Meine Ohren können flirten

Meine Ohren können flirten

Meine Frau ist schuld daran. Sie ist der Meinung – und da hat sie nicht unrecht, dass ich manchmal – oder zumindest meistens – Probleme habe, fremde Frauen anzusprechen. Ich sollte das ruhig mal probieren, damit ich diesbezüglich meine Hemmungen verliere. Jetzt war ich auf Dienstreise und hatte so im Hinterkopf, eine sich mir vielleicht bietende Gelegenheit – nur so zum Üben – mal auszuprobieren.

Kurz vor der Landung des Flugzeuges ging ich nochmal auf die Bordtoilette, um mir den letzten Schliff für das Aussteigen und das Betreten des Hotels zu geben und um für eventuelle Gelegenheiten einfach gewappnet sein. Da sah ich es urplötzlich im Spiegel. Bei aufgesetzter Maske stand das rechte Ohr, im Vergleich zum linken Ohr, viel weiter vom Kopf ab. Das war mir früher nie aufgefallen und erst jetzt, als ich die Maske herunternahm, fiel mir der vergrößerte Ohrabstand rechts wie ein Makel ins Auge. Da half weder eine Grimasse noch ein sanftes Hindrücken; ganz langsam kehrte das Ohr in seine Segelstellung zurück. Das fand ich ungemein irritierend und ich stellte mir vor, wie meine asynchrone Ohrstellung wohl auf eine fremde Frau wirken würde, wenn ich sie anspräche. Sicher würde sie sich verwirrt von mir abwenden und meinem kläglichen Selbstbewusstsein einen weiteren Todesstoß versetzen. Dieser Gedanke ließ mich auch nicht mehr los, als ich den Schlüssel von der Rezeptionistin bekommen hatte, im Zimmer war, mich für einen Moment auf das Bett legte und vor mich hin sinnierte. Gegenüber an der Wand befand sich ein großer Spiegel – und ich traute meinen Augen kaum. Mein rechtes Ohr und danach auch das linke Ohr, begannen sich wie Flügel auf und ab zu bewegen. Dabei fingen sie an zu wachsen und schoben sich wie Engelsflügel aus der Schläfe heraus. Die Ohren flatterten immer heftiger auf und ab, so dass ich mich plötzlich – wie eine Möwe – ganz langsam in die Luft erhob und über dem Bett schwebte. Nun gut, das Bild erinnerte mich eher an einen fliegenden Elefanten und es sah sehr tollpatschig aus, weil die Flügel, im Vergleich zum Körper, sehr zierlich waren. Kaum war ich wieder im Bett gelandet, bildeten sich die Ohren wieder ganz anders aus. Sie zogen sich nach außen und formten Tragflächen, wie bei einem Segelflugzeug. Der leichte Luftzug vom geöffneten Fenster ließ mich wieder, vom Aufwind getragen, in der Luft schweben. Meine Ohrtragflächen waren sehr stabil und nach einigem Üben konnte ich einen kompletten Looping fliegen und Pirouetten drehen. Ich war erstaunt, wie schnell ich fliegen gelernt hatte und begann sehr stolz auf meine Ohren zu sein. Es dauerte nicht lange und es kam zu einer erneuten Metamorphose. Die Ohren falteten sich zu einem Trichter, aus dem plötzlich Rauch und ein Düsenstrahl hervorschoss. Ich konnte mich nicht mehr festhalten und schoss wie ein Düsenjäger durch das Zimmer, knapp am Schrank vorbei und verfing mich in der Fenstergardine. Zum Glück, denn sonst wäre ich wohl in die dunkle Nacht hinausgedüst. Vor lauter Herumfliegen war ich schon ziemlich erschöpft, musste aber nicht lange auf die nächste Verwandlung warten. Meine Ohren drehten sich jetzt im Kreis, wurden zu kleinen Drohnenpropellern und rutschten an der Schläfe schräg nach oben, so dass ein Auftrieb entstand und ich kurze Zeit später leise surrend an der Decke schwebte. Dieser Flugbetrieb war sehr einfach; ich musste nur mit den Ohren zucken, um die Flugrichtung zu ändern.

Wie herrlich war das denn!

Als ich am Morgen erwachte, fasse ich sofort an meine Ohren. Sie waren jetzt wieder in der ursprünglichen Form und ich war irgendwie froh darüber, denn mit Rotorblättern hätte ich mich auch nicht so wohl gefühlt. Ich packte meine Sachen zusammen und ging hinunter an die Rezeption, um auszuchecken.

Die nette Angestellte, die mich am Vorabend aufgenommen hatte, sah trotz des frühen Morgens erstaunlich hübsch und frisch aus. Sie trug eine Atemmaske und ihr rechtes Ohr zeigte eine deutliche Tendenz vom Kopf abzustehen. Sie bemerkte, dass ich ihr Ohr musterte und sie betrachtete auch mein abstehendes Ohr.

„Ja, das wäre ihr gestern auch schon aufgefallen mit dem Ohr. Anscheinend wäre bei ihr der Knorpel etwas weicher, aber es würde sie nicht stören. Schließlich sähe das ja bei mir auch besonders gut aus und würde meiner Attraktivität eine besondere Note verleihen. Ob ich nicht noch Zeit hätte zu bleiben, dann könnte man sich weiter austauschen.“

Gerade hatte mein limbisches System im Kopf die Welt in rosa kreiselnde Farben getaucht, als das Taxi zum Flughafen ankam. Wer weiß, was meine Ohren sonst noch für Flirterfahrungen gemacht hätten. Sicher scheint mir jedoch jetzt zu sein, dass man auch mit Segelohren Frauen kennenlernen kann. Solche Ohren verbinden. Und wenn ich mal Propellerohren kriege, ist meine Frau Schuld.

Fao210417

HOIT WÜRD DIE SAU GSCHLOCHT, TEIL 2

Hoit würd die Sau gschlocht

Teil II: Dar Soischwenzleskönich

Inwische woar dar Fleischbeschauer do und hoat sei Probe aus die Sau rausgschniede, hoat se uf die klänne Glosschoiwa geleicht und unter dan Migroskop ogeguggt. Des woar wache die Trichiene, des sen sou kläne blöde Viecher, die für die Mönscha nit gsund sen. Scheinboar a gfährlich für dan Fleischbeschauer, weil dar hoat vor die Arwed schue viel Schnaps trink müess wache dara Desinfektion und vielleicht hoat er a Licht gebraucht, weil sei Nosa manchmol schüa geloicht hoat. Und des hoat a nou Geld gekoust. Ich hob mich ümmer gfräecht wie dar die Viecher nou gsah konn.

Daus is es Schlochte scho weitergange. Des Bauchfätt is rausgschniede woarn und in en Hofa uf en Oufe kumme zum Ausloasse. Des haat später dan Schweinschmalz gawe und dar is nei e Höfele zum Aufhäin kumme. Des wos ü woar vo dan Fätt, woarn die Griefelich und ich gläb die sen ausgebackt woarn und nein Griefeschmalz oder nei die Geröasta kumme. Da löft mir scho des Wasser im Maul zom, wenn ich dovo schreib. Dar Voadder hoat jetz die Sau zerläicht. Des Flääsch wos eigfruen woarn is, zum Beispiel die Schnitzel, die Rippstücke und dar Schinke, des is zur Seite kumme und des wos mer für die Wuerscht gebraucht hoat, des is noach und noach nein Kessel kumme und gekoacht woarn, dar Koupf, die Schwoarte, die Füeß und des mäste vom Bauch. Ja, mer muesst scho ümmer fäist Holz nei läich, dass dar Kessel ümmer genuch Daampf hat. Des woar a mei Aufgabe. Soulang des gekoacht hoat, is des Flääsch weiter verarwerd woarn. Dar Schincke is zuracht gemoacht woarn, dar Broata is zugschnitte woarn, die Kuetlett sen zertäält wuern und des is elles nei e Wanne kumme und später eigfruen woarn.

