A Weihnocht wie´s früher woar

A Weihnocht wie´s früher woar

Sou oft denk ich zurück o die Weihnochtszeit früher. Manchmoal sieht´s so aus, als wenn des doamols e Märchen woar. Ich hob nou genau des Klingeln vo dan Glöckle im Oahr, wenn´s düwe in die Stuwe geklingelt hoat und mir sen alle nüwer gange, vo die woarme Küche nei die woarme Stuwe, om Chrisbaam höm die Kierze gebrönnt, dar Oufe hoat gebrönnt und unner Herze inne dinn höm gebrönnt, weil direkt unner en Baam die eigepackte Gschenkli gelaache sen. Und es hoat geroche noach Weihnochte, noach Glühwei und Mandarine, noach ogsengte Tannezweichlich, noach echtes Kierzewochs und noach Pletzli. Des Ganze woar wie e schües gemoalts Bild, wie die Mona Lisa im Luvre vo Paris, äfoch einzichoartich. Und es woar wirklich dar Höhepunkt, nit ner vom Kirchejoahr, sondern a vom Kalenderjoahr. Sou is des eigebrönnt in unner Innerschtes und mer konns äfoch raushoul, wenn mer emol do dro denk will.

Ower dar Hälche Owed woar nit des ganze Weihnochte, des is scho viel früher losgange. Des erschte Zäche woar des Milichauto, des jeden Tooch noach Wasserloase kumme is und vo die Milchsammelstelle die Milich gehoult hoat. Wenn die Adventszeit woar, hoat dar Laster vuerne dinn, hinner die Schoiwe, e klänns elektrisches Chrisbömmle stiehn gehoot und des hoat ümmer gebrönnt, wenn dar vo Graßel kumme is und douwe die Höa rogefoarn is. Des woar ümmer so gäiche Elef Uhr und oft höm mir daus en Houf gewoart, blos um des zu sann. Doa is es scho Richtung Weihnochte gange. Irchendwann woar dann a e Christbaam, nou zomgebunde daus en Houf gelache. Oft woar Schnie ouwe drauf, des hoat dan ower nix ausgemoacht. Und dann biste amol vo die Schuel hämkumme und es hoat noach Pletzli geroache. E absolut sicheres Zäche, dass bald Weihnochte doa is.

Die Muetter hoat e poor Tooch hinnerenanner gebackt. Jeden Tooch hoats noach wos annersch geroche, noach Butterpletzli, Vanillehüernli, Kokos- und Nussmagrone, Terasse, Lebkuche oder Anispletzli. Des woarn mei Favorite und ich hob mich ümmer gewunert, wie die üwer Nocht ihr Füessli griecht höm. Die Pletzli sen elle nei Blaachdose oder Schochtel gsetzt wuern und im Schloafziemmer vo die Eltern nauf en Schrank kumme. Mir höm notürlich probier döff, ower des woar nit genuch, bei dan Hunger auf Pletzli, dan wu mir hatte. Für es Chriskind woarsch bestimmt a nit racht, wenn des o Weihnochte blos hoarte Pletzli griecht hätt, und sou höm mir probiert, scho vorhar möglichst viel doavo zu esse. Wie die Eltern uf die Idee kumme sen, dass ich nit nauf dann Schrank kumm, wäss ich nit. Weil des woar für mich änne vo die leichteste Übunge. Wenn ich mich auf des Fueßtäl vom Bett gestellt hob und gsprunge bin, konnt ich mich ouwe o die Boarde vom Schrank fäistghalt und hob mich dann naufgezouche. Oder ich bin auf des Noachtschrenkla gstieche, hob die Tür vom Schrank aufgemocht, hob dan linke Fueß in des Foach vo die Ünnerwösch gestellt und mich vo do aus naufgedrückt. Ouwe hat ich genuch Zeit. Ich hob mich floach hiegeleicht und ä Schochtel noach die annere aufgemocht, ower ümmer blos änn, zwä oder drei vo dare Leckerbisse rausgesse. Des woar e himmlischer Genuss und moanchmol hob ich a wos für mei Gschwister rausgehoult, die woarn kläner und konnte noch nit sou guet klatter. Mei Schokladfinger hob ich dann om Nochthöm vo die Muetter obgeputzt, quasi dobai mei Fingerobdrück hinnerloasse. Ower sie hoat nie gschent, weil se bestimmt gedoacht hoat, wer auf dan Schrank kümmt, dar kümmt a durchs Lawe. Blos irchendwann, wo mer dan Verlust in dara Schoachtel scho gsann hoat, hoattse mol gsocht: „Es wär guet, wenn o Weihnochte nou a poar Pletzli do wärn“. Des woar elles, wos die guete Muetter dozu gsocht hoat.

