woahrscheinlich is a, dass die ihr Esse selwer goar nit gemöucht höm.

Douwa die Höa, Richtung Grassl auf die rachte Seite, woarn domols nou drei Hecka gstanna und mir höm duert ümmer gespielt. Vo do aus konnt mir die Panzer wunderboar beobocht. Ämol wur ich a wieder in die Hecka gelache und desmal is dar Panzer nit o die Heck vorbei, sondern quer durch gfoarn. Dar Fohrer konnt mich nit gsah, ich konnt vor Angst nit geruef, ower ich und des Apfelbömmle, hinner dan ich gelache bin, höm oarch gezittert. Vielleicht hoat des dar Panzer dann doch gemirkt und mich nit derwüscht. Ower knapp woarsch trotzdem.

Ich hob die Amis gemöücht, weil die hatte Esse, des höm mir nit gekennt. Mir woarn ümmer schoarf auf dare ihr Marschverpflechung. Die höm C-Kartong gehässe, des woar a Schochtel mit viel Dose dinn und noach jedem Manöver hoat mer dara ihr Dose im Wald gefunne. Mäst woarn a nou die kläne Doseöffner dabei und sou konnte mir ümmer gleich Brotzeit gemoch. Woar des klasse, wos do dinn woar: dürre Grägger mit Kaas, Pinadbatter, die hoat noch Erdnusscrem gschmeckt, Rindfläschgulasch mit Nudl, truckene Früchte, Duhnfisch, Saalz und Pföffer, Kaugummi oder Tschuing Gam, wie die gsocht höm und Foierzoich und Zigaretta. Die Grönung woar ower dar, ja sou e Oart Gsundheitskuche mit Zitronat, Orangschat und Troiwerli. Des hob ich ümmer gäicha Gulasch oder Zigarette getauscht. Mir höm elles gsammlt, bis zur letzte Dose. Dodurch höm mir dann Waald wieder sauwergehalte, weil die Amis des selwer nit gekönnt höm. Ämol hatte mer zwä Funkgeräte gfunne und dar Funkdroat woar ja Kilomertweit üweroll rümgelache. Mir höm die Geräte ogschloasse und wenn de o dann Häiwl gedrähet hoast, hoats om annere Geräte geklingelt. Und wenn de nein änne Höarer gschproche hoast, konnste des im annere Höarer höar. Die hatte scho domols a saumäsiche Technik. Ich wäs ower nix mer wos aus dare Funker wuern is.

Ämol woarn se wieder im Sulzler Waald, gleich wenn dar ogähet links dinn. Mir wuern mit em Foahrrod higfoahrn und höm mit die Amis gered. Ich hob die Amisproach nit gekönnt und die genauso wenich, sou wie ich gered hob, ower ich hob verstanne, dass se e poor „Frolein“ gsücht höm und sie höm mir zu verstiehn gawe, dass ich „deutsche Frolein“ breng söllt. Ich hob era gsocht, dass ich e ältere Schwester hob und wenn se wölle, dät ich schnell häm foahr und mei Schwester nein Waald breng. Ich hob mir gleich gedocht des wüerd e schwäre Aufgabe. Ich hob dabei sehnsüchtich auf dare ihr Dose geguckt, die überoll rümgstanne sen. Also dar deel woar, wenn ich „Frolein“ breng, dann dät ich dofür Dose griech. Sou hob ichs verstanne, ich muesst also mei Schwester beibreng. Also ich nix wie häm gfoahrn, bin zu meiner Schwester und hob gsocht, sie müesst schnell mitkumm nein Waald zu die Amis. Dann dät ich en Haufe zu Esse griech und dovo könnt ich ere a wos obgah. Und wos soll ich soch: Mei Schwester hoat sich geweichert mitzukumme. Ich hob nou e weng mit era verhandelt, ower sie wollt äfoch nit, die Kratzbürschte. Die Amidose sen vor mei Ache vorbeigewandert und im Nix verschwunde. Dabei hät se blos amol mitkumm müess, blos vo derhäm nein Waald! Die Zeit hot gedrängelt und no bin ich halt wieder allä nein Sulzler Waald gfoahrn. Wie ich dort okumme bin, woarn se alle fuert, die Panzer, die Amis und vor allem des guete Esse. Ich hatt mich wirklich ogstrengt, hob mein Tääl vo dann deel probiert zu erfülle und sou konn mer sich auf die Amis verloass. Wenn de se brauchst, sen se fuert. Des mache se hoit ja a nou sou.

