Endzeitszenario

Beerdigung.

Warum dieses Thema gerade heute beim Frühstück wieder aufgekommen ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich eine Folge der Krise in welcher man auch mal über Endszenarien spricht. Und gerade als ich anfange mein frisches Dreisaatbrötchen zu essen.

„Ob ich nicht doch verbrannt werden will?“ fragt meine Frau zum wiederholten Male.

„Nein, ich will normal beerdigt werden! Nicht verbrannt! Das ist mir viel zu heiß!“ antworte ich empört. Mein ganzes Leben lang habe ich die Sonne gemieden, weil sie mir einfach immer zu warm war. Und dann soll ich bei meinem letzten Gang, quasi beim letzten Atemzug,  in die Flammen. Kommt nicht in Frage! Vor lauter Schreck ist die Marmelade vom Brötchen auf mein Hemd und auf die Tischdecke getropft.

„Ein Sarg ist doch viel traditioneller“ werfe ich mehr zaghaft ein.

„Aber wenn du tot bist, merkst du doch gar nicht mehr dass du verbrannt wirst“, stellt meine Frau fest.

„Ja weißt du das? Hast du schon mal jemand getroffen der davon erzählen konnte? Hast du nicht, oder?“ halte ich dagegen.

Der nächste Einwurf von ihr der mich überzeugen soll: „Unser Familiengrab ist voll. Eltern und Großeltern und ein unverheirateter Onkel sind schon darin beerdigt. Da ist kein Platz mehr für deinen riesigen Sarg, aber eine kleine Urne wäre möglich“.

Es gibt natürlich bestimmte Vorschriften bei uns, wann und wie viele Menschen in einem Grab beerdigt werden dürfen. Das ist mir jetzt gerade aber egal, und nach meinem Ableben erst recht.

Also gebe ich nicht auf: „Die Eltern liegen noch nicht so lange, aber die Großeltern schon Jahrzehnte. Da hat die Natur doch wieder Platz geschaffen“ denke ich bei mir.

Oder soll sie doch die Großeltern rausholen und verbrennen, die merken doch bestimmt nichts mehr. Ich aber schon, vor allem wenn ich erst kurz vorher gestorben bin; glaube ich zumindest so ein kleines bisschen. Vor lauter Denken wird mir ziemlich heiß, als könnte ich die Flammen schon spüren.

Und überhaupt, das Thema mit der Sonne. Auf meinem Grab soll ein Busch stehen, damit mein Kopf im Schatten liegt. Davon gehe ich nicht ab. Das will ich so und wenn es mein letzter Wunsch ist. Warum soll ich mich im Tod noch ändern, ich habe mich doch sonst auch nie in die Sonne gelegt. Da geht es einfach um das Prinzip. Das muss ich wahrscheinlich direkt in mein Testament schreiben.

Aber generell mag ich die Sonne und den Sommer schon.

„So und jetzt will ich nichts mehr davon hören!“ Mit diesen Worten wische ich die Marmelade von Hemd und Tisch, sammle die letzten Krümel vom Teller und stehe auf. Da gehe ich lieber in den Garten und lege mich freiwillig in die Sonne.

Ein Kommentar zu „Endzeitszenario

  1. Na hoffentlich dauert das noch ein paar Jahre. Dann ist noch mehr Platz im Grab 😉
    Ich vermisse Dich und wäre auch gerne mal wieder in Eurem Garten.

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