In Nomine Patris -3

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

3. Das Essen

Die Zubereitung des Essens muss für die Küche im Kloster eine große Herausforderung gewesen sein. 150 Jungs, einige Nonnen, Patres und Brüder satt zu kriegen war nicht immer einfach. Dem Essen den nötigen Respekt entgegen zu bringen, war auch nicht einfach, und so wurden auch schon mal die Klöße, wie beim Kegeln, durch den Speisesaal geschoben, zur Belustigung aller, mit einem darauffolgenden Ausruf von den Patres: „Wer war das?“ Wir waren Heranwachsende und hatten immer Hunger. Die Küche, von Nonnen und auch weltlichem Personal geführt, tat sicher ihr Bestes, um uns satt zu kriegen. In der Regel war das Essen hervorragend. Es gab jedoch zwei regelmäßig wiederkehrende Mahlzeiten, die sich jedem Klösterer cerebral in das Esszentrum eingebrannt haben. Einmal waren das die Leberwürste am Mittwochabend, die es immer nach dem Schlachten, also alle 14 Tage, gab. Das Kloster hatte noch eigene Schweine, die gefüttert und dann auch geschlachtet wurden. Da waren Leberwürste natürlich die logische Folge. Ich kenne eigentlich niemanden der diese Würste, von uns liebevoll abgewertet „Schläuche“ genannt, gemocht hat. Sie hatten wirklich eine starke Ähnlichkeit mit Fahrradschläuchen. Die andere Mahlzeit gab es am Freitagabend, nicht immer, aber so oft, dass ich Jahrzehnte später dies noch immer nicht essen konnte: das waren Tomatenheringsdosen. Immer für zwei Mann eine Dose. Wer es gemocht hat, konnte sich richtig satt essen. Wer es nicht gemocht hat, und von zu Hause keinen Nachschub hatte, dem hat dann in der Nacht der Magen geknurrt. Weil wir immer Hunger hatten, war auch der Futterneid sehr groß. Etwas von einem anderen Teller „stehlen“ war sehr gefährlich. Einmal habe ich es bei H.E. versucht. Der merkte das sofort und hat mit seiner Gabel nach mir geworfen. Die Gabel schlug heftig, weit oben in meinem rechten Oberschenkel, ein und blieb zitternd stecken. Es hat zwar stark geblutet, aber letztendlich meiner Zeugungsfähigkeit nicht geschadet. Noch heute kann ich es nicht leiden, wenn jemand etwas von meinem Teller probieren will. Da fange ich unwillkürlich an zu knurren.

Unser 6-er Tisch war der Fresstisch. Wir hatten andere befreundete Tische, die uns ihre Reste zukommen ließen, egal ob Kartoffeln, Klöße, Soße oder Salat. Selten ging eine Schüssel mit Resten in die Küche zurück. Wir haben literweise die Soße und Dutzende von Klößen vertilgt und immer neue Rekorde angestrebt.  Das war eigentlich schon ein Zeichen dafür, dass das Essen gar nicht so schlecht gewesen sein muss. Nein wirklich, die Menschen in der Küche haben sich bemüht. Manchmal mussten wir auch zu einer List greifen, um noch zusätzlich etwas zu bekommen. Immer wenn Wandertag in der Schule war, gingen wir zur Küche zum „betteln“. Dann bekamen wir von den netten Nonnen für die anstrengende Wanderung eine komplette Hartwurst oder Fleischwurst. Ich schätze mal, irgendwann haben die schon gewusst, dass es so viele Wandertage in der Schule niemals geben konnte.

Einen wichtigen und beliebten Küchendienst gab es am Samstag. Da es jeden Sonntag Kuchen gab, wurde dieser am Samstag durch den „Kuchendienst“ von der Bäckerei Kraft auf großen Blechen abgeholt. Der musste dann geschnitten und in Holzkisten geschichtet werden. Der Streuselkuchen war der Hit. Ich weiß nicht mehr wie oft ich Bauchweh hatte, weil ich soviel gegessen hatte. Wenn man in der Kiste immer mal eine Lücke freiließ, sah sie am Ende auch wieder voll aus. Es gab auch noch eine Brauerei; das Klosterbier war ja berühmt. Als wir dann schon größer waren, bekamen wir auch manchmal ein Bier von der Brauerei. Sonst waren ja Getränke beim Essen verboten, den Grund hatte ich nie mitbekommen. Man durfte erst nach dem Essen wieder trinken. Dreimal in der Woche gab es in der Regel eine Limo: am Mittwoch, am Samstag und am Sonntag. Das wurde gut eingeteilt und im Essensfach aufbewahrt. So ein Fach, in der Seite des Speisesaales eingelassen, hatte jeder Schüler. Manche Schüler haben aber, wenn sie Durst hatten, ihr eigenes Fach nicht mehr gefunden und die Getränke von den anderen leergetrunken. Das war dann bitter und hat oft zu Streitigkeiten geführt. Nur am Samstagnachmittag konnte man zusätzlich ein Getränk kaufen. Was für ein Genuss, ab und zu eine Cola zu erwerben und dann minischluckweise auszutrinken.