Des Kesselfläsch is des, wos es Schlochte ausmeicht, wenn des aus em Kessel rauskühnt und uf en Tüüsch liecht und dampft. Du konnst dir vo allem wos rogschneit, vom Koupfflääsch, vom Bauchflääsch, vo die Nierlich, vom Haz und vor allem dar Soirüessl woar für mich e Delikatesse. Dar schmeckt ungfahr wie Schwoarte und Fläsch zom und is vo die Konsistenz sou wie e Zunge. Und des frische Broat dazu! No biste nü nein Kaaler gschickt woarn und host en Hofa voul Moust houl müess und davo höm sougor die Kinner amol trink döff. Jetz ist die Schneiderei vo dan gekoachte Flääsch losgange. Des ganze fätte Zoich, elles is vo die Knoache rogekieft woarn und des is dann aufgetäält woarn. Des für die Bluetwurscht, des für die Flääschwurscht, für die Lawerwurscht und die Broatwurscht und monchmaol hoats a nou a Streichwurscht gawe. Inzwische sen die Dierm geputzt gewaast. Daus on Stücht hoat se de Voadder inenaner neigstülpt, also des Oißere noch Inne und des Innere noch Auße, weil do is später dar Wurschttääg neigfüllt woarn. In dan Zwölffingerdoarm die Lawerwurscht und Broatwurscht, in en Dickdarm die Bluet- und Flääschwurscht und in dan Schwoartemocha und in die Bloase, entweder Bluetwurscht oder Flääschwurscht mit extra dicke Fättbrocke. Mei Voadder hot die Wuscht äfoch sou gewürzt, ohne e Rezept. Die Schüsselich mit die Gewürze woarn do gstanne und dann hoat er amol do und amol duert neigelangt und elles in dare Kufte vermüsschelt und färtich woar die Wuerscht. Zum Wüerze hoat mei Voadder ümmer sei Gebiss raus, damit des nit sei Gschmacksnerve verdeckt und nit nei dan Tääg fellt. Es hoat ower ümmer guet gschmeckt und vor allem sei Broatwürscht woarn a Gedicht. Daswache hömmer die bei uns ach am häliche Awed gesse, weil se äfoch sou guet woarn. Mir Kinner sollte dan Wurschttäg ümmer probier, ower mit dara Bluetwurscht woar des nit sou äfoch. Ar hoat dann zwä Finger genumme, nein Tääg gelangt und die Finger durch sei Lippe gezouche, dass des Bluet links und rachts rogelaffe is. Ar wollt uns blos ärcher, mir woarn des ower gewöhnt. Die Wuerscht is dann nochenanner nein Kessel kumme und wenn se färtich woar, is se ouwe in die Suppe gschwömmt und du hoast gewüsst, die is durch und konn raus aus die Brüh. Monchmol is a e Wurscht aufgeplatzt und dar ganze Tääg woar in dare Brüh din, des hoat auf jeden Fall a kräftiche Suppe gawe. Des wos gerächert war söllt, is jetz o Stecke aufgehöngt wuern und es hot schüe ausgsahn, wenn die Würscht, äne nawet die annere uf dan Stecka gehengt woarn. Und monchmol hoast de dich gewunnert, weil bis hoit früh die Wurscht nou e ganze Sau woar und rümgegrunzt hoat.

Ja, des Sauwermoacha woar a nou a Stück Arwed. Dar Bouda woar voul Fätt und dar Tüsch a. Des is blos mit häss Wasser wieder wag gange. Insgsamt kommer gsooch, dauert sou e Schlochterei für a poor Loit en ganze Tooch, und danach biste a mued, weil de gschafft hoast und weil de mol wieder viel zu viel gesse hoast. Ower es hoat sich bis hoit rentiert und wenns irchendwu Kesselfläsch gait, möicht ich mich a o en Tüüsch hiestell und äfoch sou a Stück Rüessl neischieb.

Ich hobs nit gemierkt, dass ich desmol dar Soischwenzleskönich woar. Des würd darjeniche, dem des obschnittene Soischwenzle hinna am Gürtel gehegnt wird ohne dass ersch mierkt. Da bin ich halt dan halwe Tooch mit dan Soischwenzla rümgelaffe. Ich hobs erscht am Mittoch gemirkt, weil mir dauern die Katze nochgelaffe sen und des woar ganz ungewöhnlich. Woahrscheinlich hoat des Schwenzle scho a bissle es müche ogfange. Awer liewer dar Säukönich für än Tooch und du konnst dafür Hiern, Flääsch und Wurscht gess. Mer muess ja a vo woas groas war.

Die letzte Arwed o dann Toch war, dass mer die Wurschtsuppe ausgetroche hoat o die Bekannte und die Nochbern. Mäst is nou e Würschtle mit nei kumme und des woar guet, weil wenn die gschlacht höm, is des Würschtle wieder zurück kumme.

Des Schlochte woar also äne vo die ganz wichtiche Erlebnisse vo mei Juchend. Und wu konnste du e Schochtfest hoit noumol gsah? Goar nit!! Drüm höm a viele Loit überhaupt kä Verhältnis mehr zu Tiere und zum Flääsch. Guet, zur Katz vielleicht, awer die wärn momentan ja a nit gschlocht.

Ower seim Nahrungsmittel früh am Muerche nou nei die Aache guck, des is wos Besondersch!

Fao210322

HOIT WÜRD DIE SAU GSCHLOCHT, TEIL 1

Hoit würd die Sau gschlocht

Teil I: Hätte när nou mer Loit vo dan Hirn gessa

Ich hob nou gschlofa, da hob ich se scho gehöart. Die Sau hoat ganz laut gschria, wie wenn se scho om Spieß hengt und ich hob gedocht, jetz nix wie nei die Kläder, sust verpoasst de a nou wos.

Mir hatte ümmer Soi im Stool, manchmoal zwä oder manchmoal a drei vo dare Läffer. Äne hömmer selwer gebraucht und die annere sen verkäfft wuern. Da is früh dar Soihöug kumme, dar Voader vo die Lummels Brigitte, dar hoat se gewouche und auf sein Soiwocha mitgenumme. Geld hoat mer ümmer gebraucht doamols, daswache hoat die Sau a die besta Krumbeern griecht mit Mochermilich und mir selwer hatte nou die verfaulte Krumbeern zum Essa. Hoit geast de neis Gschäft und käffst wos de wisst. Doamols hoats ower a blos Fläsch gawe, wenn de selwer a Sau gezouche hoast und die gschlacht hoast. Mir höm nie Wuerscht gekäfft, da konnst de dich nou sou lang vor die Vitrine beim Metzger hiestell: Es hoat dich känner gfräacht, ob du e Schoiwa Gelbwuerscht willst, weil mir höm ja nix gekäfft.

Richtich, hoit söll ja die Sau toad gemocht war. Wie ich nauskumme bin, hoat dar Voadder die Sau scho am hinnere Bä mit en Strieck ogebune und hoat se aus en Stool nausgezärrt. Als hätt se wos geoahnt, war se orch widerspenstich und wollt nit naus, ower ich hob ihr a Ruewa hieghalte, die hoat se gemöicht und na isse mit naus. Wie se daus woar hoat se sich beruhicht und kaum woar dar Knall vo dan Bolzaschussapparat vorbei, woar se scho am Bouda gelaache, hoat ower sou gezoppelt, dass de gemähnt hoast sie läfft nou amol davo. Des hoats scho gawe, dass monche Sau in dan Moment wieder aufgstanne is und mit e muerds Karacho en Houf nogerennt is. Daswache ist dar Strick nou om Bä gebliewe und ich hob dan fäisthalt müess. Doamals woar ich e ganz dürrer Spirk, die hätt mich hinner sich har gezäärt, wenn se obghaut wär. Ower uner Sau ist nix mer aufgstanne.

