Märchentrilogie Teil 1

FÜR EDNA UND OLE UND EMIL

Die Biene Summsidibummsi

Summsidibummsi war ein Mädchen und ihr richtiger Name war Summsi. Am Anfang wurde sie von allen mit dem richtigen Namen gerufen, aber als sie größer wurde und fliegen konnte, bekam sie schnell den Spitznamen Summsidibummsi. Der Grund dafür war ganz einfach und man musste die kleine Biene nur beim Fliegen beobachten. Sie fing an mit den Flügeln zu schlagen, erhob sich mit dem Eimerchen in die Luft, bog dann nach rechts ab obwohl sie geradeaus fliegen wollte und „Bumms“, war sie schon mit einem Zweig oder einer Pflanze oder sogar mit ihrer Freundin zusammengestoßen. Sobald Summsi zu einem Flug startete konnten alle Bewohner der Blumenwiese hören wo sie gerade flog, denn es machte andauernd „Summsidibumm, Summsidibumm, Summsidibumm.“ Mit der Zeit hat sich das ganze Bienenvolk daran gewöhnt und Summsidibummsi war ja obendrein ein ganz nettes und fröhliches Mädchen. Sie konnte sich nicht erklären was mit ihr los war. So sehr sie sich auch bemühte geradeaus zu fliegen, jedes Mal landete sie irgendwo mit einem lauten „Bumms“. Sie hatte sich schon daran gewöhnt, einen Sturzhelm zu tragen und bekam so wenigstens keine blauen Flecken mehr.

Eines Tages wurden die Eltern von Summsidibummsi zur Königin gerufen.  Der Königin war zu Ohren gekommen, was tagaus und tagein mit Summsidibummsi passierte. Deshalb rief die Königin alle Arztbienen des Volkes zusammen, diese sollten eine Medizin und Behandlung für Summsidibummsi finden. Also fertigten sie ein Brillengestell aus Pflanzenhalmen an und setzten in die Fassung einen Tautropfen. Dieser wirkte wie ein Vergrößerungsglas und die kleine Biene konnte alles dreimal so groß sehen wie normal. Sie flog eine Weile mit dem Gestell herum. Nach kurzer Zeit jedoch verdampfte der Tautropfen und man hörte wieder das übliche „Summsidibumm, Summsdibumm“ über die Wiese schallen. Wieder versammelten sich alle Ärzte und beratschlagten weiter, um endlich eine Lösung zu finden. Da kam jemand auf die Idee, eine Brille aus Glas zu fertigen, wie bei den Menschen. Schnell fand sich auf dem Weg ein Glassplitter. Die Mechaniker fertigten ein Gestell mit dem Glas, wie eine richtige Brille.  Wiederum flog Summsidibummsi mit ihrem neuen Gestell zur Probe los und die ganze Wiese lauschte auf die Geräusche. War erst noch ein fröhliches Summen zu hören, so gab es nach kurzer Zeit einen großen „Bumms“ und ein „Klirren“ und Summsi lag auf dem Rücken in den Scherben unter einem Kleeblatt. Die Brille war viel zu schwer gewesen und so war unsere kleine Biene nicht geradeaus, sondern schräg nach unten geflogen und hart auf dem Boden gelandet. Es gab noch weitere Versuche, aber nach einiger Zeit wurden alle Behandlung von den Ärzten eingestellt, weil nichts eine Besserung brachte.

Summsidibummsi war jetzt schon älter und da sie nicht mit den anderen Bienen fliegen konnte, war sie immer allein auf der Wiese unterwegs. Eines nachmittags war sie auf dem Weg zur Quelle, um für das Volk einen Eimer Wasser zu holen, als es auf einmal schepperte. Doch es war nicht nur ein „Bumms“, sondern ein gewaltiger „Bumms-Bumms“. Summsi schaute sich erschrocken um, denn neben ihr am Boden lag eine andere Biene, aber kein Mädchen, sondern ein Junge, bestimmt einen Fühler größer als sie.

„Wer bist denn du?“, fragte Summsi.

„Ich heiße Summser und komme von der Nachbarwiese“, antwortete er.

„Ja und warum bist du allein unterwegs?“

„Ach ich kann mit den anderen nicht fliegen. Ich habe einen Sehfehler und jedes Mal, wenn ich geradeaus fliegen will, dann fliege ich nach links und dann macht es „Bumms“. Deshalb heiße ich bei uns Summserdibumms.

„Bei mir ist es anders“, sagte Summsi, „wenn ich fliege, dann fliege ich mit meinem Sehfehler automatisch nach rechts“.

Sie unterhielten sich eine ganze Weile und erzählten ihre Geschichten. Es dauerte nicht lange da schauten sie sich schon verliebt in die Augen. Lange hielten sie sich an den Händen und dann sagte Summsi:

„Komm, lass und ein Stück gemeinsam fliegen“.

Sie erhoben sich in die Luft …….. und siehe da, es gab keinen Knall, keinen „Bumms“ und keinen Absturz, eher hörte man ein liebliches Summen, denn sie flogen beide gemeinsam gerade aus. Sie mussten sich nur an den Händen halten und gegenseitig stützen.

Als die Königin davon hörte, wurden Summsi und Summser eingeladen und nur kurze Zeit später haben sie geheiratet und bekamen viele Kinder. Und noch heute hört man, wenn deren große Kinderschar unterwegs ist, ein vielflügeliges fröhliches „Summsidibummsi“ und „Summserdibumms“ auf der Wiese. Obwohl alle Kinderlein einen Sehfehler hatten, freuten sich die Eltern, denn sie wussten immer genau wo ihre Kleinen gerade waren.

fa210214

Dröschmaschine, drei Löcher und Stroisslkucha

Dröschmaschine, drei Löcher und Stroisslkucha

Wenn ich sunst mei Kinner gfräecht hob: „Wüsst ihr wos e Dröschmaschine is?“ No höm die gsocht: „Freilich wüsse mir wos e Wöschmaschine is!“ Nä, des hob ich ower nit gemähnt. Dann hob ich erklärt, wie des früher woar mit dann Geträd, mit en Hower und die Garschta und dann Wäss. Es woar halt e bissle schwiericher als hoitzutoch mit dara modäerna Mähdröscher. 

Des Dröscha woar ümmer e aufrechende Sache. Für die Erwochsene worsch a mueds Arwed, sie höm sich arch geploacht und hom alle zomgeholfe. Für uns Kinner worsch e schüene und aufrechende Abwechslung. Meist is es lustich zugange, weil es woarn viele Loit do zum Hölfa, die Arwed is vo die Haand gange und mästens woar sou e Schoier voul Geträd bis Oweds fietich gedröscht. Die Weiwer woarn im Stroah, höm des erscht nausgelangt auf die Maschine und noch em Drösche höme se die Stroahbüschel wieder neigsetzt, damit für die Viecher noch em Ausmista genuch truckenes Stroah do woar. Mästens hoats Kuche gawe und dar is nou richtich im Oufe gebacke wuern. O die Ecke vo die Ödelsgasse zur Hauptstroaß hats nou sou en Backoufe gawe. En liebste hob ich Stroisslkuche gesse, dar Kaasplootz woar ower a guet. Und wos woar des für e Genuss, wenn sou e ganzes Blaach früüsch vom Oufa rauskumme is. Oder es ist direkt im Oufa gebackt wuern und is danoch auf des runda Briet kumme und es woar die Grönung wenn du gleich e Stück dovo griecht hoast.