Es hoat mich lang geärchert, dass mei Schwester mir do nit geholfe hoat. Bis hoit löfft mir es Wasser im Maul zom, wenn ich uf Bilder sou a ameriganische  Soldotefeldverpflechungsration sah.

Fao210918

Weinlese in meinem Weinberg

Weinlese in meinem Weinberg

Ich habe seit einigen Jahren einen Weinberg. Dieser liegt – windgeschützt – in absoluter Südlage. Ich baue die Rebsorte Romulus an und mein Weinberg ist, so vermute ich, der nördlichste Weinberg Unterfrankens. Es ist eine für unsere Gegend großformige, helle Traube mit einer hohen Süßigkeit und sie ist kernlos. Die Reben werden im Frühjahr zurechtgeschnitten und die Triebe wachsen entlang der nachbarlichen Wand aus roten Backsteinen. Dadurch bekommen sie sehr viel Wärme ab und gelangen, trotz einer geringen Sonnenscheindauer in diesem Sommer, zu einer enormen Reifung. Als Winzer fühlt man sich mitten in den Trauben wohl und so sitzen wir oft unter diesem Dach von Traubenblättern und Trauben. Wir haben sie an einem Gestell hochgezogen, so dass ein schattenspendender Baldachin gebildet wird und die Weintraubendolden dann, durch das Eigengewicht, mit zunehmender Reifung und Gewicht, immer weiter nach unten hängen und fast in den Mund wachsen. Mein Weinberg schenkt mir genau das, was ich von ihm erhofft habe: Schatten, einen schönen Anblick, die süßesten Trauben der Welt und die Vorfreude auf eine reichliche Ernte. Ich freue mich sehr auf diese Früchte, auf das Naschen, die Nachspeise, das Traubengelee und die Traubenmarmelade.

Meine Frau hat auch einen Weinberg. Er liegt in derselben Lage, auch windgeschützt und wächst deshalb ebenso gut. Sie liebt auch die süßen Früchte, sitzt aber weniger im Schatten der Reben, da sie lieber die Sonne mag. Natürlich handelt es sich um denselben Weinberg, im selben Garten und unser gesamter Weinberg besteht nur aus einem einzigen großen Rebstock. Aber wie gesagt, es ist eine super Pflanze mit vielen Reben. In diesem Jahr wurden die Trauben erst gar nicht reif, dann aber gelangten sie sehr schnell schon fast zur Überreife und fingen an abzufallen, wobei sich auch die Blätter schon frühherbstlich verfärbten.

In meinem Kopf war die Lese schon im vollen Gange, die Trauben wurden abgezupft, in einen Entsaftertopf getan und der entstehende Saft aufgefangen. Der Gelierzucker war schon gekauft und der Produktion von Romulusgelee stand nichts mehr im Wege. Ich fing gerade an, die herrlichen Trauben abzuschneiden, als meine Frau sagte, ich solle noch warten, denn sie wolle noch Trauben verschenken und brauche einige Schalen für den und für die und noch für alle Nachbarn. In meinem Kopf brach der Trauben- und damit der Geleeertrag für dieses Jahr völlig ein. Ein Traubencrash! Und das bei meinen Trauben.

“Und ich solle mich nicht so anstellen, man müsse austeilen was man hat, solange man noch kann“.

Das mag richtig sein, aber nicht bei meinen Trauben! Die anschließende Diskussion habe ich gar nicht angefangen, weil ich, wie sonst auch, verloren hätte und bin traurig und traubenlos von der Leiter gestiegen.