Jetzt is se mit em schoarfe Messer nei´n Hals gstoche woarn und soufurt is es Bluet rausgelaffe, nei e Schüssel und vo do nei´n Bluetämmer gekippt wuern. Ümmer wenn der Voadder mit dan äne Bä auf die Brust gedrückt hoat, ist no sou a Schwall Bluet kumme. Bis des fertich woar, ist mit em Kochlöffel des Bluet fäist geklöppert wuern, damit des nit todal durchgerinnt. Des Bluet is schließlich später für die Bluetwürscht gebraucht woarn. Für die Loit, die des Schlochte nit gewöhnt sen, höart sich des dramatisch o, ower die Sau hoat nix mer gspürt. Jetz muest se neis Stücht zum Brühn und is dafür om Bä hoachgezouche wuern. In dara Zwischezeit hoat die Muetter vo die Wöschküche e poar Ämer mit häß Wasser aus em Kessel raus neis Brühstücht gschütt und wenn die Temperatur gstimmt hoat, is die Sau langsom nei des Stücht gelossa woarn, bis se blos nou mit em Koupf rausgeguckt hoat. Jetzt is se hi und har gschwenkt woarn und wenn sich die Borschte leicht hom rauszieh loas, no isse ganz e goar aus dara häße Brüh rauskumme und uf en Schroucha geleicht wurn. Des Sääl vo dan Floaschezuch hoast de dobei om besta losgelosse, sonst wärscht de durch dann Schwung bis nauf o die Rolle gsaust. A Schroucha is wie e Latterost uf Bä, e bissle gebouche, dass die Sau nit rogeroll konn. Jetz hot jeder a Schelle nei die Hand griecht und mit dara schorfe Kante host du die Hoar vo die Sau ihr Haut rogerubbelt bis se sou ziemlich ella fuert woarn. Zwischedurch is se vielleicht a numol neis Stücht kumme, wenn se zu schnell kaalt woarn is. Die Schelle hatt a sou en Hoacke am End und domit hot mer die Klaue vo die Füeß rogerisse. Dar letzte Rest Hoar, vor allem aus die Oahrn, ist jetz mit en Bunsebrönner obgsengt woarn und dann woarsch fertich und die Sau is nackert dogelache. Jetz woar se scho wie zum obeiße.

Als nächstes is sou en Galche durch die Kniesehne o die Hinnerbä durchgführt woarn und mit em Floaschezuch hoat mer se hoachgezouche, dass die Schnauze jetzt noach unna freigehengt woar. Auf die Oart konnt mer se schüe vuerne aufmoch, mit än Schnitt vo ouwe noch unne. Bei die Bloase und die Dierm muesst mer aufpass, die sollte nit kaputt gieh, weil des hät nit guet geroche. Mir hoat des gfalle, wenn dar Voadder die ganze Doarmgschichte und die Innerreie komplett in sei Oarm hat und nei e Mulde geleicht hoat. Des hoat richtich gedampft, is ower elles nawe hie gstellt woarn, weils erscht später gebraucht woarn is. Für des Ausenannermoche ist des Beil gebraucht woarn. Erscht is gschnitte woarn und dann die Wirbelsäule mit dan Beil durchghackt woarn bis ro durch en Koupf, dass zum Schluß blos nou die Schnauze zomghengt woar. Ich hat scho e groaße Schole gehoult und muesst jetz des ganze Hirn rauskratz. Und wie bei die Mönsche a, woar des amol gröaßer und amol klänner.

Für mich woar frisches Hirn e Leibgericht. Ich hob mich jetzt verobschied vo daus und bin gleich nei die Küche, hob die Haut vo dan Hirn obgezouche, hobs gewöscht, Zwiefl gschniete, die Zwiefel nei die Pfann und ogebroate, des Hirn nei dezu, e Ää neigeglöppert und rümgerührt bis des durchgegoart woar. Es ist schnell gange; jetz nou gewürzt mit Essich, Saalz und Pföffer, vielleicht nou e Schuss Essich und fertich woar des Frühstück.

Ich wäss a nit wos aus mir wuern wär, wenn ich nit doamols sou viel Hirn gesse hätt.

Fao210322

Hallo, Hallo, hier spricht Ihr gewählter Politiker

Hallo, Hallo, hier spricht Ihr gewählter Politiker

Entschuldigen Sie, Frau Bürger und Herr Bürger, dass ich überhaupt Politiker geworden bin. Tagtäglich mache ich nur Fehler, denn egal was ich mache, empfindet es die eine Seite als richtig und die andere Seite als absolut verkehrt. Schade. Wenn ich diktatorisch regieren könnte, wäre das vielleicht anders, dann würde ich einfach entscheiden, mit oder ohne Zwang und wenn es auf freiwilliger Basis nicht läuft, dann eben mit Gewalt. Das fänden Sie dann doch viel besser und das gesamte Krisenmanagement würde 1 A laufen. Aber wir mit unserer Demokratie, die auch ihre Meinung beachtet! Entschuldigen Sie, dass ich am Abend eines Arbeitstages,  und ich versichere, ich habe nicht nur Kaffee getrunken, sondern mich pausenlos mit Experten beraten, zu einer Meinung komme und diese verkünde, im Namen des Volkes und im guten Glauben, den Menschen etwas Gutes zu tun und in der Hoffnung einen Weg aus der Krise zu finden. Klar, Sie hätten das anders gemacht. Sie hätten zuerst Ihre Branche wieder geöffnet, weil Sie genau damit Geld verdienen. Sie hätten alles gesperrt, die Flüge nach Mallorca oder sonst wohin erlaubt, weil Sie halt gerne da Urlaub machen, Sie würden ihre Familientreffen wie gewohnt abhalten, denn es ist absolut unmöglich, dass gerade Ihre Familie einen „spreader“ haben könnte, der die Statistik nach oben schraubt. Es tut mir leid, denn Sie können nicht verstehen, dass ich als Politiker mit allen Kräften versuche, es möglichst allen recht zu machen und sogar auf die Meinung der Wissenschaft höre. Ach, Sie informieren sich über Ihre eigenen Wissenschaftskanäle? Auf YouTube, facebook und bei weiteren social media Anbietern? Die Wissenschaftler dort vertreten eine ganz andere Meinung? Ja sorry, aber Sie haben mich doch gewählt, damit ich gerade in Krisenzeiten zu einem Entschluss komme. Das müssten Sie halt auch mal hinnehmen und respektieren.