Wenn die Dröschmaschine kumme is, die is ja vo Houf zu Houf gezoucha woarn, woar des wie a Umzuch. Dar Lanzbulldog hat se gezouche, und dar is ganz schö rümgehopft, bis die Maschine o die richtiche Stelle gstanne is. Nacher ist dar Flachriema o die Riemaschoiwa vo dan Lanz hiegemocht woarn und scho is des technische Werk mit a mueds Getös losgelaffe. Die Dröschmaschina war a änzichs Wunderwerg. Üweroll hat sich wos gedrähet, es hoat einen Lärm gemocht und wenn se richtich in Foahrt woar, hats ganz schüe gstoit, dass e richtiche Wolke im Houf gehengt woar. Die Hölfer woarn ümmer guet drauf und hatte bei dara schwäre Arwet sougor en muerds Spoaß. Ich gläb, dass zuerscht dar Bulldog do woar und danach woar die Entwicklung scho wieder weiter gange. Dann hoat mer sou en Elektromotor uf sou en kläna Wooche gehot und dar is o dan Stoarkstrom ogschlosse woarn. Irchendwo im Durf woar a Onschluss und vo do aus hoat mer dan Strom nei die Höuf verleicht. Dazu sen sou ganz dicke Kawel durch es Durf gezouche woarn und doadro ist dar Motor ogschlosse woarn. Mir Kinner muesste ümmer die Kawel vo än Houf zum annere Houf zieh und mir hatte e mueds Fräd dabei, vor allem weil mir dafür dan Stroisslkucha griecht höm. Vourne ou dan Stecker woarn drei Löcher und do woar dar Strom scheinboar din gewohnt. Des hob ich zu dara Zeit nou nit gewüsst, nit amol wos Strom überhaupt is und a nit, dass mer dan Strom in die Kawel nit stör döff. Awer ich woar ümmer experimentierfreudich. Es woar beim Ziehn vo die Kawel äfocher, wenn du die Finger nei die Öffnunge vo dan Stecker gsteckt hoast, do konnste viel besser ogepack, weil dar hat scho a Gewicht gehot. Hob ich halt gedocht! Des hoat dan Strom, denk ich, ziemlich gstört und ar hoat zurückgschloche. Ich hob änne gepätscht griecht, dass es mich richtig vom Bouda gehouwe hoat und nocher woar ich duert gelaache und hat nou sou en Blitz in die Aache.  Erscht konnt ich mich goar nix mer beweich, mei Fingerspitze woarn versengt und höm nou a bissle geraacht, mei Oarm hot wäha getuen und ich hob nit gewüsst, worüm ich jetz do liech. Es hot nix genützt, ich muesst des Kawel trotzdem nou bis zum anere Houf ziah. Ich hob dann meim Voater erzäihlt, dass ich sou en Schlooch griecht hob, weil ich mei Finger do nei die Löcher gsteckt hat. Ich hob mir des ower für alle Ewichkät gemirkt.

Mei Voater hot blos gsocht: „Wos langste denn a mit dei Griffl überoll hi, du Dollack“.

Ich hob e weng gebleckt, weil mir die Finger nou wäah getuen höm. Na hot er mich auf en Bobadegl nawe die Tröppa gsetzt und gsocht: „Do bleist de jetzt sitze, zum Dunnerkeil noch amol“.

Ar hoats ower nit sou gemähnt, weil er hoat zum Onkl gsocht: „Dar hät hi sei könn, dar Bua“! Scheinbor hoat ar a dan Strom scho mol kennegelant, vielleicht a scho wie ar nou klä woar. Nochher hoat ar mir nou e groaß Stück Stroislkuche gebrocht, sou en richtiche Keil, und ich hob gemirkt, ar woar froah, dass ich überhaupt nou Stroisslkucha ess kannt.

Es gait halt nix über Stroislkuche beim Drösche. Dar is für elles guet. Dafür steck ich a mol wieder mei Finger in die Löcher vo dann Stecker.

Naa, liewer nit, sunst brönna bei mir nou mehr Sicherunge durch.

fa210204

Locke down – Pandemie aus der Sicht eines Haares

Locke down – Pandemie aus der Sicht eines Haares

Schon länger ziere ich mit vielen meiner Kollegen das Haupt meines Trägers; eigentlich seit Geburt. Ich bin groß geworden vorne am Kopf nach dem Stirnhaaransatz, fast mittig der Stirne und bilde im Verbund mit anderen die vordere Locke des Haupthaares, die sich sanft von rechts nach links über die Stirn zieht, bis sie an der Schläfe in einer Spitze ausläuft. Mein Herr, der mich durch die Welt trägt, mir viele Dinge zeigt und mich auf jede seiner Unternehmungen mitnimmt, ist scheinbar etwas aus dem Tritt gekommen. Meine angeborene Aufgabe, mit meinen haarigen Kollegen eine Locke zu bilden, hat mich immer ausgefüllt und ich konnte diese Aufgabe immer so zur Zufriedenheit meines Trägers erfüllen, dass ich auch auf einem weiblichen Haupt eine Augenweide gewesen wäre. Zur Belohnung wurde ich in regelmäßigen Abständen in ein Frisieretablissement getragen. Ich wurde dort gewaschen, massiert, durch einen Schnitt wieder in Form gebracht und auf ein normales Maß zurückgestutzt, so dass ich mich in meiner Eleganz kaum von den anderen Haaren unterschied. 