Es gab an den Tischen auch wieder die Einteilung nach dem Alter. Diese wurde zu Jahresanfang festgelegt und nicht mehr verändert. An jedem einzelnen Tisch saß an der Stirnseite der „Aufträger“. Dieser musste die verschiedenen Schüsseln mit Suppe, Kartoffeln, Fleisch und Soße von der Theke holen. Derjenige, der an der gegenüberliegenden Stirnseite saß, durfte sich als erster auftun. Dann ging es in einer bestimmten Reihenfolge weiter bis zum Aufträger, der als Letzter drankam. Er hatte die meiste Arbeit und oft waren die Schüsseln schon ziemlich leer, bis er selbst an der Reihe war. Das war nun auch nicht schlimm, denn jede Woche wurde die Sitzordnung um einen Platz verschoben; so hatte man immer nur eine Hungerwoche. Die für mich wichtigste Mahlzeit gab es an kirchlichen Feiertagen oder wenn ein Pater Geburtstag hatte. Dann gab es Bratwürste, meine Leibspeise. Die waren zwar sehr dünn, aber wahnsinnig gut. Dazu gab es immer Sauerkraut und Brot, welches ich zuerst als Vorspeise gegessen habe und dann zum Schluss wieder Minischeiben der Bratwurst, um den Geschmack möglichst lange im Mund zu haben. Mit Bratwürsten verknüpfe ich auch die seltenen Besuchstage, alle 4 Wochen am Sonntagnachmittag. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich meine Mutter je besucht hat, denn sie hatte zu Hause die Vielzahl an Geschwistern zu hüten. Wenn, dann kam mein Vater mit dem Moped und später auch mit dem Auto, brachte Wäsche, kleine Geschenke oder was zu Essen. Wir gingen dann in der Regel in der Stadt spazieren und in die Wirtschaft. Ich durfte eine Bratwurst essen und ein Limo trinken; das war schön. Körperliche Berührungen und tiefgreifende Gespräche hatten wir nicht, es ging meist um die Schule und ich war froh, wenn er nicht geschimpft hat. Die Zeit war damals anders als heute. Körperliche Nähe mit den Eltern kannte ich überhaupt nicht, über Essen aber habe ich mich immer sehr gefreut; das war auch eine Art von Zuwendung.

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In Nomine Patris -2.2

In Nomine Patris / 2.2 – Die Geschichte eines Klosterschülers

2.2   Tagesroutine

Die Mittwoche waren der Wahnsinn und auf ihre eigene Art sehr anstrengend, denn am Mittwochabend war „Silentium“ angesagt. Das heißt „Ruhe“ und bedeutete für uns, dass wir mit Beginn des Abendessens nicht mehr sprechen durften und auch bei sonstigen Aktivitäten Ruhe herrschen musste. Daran kann sich jeder Klösterer bis heute noch erinnern. Ich konnte damit nichts anfangen, konnte das Wort noch nicht übersetzen und war es auch nicht gewohnt, meinen jugendlichen Drang so einzuengen. So hat man verstohlen geflüstert, sich Zeichen gegeben und Zettel geschrieben; aber es war eine Regel, an die man sich gewöhnte und die nicht unbedingt geschadet hat. Für diejenigen, die sich mit dem Gedanken getragen haben, später mal ins Klosterleben überzutreten, war das sicherlich eine gute Übung. Ich habe mir oft überlegt, ob ich das ein Leben lang aushalten könnte, hat das doch schon sehr stark an ein richtiges Klosterleben erinnert.            