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass ich als Politiker, obwohl ich auch studiert habe und schon viele Jahre politisch tätig bin, nicht annähernd Ihrem Sachverstand auf allen möglichen Ebenen gewachsen bin. Von Ihnen könnte ich viel lernen, lassen Sie sich einfach bei der nächsten Wahl aufstellen. Es wäre eine Freude mit Ihnen zu arbeiten. Sicher werden Sie es schaffen, die Gerichte so zu beeinflussen, dass nicht jeder Beschluss, den wir für Sie getroffen haben, wieder juristisch in Frage gestellt wird. Sicher werden Sie es schaffen, ihre Mitbürger dahin zu beeinflussen, ihre Masken zu tragen, sich an Abstände zu halten und nicht unbedingt in Urlaub zu fahren. Ja, gerade Sie, die an Wochenenden und an anderen Tagen für den Frieden trommeln und düstere Internetparolen durch das Megaphon schreien und Sie, die Sie Märsche zur Stärkung des Immunsystems organisieren und Plakate schwenken, auf denen Sie Ihre Freiheit, Frieden und Demokratie fordern. Das alles haben wir ja scheinbar nicht. Ja, Sie wären sicher eine gute Politikerin/ein guter Politiker und würden alles besser machen. Die Masse der Menschen würde Ihnen folgen und den Boden küssen, auf dem Sie gelaufen sind. Da kann ich nur sagen, bewerben Sie sich doch endlich!

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass Ihnen die derzeitige „Freiheitsberaubung“ angetan wurde. Das Tragen der Maske ist eine wahnsinnige Einschränkung und behindert, egal was Sie gerade machen. Und jetzt will man Ihnen den wohlverdienten Urlaub streichen und Ihre Kinder bekommen bleibende Schäden, durch das Tragen der Maske, durch den Schul- und Kindergartenausfall? Wie hat es nur die Kriegsgeneration geschafft, Abitur zu machen! Ihre Familie hat noch keinen Krankheitsfall und auch keinen Toten durch Corona zu beklagen? Das heißt, Sie können ja gar nicht wissen, dass es diese Krankheit wirklich gibt. Alles dient schließlich nur zur Unterdrückung des Volkes? Wie vermessen ist es von uns Politikern zu glauben, Sie könnten empathisch handeln und sich das Szenario des möglichen Todes vorstellen! Wie vermessen ist es zu glauben, Sie würden Ihre persönlichen, egoistischen Pläne mal hintenanstellen!

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass wir als Politiker nicht immer so direkt sagen können, was nötig wäre, sonst hätten wir Sie schon längst öffentlich zum Schuldigen erklärt, weil gerade Sie keine Maske tragen, keinen Abstand halten, keine Einsicht zeigen und in Urlaub fahren. Ja, aber selbstverständlich behandeln wir Sie, wenn Sie krank zurückkommen, mit all unserer modernen Medizin und medizinischen Pflege, übrigens in den Krankenhäusern, die Sie bis jetzt immer beschimpft haben. Aber es wäre ja blanker Zufall, wenn Sie sich gerade im Urlaub anstecken!

Also entschuldigen Sie nochmals, ich werde mir sicher überlegen, ob ich mich jemals noch einmal für Sie aufstellen lasse. Sie haben etwas Besseres verdient, nämlich sich selbst!

Ich wünsche Ihnen eine schöne und sorgenfreie Zukunft.

Fao210323

Märchentrilogie Teil 4

Die kleine Mücke Piecksefix

Die kleine Stechmücke hatte alles was man so braucht, wenn man eine Stechmücke ist. Sie war klein und wendig, konnte in der Dunkelheit sehen und hatte einen spitzen Rüssel mit einer winzigen Lanze und damit konnte sie bequem in die Haut stechen und ein Tröpfchen Blut absaugen. Piecksefix war sehr frech und ließ sich auch von den Eltern nichts sagen. Sie hatte gelernt, dass sie das Blut von allen Lebewesen, den Menschen und den Tieren saugen konnte. Aber Piecksefix wollte am liebsten nur die kleinen Kinder stechen und sie wohnte deshalb auch in einem Kinderzimmer, wo die Kinder ihr Bettchen hatten.

„Die anderen Lebewesen mag ich nicht, da ist die Haut zu dick und außerdem ist das Blut bei den kleinen Kindern ganz süß“, sagte sie jedes Mal, wenn sie darauf angesprochen wurde. Die Menschen mochten die kleine Mücke aber nicht besonders. Wenn sie flog, bewegte sie die Flügel so schnell, dass immer ein feiner hoher Ton „Ssssssssss“ zu hören war. Diesen Ton konnten die Menschen hören und sie versuchten die Stechmücke zu vertreiben, indem sie nach ihr schlugen. Das war sehr gefährlich für Picksefix, war sie doch schon einige Male knapp dem Schlag ausgewichen. Sie hatte sich angewöhnt, nur in der Nacht zu fliegen und kaum hatten sich die Kinder hingelegt, hörte man sie schon wieder summen. Die Kinder weinten oft, denn durch den Stich kam es am nächsten Tag zu einem starken Juckreiz auf der Haut. Und es kam soweit, dass die Kinder nicht mehr in ihrem Bettchen schlafen wollten und zu den Eltern in das große Bett zogen.

Jetzt war Piecksefix allein im Zimmer. Kaum war es dunkel, kroch sie aus dem Versteck und startete zu ihrem Rundflug. Aber so sehr sie auch durch die Gegend flog und so sehr sie auch suchte, sie fand kein einziges Kind. Somit konnte sie an diesem Abend nicht mehr saugen, hatte dadurch nichts zu essen und musste sich hungrig wieder verstecken. Am nächsten Abend geschah das gleiche: sie flog los und da sie niemanden fand, konnte sie wieder nichts essen. Ihr Magen knurrte so sehr, dass sie immer weiter auf die Suche ging, bis sie das Fenster entdeckte, welches einen Spalt offenstand.

Sie flog hinaus in die Nacht, direkt in den Baum, der vor dem Fenster stand. Es war eine große Eiche und es war die Wohnung der alten grauen Eule mit dem Namen „Etlaru Elue“, die schon seit mindestens 100 Jahren auf dem Baum wohnte und deren Namen, rückwärts ausgesprochen, einfach „uralte Eule“ hieß.

Piecksefix verkroch sich unter einem Blatt und fing an vor Hunger zu zittern.

„Huhuuu, warum bist du heute hier? Huhuuu, ist irgend etwas los mit dir“? fragte die alte Eule, die immer in Versen sprach.

„Ach, ich habe so Hunger. Ich esse immer ein bisschen von den Kindern, wenn ich sie steche. Aber sie haben Angst vor mir und schlafen jetzt bei den Eltern. Darum habe ich nichts mehr zu essen“, jammerte sie und weinte ganz bitterlich.

„Huhuuu, das ist lustig, das ist fein, Huhuuu, ich sag dir was, du Mückelein“, antwortete Etlaru Elue mit ihrer tiefen Stimme.

„Hättest du die Eltern nicht vergessen, Huhuuu, könntest du auch was anderes essen“!

Und sie verdrehte voller geduldiger Weisheit den Kopf ganz nach hinten.

„Ja, ich habe leider immer nur von den kleinen Kindern gegessen“, antwortete Picksefix zerknirscht.“

Da richtete sich die Eule auf, machte ein ganz strenges Gesicht und sagte mit lauter Stimme:

„Pass mal auf, du kleines Piecksedings.

Du fliegst jetzt zu dem Baum da links.

Da gibt’s Äpfel mit ganz viel Saft,

die geben dir auch neue Kraft.

Lass die Kinder von nun an in Ruh,

denn Äpfel gibt es hier immer zu!“

Da flog Piecksefix zu dem Apfelbaum, rollte ihren Rüssel mit der Lanze aus und machte vorsichtig ein kleines Löchlein in die Apfelhaut. Sofort kam ein ganz süßer Tropfen von reinstem Apfelsaft heraus den Piecksefix gierig und hungrig aufsaugte.

Sie hat an diesem Abend noch so viel getrunken, dass sie es nicht mehr bis in ihr Versteck schaffte und den ganzen Tag im Eulenbaum verschlief.