Was war denn jetzt nur passiert? Jedes Mal, wenn mich mein Herr am Morgen im Spiegel erblickt, treten ihm Tränen in die Augen. Sofort versucht er mit wilden Bewegungen, mich und die gesamte Haararmee zu bändigen, versucht uns in eine gewohnte Formatur zu legen und versucht den Anschein zu erwecken, alles wäre so wie früher. Wenn ich mich jedoch umblicke, kann ich seine Trauer verstehen, denn meine Kollegen haben sich entschlossen, wie wild durcheinander zu wachsen und die antrainierte Scheitel-Locken-Stammformation zu verlassen. Teils kann ich das verstehen, denn viele Haare links und rechts von mir sind sehr dünn und schmächtig und können, da sie ungezügelt weitergewachsen sind, ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen. So sind sie gezwungenermaßen den Naturgesetzen unterworfen, können den formgebenden Schwung der Locke nicht mehr halten und hängen, von der Situation frustriert, traurig und leicht hin und herschwingend, nach unten. Da nützt es auch nichts, wenn der Träger immer wieder unwirsch versucht, mit einer schnellen Handbewegung diese Hängelocke beiseite zu schieben. Immer wieder findet sie den Weg zurück nach unten und erzeugt so ein permanentes Gefühl des Versagens und der Trauer. Oft wird versucht, sie mit verschiedenen Mittel zu verstärken, sie wird gewachst, besprüht und mit Schaumfestiger behandelt. Doch hat das Haar, wie gerade jetzt, seine Seele verloren, so werden alle Bemühungen umsonst sein. Die einzige Möglichkeit bestünde darin, die Locke-Down-Zeit zu beenden und durch den Besuch des Haaretablissements so viel Energie zu tanken, dass sie sich wieder voller Pracht hochheben könnten.

Immer wieder beobachte ich, dass dieses Problem auch bei anderen Menschen sehr stark um sich greift. Wo ich auch hinsehe, scheint die ungestüme Haarwucherung wie eine Pandemie um sich zu greifen. Erfolglos wurde versucht, mit eigenen Mitteln dieser Wildheit Herr zu werden indem, zum Beispiel mein Herr, vor dem Spiegel stehend, in uns hineinschnitt. Dies hinterließ am Kopf eine muldenförmige Delle im Haupthaar, was bei den Mitmenschen ein mitleidiges und wissendes Kopfnicken erzeugte.

Was muss noch alles passieren? Habe ich nicht ein Recht darauf, sofort irgendwo hinzugehen und mich bändigen zu lassen? Was gehen mich die anderen Menschen an? Hauptsache mir und meinem Träger geht es wieder gut. Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn heute habe ich mitbekommen, dass mein Träger in seiner Not im Etablissement angerufen hat und für die Zeit nach dem Locke-Down einen Restaurierungstermin fixiert hat. Das heißt, ich muss nur noch wenige Tage durchhalten. Noch geht es mir einigermaßen, doch rings um mich herum gibt es viele Kollegen, die jetzt an tödlichem Haarspliss leiden und anfangen sich gegenseitig auf- und abzuspalten. Dies ist der Tod jeder Frisur. Manch andere haben bereits ihr Leben ausgehaucht und sind klammheimlich vom Kopf auf den Boden gefallen, wobei sie eine an der Stirn und an den Schläfen zunehmende Erosion sichtbar machen.

Ich bin froh, dass diese Zeit bald vorbei ist und mein Träger wieder ein gut frisiertes und fröhliches Lebewesen sein wird.

fa210203

Wenns emol wieder nix Gscheits zu esse gait

Wenns emol wieder nix Gscheits zu esse gait

Mei Frau hat des Gfühl gehot sie müesst emol wieder a poar Kilo abgenahm und hat daswache a Diät durchgezoucha, sou a Null-Diät. Da isst du goar nix, nit amol grües Gemües. Sie woar ziemlich tapfer und hoat des die ganze Woche durchgehalte und hoat gsocht, dass se ächentlich die ganze Zeit kän Hunger gehot hoat. Jetz isst se wiede,r ower sie bemüht sich gleich um a richtich ausgewochene Ernährung. Früh isst se goar nix, trinkt blos an Liter Wasser und zum Mittochsessa gaits alleweil ümmer sou en Hofa voul Gemües. Weil se määnt mir täts a guet tue oder es wär sougor oarch noatwendich, söllet ich a unbedingt mitmoch. Ich hob nix gäicha an Gemüeshofa, dar schmeckt mer sougor richtich guet, vor allem, wenn wie in dan Fall hoit, sou a Schoiwa Rinderbä mit neigekoacht is. Doch, es hat guet gschmeckt, ower ich hat direkt a bissla Angst, dass des Sättichkeitsgfühl nit sou lang ohällt wie ichs gewoahnt bin.

„Bestimmt hob ich um Dreiviertelzwä scho wieder Hunger“!

„Du wirscht doch d0 nit schue wieder Hunger höm, es woar doch alles din wos dei Körper braucht, sougor Fläsch!“

Wenn die wüsst wos mei Körper grod braucht! Ich hob nix gsocht, ower ich hat nou in mein Koupf dan letzta Toch, wus des gsunda Essa gawe hoat. Do hob ich in der Nocht geträmt, ich wär en Afriganer und durch die Dürre seit drei Joahr tät nix mer woachs und mir hätte nix zu Essa in der Hütte und im Mocha. Des woar so schlümm, dass ich in dara Nocht aufgstanna bin und hob mer vom Kühlschrank a Knackerle geholt und hob des gessa.

Ich hatt hoit dan ganza Vormittoch gearwet, war mued und hob mich noch dann schwäre Essa hiegeleicht zum Ausruhn; oder vielleicht soch ich besser noch dan Äsen, weil es woar ja blos grües Zoich. Und wos söll ich soch, ich kenn halt mich und mein Körper seit ich auf die Welt kumme bin, pünktlich um dreiviertelzwä hot mei Mocha es rumpeln ogfangt, weil sich die Dierm zamgezoucha höm. Ich bin jetz dreissich Joahr verheiert, und mer söllt män, dass die Fra a dan Mocha vo ihrn Mo kennt. Mein Bauch kennt se dafür genau und wäss ümmer, wenn dar wieder zugenumme hoat. Also söllt se a wüss, dass dar Mocha hinner em Bauch is. Weil des Organ sou gegrummelt hoat, bin ich so mal im Koupf unner ganze Vorräte im Haus durchgange, damit ich wäs wu ich hie muess, im Fall dass ich kä Kroft mer hob. Des hot mich wieder a bissle beruhicht und ich hob bis zum Kaffee durchghalte. Ich hob gewüsst, dass mir, laut meiner Liste im Koupf, nou truckene Chrisstolle im Schrank höm, und weil dar wag muess und mei Frau nix wagschmeiss kann, hob ich mit ihrm Einverständnis davo sou en Keil gessa. Jetzt ham mer direkt wieder besprocha, wos es zum Awedsessa gab söll. Bevor ich soch konnt, dass ich ja mol zum eikäfe gieh könnt, hat se scho den Menüplon für aweds fertich gehot. Es woar kä groaße Überraschung, es sollt dan Rest vom Gemüeshofa vo hoit Mittoch gab und wenns nit lang tät, hätte mer nou Lauchsuppe vom Toch zuvor. Mei Kroft hatt scho nochgelosse und daswache hob ich mich erscht amol wieder higeleicht und nochgedocht. Nä, ich muesst äfoch zum eikäfe gie; des hoat mei Stimmung soufurt wieder gebessert.

„Käf nit sou viel, mir höm nou Broat eigfruen und Aufschnitt, dar müesst amol gessa war“.