Früher woar die Weihnochtszeit a oft weiß. Es hoat gschneiert, mit konnte Schlitte gfoahr und o die letzte Tooch vor em Chriskind, ower när wenn Schnia gelache woar, hoat die Muetter nou Praline gemoacht. Doazu is Palmin, Kakau, Mahl, Rum und Vanillzucker vermengt woarn. Dar Tääg ist nei sou klänne Blaachfürmli kumme und die sen naus nein Schnia gstellt wuern. Do muesste mir aufpoass, dass die nit versunke sen, weil se nou a bissle woarm woarn. Wenn se total obgekuehlt woarn, höm mer se reigehoult und gesse, die Schokotannezapfe und die Schokokuchel. Des Ganze woar sou e allmähliche Steicherung bis zum Hälche Owed und mir höm gschpüert, jetzt kümmt bald die Zeit wu elles ruhicher wuerd, damit des Chiskind a wirklich Zeit hoat zu kumme und sich nit erschreck muess, weil elles nou sou in Aufrechung is.

Mir höm des mit dara Aufrechung sou einichermoaßen hiegriecht. Ower om Hälche Owed woar des damit vorbei. Mir sen früh aufgewacht, woarn aufgerecht, weil irchendwie e besondere Stimmung woar und höm gewüsst, hoit isses sou weit. Dar Voater hoat dan Chrisbaam reigebroacht, dan Stumpf obgsaacht, nein Ständer gsetzt und in dare Ecke vo die Stuwe aufgstellt. Mir Kinner höm die Krippe zomgebaut und nocher höm mir alle gemeinsam des Fichtle gschmückt. Ouwe drauf ist die Spitze kumme und ringsrüm ganz bunte Kuchel und Glöckli, hauptsächlich in roate Foarbe. Jeder durft sei Kuchl hiheng wu ar gewöllt hoat. Dar Voater hat nou sou goldenes Engelshoar und sou silberne Lamettafäide beigebroacht, des ist links und rachts o dan Baam higehengt wuern. Für die echte Woachskierze hoats ächene Halter gawe und mer hoat genau guck müess, wu mer die hiezwickt, damit später nit die Zweichli es brönne ofange. Vo die Krippe woar ich ziemlich fasziniert, weil mir doamols scho e elektrische Beleuchtung hatte. Dar Voater hat selwer en Stool als Krippe gebaut aus gegowelte Ästli und des Dooch woar aus Baamrinde. Ouwe im Dooch woar a Fohrodbirnle und a anersch roats Birnle woar unter dann Lacherfoier vo die Hierte, so dass des ganze Foier roat geloicht hoat. Mir muesste blos die Kawl o die Batterie halt und scho is es Licht ogange und weder dan Chriskind noch dara Hierte hoats gfruern, weil mir viel Stroah und Moos higeläicht höm. Ja mir woarn oarch modern mit dan Licht und unner Krippefigure woarn aus echtes Holz gschnitz und höm schüe ausgsann. Lediglich die Hälche drei Könich woarn e annere Suerte und hatte bunte Kläder o. Dar Koaschper hatt e Weihrauchfoos und ich hob mir ümmer vorgstellt, dass dar bestimmt irchendwann amol brech muess, weil´s mir selwer a in dara Kirch ümmer schlacht woar, wenn souviel Raach gemoacht woern is.