Von da an ließ sie die kleinen Kinder in Ruhe und diese schliefen wieder jede Nacht ganz ruhig und sicher in ihren Bettchen. Als Piecksefix selbst Kinder hatte, zeigte sie diesen sofort den Apfelbaum und nie wieder hatten Kinder Angst vor Stechmücken.

So ging das Leben von Piecksefix weiter immer zu und wurde von nun an bewacht von der Eule Etlaru.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sitzt sie auch heute noch in der alten Eiche.

Fao060321

Mer konns gemöich oder a nit

Mer konns gemöich oder a nit

Ich hob schua feistgstellt, dass des nöimodische Essa, also „veganes“ Essa a orch guet schmeckt und im Vergleich zum „normale“ Essa a gsund is. Ich konn mich ower nou nit gaanz davo dernähr und muess ob und zu a mol wos ess wos viele Kalorie hoat und richtich fätt is, zum Beischspiel Kesslfläsch oder Schweinshoxa. Monchmol braucht mer des äfoch. Es is blos blöd, wenn du wu eigelode bist,  wie in unern Fall in sou e Wohngemeinschoft vo junge Loit, wu überwiechend sou modern und uf a anere Oart gekoacht würd.

Mit höm unner Töchterla besücht, woarn mit unner Wohnmobil dahie gfoahrn wu se woahnt und oweds sollts in ihrer Wohngemeinschoft wu se e Ziemmer hoat, e gemeinsoms veganes Essa gab. Irchendwie konnt ich o dan Tooch mein innere Schweinhund nit ganz überwind, äfoch weil ich Aangst hatt, dass ich verhunger und sou hob ich beschlosse, damit sich mei Gemüet beruhicht, zwä sou klänne Wiener Notwürschtli – die hatt ich mir om Nochmittooch gekäfft – mitzunamme. Ich hob mir gedocht, dass ich die äfoch zum vegane Essa dazu ess könnt. Ower uf en Waach dohie sen mir Bedenke kumme, ob´s ogebroacht is, sou a Küche, die blos vegans Essa kennt, mit sou en ordinäre Gschmoog durchenanner zu brenge. Domit kö Diskussione vaufkumme, hob ich die zwä Wienerlich ganz gschickt handflächeseitich nein rachte Hömdsirmel gsteckt, sou dass blos nou die zwä Züpfel rausgeguckt höm. Wenn des sou arrangschiert is, hob ich gedocht, könnt ich während em Essa ümmer amol heimlich nei die Wurscht gebeiß un känner mirkts.

Wie mer okumme sen, hat mich mei Tochter gfräecht, ob ich ihr nit die Bobadeglkiste vom Schraank roheib könnt, damit mir die nocher mit häm namme. Ich hob grod mei Arm ausgstreckt, da hob ich gemirkt wie äns vo dare Würschtlich noch hine ruetscht und in Höha vo die Achselhöuhle steckebleit. Weil des Essa jetz direkt losgange ist, konnt ich des Malör, ohne aufzufalle, aktuell nit in Ordnung gebreng. Und sou is des Wienerle in dara woarme Achselhöuhle dingebliewe, hat bei jeder Bewechung o die Höörli gekitzlt und ich hob ach gemähnt, dass ich direkt schue sou en Hauch vo Wiener-Luft riech. Ower in dara Küche hoats souwiesou noach dan annere Esse geroche. Es woar en Dampf vo Gemües, Linsebolognese, Cous-Cous, Tomatekisch und vegane Grünkernbörcher in dara Luft und des woar intensiver wie mei „Wiener-Körwergeruch“.

Jedes mol wenn ich mich om Koupf gekratzt hob, hob ich a Stück vo dan Würschtla obgebisse und muesst ümmer fast lach, weil genau in dan Moment, wu ich dan Oarm beweicht hob, des annere Würschtla wieder o mei Achslhöarlich gekitzel hoat. Dann hob ich die öwere Wuerscht wieder a bissla nach vuerne geruetscht und woar scho bereit für dan nächste Bisse. Es woar ümmer dieselwe Kettereaktion: Koupf gekratzt, Wuerscht gebisse, Achslhöarli gekitzelt und Wuerscht nochgschouwe. Wenn mer mich genau beobacht hätt, wärn mei komische Bewechunge beim Essa ziemlich aufgfalle und mer hätt, weil ich mich dauernd om Koupf gekratzt hob, sicher gedocht, dass ich vielleicht sou a Schuppekrankheit hob die als zu juckt. Es is ower sou intensiv über die Vorteile vo dara vegane Ernährung geredt woarn, dass ich überhaupt nit aufgfalle bin. Ich hob a mein Beitroch geleist und gsocht, dass die vegane Ernährung scho wos guets wär und dass ich ganz überrascht wär, weil die verschiedene Gerichte mit dan Sojazoich gschmacklich ausgewouche wärn. Und des Essa würd a orch soot mach und des hätt ich früher ja goar nit gedocht und davo hätt ich ümmer Aangst gehot. Des konnt ich jetz a mit an guete Gewisse soch, weil ich die Wurscht inzwüsche komplett aufgessa hatt und ich ächetlich schua fast soot woar. Sou is dar Owed mit viel Gereid weiter gange, ich muesst mich nix mer kratz und mei Irmel woar läer.

När beim Nochtisch uf sou a Sojabasis mit Hädelbeera muesst ich mein rachte Oarm eng on en Körwer press, weil durch des Schwitze beim Essa des Würschtla geruetscht is und noch unta wander wollt. Des hätt mer dann zwangsläufich unter dan enga Hömm gsahn. Ower es is elles guet gange und noch a poor Stunn hömer uns uf en Hämwach zum Wohnmobil gemocht. Des Würschtla in mei Achsl woar jetz woarscheinlich durchgegoart, daswache hob ich des jetzt geschickt nawe en Gehsteich ufn Rose fall loss, ess wollt ich es nix mer. Wos für a guets Essa für dan Hund, dar wu in a poor Stunn da spaziern gähet.

Am nächste Früh, wie mei Fraa es Frühstück meicht, hoat se gemirkt, dass vo dare, insgsamt vier Wiener Würschtlich, zwä gfahlt höm.

„Ja ich hätt am Nochmittooch sou en Hunger gehot“, hob ich gsocht.

„Ja dann isses guet“, seicht die zu meiner Überraschung.

Da hob ich mich jetz oarch gewunnert, weil se mir normalerweise ümmer Vürhaltunge meicht, wenn ich vür en Essa nou fätte Wüerscht ess. Worüm es guet woar hob gemirkt, wie mei Blick auf die Verpockung gfalle is. Wos woar do zu laase? „Wiener Würstchen“ und in groaße Buchstouwe quer üwer die Verpockung: „VEGAN“.

Ich hob nix mehr gsocht, weil mir die Würschtlich quasi die Sproach verschloche hatte. Ower ich woar orch froah, dass ich a kompletts vegans Essa zu mir genumme hatt, ohne dass ich rückfällich wuern bin. Es woar a guets Essa und gsund, eiwe durch und durch vegan.

Ja, sou a saumäsiche innere Kroft wie iich hoat halt nit jeder.

fao210228

Hast du´s gut oder hast du´s schlecht??

Hast du´s gut oder hast du´s schlecht??