A wenn ich Hunger hob, ower alter Aufschnitt is nit sou mains, vor allem sah ich dann ümmer soufurt sou braune Ränder dro und dann isses vorbei mit meim Apetitt. Es woar inzwüscha sechs Uhr und ich bin zum Gschäft gelaffe. Mein niedriche Zuckerspiechel hob ich gemirkt, weil mei Bä woarn ziemlich schlabbrich und ich bin öftersch gstolpert als normal. Im Koupf wur mei Einkaufsliste fertich: ich wollt Steegs, Weisswürscht und Spärribbs mitnahm, no könnt ich derhäm ausgewähl, wos ich ess will. Sou Grumbernecke hatte mir nou eigfroan und en Zulot wär schnell gemocht. Ich hob dann die Spärribbs mitgenumme, dazu Schokoreisbrei in sou en Becher und e Erbeermilich. Wenn ich Erbeermilich käf, gäats mir nit sou gut und daswaache hob ich uffn Hämwach erscht amol sou a Infusion mit Erdbeermilich gemocht. Ich hob mich nei die Bushaltestelle gsetzt und gewoart bis die Kraft für dan restlich Hämwach wieder do woar. Ich hatt mir gedocht, dass ich die Spärribbs nein Ofa tue, ower wie ich die Haustür aufmach, hob ich scho geroche, dass dar Hofa mit Gemües scho wieder wormgemocht wurn is. Es woar zum Glück nou sou a Rindsbäschoiwe do. Mer konn des Mittochs und Oweds ess, muess mer ower net.

„Ich schaff und schaff und dann griechste blos Gemues zum Essa“!!

Des hob ich amol sou nein Raum gstellt, ower mei Fra hots äfach überhöart. Noch em Essa hob ich Spuert gemocht, also des Handballspiel geiche Spanien geguckt. Also wenn de Hunger hoast, anou des Spiel verlierscht dann isses blos vo Vorteil, wenn de jetz dann mitgebrochte Reisbrei mit Schoggo nou ess konnst. Wie guet, dass ich dan nou gekäfft hob.

Dan Tooch hob ich rümgebrocht, mästens gehungert, und hob dann trotzdem jede Menge Kalorien in mir din gehot. Do hät ich a gleich Kuetlett mit Bommes ess könn. Des wär dieselwe Menge o Enerchie gewaast.

fa210130

Hosekühles am Sunntich

Hosekühles am Sunntich

Wie ich nou klä woar, hatte mir dahäm ümmer Viecher gehoot und die höm mir ach gesse, außer die Katz und die Fisch im Aquarium. Im Stool woarn die Soi, im annere Stool die Huenner und dann woar nou hinner em Haus a Stool mit Hoseküh. Die Hoseküh woarn für uns Kinner immer schüa zum spiele, sie woarn flauschich, woarm und hatte ümmer Junge im Nast die wu mer beobacht konnt. Monchmol hömmer sche raus aus em Stool und hömse sou rüm los laff. Manchmal hömer a mit die Hoseböllerli gspielt, die woarn schö rund und uf em Stäbouda sens se wunderboar gerollt. Mir hatte unner Fräd und dafür sen mer a naus die Ecker und höm jeden Toch grües Groos und Ringlbüsch gehoult und gfüettert. Die mäste Hosa hatte Nome und wenn die Muetter gsocht hot: „En Sunntich geits Hosekühles“, nacher ist wieder äns gschlacht woarn. Des hot dann zwoar gfahlt im Stool, mir höm a weng gebleckt, awer noch kuerzer Zeit woarn scho wieder noie Junge do. Beim Schlochte hob ich oft zugeguckt und später hob ich des selwer gemocht. O die Hinnerloif ist des Fell abgsetzt woarn und dann hot mer des Fell uf ämol nach unne über en Koupf gezoucha, möglichst vorsichtig, damits kä Louch griecht hot. Des Fell is dann auf so e Holz gspannt woarn zum truckln und manchmol is so e foahrender Händler kumme, dar hot des Fell für fünef oder zäha Pfennich mitgenumme und Mentel draus gemocht. Manchmol hots a dar Soihöüg mitgenumme, des is dar wu rüm föahrt und vo die Loit die Soi abkäft. Später in der Stadt hob ich amol e Fraa gsahn, die hat sou en Hosekühmantel o und des änne Stück hoat genauso ausgsahn wie dar Pelz vo unner Susi, die wu ich selwer gschlocht hat. Ich hob unwillkührlich „Susi“ gerueft, ower dar Mantel ho kä Antwort gawe. Es woar wohrscheinlich zu kaalt, sonst hät die Frau ja gor kän Mantel ogezoucha.

Hoseküh höm guet gschmeckt. Ich hob mästens des Backefläsch gesse, des wollte die annere net sou. Manchmol woarsch a sauer eigeleicht, ower des Beste woar, wenns nou mit Hackfläsch gfüllt woar. Des hot sou en guete Gschmock gehot, dass de gor nit wos annersch hast ess wöll. Und dann nou Blaukraut und Klöas dazu, a richtichs Festmahl war des. Ja, mir höm früher a guets Zoich gesse und höm uns drauf gfräht. Wenns amol e Notfall woar und es woar nix annersch do, hots öftersch Hosekühles gawe. A Notfall woar a, wenn du mol wieder mit dara Hosaküh gspielt hoast. Die Viecher höm a ihrn ächene Sinn und wollte a manchmol ihr Ruh oder äfoch nein Nast zu ihre Junge. Da hosta die Hosekuh am Schwanz gepockt und feistghalte. Die hatte eine Kroft, die Verrecker, und weil du a nit nochgawe hoast, wor des a richticher Wettkampf. Da haost du scho zwä Heend gebraucht, dass du die a blos a poor Milimeter rückwärts gezoucha hoast. Bautz, woarscht de auf en Oarsch gsasse und hatst des Schwenzle vo die Hosekuh nou in die Hand. „Ou Sakra“, hast de gedacht, „do würds vom Voater wieder a poor nei die Anke gan“. Da biste schnell nei zu die Muetter und host gfräecht: „Muetter, willst de nit am Sunntich wieder Hosekühles moch?“ Sie guckt des Schwenzle in die Hand o und säicht: „Freilich, am Sunntich geits Hosekühles mit Gfüllts. Giah schnell naus und schlocht gleich änne, bevor der Voater vo die Arwert kümmt. Des hob ich dann soufurt gemocht und es woar a guet, weil die Hosekuh ohne Schwaanz hot a nit gsund ausgsahn, hot ganz schö rümgejommert und vielleicht wärsche o dan Toch a nou gschturwa. Zum Glück woarn die Junge schue groaß genuch, dass se vo allä fress konnte und sou is es goar net aufgfalle, dass ihr Muetter gfahlt hot.