Verschiedene Wochentage hatten so jeweils einen etwas unterschiedlichen Ablauf. An den Wochenenden waren die Zeiten deutlich zugunsten der Freizeit verschoben. Wir konnten zusätzlich zum allgegenwärtigen Sport in Arbeitsgruppen gehen, Kurse besuchen, Theater proben, lesen oder uns einfach im Freien aufhalten. Es gab einige selbstorganisierte Gruppen, in denen man z.B. fotografieren lernen oder sich mit Astronomie beschäftigen konnte. Es gab in den Klassen kleine Theatergruppen und auch eine klassenübergreifende Theatergruppe, die manchmal an den Wochenenden in anderen Orten der Umgebung spielte und sogar auf Tourne ging. Es war sehr aufregend in der Requisitenkammer zu wühlen und die verschiedenen Klamotten anzuprobieren. Es gab viele Förderungen und auch finanzielle Mittel von Seiten der Klosterleitung. Innerhalb unserer Klasse gab es noch zusätzliche Jugendgruppen. Ich war bei der ältesten Gruppe. Wir hatten auch eine Fahne, festgemacht an einem alten Besenstil. Auf der einen Seite stand „Die Marder“ und auf der anderen Seite „St. Michael“. Diese Fahne haben wir häufig mitgeschleppt, beim Zelten oder beim Lagerfeuer. Irgendwie ist die in meinen Besitz gekommen und steht heute noch in meinem Arbeitszimmer.

Zwischen 21 und 22 Uhr läutete wiederum die unbarmherzige Glocke. Wir versammelten uns alle im Studiersaal und gingen dann gemeinsam in den Schlafsaal, natürlich nicht ohne Nachtgebet. Das Licht wurde nach dem Zähneputzen schnell gelöscht und der Unruhepegel sank sehr schnell. Zwischenfälle in der Nacht gab es nicht so häufig. Der Pater ging regelmäßig, wie ein Wachsoldat, auf Streife, wobei man manchmal die leisen Schritte hörte, oder auch den Kopf mit den grauen Haaren hinter der Abtrennung für die Waschbecken auf und ab wippen sah. Und so war – neben dem Heimwehschluchzen – meistens Ruhe im Schlafsaal. Meistens, doch manchmal hatten wir auch Flausen im Kopf und an Schlaf war nicht immer zu denken, vor allem im Sommer, wenn gerade mal die Sonne am Untergehen war und wir schon in den Schlafsaal mussten. „Blödsinn machen“ war auch ein gutes Mittel gegen das Gefühl der Einsamkeit in der Nacht. Dann ging plötzlich das Licht im Saale an und wenn du außerhalb deines Bettes erwischt wurdest, ohne auf dem Weg zur Toilette zu sein, zog das eventuell eine Überlage nach sich. Bei einer Überlage muss man sich über den Tisch beugen und dann gibt es Schläge auf den Hintern. Oder man musste sich am nächsten Tag persönlich rechtfertigen. Ich habe das nie selbst erlebt und es auch bei anderen nie als Misshandlung empfunden; wussten wir doch genau, was erlaubt war und was nicht. Auch das Lesen mit Taschenlampe unter der Bettdecke war nicht erlaubt und hatte eine strenge Ermahnung zur Folge. Oft stellten wir sogar Wachen auf, um gegen solche Überraschungen gewappnet zu sein. Einmal, wir waren schon etwas älter, machte A.R., dessen Bett am Fenster stand, eine Entdeckung. „Ein nackter Pater“ schallte der Ruf durch den Schlafsaal. Viele von uns sprangen sofort neugierig auf sein Bett, welches, aus Eisen bestehend und schon in die Jahre gekommen, dem Gewicht nicht standhalten konnte, um sich dann, unter jämmerlichem Knarren, in der Mitte durchzubiegen. Es gelang trotz aller Anstrengung nicht mehr, den Rahmen wieder gerade zu biegen und so musste er die Nacht mit der Matratze auf den Boden verbringen.

Ein erlaubter Grund, früher aufzustehen, war, wenn man noch für eine Schulaufgabe am selben Tag lernen wollte. Eine Uhr haben wir nicht gebraucht; wir hatten die Kirchenglocken als Zeitmesser. Ich habe das relativ oft gemacht und wahrscheinlich auch gebraucht und bin meinen Mitstreitern, die mir am Morgen noch etwas in das Kurzzeitgedächtnis geschoben haben, immer noch dankbar. Das war eine gute Sache, es gab immer jemanden, der etwas besser verstanden hatte als du selbst und der dir dann auch geholfen hat. Das wäre zu Hause nicht möglich gewesen.