„Es könnte sich doch wohl jeder selbst einen Rebstock in den Garten setzen. Nach 10 Jahren hat man, wie bei uns, schon einen guten Ertrag“, dachte ich insgeheim bei mir.

Wir hatten geplant in der nächsten Woche in Urlaub zu fahren und um die Vorurlaubsfreude nicht zu trüben, hatte ich nichts mehr gesagt. Ich sagte auch nichts an den nächsten Tagen, als die Trauben am Stock immer weniger wurden und eine Schale der goldenen Früchte nach der anderen mit „meinen“ Trauben, vom Hof getragen wurden. Jedem der zu Besuch kam – und es war gefühlt das halbe Dorf – wurde eine Schale in die Hand gedrückt. Ich hatte sogar die Vermutung die Leute kamen mit Absicht vorbei, als hätten sie sich abgesprochen nach dem Motto: „Du, geh mal dorthin, da bekommst du Trauben“.

Heute war der Tag vor dem Urlaub. Die letzte Gelegenheit, um noch Gelee zu kochen. Ich stieg mit meinem Eimerchen auf die Leiter, da ich in der unteren Etage keine Trauben mehr erblicken konnte. Und in der Tat fand ich noch einige traurige Reste davon an den schwer zugänglichen Stellen. Als ich fertig war, blickte ich wehmütig auf das halbe Eimerchen mit Trauben, das ich quasi für „mich“ gerettet hatte. Es waren einfach zu wenig, um davon Gelee zu kochen. Also beschloss ich, den größten Teil davon sofort zu essen, vor allem, da sich schon wieder Besuch angesagt hatte. Mein Bauchweh und Darmrumpeln fing gerade an, als der Besuch kam. Großzügig schob ich deshalb die restlichen Trauben hinüber und sie waren auch sofort vertilgt. Kein Wunder bei diesen herrlichen Früchten.

Am Nachmittag bin ich nach Kissingen zum Einkaufen gefahren und da stand im Laden eine ganze Palette mit Traubengeleegläsern. Ich nahm fünf Gläser davon mit und war voller Freude, auch wenn meine Trauben sicher besser geschmeckt hätten. Und ich schwenkte wieder auf die positive Seite, denn was hatte ich für Arbeit gespart mit dem Entsaften, Kochen und Einfüllen der Gläser. Ich bin schon froh, dass meine Trauben so einen guten Absatz hatten und so gelobt wurden. Da geht man doch gerne mal zu Aldi oder Norma, um sich günstig das zu holen, was man selbst hätte ernten und verarbeiten können.