Am Sunntich hoats e guets Esse gawe un dar Voater hot sich mueds gfräht, dass sei Bue scho die Viecher schlocht konn.  Zur Belohnung hot er mir nou 10 Pfennich gawe. Er hot ower nit gewüsst, dass des die erschte Hosekuh ohne Schwaanz woar. Für des Fell hob ich blos fünef Pfennich griecht, weil dar Schwaanz gfahlt hot. A Fell ohne Schwaanz is halt bloos die Helft waat.

fa210123

Impfen und Corona

Impfen und Corona

Mein Leserbrief zu „Impfstoff-Behauptungen geprüft“ vom 18.1.21, Saalezeitung, veröffentlicht am 23.1.21

Der Artikel vom 18.1.21 in der Saalezeitung hat die Fehlinformationen bezüglich der Corona-Impfung dargestellt und berichtigt. Der Impfstoff ist sicher, er wurde genügend getestet, verändert das Erbgut nicht und hat nicht mehr Nebenwirkungen als die anderen bekannten Impfungen auch. Als Impfarzt kann ich bestätigen, dass die Reaktionen nach der Impfung sich darauf beschränken, dass der Impfstoff „arbeitet“ und das macht bei einigen geimpften Schmerzen im Arm. Das ist soweit normal. Trotzdem gibt es noch eine Menge Menschen, die sich wegen der Impfung noch nicht sicher sind, auf der anderen Seite finden sich handfeste Impfgegner. Mit der ersten Gruppe kann man reden und kann sie überzeugen, die unbelehrbaren querdenkenden Verschwörungsanhänger werden, ganz egal was sie hören, dagegen sein – sie leben weiter auf ihrem eigenen Planeten.

Oft hört man, auch von jungen Leuten, sie seien nicht richtig aufgeklärt. Hä?? Wofür gibt es die Medien, die Fachzeitschriften, das Internet welches täglich über Stunden benutzt wird, da könnt ihr euch nicht informieren? Das kann ich nicht glauben. Und ihr habt Angst vor den Nebenwirkungen? Wenn ihr mal wieder einen großartigen Auslandsurlaub plant und die Gelbfieberimpfung und Hepatitisimpfung braucht, wird in der Regel auch nicht groß nach den Nebenwirkungen gefragt. Wie viele von Euch rauchen immer noch? Im Jahre 2021 waren das 121.000 Menschen, die in Deutschland direkt durch Rauchen gestorben sind. Weltweit sind es etwa 7.000.000 Todesfälle durch das Rauchen, in 1 Jahr!!! Das scheint jedoch keine große Tragödie für die Öffentlichkeit zu sein. Wer von den Impfskeptikern trinkt Alkohol? Etwa 1,61 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken missbräuchlich Alkohol. Sie nehmen körperliche, psychische und soziale Folgen in Kauf, obwohl die Fakten glasklar bekannt sind. Wer nimmt am Straßenverkehr teil? Laut statistischem Bundesamt sind im Jahre 1919 in Deutschland 3 059 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Es gibt im Straßenverkehr immer ein Risiko, aber man fährt und denkt gar nicht daran. Die Nebenwirkungen beim Rauchen und Trinken sind bekannt, aber man tut dies. Ich finde die permanente Debatte über die Impfrisiken ziemlich schräg, weil der Vergleich zu den Alltagsrisiken einfach verloren gegangen ist.

Bei genügendem Nachdenken muss man einfach zu der Einsicht kommen, dass die Impfung notwendig ist. Niemand weiß, wann ich jemanden anstecke oder selbst angesteckt werde und wie dann der Krankheitsverlauf ist. Es kann auch ein schwerer Verlauf mit Todesfolge sein. Die Spätfolgen sind auch bei mildem Verlauf manchmal gravierend, auch bei jungen Menschen (Abgeschlagenheit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung über Monate). Nur bei einer genügenden Menge an Geimpften (sollte bedeuten man wird nicht krank und kann durch eigene Krankheit niemand mehr anstecken) lässt sich die Pandemie beherrschen und der Viruspool austrocknen. Impfungen gelten heutzutage allgemein als wirksame, präventive Maßnahmen und schützen vor Krankheiten, die früher oft tödlich endeten. Dies ist allgemeiner weltweiter Konsens.

Die Impfskepsis, die in der Bevölkerung herrscht, trifft man natürlich auch beim Pflegepersonal im Krankenhaus und in den Pflegeheimen. Gerade diese Menschen mit ihrer medizinischen Vorbildung sollten vorangehen, ihre Bedenken besprechen und sich dann impfen lassen. Es wird, und da bin ich mir ganz sicher, einen Impfausweis geben, da irgendwann bei Reisen in andere Länder und für bestimmte Tätigkeiten ein Coronaimpfschutz nachgewiesen werden muss. Das wird die Entscheidung – pro-Impfung – weiter erleichtern.

Gerade jetzt muss aber die eigene Strategie:“ Ich warte erst mal ab“, über den Haufen geworfen werden. Trotz möglicher eigener Bedenken ist ein solidarischer staatsbürgerlicher Akt gefragt, der, zum Wohle aller, ins Impfzentrum führt.

fa210121

Mach när sou weiter

Mach när sou weiter

Mer konn des verstieh als Aufforderung, dass mer des, wos mer grod mäicht, äfach sou weiter meicht. Ja, wenns änner schua sou säicht, nacher meicht mer des a sou wie dar des saicht.