Wenn du in Rente bist, hast du´s gut. Ich habe es sehr gut, denn ich habe jede Menge Zeit. Ich kann machen was ich will; ich bin mein eigner Herr. Ich stehe früh auf wann ich will, ich frühstücke, ob und wann ich will und wenn ich Lust habe, hole ich sogar Brötchen oder Croissants zum Frühstück. Dann lese ich ausgiebig die Zeitung, während ich noch eine Tasse  Cafe´ au lait trinke. Wenn mir danach ist, wünsche ich mir was zum Mittagessen und freue mich darauf. Ich bin in fast jeder Art von Beziehung frei in meinen Entscheidungen. Früher habe ich noch die Autoreifen selbst gewechselt. Aber jetzt, in meinem Rentnerdasein, mache ich ganz gemütlich. Ich muss mich nicht mehr anstrengen und solche Sachen selbst machen, ich bin ja auch alt genug. Nein, ich lasse machen. Ich gebe nur an, was gemacht werden soll. Da der natürliche Fortpflanzungstrieb durch das Alter auch keine maximalen Ansprüche mehr hat, ist das Leben auf diesen Punkt bezogen, auch ruhiger. Das heißt, du hast auch in der Nacht mehr Ruhe und wenn du willst dann gehst du gar nicht ins Bett, sondern guckst Fernsehprogramm bis dir die Augen zufallen. Du bist vollkommen frei, du gehst zum Einkaufen, wohin und wann du willst und erfüllst viele von deinen kommerziellen Wünschen. Und wenn du mal Lust auf „Nichts“ hast, dann kannst du auch ausgiebig mal „Nichts“ machen. Es werden auch keine Forderungen mehr an dich gestellt. Du kannst immer sagen: „Ich kann nicht; mein Kreuz oder mein Kopf“. Damit bist du schon raus aus der Nummer. Oder du machst es eben morgen. Ja Leute, das ist schon ein paradiesisches Leben, das sich in der Rentnerzeit vor euch ausbreitet. Du wirst eh nur noch zum Glühbirnenwechseln eingesetzt. Und damit fangen dann die Zweifel auch an. Denn was hattest du früher für eine Verantwortung gehabt und du merkst jetzt auf einmal:

Wenn du in Rente bist, dann hast du´s schlecht. Du bist plötzlich so aus der gewohnten täglichen Routine und Ordnung, dass du den roten Lebensfaden nicht mehr siehst und dich mit viel Mühe daran gewöhnen musst. Weil du in nichts mehr eingebunden bist, hast du auch nichts mehr zu bestimmen und es entwickelt sich sehr schnell das Gefühl, dass du auch keinerlei Wert mehr hast, dass dich keiner mehr anschaut, dass dich keiner mehr beachtet. Hast du sonst am Morgen schon durchgeschnauft, weil dich ein schwerer Tag erwartet hat, so schnaufst du jetzt am Morgen, weil du nichts zu tun hast. Dann bist du aber heilfroh, wenn mal wieder eine Anfrage kommt, ob du nicht dies oder das machen könntest. Sofort sagst du zu und denkst: „Endlich mal wieder was zu tun“. Dann kommt die nächste Anfrage und du sagst wieder zu, und so weiter und so weiter. Es fühlt sich gut an, wenn der Wecker am Morgen klingelt und dir sagt: „Aufstehen, heute ist ein guter Tag, du wirst mal wieder gebraucht“. Es ist auch ein gutes Gefühl, neben der Rente noch ein bisschen dazu zu verdienen. Das muss dich doch jetzt zufrieden stellen.

Und so nach und nach füllt sich der Kalender wieder, du musst sogar Termine absagen und du fühlst dich gut ausgelastet. Zunehmend hast du das Gefühl, jeder will etwas von dir. Du merkst, irgendwie ist es jetzt alles schon wieder „Zuviel“, du kommst für dich zu gar nichts mehr und du denkst: „Wie schön wäre es, mal Zeit zu haben, um die Glühbirnen zu wechseln oder Zeit, um einfach mal gar nichts zu machen“. Hallo, wie bin ich denn jetzt drauf? Eben noch war mir die Zeit zu viel und jetzt ist mir die Zeit viel zu wenig? Habe ich einen an der Waffel und sollte mich behandeln lassen? Ich sehe schon, mein Leben geht genauso weiter wie vorher. Das Leben schwingt hin und her und man ist, egal wie der Zustand gerade ist, immer ein bisschen unzufrieden. Man versucht dann den Zustand zu ändern bis das Leben wieder in die ganz andere Richtung geht. Ist das die Freiheit der Rentner, sich dauernd hin und her drehen zu können? Das ging früher nicht so einfach, als man noch seinen festen Trott hatte.

Und wie ist es jetzt gerade? Ach ja, ich glaube mir wird alles schon wieder viel zu viel. Aber ich kenne ja jetzt das Rezept: einfach wieder in die andere Richtung treiben lassen. Gar nicht so einfach, das verdammte Rentnerleben. Wie in der Physik die Sinusschwingung geht es hin und her, auf und ab, hoch und runter, ruhig und anstrengend, mal so und mal so.

Ist das nicht herrlich?????

fao210305

Gückseelichs Nois Joahr

Gückseelichs Nois Joahr

Ich übersetz des amol für die, die unner Sproach nit sou mächtich sen, weil des is sou a schües Wuerd, des uf ämol elles ausdrückt. „Glückseeliges Neues Jahr.“ Da steckt elles din wos mer jemand anerschter wünsch konn, wenn sou a alts Joahr obgelaffe is. Mer säicht des ower erscht am Noijoahrschtooch, wenn mer zu die Nöchber oder zu die Verwandtschoft gähet. Bei mir is des in än Joahr amol ganz e goar ausgfalle. Insgsamt konn mer dazu soch, Silvester hob ich nou bis dreiviertel elef derlabt und nocher woar a Zeitsprung bis zum 2. Januar und ich woar im Bett gelache, wie ich aufgewacht bin. Woarscheinlich irchend e Schaltjoahr. Vor lauter Koupfwärdi hob ich ower a nit gleich normal denk könn, bin nei mei Dabbe und auf en Abbort. Duert hob ich gedocht, es is nit verkäehrt wenn ich mir elles nou amol durch en Koupf gieh los. Also hob ich es würche ogfange und wirklich ist nou sou a Schwall Brüh kumme und dar hoat ümmer nou sou en hochprozentiche Gschmack ghot, dass die Luft fast gebrönnt hoat. Do is mer des määste wieder eigfalle.