Fao200921

Daus die Grumbiern

Daus die Grumbiern

Jetz is es bald wieder souweit, es gäeht naus die Grumbiern. Die sen jetz en ganze Summer gewosse, die Grumbiernkaafer höm des halwe Kroitich rogfresse und hoit wölle mer die aus ihrem Versteck im Bouda raushoul. Mei Onkl Paul, mei Dout, hoat scho in der Früh dann Lätterwooche nauf es Kroizloach gfoahrn, do wu unner Agger is. Es is a schmools Stück Land und weils sou e weng über di Kuppe gäet, siehet mer am Ofang vom Agger nit wie weit des Ende nou wag is, vor allem wenn mer sou klä is wie mir Kinner. Des is a Problem, weil wenn du des Ende nit siehst, host du a kä Vorstellung, wie weit des is und wie lang die Arwet dauert. Wenn ich uff en Woocha geklattert bin, hob ichs gsahn. Weit hinne, direkt om Waldrand, da woar des Ende und dar Wald woar ewich weit wag und die Bömm oarch klä. Ower ich hob a rogemüesst zum hölfa. Mir senn zum Agger mit en Holder und e Wöchele nausgfoahrn, die ganze Familie, Voater, Muetter und 4 Kinner in verschiedene Urchelpfeifegröaß. Mit hatte zu Essa und zu Trinke dabei, Pföffermünztee, Wasser und Bröater mit Wuerscht. Jetz is a gleich mei Dout mit em Bulldog kumme und hat mit dara Grumbiernmaschine die Grumbiern rausgschleudert, ä Zaile noch die annere.  Die Grumbiernmaschine woar wie a groaß Rood mit Greiförmli droa und voarne dro woar a Schor. Des ganze is vom Bulldog gezoucha wuern und die Greiförmli sen nei dan vom Schoar gelockerte Bouda, höm dobei die Grumbiern rausgschloidert und die sen när sou gfloucha. Noch a poar Zeile woarn ganz schö viele dogelache und du hoast als Kind gedocht: „Au weia, des dauert, do brauchst du hoit nix mer mit die annere naus en Fußball zu giehn“. Mir hatte Kürbli dabei für die klänne und Kürbli für die groaße Grumbiern. Die groaße Grumbiern woarn zum Glück in der Überzoahl. Ümmer, wenn a Kürble voul woar, is des nein Soock geläert wuern und allmählich hoat mer gsahn, dass wenicher Grumbiern uf en Agger woarn und dafür die Seck ümmer mehr woarn sen. Es ist dann a viel langsamer gange, weil die blöde Kürbli mit der Zeit ümmer schwärer woarn sen und dar Buckel und die Bä und Oarm gscheit wäa getuen höm.  Jetz höm mir ower öarscht amol Brotzeit gemocht und des woar des Schüenste am ganze Grumbiernzomlaase.

Uff en Agger hoats kän Schobbi gawe, die Sun hoat a rogebrönnt; daswache höm mir uns ella nein Schobbi unner en Woocha gsetzt, soweit wies gange is. Die Flosche mit dann süeße Pföffermünztee hat die Runde gemocht, die Muetter hoat a Gloos selwereigemoachte Kümmeli aufgemocht und hoat jedem a Broat nei die Hand gedrückt. „Sou esst Kinner, gleich gähets weiter und doa müesst ihr scho nou a bissla hölf“! Hoit hoats Broat gawe mit Bluetwurscht und ich soch oich, es gait nix Besseres wie a Bluetwuerschtbroat wu a poor Stunn in die Sunn gelache hoat. Da kümmt dar Gschmock örscht sou richtich raus, weil des Fät in dara Wierm sou langsom ofengt auszugiehn. Jetz gaits sou a Geruchswolke und die Wuerscht würd sou zoart, dass de fast nix mer kää muesst.  Des is äfoch a Gedicht. Ich tue hoit nou die Bluetwuerscht a Stunn vor em Essa aus en Kühlschrank raus und nawe die Heizung läich, weil se do äfoch besser schmeckt. Die Händ sen natürlich a nit gewöscht wuern. Die woarn sou richtich drackerd; vielleicht hoat des a wos vo dan Gschmoog ausgemocht.

Sou direkt noch em Essa bist de a ziemlich müed woarn und die zwä jüngste höm scho, kaum dass se gesse hatte, die Aache zu gehoot, ower mir annere sen wieder uf en Agger gange. Ä Kürble noch en annere, die groaße in dan Kuerb, die Kläne und die durchgschnietene, kaputte Grumbiern in dann Kuerb. Die Kläne woarn für die Soi dahäm zum Füettern gedocht und muesste a zuerscht wieder aus en Kahler raus, weil se eher kaputt gange sen.

Ich hatt domols schon genuch Kroaft, um die Grumbiern nei die Seck zu fülle. Jetzt hob ich a dann Wald langsom gsahn und gedocht, es muess doch gleich gschafft sei. Ower sou woar des nit. Mei Kroiz hoat scho saumässich wäa getuen und ich kannt mich scho nix mer sou richtich bück. Noch weitere 3 Stunn, und da denk ich, dogeicha kümmt Weihnachte richtich ogerast, hatte mersch ower trotzdem gschafft und en ganze Haufe voule Seck do stiehn. Die Seck mit die kläne Grumbiern sen wie die annere a, zugebunde woarn und höm a Kroitich mit neigebunde griecht, damit mer se dahäm besser gekennt hoat. Jetz is mei Dout wieder kumme und gleichzeitich is mei Sternstunn ogange. Ich hob dann Bulldog im öarschta Gang durch die Kolonne vo Seck lenk döff. Bei Brueder hoat ümmer gsocht: „Wenn dar des döff no döff ich doch a, oder“? Ar haat nit gedöfft, weil er nou nit auf die Pedale kumme is.