Die Sunntichskirch hat pünktlich ogfange, ich woar mit em Voater in der Kirch ouwa die Empor. Vurna dro o die Empor war e Absperrung, wie e Gitter und do konnt mer noo nei die Kirch guck. Jetz is des für Kinner in meim Alter nit sou interessant, vor allem, wenn die Kirch racht lang dauert. Ich wäs a nix mer genau, war ich 4 oder 5 Joahr alt, es woar awer sou, wenn mei Voater die Bä brät gemocht hat, hob ich nou guet unta durch laf könn, und mei Voater woar nit sou groaß.  Die Zeit hot sich o dan Sunntich wieder gezoucha und daswache hob ich dan annere Bua beobacht, dar wu a poor Bä weiter noch links gstanna is. Dar is a bei sein Voater durch die Bä getanzt und hat ümmer „Döff Döff Döff die Eiseboahn“ gsunge. Des Lied hob ich schua gekennt und da wollt ich natürlich mitmach. Dan sei Voater wor in Andocht versunke und sou hot dar des goar nit sou gemirkt. Ich hob gedocht, wenn dar Bua des döf, dann döf ich des a, also hömer „Döff Döff Döff“ zwische die Menner ihr Bä durchgemacht. Dara groaße Menner hat des gfalle, weil die höm feist mitgemocht und ümmer „Schscht“ oder „Bschtt“ gemacht, genau wie sou e modäerna Logomotiv des a meicht. Mei Voater hat erscht a e poor mal „Schscht“ gemocht, nacher hot er mit seim Finger ganz willt nawe sich auf en Bouda gezeicht und ganz streng geguckt. Wahrscheinlich wollt er, dass ich mit mei Eiseboahn zu ihm hifoahr. Des hob ich a gemocht und mich gfräht, dass er scheinboar a mitspiel will. Jetz hot er ower gered und gflüstert: „Du bleist jetzt do bei mir du Sakaramenter!!“ und kurz danoch: „Mach när sou weiter!“. Ja als Kiend verstähest du vo moncher Sprichwürder dan hintergründiche Sinn nou nit sou gaanz, oder a gor nit. Ich hob des ganz wörtlich genumme, hob micht gfräht und bin, weil die unta grod mit dara Wandlung ogfange hom und die Ministrante mit dara Schelle geklingelt höm, mit mei Eiseboahn, durch die Bä vo dara Menner, wieder abgedampft. Ich und mei Eiseboahnfroind hatte guete Logomotive, ich woar dar Logomotivführer und sou sen mir hi und har auf die Empore rümgfoahn und weil sou viel Loit im Wag wurn, höm mer a nou richtich laut mit dara Dampfsirene ghupt, und weil grod die ganze Kirch in dara stille Andocht wor, hast de unner „Huuhhh Huuuuuuuh“ bis vuerne nein Altar ghört. Die Helft vo dara Menner hatte mer scho richtich abgelenkt. Dara hot des gfalle, ower sie konnte nix mer sou ondächtich sei. Ich wollt grod nou amol in die annere Ecke hinner die Orchel neifoahr, da mirk ich wie mich plötzlich a Haand packt, aus die Ecke rauszärrt und scho woar ich mit dem Voater auf en Hämwach. Ich hat gor net mitgriecht, dass die Kirch schue aus woar, awer mei Voater woar a bissle komisch, hat nix gered, vielleicht weil er nou in die Andocht woar. Wie mer dahäm wurn, hob ich grod gedaocht „Auele, des gäet nit guet“, und richtich, sou schnell hob ich nit geguckt, hat er mich sou richtich durchgeduchtelt, obwohl ich nit sou richtich gewüsst hob worüm. Dabei hot ar doch gsocht ich söll weitermach – mit mei Eiseboahn.

Des Ganze hob ich schnell wieder vergesse bis zum Mittochesse an en annere Sunntich. Ich hat irchend sou a Heftla vo Miggimaus, hat des bei mir uffn Schoß und hob des beim Essa durchgebläittert und als zu neigeguckt. „Mach när sou weiter!“. Hoppla, da woar wieder dar Satz wu ich scho schlechte Erfohrunge gemocht hatt. Ich hob mich ümgeguckt, ower ella höm gessa, also hob ich gedocht, vielleicht hob ich mich verhöart und hob unter em Tüüsch weiter gebläittert. Wenn du sou wie sou grod auf wos annersch unter em Tüsch konzentriert bist, na hoast du ouwa wenich Áufmerksamkeit und daswache hob ich die Backeschelle gschpürt und goar nit gsahn, wie se kumme is. Es hoat ganz schö gerumpelt, mei Taaler is rogfalle, die Suppe auf en Bouda und des Heftla is nein Suppahofa gfloucha. Des woar a Huennersuppe mit sou dicke Fättaache, die wu ouwe druf rümgschwumme sen. Da hob ich aach wieder e Lektion gelernt. Fättaache vo die Hüennersuppe vertrocha sich nit mit sou a Miggimausheftla, weil des is donoch total zerfalle und war zu nix mer zu gebrauche. Ich hatt doch jetzt zwämol des gemocht wos ich sollt, und trotzdem hob ich mir a poor eigfange.

Vo dann Toch an hob ich wohrscheinlich ogfange, nix mer auf mein Voater zu höarn, weil ich Angst hat, dass ich wieder änne griech und hob daswache ümmer des Geichatäl gemocht.

Irchendwann hob ich dann ghört, wie er zur Muetter gsocht hat: „Dar Routzlöffel höart ja überhaupt nix“.

Ja Voater, hätts de liewer des sou gsocht wie de männst, oder wie ich des verstieh hätt könn! Da bist de jetz grod amol selwer schuld.

fa210115

Tanz mit der Maus

Tanz mit der Maus

Während ich an den Wochentagen in Münnerstadt im Internat war, fuhr ich an jenem Freitagnachmittag nach Hause, das heißt ich trampte nach Hause. Das Trampen ging mal sehr gut und manchmal auch aber sehr schlecht. Ich hatte mich schon sehr auf meine Tiere Zuhause gefreut, denn in den letzten Monaten hatten sich meine weißen Mäuse, von denen ich mehrere Zuchtfamilien hatte, sehr stark vermehrt. Wir hatten gerade in Biologie die Mendelschen Gesetze durchgemacht und ich stellte schon die ganze Woche Überlegungen an, welche weiteren wissenschaftlichen Erkenntnisse ich in Bezug auf Fortpflanzung und Kreuzung von meiner kleinen Mäuseherde bekommen würde. Heute jedoch hatte ich beim Trampen Pech und musste, da mein erster Fahrer nur bis Bad Kissingen fuhr, den gesamten Ostring bis zur Euerdorfer Straße laufen.

Auf halber Strecke sah ich sie plötzlich sitzen, aber auch nur, weil sie, als sie mich erblickte, eine kleine erschrockene Fluchtbewegung machte. Wir musterten uns einen winzigen Augenblick und schlagartig war in mir ein Plan gereift. Scheinbar hatte sie sich verlaufen, wusste ihren gewohnten Pfad nicht mehr und saß nun wie versteinert neben dem Pfosten eines Vorfahrtsschildes. In dieser Zeit meiner wilden Jugend, hatte ich mich zu einem geschickten Mäuse-Fänger entwickelt. Ich hatte das Fangen oft auf den Äckern trainiert und eine Maus, die sich einmal aus der Höhle gewagt hatte, war ein leichtes Opfer für mich. Ich war sehr flink, fast wie eine Katze und eine Maus mit den bloßen Händen zu fangen machte mir nicht das Geringste aus. Scheinbar sah diese Maus mir das auch an, denn sie war wie erstarrt, als ich meine Tasche fallen ließ und voller Jagdtrieb auf sie zuging. Sie war klein, noch sehr jung und sie wusste instinktiv, dass sie verloren war, sobald sich meine Hand vorsichtig und zielsicher um ihren zitternden Körper geschlossen hatte, so dass nur noch das Köpfchen herausschaute, sie mich nicht mehr beißen und sich auch sonst nicht mehr bewegen konnte. Dieses Tier, ein Männchen, würde ein Prachtexemplar in meinem kleinen Zoo abgeben und verschiedene neue Kreuzungslinien mit neuen Kreuzungspartnerinnen durchdachte ich sofort. Das würde, wenn ich ein Referat darüber halten würde, sicherlich wieder eine gute Note geben. Nur jetzt wohin damit; hatte ich doch bloß eine einfache Reisetasche mit Reißverschluss dabei. Also schnell Reißverschluss auf, Maus rein, Reißverschluss zu; sie würde es zusammen mit der alten Wäsche und einigen Schulheften gut bis zu Hause aushalten.

