In Nomine Patris – 5

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

5. Und was bleibt?

Die ganze Klostergeschichte begann mit unserer Einschulung im Jahre 1967, vor jetzt genau 54 Jahren. Es ist deshalb nicht einfach, sich an die Gegebenheiten von damals exakt zu erinnern. So manche Geschichten haben sich jedoch in den Köpfen gehalten und werden oft genug bei den Klassentreffen erzählt. Unsere Klasse, die Abituria 76, war zahlenmäßig ein starker Jahrgang, mit einer engen gegenseitigen Verflechtung. Wir haben uns kennengelernt und uns aufeinander eingelassen. Sehr schnell haben wir auch die Stadt- und Fahrschüler in unseren Kreis aufgenommen und pflegen bis heute gute Kontakte untereinander. Dazu sind natürlich die häufigen Klassentreffen hilfreich, die immer noch regelmäßig stattfinden. Die große Anzahl der Teilnehmer zeigt, dass wir uns als Gemeinschaft wichtig sind. Es ist so schön und manchmal auch wehmütig, wenn wir uns treffen. Es ist ein gutes Gefühl, ein Gefühl, das wir in Münnerstadt gelernt haben. Dazu war das Kloster gut: ein Gefühl für das Leben und für die Menschen zu entwickeln. Manchmal hört man Leute sagen, dass sie ihre Kinder nicht dorthin hätten schicken können. Entweder, weil sie glauben, dass die Kinder das nicht aushalten oder weil sie ihre Kinder nicht loslassen können. Diese Frage hat sich damals nicht gestellt. Es war, für mich, die einzige Möglichkeit in eine höhere Schule zu gehen. Einen Schulbus von meinem Dorf aus gab es damals noch nicht. Wir waren zu Hause sieben Kinder und ich war ein guter Esser. Wenn ich, wie in meinem Falle, auch noch freiwillig ins Kloster wollte, war das für die Versorgung zu Hause sicher hilfreich.

Ich habe mir lange Zeit keinerlei Gedanken darüber gemacht, dass es auch für die Eltern schwierig gewesen sein muss, ihr Kind in ein Internat zu schicken, denn es war klar: die Kinder wurden in das klösterliche Leben eingebunden und sind von da an nicht mehr, außer in den Ferien, nach Hause gekommen. Wir haben uns im Internat, fern der Heimat, schnell entwickelt, oft schneller als die Eltern folgen konnten. Wir ließen uns lange Haare wachsen und hatten plötzlich auch eine eigene politische Meinung. Diese Entwicklung war für die Eltern oft zu schnell und so ist es manchmal zu Hause kollidiert. Für die Eltern musste es als „Lohn“ reichen, dass wir ein gutes Leben hatten, unsere schulische Ausbildung geschafft haben und uns zu normalen Menschen entwickelten. Für mehr standen wir den Eltern nicht mehr zur Verfügung. Wir selbst hatten im Internat auch keine andere Möglichkeit, als uns aufeinander in der Gruppe einzulassen. Die Eltern und die Geschwister waren als soziale Kontaktpersonen ausgefallen, direkte Bezugspersonen hatten wir nicht. Wir haben uns einsam und allein gefühlt und manchmal auch ein bisschen verkauft. Das Heimweh hat jeder auf seine Art bearbeitet. Bis heute ist mein Kontakt zu den Klösterern teilweise intensiver als zu meinen Geschwistern, obwohl ich die auch sehr mag. So hat uns Klösterer – und da nehme ich jetzt mal unseren gesamten Jahrgang mit – ein gewisser Geist durchwoben. Es war ein guter Geist, der uns zusammengehalten und gefördert hat und diesen Geist gibt es bis heute. Dieser Geist ist spürbar immer dann, wenn wir uns treffen und wenn wir in diesem Moment innehalten, zum Beispiel wenn wir beim Klassentreffen eine Andacht in der Kapelle abhalten. Da ist dieser Geist dabei, er ist spürbar und ergreifend und anziehend, so dass wir ihn immer wieder erleben wollen. Deshalb sind unsere Klassentreffen einfach der Hit. Bis heute freuen wir uns aufeinander und es ist so schön, dass alle unsere Ehepartner mit in der Gemeinschaft dabei sind. Bei den meisten Beziehungen waren wir sowieso von Anfang an dabei, waren zusammen aufgeregt, haben die Kindergeburten und auch private Rückschläge mitbekommen, haben Freude und manches Mal auch Leid geteilt. Wir waren und sind bis heute eine super Truppe.

Münnerstadt und dazu das Augustinerklosterinternat haben uns geprägt, haben uns Werte vermittelt und soziales Durchhaltevermögen und Engagement. Durch die Förderung wurde uns vor allem Vertrauen in unsere eigenen Stärken gelehrt. Wir konnten uns in einem gesteckten Rahmen entwickeln und heranwachsen. Jeder mag für sich selbst beurteilen, welche Rolle das Internat in seinem Leben gespielt hat. Für mich war das Internat gut und ich möchte es in meiner Biografie nicht missen. Einige haben dieses Leben auch nicht durchgehalten und sind wieder aus dem Internat gegangen.

Das Klosterleben hat sich mit uns gewandelt und der Zeit angepasst und in jedem Schuljahr gab es neue Veränderungen und Lockerungen. So ist dieses „Klosterinternatmodell“ mit uns ausgelaufen. Wir waren die letzte Klasse, die bis zum Abitur im Internat gewesen ist. Danach wurde das Internat geschlossen und Gründe dafür gab es sicher einige.

Diejenigen aus meiner Klasse, die ich heute noch überblicke, sind Menschen geworden, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Sie sind sehr stabil und haben privat und beruflich ein großes Durchhaltevermögen. Für mich persönlich war es eine prägende Zeit voller Lerninhalte. Für mich war es so richtig.

In nomine patris ……

Fao210906

Ein Kommentar zu „In Nomine Patris – 5

Hinterlasse einen Kommentar