Dar Voater und dar Dout höm jetz die Seck uff en Woche naufgschoaggt. Wie se fertich woarn, sen die Kinner ella auf en Wocha gehouwa woarn und ouwe uff die Grumbiern mit häm gfoahrn. Du hoast dich ouwa uff die Seck geläicht – es hoat sou schüe nach früsche Grumbiern geroache, des woar sou a richtiche Dunstwolke üm uns rüm – und hoast nauf en Himmel geguckt. Des woar die Freihät vo domols. Schüe woarsch a, wenn des Kroitich dann nou ogebrönnt wurn is. Des is a e Geruch, dan du des ganze Lawe nix mer vegisst. Wie mer dahäm woarn, is dar Woocha vur die Kahlerschtröppe gfoahrn woarn und dann hämse die Seck nogetrocha und im Grumbiernkahler ausgelährt. Ich hobs a probiert, ower dar Sock is die Tröppa no und ich hinna noch, na woarn mir zwä zom unte naweenanner gelache. Dara Grumbiern hoats nix gemocht, ower my Bä hoat wäa getuen und dar Dout hoat gsocht: „Pass halt auf du Simpl“. Ich muess soch, mir woarn racht mued und ich hatt kä Lust mehr auf Fußball. In di Nocht hob ich gschloffa wie a Murmeltier, ganz tief und ich hob a nix annersch geträmt wie vo Grumbiernkaafer.

Wenn ihr amol nit schlof könnt, gieht äfoch amol mit naus die Grumbiern. Des is besser wie jede Schloaftabletta und wie jedes Fitnessstudio.  Und ich fräh mich scho auf die Grumbiernsuppe mit Gerächerts dinn und die Grumbiernskröpfli mit Öpflsbrai als Belohnung für die ganze Schufterei.

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In Nomine Patris – 5

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

5. Und was bleibt?

Die ganze Klostergeschichte begann mit unserer Einschulung im Jahre 1967, vor jetzt genau 54 Jahren. Es ist deshalb nicht einfach, sich an die Gegebenheiten von damals exakt zu erinnern. So manche Geschichten haben sich jedoch in den Köpfen gehalten und werden oft genug bei den Klassentreffen erzählt. Unsere Klasse, die Abituria 76, war zahlenmäßig ein starker Jahrgang, mit einer engen gegenseitigen Verflechtung. Wir haben uns kennengelernt und uns aufeinander eingelassen. Sehr schnell haben wir auch die Stadt- und Fahrschüler in unseren Kreis aufgenommen und pflegen bis heute gute Kontakte untereinander. Dazu sind natürlich die häufigen Klassentreffen hilfreich, die immer noch regelmäßig stattfinden. Die große Anzahl der Teilnehmer zeigt, dass wir uns als Gemeinschaft wichtig sind. Es ist so schön und manchmal auch wehmütig, wenn wir uns treffen. Es ist ein gutes Gefühl, ein Gefühl, das wir in Münnerstadt gelernt haben. Dazu war das Kloster gut: ein Gefühl für das Leben und für die Menschen zu entwickeln. Manchmal hört man Leute sagen, dass sie ihre Kinder nicht dorthin hätten schicken können. Entweder, weil sie glauben, dass die Kinder das nicht aushalten oder weil sie ihre Kinder nicht loslassen können. Diese Frage hat sich damals nicht gestellt. Es war, für mich, die einzige Möglichkeit in eine höhere Schule zu gehen. Einen Schulbus von meinem Dorf aus gab es damals noch nicht. Wir waren zu Hause sieben Kinder und ich war ein guter Esser. Wenn ich, wie in meinem Falle, auch noch freiwillig ins Kloster wollte, war das für die Versorgung zu Hause sicher hilfreich.