Der Schlafsaal war auch der Ort, an dem ich viel mit meinem Glauben ausgemacht habe. Ich bin da sehr pragmatisch vorgegangen. Ich habe viel gelernt, dann um eine gute Note gebetet und bin oft darüber eingeschlafen. Wenn ich dann eine schlechte Note hatte – ich hatte ja meine Arbeit getan und gelernt – konnte nur noch der Allmächtige an der schlechten Note schuld sein. Das habe ich ihm dann sehr übelgenommen und ihm Vorhaltungen gemacht, warum er seinen Teil, trotz seiner Allmächtigkeit nicht einhielt. Aber zum Glück ist das nicht allzu oft passiert.

Duschen hatten wir im Schlafsaal nicht, aber es gab einen Duschraum, welcher am Wochenende benutzt werden musste. Klassenweise ging es am Samstagnachmittag in den Vorraum der Dusche, dort mussten wir uns ausziehen und dann ging jeder in eine Duschkabine. Die Duschdauer und auch die Temperatur wurden zentral vom Pater eingestellt. Zuerst kam Wasser zum „Einweichen“, dann wurde eingeseift und dann kam nochmal Wasser zum Abspülen. Zum Schluss wurde das Wasser kalt eingestellt, um alle Jungs aus der Dusche zu treiben. So war für alle Klassen der Tagesablauf sehr ähnlich. Selbst die Spaziergänge am Samstagnachmittag wurden im Klassenverband durchgeführt. Der Pater ging voraus, dann wurde in 2er Reihen dem Alter nach aufgestellt und ab ging die Marschkolonne durch Wald und Flur und auch durch die Stadt. Die Einheimischen waren diese Bilder gewohnt, deshalb gab es nur selten erstaunte Blicke. Einteilungen dieser Art, Sitzeinteilungen und Gruppeneinteilungen wurden immer nach dem Alter vorgenommen.

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Die Unerträglichkeit der Unvernunft

Die Unerträglichkeit der Unvernunft

Sie waren nicht geimpft. Trotzdem sind sie, zusammen mit den Kindern, in ein Risikogebiet in Urlaub gefahren. Schon auf der Rückfahrt gab es die ersten Krankheitssymptome bei den Eltern. Die Abstriche in der Praxis waren positiv. Auf die Frage warum sie sich nicht impfen lassen, sagten sie, die Impfungen seien noch nicht richtig getestet. Na gut, jetzt sind sie schwer krank und wissen auch nicht, was das Virus bei ihnen oder ihren Kindern noch anrichtet.

Für die Praxis war es ein erheblicher Aufwand: Schutzkleidung, Desinfektion und die große Gefahr der Virenverbreitung. Doch bezahlen tut dies alles die Solidargemeinschaft; Tests, Krankenstatus, Quarantäne und Medikamente werden auch bezahlt. Bezahlen für permanente Unvernunft, das ist unerträglich!

Aber das Virus gibt es ja gar nicht; das hat mir vor kurzem eine wütende Frau gesagt, die im Einkaufsmarkt ohne Maske herumgelaufen ist und die ich angesprochen hatte. Ich solle ihr doch beweisen, dass es das Virus gibt. Wie tief in der Argumentationskette soll man bei diesen Menschen anfangen? Auf mein Nachfragen hat sie dann eine Bescheinigung präsentiert, die sie wegen Asthma von der Maskenpflicht befreit. Hat meine ehemalige Patientin plötzlich Asthma?  Ich habe mir den ausstellenden Arzt gemerkt. Dieser hat seine Praxis in Thüringen. Er ist ein bekannter Impfgegner und man muss von hier 2 Stunden bis zu ihm fahren, um eine Bescheinigung zu bekommen. Das hätten bei dieser Erkrankung unsere Fachärzte hier auch gekonnt. Das Internet schreibt von mehreren juristischen Verfahren, die gegen diesen Arzt laufen. Das weckt starke Zweifel an der Korrektheit der Bescheinigung.