Der Vertreter für Herrenbekleidung hatte sicher Mitleid mit mir, als er mich am Straßenrand stehen sah. Er hielt sofort an und ließ mich auf dem Beifahrersitz des Kombis Platz nehmen. An einer angebrachten Querstange über dem Rücksitz hingen verschiedene Anzüge und jede Menge andere Bekleidung war im Kofferraum verstaut. Kaum hatten wir das Ortsschild von Bad Kissingen passiert, öffnete ich den Reißverschluss meiner Sporttasche, die ich auf den Knien hielt, nur einen kleinen Spalt, um einen kurzen Blick auf das gesundheitliche Wohlbefinden meiner Zuchtmaus zu werfen. Scheinbar war sie, nach einer anfänglichen Ohnmacht, wieder in guter Verfassung, denn sie nutzte blitzschnell den winzigen Augenblick, um sich mit ihrer gesamten Winzigkeit durch die kleine Öffnung zu zwängen und eine Winzigkeit später war sie im Bereich des Rücksitzes verschwunden. Da meine Fangbewegung ins Leere gelaufen war, fragte mich der Fahrer was das gewesen sei.

„Ach, tut mir leid, nur eine Maus, ganz klein, nur eine Spitzmaus“.

Der Fahrer musste vor diesem Zeitpunkt schon größere Lebensprobleme gehabt haben oder zumindest einen gestörten Kreislauf, denn er war so schnell blass geworden, wie man es sonst nur bei einem akuten Herzleiden sehen kann.  Gleichzeitig stieg er so gewaltig auf die Bremse, dass die Räder sofort blockierten, das Auto abrupt am Straßenrand stehen blieb und einige Kartons vom Kofferraum auf die Rückbank geschleudert wurden. Ich kannte schon Leute, die Angst vor Tieren hatten, aber so eine starke Panik? Es war doch nur eine Maus und die hatte sich ausgerechnet irgendwo zwischen die Anzüge und Hemden auf dem Rücksitz verkrochen.

„Raus, mach sofort, dass du aussteigst und wegkommst du …!“.

Durch seine vielen Kraftausdrücke, die noch folgten, bin ich nicht mehr zu Wort gekommen und habe auch sehr schnell das Weite gesucht. Beim Zurückblicken sah ich ihn noch wie wild um das Auto herumtanzen und seinen Kofferraum ausladen. Ob er fündig geworden war, konnte ich nicht mehr erkennen.

So musste ich den Rest des Weges zu Fuß nach Hause laufen. Als würde ein sichtbarer Fluch auf mir liegen, hat kein einziger Autofahrer mehr angehalten. Auch wenn damals die Angst anderer Menschen vor Mäusen noch nicht so ganz verstand, ich war ja mit Mäusen groß geworden, so sah ich den restlichen Fußweg als eine Art kleine Buße an.

Um die neue Zuchtmaus war es zwar schade, aber ich hatte ja noch jede Menge andere Ersatzmäuse zu Hause.

Ich sah meinen Fahrer nach 14 Tage wieder, fast an derselben Stelle. Er hat diesmal nicht gehalten, sondern einfach nur Gas gegeben.

fa201219

CIA und FBI

Dar SiAiEi (CIA) verstähet kä Frängisch

Jetz hat dar Präsident in Ameriga Gott sei Dank nix mer zu soche und daswache konn ich jetz a amol wos gschreib. Die ganze Zeit hat ich scho Lust dazu, ower wenn mer nit wäß wies endgültich ausgäet, is mer nou vorsichtich und wöet erscht amol ob. Schließlich kümmt mer vielleicht a mol wieder in die Juneidid Staits und wenn die SiAiEi des gelaase hätt, hätts vielleicht Nochteile ghot. Sou is des Frängisch wie a Geheimsproach, da muesse die erscht amol än ho bei dan Amt, wu des üwersetz konn, damit dar Dramp des verstähet.

Also, wos söll ich soch, dar Dramp hot ja scho worscheinlich än o die Waffel und sei Schola im Schrank sen arch verruetscht. Und sowos is Präsident woarn. Hat dar üwerhaupt amol awos gschafft in sei Lawa oder bloos Fernseh geguckt und Nochrichte nei sei Köestla getippt? Und wie dar red! Do mäicht unner Enkelin schua fast schüene Setz wie dar. Setz, wie wenn er nou in die Volksschuel wär und üwer die örschte poor Klassa nit nauskumme is. Ich verstieh ja gornit, worüms a bei uns nou Loit gait, die wu dann guet finne und socha: dar hoat ja känn Griech ogfange. Dos stimmt, ar hot ower a sunst gor nies erreicht, vielleicht a poor Meter vo sei Mauer weitergebaut. Des nützt ower a gor nix, weil de do ümmer noi links und rachts vorbeigie konnst. Und wos dar geloucha hoat, jedn Toch mindestens a poor Lücha; als Katholischer muesst dar auf jedn Fall amol direkt neis Fechfeuer, oder jetz muesst na amol dar Blitz von Himml ro sei Hoar verseng.  Nä, ich könnt mich richtich aufgeräich üwer sou an Mönscha, ower die Amis sen selwer Schuld, die höm ne ja schließlich a gewählt und des freiwillich. Des passiert halt, wenn mer sou e alts Wahlverfohre hoat und nit bereit is, des amol zu ändern. Do passierts ja, dass änner gewinnt, dar wu insgsamt viel wenicher Stümme griecht hot, des muess mer erscht amol verstiehe. Bei unner nächste Wahl in Doitschland kamer soch, egal war gewinnt, dar is ümmer nou taused mal besser wie dar Ami. Dar Dramp ist nit blos a Lücheboitl wie ar im Buech stähet, sondern ar is a e Verleuchner vo Tatsache, die wu äfoch kloar sen. Für dann geits ümmer nou kä Corona und kä Pandemie, obwohl grod im Amiland sou viele dodro gschturwe sen. Es hot ne zwoar a derwüscht, ower es hätt ne nou viel schlachter tröff könn oder muess. Guet, er hätt nit gleich starb müess, ower wenichstens hätte sei Finger schwoaz war müess und sei gala Hoar hätte raus fall müess. Ower wohrscheinlich is des eh e Parücke. Dar tuet ümmer sou, wos ar füer e schwierichs Lawe hoat, weils total anschtrengend is, nawa dann Golfspiele a nou die Politik in sou an Toch neizubrenge und ar määnt jeder müesst ne dafür bewunner und wenn mersch nit mäicht, und nit denkt dar is dar Beste uf dare Welt, nocher fellt mer soufurt in Ungnade und kriecht a ESEMES, dass mer nix mer auf sei Pöstla is. Ar verstähet a nit, worüm ar noch dara Wahl kä Präsident mia is, ar hat sou viele Stimme griecht wie kä annerer vorhar, seicht er. Dar Baiden hat viel mehr Stümme, ower des sieht dar nit. Liewer säicht er ümmer nou, dass ar die Wohl gewunne hoat. Geits sunnst wu nou sou viel Ignoranz auf dara Welt? Ich als Ami tät mich ganz oft schaam, viele moches a und höm racht domit. Ich schaam mich a e bissla, weil dar schließlich a Vorfoahre vo Doitschland hoat. Zum Glück wäs dar gor nit wu Doitschland liecht, weil Haimat und Sachkunde is bei dann ausgfalle, weil ar schue sou gscheit uf die Welt kumme is. Ich gläb ower äfach, als Kind wor dann sei Schaukel zu noah o die Wand gstanna. Oh, wos könnt mer üwer dann geläster, des tät a dicks Buech ga, ower ich bin mir sicher, des mache annere schoa.