Ich habe mir lange Zeit keinerlei Gedanken darüber gemacht, dass es auch für die Eltern schwierig gewesen sein muss, ihr Kind in ein Internat zu schicken, denn es war klar: die Kinder wurden in das klösterliche Leben eingebunden und sind von da an nicht mehr, außer in den Ferien, nach Hause gekommen. Wir haben uns im Internat, fern der Heimat, schnell entwickelt, oft schneller als die Eltern folgen konnten. Wir ließen uns lange Haare wachsen und hatten plötzlich auch eine eigene politische Meinung. Diese Entwicklung war für die Eltern oft zu schnell und so ist es manchmal zu Hause kollidiert. Für die Eltern musste es als „Lohn“ reichen, dass wir ein gutes Leben hatten, unsere schulische Ausbildung geschafft haben und uns zu normalen Menschen entwickelten. Für mehr standen wir den Eltern nicht mehr zur Verfügung. Wir selbst hatten im Internat auch keine andere Möglichkeit, als uns aufeinander in der Gruppe einzulassen. Die Eltern und die Geschwister waren als soziale Kontaktpersonen ausgefallen, direkte Bezugspersonen hatten wir nicht. Wir haben uns einsam und allein gefühlt und manchmal auch ein bisschen verkauft. Das Heimweh hat jeder auf seine Art bearbeitet. Bis heute ist mein Kontakt zu den Klösterern teilweise intensiver als zu meinen Geschwistern, obwohl ich die auch sehr mag. So hat uns Klösterer – und da nehme ich jetzt mal unseren gesamten Jahrgang mit – ein gewisser Geist durchwoben. Es war ein guter Geist, der uns zusammengehalten und gefördert hat und diesen Geist gibt es bis heute. Dieser Geist ist spürbar immer dann, wenn wir uns treffen und wenn wir in diesem Moment innehalten, zum Beispiel wenn wir beim Klassentreffen eine Andacht in der Kapelle abhalten. Da ist dieser Geist dabei, er ist spürbar und ergreifend und anziehend, so dass wir ihn immer wieder erleben wollen. Deshalb sind unsere Klassentreffen einfach der Hit. Bis heute freuen wir uns aufeinander und es ist so schön, dass alle unsere Ehepartner mit in der Gemeinschaft dabei sind. Bei den meisten Beziehungen waren wir sowieso von Anfang an dabei, waren zusammen aufgeregt, haben die Kindergeburten und auch private Rückschläge mitbekommen, haben Freude und manches Mal auch Leid geteilt. Wir waren und sind bis heute eine super Truppe.

Münnerstadt und dazu das Augustinerklosterinternat haben uns geprägt, haben uns Werte vermittelt und soziales Durchhaltevermögen und Engagement. Durch die Förderung wurde uns vor allem Vertrauen in unsere eigenen Stärken gelehrt. Wir konnten uns in einem gesteckten Rahmen entwickeln und heranwachsen. Jeder mag für sich selbst beurteilen, welche Rolle das Internat in seinem Leben gespielt hat. Für mich war das Internat gut und ich möchte es in meiner Biografie nicht missen. Einige haben dieses Leben auch nicht durchgehalten und sind wieder aus dem Internat gegangen.

Das Klosterleben hat sich mit uns gewandelt und der Zeit angepasst und in jedem Schuljahr gab es neue Veränderungen und Lockerungen. So ist dieses „Klosterinternatmodell“ mit uns ausgelaufen. Wir waren die letzte Klasse, die bis zum Abitur im Internat gewesen ist. Danach wurde das Internat geschlossen und Gründe dafür gab es sicher einige.

Diejenigen aus meiner Klasse, die ich heute noch überblicke, sind Menschen geworden, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie sind sehr stabil und haben privat und beruflich ein großes Durchhaltevermögen. Für mich persönlich war es eine prägende Zeit voller Lerninhalte. Für mich war es so richtig.