Jetz woar dar Nochmittoch a scho vorbei und es is auf´s Esse zugange. Wenn´s kä Gschenke gawe hätt, wär des Weihnochtsesse dar Höhepunkt üwerhaupt gewaast. Mer hot dann scho die Broatkartoffel geroche und die Wüerscht vom Voater sen gekoacht woarn. Dazu hoats, und des woar üwer Joahrzehnte gleich, roate Rüewezulot, Galarüewlichszulot und Schofmöarleszulot gawe. Die Broatwürscht hoat unner Voater als Metzger selwer gemoacht. Sou Wüerscht wie die hoats in dara ganze Republik nit gawe und anscheinend is des Rezept mit ihm ausgschturwe. Es könnt höchstens sei, dass dar Lummels Wendelin, weil er a Metzger is, des alte Rezept nou wäss. Ower des elles zomm, die ganze Gerüche, des woar dar Gschmoog vo Weihnochte. Es woar ümmer gleich und haot sich sou in unner Festplatte eigebrönnt. Ich hob später, wie ich e ächene Familie hatt, probiert, des sou ähnlich zu moache, mit dare Wüerscht und die Zulote, ower es is nie sou hiekumme und wuanerscht woar nit sou wie dahäm.

Noch em Esse woarsch endlich sou weit. Mir höm zom aufgerämmt, woarn dann in dara Küche gsatze und höm Weihnochtslieder gsunge. Dann, wie aus em Nix, woarsch plötzlich doa, des feine Klingeln vo unnerm klänne Weihnochtsglöckle. Ich hob nie mitgriecht, war geklingelt hoat, es muess es Chriskind gewaast sei, weil noch meiner Meinung mir ümmer alle in dara Küche beinanner woarn. Und moanchmol, wenn ich schnell aus em Fenster nausgeguckt hob, hob ich wirklich gemähnt, dass ich im Schneegschtöwer grod nou des goldene Gewand vom Chriskind gsann hob, wies grod üm die Ecke rüm is. Des woar e Sensation, und hattste jetz schoa groaße Aache, do sen die nou gröaßer wuern, wenn´s jetz nei die Stuwe gange is. Die Kierze höm en ganz helle Schein gemoacht und unner em Baam woarn lauter Pecklich gelaache, große und klänne und in viele bunte Foarbe. Mir Kinner woarn richtich ondächtich und höm uns erscht amol alle auf des Kanapee gsetzt. Bei sou viele Kinner muesst ja e Ordnung sei, und dann hoat a jeder sei Gschenkle griecht.

A wenn´s mit dan Geeld nit sou dick woar, öbbes höm mir ümmer griecht und es schüenste Gschenk woar, dass mir alle zom dahäm woarn und es woar oarch friedlich. Ich konn mich bis hoit nit erinner, dass ich mei Eltern doamols viel gschenkt hätt. Rümgedrähet wäss ich hoit, dass mir oarch oarch viel griecht höm. Es woarn wenicher die wertvolle Gschenke, sondern es woar des Gfühl für Weihnochte, des Gfühl für Familie, des Gfühl für Friedlichkeit und die Zeit mitenanner. Des höm mir früher alles griecht.

Die Zeit zum Spiele is bis zur Christmette gange und mir sen alle neis Duerf gelaffe, nei die Kirch. Die woar genauso weihnochtlich gschmückt, die Bloaskapelle hoat gspielt und zum Schluß, wie überoll o Weihnochte ist „Stille Nacht“ gsunge woarn. Dobei is des Licht ausgemoacht wuern, dass när die Kierze gebrönnt höm. Wer sou e Weihnochtsesse ghobt hoat, Gschenke griecht hoat und in der Kirch a nou die Stimmung vo die Stille Nocht mitgriecht hoat, der is irchendwie gsechnet und glücklich  und vergisst des a nie. Und vielleicht gähets dare annere Loit a sou: Mer versücht die Weihnochte sou hiezugrieche wie´s früher woar, weil sich die Erinnerung sou eigegrowe hoat und weils äfoch schüe woar. Sou hob ich mei ganzes Lawe, in jedem einzelne Joahr probiert, dass ich o Weinochte nit auf der Arwed, nit im Urlaub, sondern dahäm bin – und des hoat bis hoit ümmer geklappt.

Es gibt a Lied vom Rudolf Schambeck, dar hoat des a erlebt und des Lied gschriewe:

A Weihnacht wie´s früher woar, an Christbaum mit Engelshoar

Mit a´n Kripperl a´n Stern, ja des hätt´ i so gern

A Weihnacht wie´s früher woar, so friedlich so wunderboar

So selig so froh, des wünsch´ ich mir so

Fao211203

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