Es woar Silvester Owed und ich woar mit meim Brueder beim Nochber. Doa woarn mir öftersch, blos hoit hoats do Schnaps gawe, es sollt ja gfeiert war. Wenns när e klä Gläisle gewast wär! Es woar ower sou e groasses Trinkglos voul mit Wodga. Des hob ich mir bis hoit gemirkt, weil die Floasche ümmer nou genauso aussahn und jedesmo, wenn ich sou a Flosche sah, hob ich des Gfühl als heibst mich schue wieder. Guet, mir woarn jung und wollte elter sei, halt schue wie e groaßer Mo, also hob ich des ganze Glos uf än Ruck rausgetrunke. Ich woar richtich stolz, weil ich des gschafft hat. Es hoat gebrönnt, wie wenn du glühende Kouhle gessa hattst. Und wenn du a Broatwurscht nei die Pfanne leichst und es is zu hääß und die Wurschthaut platzt auf, sou muess es meim Doarm a gange sei. Ich hob richtich gemirkt, wie des inne din platzt und scho muesst ich a aufs Klo und hat en gscheite Dünnpfiff. Der Doarm hoat soufurt gemirkt, dass irchendwos nit stimmt. Bis nei Koupf woarsch ower nou nit kumme, drümm bin ich mit meim Brueder weitergzoucha, weil mir bei die Nochlschmieds im Ünerdurf weiterfeier wollte. Bei die Nochlschmieds im Onbau woar a kläne Pardy und do höm mir a nou wos gesse und woarscheinlich a nou wos getrunke. Dar Wach bis durthie woar extrem weit, weil wenn du uf e grode Strecke lauter Kurve läffst, verlängert sich dar Wach ganz schüa. Mir isses gläb ich guet gange, ower mei Brueder hot scho en ganz schöne Drall gehot und ich hob en grod nou sou bis dohie gebrocht. Es woar jetz halwer zwölef und ich hob mich gewunert, worüm des Foierwerk jetz schua losgähet. Überoll woarn sou kläne Sternpfuzzer und sou roate und grüene Explosione, wu ich gedocht hob, no, die Nochlschmieds höm sich ganz schüe ogstrengt, dass mir a schüene Pardy höm. Domols bin ich auf sou e Mädle obgfoahrn, e schues und mochersch Mädle, e bissle jünger wie ich. Die woar a do, ower ümmer wenn ich se ogeguckt hob, is se wie e Luftballon o die Decke gschwebt. Sie hoat mir zwoar gewunke, dass ich zu ihr hiekumm söll, ower bei dann gebouchene Wach hob ich mich nit getraut. Ich fräch mich bis hoit wos gewaast wär, wenn ich die poar Meter domols gschafft hätt. Äns muesst ich ower schaff. Ich muesst ubedingt omol naus weil dar Schnaps wieder aus die Bloase naus wollt. Mei Brueder woar scho am Miest gstande, also ich hobs gemähnt, denn wie ich noumal hieguck, woar dar scho im Mist dingelache. Ich hob ogfange en Rettungsplan zu üwerleiche, muesst ich ower nit lang, denn kurzentschlosse bin ich a mit neigfalle. Mei Koupf hoat gedampft, oder dar Mist, des konnt ich nit unterscheid und mei Füess woarn do, wu sich die Sudde in a groaße Pfütsche sammelt. Guet, geroche hob ich jetzt nix, dozu woarsch zu kaalt. Ower des Foierwerk im Koupf hoat sou zugenumme, dass ich gedocht hob, nix wie häm. Dar Hämwach wor äfoch, weil mir woarn im Raumschiff Orion und sen, ächentlich mit e schüens Gfühl, durch die Luft gschwebt. Nocher is des Raumschiff in die Dunkelhät vom Weltall verschwunde und hoat nou sou en glühende Schweif hinner sich hargezouche.

Dan Schweif hob ich ümmer nou nochgeguckt, wie ich zwä Tooch später aufgewacht bin. Und dar hoat gstunke, dar Schweif, oder woarns die Bröckeli vo – no es muest, noch en Aussahn, Gulasch gewaast sei – dar nix mer in mein Moche blei wollt und jetz im Bett schua ogetruckelt woar. Ich hob danach nou amol zwä Tooch gebraucht, bis ich elles sortiert hatt.

Ja, a sou ko mer des noie Joahr ogfang, a wenns kä Glückseelichs nois Joahr war. Ower hoit denk ich, des muesst mer a erscht amol überleb. Und des Guete woar, ich hob bis zum hoitiche Tooch känn sou en Rausch mehr gehot.

fa210221

Märchentrilogie Teil 3

FÜR GROSSE UND KLEINE KINDER

Schleudi mit dem Schleuderbein

Unser kleiner Frosch hatte zwei große Kugelaugen, einen großen Mund und eine grüngelbe Körperfarbe. Als er auf die Welt kam, waren seine Hände zwar ganz normal gewachsen, aber seine Beine waren unterschiedlich lang, ja man kann sogar sagen, das linke Bein war ganz kurz und das rechte Bein war sehr sehr lang. Schnell hat man ihn deshalb nur “Schleudi“ genannt, denn immer, wenn sich Schleudi vom Seerosenblatt wegbewegen wollte, schleuderte das rechte Bein dermaßen stark, dass er durch den Schwung ins Wasser plumpste. Und wenn er im Wasser von einem Ufer zum anderen schwimmen wollte, führte die Bewegung des rechten Beines dazu, dass er nicht gerade, sondern immer nur im Kreis schwamm. Die anderen Froschkinder lachten über ihn, denn er konnte keinen einzigen Wettkampf gewinnen. Und immer, wenn er mal wieder das andere Ufer erreichen wollte und stattdessen mühsam einen Kreis schwamm – und ehrlich gesagt, er hatte sogar Mühe über Wasser zu bleiben – da sangen die Kinder:

„Dies Fröschlein grün und klein, bewegt sich nur mit einem Bein.

Schwimm schnell und schwimm munter, sonst gehst du auch noch unter“.

Und dabei klopften sie sich am Ufer vor Lachen auf ihre Schenkelchen, während sie schon in der Sonne lagen und sich trockneten. Keiner machte sich die Mühe ihm zu helfen oder ihn aufzumuntern. Als Schleudi endlich auch auf der Sandbank angekommen war und seine Kameraden immer noch lachten, wurde er sehr traurig und hüpfte mit hängendem Kopf nach Hause.

„Was ist denn los mein kleiner Schleudi, haben sie dich wieder geärgert?“, fragte seine Großmutter.

Dabei drückte sie ihn ganz heftig an sich und trocknete mit einem Moostupfer seine Tränen und den ganzen Körper. Den Spitznamen „Schleudi“ hatte sie ihm selbst nach der Geburt gegeben, denn sie fand sein großes „Schleuderbein“ wunderschön und sie hatte sich gleich in ihn verliebt.

Schleudi wuchs mit seiner Familie in einem kleinen See auf. Das Wasser war klar, es gab viele Seerosen und andere Wasserpflanzen und am Grund waren so viele Steine und Moosgeflechte, dass es eine Freude war, ausgelassen zu spielen. Der See war umgeben von einer Mauer und das frische Wasser wurde über ein Rohr vom nahen Bach in den See geleitet. Eine kleine eiserne Tür verschloss den See nach außen. Diese Türe wurde nur geöffnet, wenn der See alle Jahre mal gereinigt wurde.

Jetzt waren Sommerferien, die Schule für die kleinen Frösche war geschlossen, die Sonne schien von morgens bis abends und es war eine Freude sich bei dieser Wärme im Wasser zu tummeln. War das Wasser am Anfang noch klar und frisch, so wurde es durch die Sonneneinstrahlung jetzt jeden Tag etwas wärmer. Eines Tages meldete auch der Froschwasserwächter, der den Wasserzulauf beobachten musste, dass immer weniger Wasser hereinfließen würde. Und so geschah es eines Tages, dass kein einziger Tropfen mehr in den See hineinfiel. Dadurch sank der Wasserspiegel so schnell, dass es keinem einzigen Frosch mehr gelang über die Mauer zu springen, um in den nahen Bach zu gelangen oder um Hilfe zu holen. Der Froschwasserwächter hatte mir seiner Schilfrohrdrommel Alarm ausgelöst und nun versammelten sich alle Froschfamilien ratlos auf dem schon trockenen Ufer. Alle waren nun gefangen; und sollte die Trockenheit so weiter gehen, würden alle Froschfamilien, die anderen Wassertiere und die Pflanzen in große Not kommen.

Schleudi war inzwischen zu einem kräftigen jungen Frosch gereift. Er hatte gelernt mit seinem Schleuderbein umzugehen. Das Bein war so gut entwickelt und hatte so viele Muskeln angesetzt, dass er jetzt, wie ein durchtrainierter Sportler, mühelos alle anderen Frösche im Schwimmen besiegte und er hatte auch keine Mühe mehr, von einem Blatt zum anderen zu springen, so dass es eine Freude war ihm zuzusehen.

So sagte während der Versammlung die Großmutter zu ihm:

„Schleudi, du bist der Einzige, der noch über die Mauer springen kann. Du musst den Riegel an der kleinen Türe von außen öffnen, damit wir hier entkommen können. Du weißt, ohne Wasser müssen wir Frösche alle sterben“.