In nomine patris ……

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In Nomine Patris – 4

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

4. Freizeit

Die Freizeit war natürlich ganz wichtig. Wir durften machen was wir wollten, deshalb wurde, vor allem in der 1. Pause nach dem Mittagessen, Fußball gespielt. Der harte Teerplatz im Klosterhof forderte fast jeden Tag seine Opfer und fast jeder, der dort spielte, hat irgendwann einen Teil seiner Haut dort gelassen. Wir hatten daneben auch ein Basketballfeld, doch dieses stand nicht so im Fokus. War es im Sommer warm genug, durften wir in das Semi-Schwimmbad gehen; natürlich nur zu einer Zeit, in er die Semis nicht dort waren. Das war ein Schwimmbad, so wie man es sich vorstellt. Viereckig, von vorne nach hinten schräg abfallend und es hatte zwei verschiedene Aggregatszustände: Sauber und eiskalt oder warm und undurchsichtig algengrünbraun. Am Boden war ein Einlass, dort kam frisches Quellwasser herein und es dauerte ein paar Tage, um das gesamte Becken zu füllen. War es dann nicht mehr tragbar braun, wurde es wieder abgelassen oder abgepumpt. Es gab dort Umkleidekabinen und ein Sprungbrett und natürlich hatten wir sehr viel Spaß. In diesem Wasser habe ich auch mein Seepferdchen gemacht. Schwimmen war nie meine Leidenschaft und um diesen Freischwimmerschein zu machen, habe ich ein bisschen gemogelt. Und vielleicht deshalb bin ich bis heute kein guter Schwimmer geworden.

Vor allem musikalisch wurde sehr viel geboten. Viele von uns spielten oder lernten Instrumente. Es gab 2 Flügel, etwa 6 Klaviere, Instrumente für eine komplette Blaskapelle, Instrumente für klassisches Orchester und auch einige Instrumente für die verschiedenen Rockbands, die sich damals gebildet hatten. Mitglieder der „Voice“ und deren Vorgängergruppe „The Romans“ haben hier ihre ersten Versuche gemacht. Auch „The 14th Orange Tour“, die „Tasty Onions“ und die „Onions“ hat man noch in Erinnerung; auch „Magic Power“ vom Semi war bekannt. Mit diesem musikalischen background konnte man auch die damalige Hippiezeit etwas ausleben. Wir hatten ja durch die Bank alle lange Haare, so wie das zeitgemäß war. Ich selbst hatte eine Geige vom Kloster bekommen, spielte im Schulorchester und hatte einmal in der Woche am Nachmittag Unterricht im Gymnasium. Später durfte ich in den kleinen Übungszimmern meine ersten Versuche mit dem Akkordeon starten. Es war das einzige Akkordeon im Kloster und ich hatte es mir selbst verdient, indem ich die gesamten Sommerferien, vom ersten bis zum letzten Tag auf dem Bau als Handlanger gearbeitet habe. Es hat zwei große Sommerferien gebraucht, um ein Akkordeon zu bekommen. Ich habe die kleinen Musikzimmer im Nebenbau gemocht. Man konnte hier auch mal alleine sein.

So eine Klasse wie wir sie hatten, war auch ein Pool von neuen Ideen und Meinungen. Unter der Regie von A.R. entstanden verschiedene Theaterstücke, die wir auch dann den gesamten Klosterbewohnern präsentieren konnten. Hierzu hatten wir die gut ausgestattete Kleiderkammer und natürlich die große Bühne im Speisesaal. Begleitet wurden die Stücke oft von unserer klasseneigenen Band, den „Los Krawallos“. Auch mit dieser Band spielten wir außerhalb des Klosters, z.B. Sommerfest in Münnerstadt und immer noch legendär: den Faschingstanz in Machtilshausen. Legendär auch deswegen, weil unser Schlagzeuger hier zum ersten Mal seine spätere Frau mitbrachte und wir alle ganz gespannt beobachteten, wie sie mir ihren langen Beinen und dem Minirock aus dem Auto stieg. Die Bassgitarre, die ich damals in Kleinwenkheim im Musikgeschäft erstanden hatte, habe ich heute noch. Sie hatte schon beim Kauf einen kleinen Riss im Hals, so dass man sie nie richtig stimmen konnte; aber weil die anderen auch nie richtig spielten, hat es auch wieder gepasst.