Ich fräh mich auf jedn Fall über die noi gewählta Loit in Ameriga, des spüet sich o, als wenns bald an noie Wiind gait und die ganze Welt a wos davo hoat.

Ich fräh mich a, dass weder bei dara SiAi Ei noch beim EfBiAi Agstellta sen, die wu unner Geheimschproch „Frängisch“ verstieh könne. Sou kannst dich ausgeloss wie de willst.

„Meig Ameriga gräit ägän“ is vorbei. Ich bin gschpannt, wies weitergäet mit dann Dödl, vielleicht muess er ja a nou nein Gfängnis nächstes Joahr, wenn ar sich vorhar nit nou selwer begnadicht.

fa201230

Optimismus wäre aber schön

Optimismus wäre aber schön

Aus dem vergangenen Jahr für das neue Jahr Hoffnung zu schöpfen für das neue Jahr gelingt bei oberflächlicher Betrachtung kaum. Zu viele Krisen wurden nicht bewältigt oder sind neu aufgetreten, Corona, Klimawandel, kriegerische Auseinandersetzungen, Flüchtlinge, Naturkatastrophen, Waffen Exporte, der Brexit des Struwelpeters in England; Amerika, das versucht den vielen Probleme Herr zu werden, die eine Person von der Farbe, der Intelligenz und dem diplomatischen Geschick einer Orange verursacht hat und vieles andere. Das alles verschleiert den Blick und man muss schon etwas anders auf die Geschehnisse blicken, um zu erkennen, welche gewaltige Leistungen doch in der Gesellschaft, der Wissenschaft, der Medizin und der Politik abgelaufen sind, denn, sonst wäre es noch viel schlimmer gekommen. Teilschuld für den herrschenden Pessimismus gebe ich persönlich auch den Medien, denn Vieles wird negativ dargestellt, jede politische Entscheidung sofort kritisiert und jeder wissenschaftliche Vorschlag mit einem „Ja – Aber“ versehen. Wasser auf die Mühlen der querdenkenden Corona-Pandemie-Leugner (die gibt es immer noch), der kleingeistigen Maskengegner und der reflexionseingeschränkten Teile der Bevölkerung, die glauben, dass sie am Wochenende nur alleine auf die Idee kommen in der Rhön oder sonst wo Schlitten zu fahren. Und dann schreibt auch noch einer in den sozialen Medien: „Und die Polizisten, die auf der Skipiste kontrollieren, müssen wohl keine Maske tragen?“ NEIN, müssen sie nicht, möchte man denen entgegenschreien, und die sind auch nur da, weil du da gewesen bist, weil du mal wieder dein persönliches egozentrisches Verlangen über die Vernunft gestellt hast!

Wo bleibt bei all dem der Optimismus??

Der Optimismus bei mir wächst einerseits aus der nüchternen Betrachtung der eigenen Situation: mir geht es doch gut, ich muss nicht hungern, ich mache trotz allem viele Dinge, die mir Spaß machen, ich fühle mich einigermaßen gesund und die Familienstruktur ist ok. Andererseits hilft ein Blick in die nahe spannende Zukunft: die Impfkampagnen zu begleiten wird aufregend, noch ein wenig zu arbeiten – trotz Rente – und zu versuchen, die eigenen Zukunftspläne zu verwirklichen ist freudig erregend. Angst habe ich nur etwas für die Zeit nach allen Einschränkungen, vor den vielen Feiern, die nachgeholt werden sollen und vor den vielleicht, bis dahin nicht mehr gewöhnten, vielen permanenten Körperkontakten. Das alles wird die Terminkalender wieder schnell füllen.

Optimismus ist für mich eine Art innere Selbstverteidigung und steht auf der anderen Seite der Waagschale, in der die Krankheiten wie Corona, Ärgernisse und Wegsteine des Lebens liegen. Dadurch richtet sich die Waage wieder auf und schlägt zur Sonnenseite aus. Wenn du eine Rose betrachtest, kannst du die Blüte sehen oder die Dornen. Ein positiver Mensch hat viele Rosen im Garten; sie erfreuen seinen Blick. Trotzdem liegen die Dornen, die einen verletzen können, ganz nahe daneben.

Optimismus lässt dich aus deinen Erfahrungen lernen, auch wenn diese schmerzhaft waren und lässt dich Neues ausprobieren, Altes verändern und Wege aus Sackgassen finden. Optimisten haben zudem die Fähigkeit, andere Menschen mitzureißen und positiv einzustellen, auch wenn der steinige Weg mit vielen Skeptikern gesät ist.

Deine eigene Gesundheit profitiert vom Optimismus, vor allem die Psyche; man wird weniger krank, verfügt über ein höheres seelisches Wohlbefinden und gewinnt dadurch vielleicht auch eine höhere Lebenserwartung.

Der Optimismus wächst, noch mal ganz konkret, aus dem Erlebten. Das Jahr 2020 war nicht nur bestimmt durch Covid-19, sondern auch durch den Kampf dagegen, in dem unendlich viele Forscher, Ärzte, Schwestern und Pfleger hohe Bereitschaft und Leistung gezeigt haben. Es war ein Jahr mit organisierter Nachbarschaftshilfe und Solidarität untereinander. Ein Jahr der Besinnung auf das Wesentliche. Ein bisschen back to the roots. Einsatz zeigen nur Optimisten, weil die noch glauben, dass sich was verbessern lässt.

Optimisten sind einfach anziehend, denn sie sind im Gleichgewicht mit der Dankbarkeit für das Erlebte und der Demut vor den gewaltigen Aufgaben der Menschheit, die noch auf uns zukommen.

Uns muss klar sein: auf Mist wachsen die schönsten Blumen.

Also lasst uns mit Optimismus die Blüten der Rosen sehen.

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