Also schichteten sie mehrere abgestorbene Seerosenblätter übereinander. Furchtlos stellte sich Schleudi darauf, atmete mehrmals tief ein und aus, blickte konzentriert nach oben zum Mauerrand, der schon sehr weit entfernt war. Dann begann er leicht zu zittern, sammelte alle seine verfügbare Energie in sein Schnalzbein, schoss plötzlich wie ein Pfeil davon, blieb noch an einer fast vertrockneten Wasserlilie hängen, hatte aber genug Energie, um gerade noch mit seinen Händen den Mauerrand zu erreichen. Dort blieb er einen Moment hängen, schwang sich dann mit einem kräftigen Ruck nach oben und verschwand mit einem Satz jenseits der Mauer. Erleichtert atmeten die Großmutter und alle Froschfamilien auf. Nach kurzer Zeit hörte man von außen ein Hämmern an der eisernen Tür. Mit wuchtigen Schlägen seines Schleuderbeines hieb Schleudi auf den rostigen Riegel ein und einige Augenblicke später öffnete sich, zur Erleichterung aller, quietschend die kleine Türe, zwar nur einen Spalt, aber breit genug, dass alle Wasserbewohner den jetzt nur noch winzigen warmen See verlassen konnten und den rettenden Bach erreichten.

Dort wurde bald ein großes Fest gefeiert bei dem vor allem Schleudi im Mittelpunkt stand. Selbst als er schon alt war, wurde den Kindern die Geschichte von Schleudi und der Rettung der Froschfamilien erzählt.

Egal wie du geboren bist auf Erden

Aus dir kann was ganz Großes werden

Denn auch ein Frosch mit Schleuderbein

Kann der Welten Retter sein

fa210213

Märchentrilogie Teil 2

FÜR JOHANNA UND EMMA UND JONAS

„Sonnibella“ – Sonnenschein

Sie liebte es den ganzen Tag durch die Luft zu tanzen. Sie liebte es, wenn der Wind ihre zarten Flügel ergriff und sie hoch in die Luft hob. Sie liebte es in der Sonne zu spielen und die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Körper zu spüren. Sonnibella, das heißt „schöne Sonne“, war in diesen Sommer als kleine, fasst durchsichtige Libelle geschlüpft und von da an ein Sonnenkind. Sie strahlte immer und freute sich so sehr an dem Sonnenschein, dass sogar die Sonne, obwohl sie hoch am Himmel stand, das Lachen und Juchzen und die Freude des kleinen Libellenmädchens hören konnte. Die Sonne hatte sich so an das unbeschwerte Lachen gewöhnt, dass es ihr selbst eine große Freude war, sich jeden Morgen zu erheben und bis hinauf in den Himmel zu steigen. Richtig verliebt war die Sonne in das zierliche Mädchen und dieses war voller Erwartung und Sehnsucht nach der Sonne, wenn diese sich am Abend hinter dem Horizont schlafen gelegt hatte.

Eines Tages wurde die kleine Libelle krank. Sie wurde so krank, dass sie nicht mehr aufstehen und erst recht nicht mehr fliegen konnte. Die Eltern brachten ihr Honigtau zu trinken, machten ihr Beinwickel und Umschläge mit Tee, aber es half nichts. Jedes Mal, wenn sie versuchte aufzustehen, ließ sie vor lauter Schwäche die kleinen Flügelchen hängen und legte sich kraftlos und traurig wieder in ihr kleines Schilfbett.

Am nächsten Tag stieg die Sonne noch hoch in den Himmel, um nach ihrer kleinen Freundin zu sehen. Und als sie diese nicht erblicken konnte, stieg sie auch schnell wieder hinab und bedeckte sich traurig mit einigen dicken Wolken. Auch am folgenden Tag stieg sie wieder hinauf, schaute sich um, wurde ganz traurig und sammelte weitere dunkle Wolken um sich herum. Am dritten Tag, so schien es, war die Sonne selbst krank geworden. Sie verspürte nicht die geringste Lust aufzustehen und ihrer täglichen Arbeit, nämlich der ganzen Erde Licht zu geben und Wärme zu spenden, nachzugehen. Die Wolken hatten das sehr wohl gemerkt, und immer mehr davon versammelten sich frech und in einem wilden Haufen vor der Sonne. Die ganze Welt war jetzt dunkler und düster geworden. Die Sonne war wie im Liebeskummer und konnte nicht arbeiten, weil sie die Libelle nicht erblicken konnte. Kein einziger Sonnenstrahl drang mehr durch die Wolken. Die Libelle konnte sich nun gar nicht mehr erholen, weil ihr die Sonnenstrahlen auf ihrem Körper fehlten. So sehr Sonnibella auch von ihrem Bettchen in den Himmel schaute, das Licht der Sonne wurde jeden Tag weniger und nicht nur sie, sondern alle Schilfbewohner mussten leiden.

In ihrer Not rief die Sonne ihren Freund Blasius, den Wind an. Der Wind war ein kräftiger Bursche, der mal hier und mal da zu Hause war. Als aber die Sonne um Hilfe rief, war er sofort zur Stelle.

„Bitte, mein lieber Freund Blasius, hilf mir die Wolken wieder zu vertreiben, auf dass ich wieder auf der Erde scheinen kann. Ich muss meine kleine Freundin Sonnibella finden und wiedersehen, denn sonst habe ich keine Freude mehr!“

Der Wind sah, dass die Erde nicht genügend Licht hatte und dass die Sonne ganz traurig war und er sah auch die kranke Libelle im Schilfbett, als er mit einem Windhauch durch das Schilf strich. Dann machte er seine Backen ganz dick, atmete tief ein und füllte seinen ganzen Körper mit Luft, so dass er wie ein dicker runder Elefant aussah. Dann blies er mit einem gewaltigen Strahl die gesamte Luft mitten in die Wolken, wodurch diese sofort erschrocken durcheinanderwirbelten. Weil sie sich aber nicht schnell genug verziehen wollten, schickte er noch zwei bis drei Donnerschläge in den Himmel, so dass sie vor lauter Aufregung auch noch ihren Regen in dicken Tropfen fallen ließen.

Aber das hatte genügt. Die Wolken verzogen sich und schon sah man die Sonne wieder in den Himmel steigen. Je höher sie stieg, umso heller und wärmer wurde es und umso schneller verzogen sich die restlichen Wolken in ganz entfernte Länder, so dass der gesamte Himmel wieder in einer hellblauen Farbe erstrahlte.

Sonnibella lag noch zugedeckt in ihrem Bett unter ihrer Daunendecke, denn ohne die Sonne war es ihr ganz kalt geworden. Es war schon spät am Morgen, als plötzlich der erste warme Sonnenstrahl wieder auf ihr Gesicht fiel. Für die Sonne war es einfach gewesen, diesen Ort im Schilf zu finden, denn der Wind hatte ihr den Weg gezeigt. Schnell schickte sie nun eine ganze Menge an hellen und wärmenden Strahlen in das Schilf, bis der Tag so warm war, wie sonst auch im Sommer.

„Mamma, ich habe Durst, ich will Honigtau trinken“, rief Sonnibella. Und da wussten alle, dass das kleine Libellenmädchen schon fast wieder gesund war. Die Sonne und ihre Freundin verbrachten noch den ganzen Sommer miteinander und hatten jeden Tag viel Spaß und Freude. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

So wird es wohl sein: Jedes Mal, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, hat sie sich wahrscheinlich wieder in ein kleines Libellenmädchen verliebt.

fa210216