Etwas ernster ging es in den abendlichen Gruppenstunden zu. Diese wurden von einem älteren Schüler geleitet, oder auch von einem jungen Präfekten. Hier wurde gebastelt und diskutiert, durchaus auch über ernstere Themen. Später wurden diese Gruppen in die Bar verlegt, die wir im Keller des neuen Hauses eingerichtet hatten. Hier konnte dann auch mal ein Bier getrunken und es konnte richtig gefeiert werden.

Als wir älter waren und auch mal Ausgang hatten, sind wir oft – an den Schienen der Bahn entlang – zur Talkirche gelaufen, haben dort ein Lagerfeuer gemacht, gesungen, gegessen und getrunken und sind auch zum Abschluss von Wandertagen hier gewesen. Natürlich hatten wir hier auch manchmal Mädchen eingeladen, zusätzlich zu den Mädchen, die in unserer Klasse waren. Durch uns Klösterer hatten wir in unserer Jahrgangsstufe einen Männerüberschuss und so ist es nicht ausgeblieben, dass wir Jungs abwechselnd in alle unsere Mädchen mindestens einmal verliebt waren. Die Talkirche war ein magischer Ort und ich bin mir sicher, dass jeder Klösterer mit seiner späteren Frau einmal dort gewesen ist, um von den schönen Stimmungen und von den vielen Feiern hier zu berichten. Gefeiert haben wir häufig. Ich erinnere mich gerne an unsere alte Turnhalle im Kloster. Wir hatten sie einmal mit Matratzen ausgelegt und viele Mädchen, auch aus Bad Kissingen, eingeladen. Natürlich gehe ich hier nicht ins Detail, aber es war berauschend. Es gab hier auch Verletzungen. Einmal habe ich ein Mädchen geküsst bis mir schwindlig wurde. Dabei bin ich während des Küssens mit dem Kopf an die Wand gestoßen und habe ihr, Zahn an Zahn, einen ihrer Schneidezähne abgebrochen. Sie hat mir das nie verziehen und ich weiß heute nicht mehr ihren Namen. Jedes Mal, wenn ich später nach Münnerstadt kam, habe ich nach einer Frau mit abgebrochenem Zahn Ausschau gehalten.

In guter Erinnerung ist mir auch noch das Zeltlager in der Fränkischen Schweiz. Die gesamte Klasse kam mit. Wir hatten Großraumzelte, sind am Morgen an den Fluss zum Waschen, haben zusammen gekocht und Spiele veranstaltet. In der Nacht gab es Mutproben. Man musste einen Staffelstab den Berg hoch an die kleine Kapelle legen und der nächste musste den Stab dann holen. Es war dann gruselig, wenn plötzlich, wie von Geisterhand, die Glocken anfingen zu läuten. Aber es war sehr schön, dort in der Natur zu zelten.

Ab einem gewissen Alter konnten wir auch, ohne dass wir was Dringendes einkaufen mussten, in die Stadt gehen. So konnte man sich auch mal mit jemandem im Café treffen oder auch mal abends in die Kneipe gehen. Man musste sich nur abmelden und möglichst rechtzeitig wieder zu Hause sein. Manchmal haben wir im Studiersaal im Erdgeschoss ein Fenster offengelassen, um dann doch noch ins Haus kommen zu können. Hatte man zu viel getrunken, ist man nicht mehr durch dieses Notfallfenster gekommen, denn es war etwa 2 Meter hoch. So musste man den schweren Gang antreten und an der Türe läuten, damit der Pater uns eingelassen hat. Aber auch das gehörte dazu und war auch ok, wenn es nicht überhandnahm.

Fao210905