Dabei sind es im Moment gerade die Ungeimpften, die für die Virusverbreitung und für weitere kommende Varianten verantwortlich sind, da sie – im Vergleich zu den Geimpften – eine deutlich höhere Viruslast tragen. Damit sind sie auch stark mitverantwortlich für die wieder steigenden Infektionszahlen, für die erneuten Beschränkungen, die uns alle betreffen und auch für das, was die Schulkinder an Einschränkungen ertragen müssen. Die Ungeimpften möchten sich doch bitte darüber Gedanken machen und sich, für uns alle, solidarisch verhalten. Das Einfachste, keine Schuld zu tragen, ist: Lasst Euch bitte impfen.

In Nomine Patris – 2.1

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

  •    2.1 Tagesroutine

Der Tag begann für uns immer sehr früh. Neben den vielen Tauben, die als Nachbarn mit uns unter dem Dach wohnten, waren es die Glocken der Klosterkirche, nur einige Dutzend Meter entfernt, die schon sehr früh, etwa um 6 Uhr, unseren Tag einläuteten. Zusätzlich gab es in jeder Etage eine sehr laute und schrille Glocke, die zur Pünktlichkeit bei den einzelnen Tagesordnungspunkten mahnte. Kaum war die Glocke verklungen, kam auch schon Pater Fidelis in den Schlafsaal gestürmt, um mit einem lauten „Guten Morgen“ die letzten Schläfer aus den Betten zu treiben. Manchmal erscholl auch der Ruf: „Benedicamus domino“, worauf wir antworten mussten: „Deo gratias“. Daran kann ich mich aber nicht mehr so gut erinnern. Schnell ging es jetzt um die Ecke zu den Waschbecken, wo die Morgentoilette gemacht wurde. Dann wurden die Klamotten aus dem Schrank geholt und angezogen, das Bett gerichtet und schon war man im Studierzimmer versammelt, um von hier aus gemeinsam zur Morgenmesse zu gehen. Danach gab es Frühstück und schon setzte sich die Karawane aus jungen Menschen auf dem Weg zu Schule in Bewegung. Dieser Weg führte durch die hintere Pforte, am alten Krankenhaus vorbei, rechts am Semi vorbei – rechts davon lag das Schwimmbad – und dann in einem geschwungenen Bogen nach links bis zum Gymnasium mit dem Glockenturm vor dem Schulhof. Bemerkenswert an diesem Schulweg war, dass er sehr schmal war; aber auch wieder nicht so schmal, dass nicht der VW-Golf von H.E. Jahre später durchgepasst hätte, ohne anzustoßen. Bemerkenswert war auch, dass dieser Weg am Semi vorbeiführte; das war für uns manchmal feindliches Gebiet. Das Semi (Seminar) wurde auch von den Augustinern verwaltet und beherbergte gleichfalls eine große Zahl von Jugendlichen in allen Altersklassen. Im Unterschied zu uns Klösterern gab es hier ein anderes Erziehungskonzept, mehr weltlich ausgerichtet. Vor allem durften die Jungs jedes Wochenende nach Hause fahren. Das war für uns im Kloster zwar ein seelischer Schmerz, doch war bei uns der Zusammenhalt viel stärker, so dass wir bei Rivalitäten, durch unseren geschlosseneren Klassenverband, meistens als Sieger hervorgingen. Im Winter wurden Schneeballschlachten ausgetragen, auch unter Beteiligung der Patres, und ich kann mich nicht erinnern, eine dieser Schlachten verloren zu haben. Ein Rundruf genügte, um eine große Zahl an älteren Klösterern zur Verteidigung der Klosterehre zu rufen. Geschlossenheit war für uns sehr wichtig und immer ein positives Merkmal unserer Klasse. Wir waren tagaus und tagein zusammen, durften nur in den Schulferien nach Hause und kannten uns wahrscheinlich auch viel besser als unsere eigenen Geschwister. Dies zeigt sich bis in die heutige Zeit, denn bei den Klassentreffen, die immer noch regelmäßig stattfinden, besteht die Mehrzahl der Teilnehmer aus dem Kern der ehemaligen Klösterer. Also manchmal bin ich dann auch stolz, ein Klösterer gewesen zu sein.

In der Schule bildeten wir auch eine eigene Klasse, zumindest in den ersten Jahren; wahrscheinlich um die Mädchen von uns fernzuhalten. Wenn das die Absicht gewesen war, ist dieser Versuch kläglich gescheitert, denn in den Parallelklassen gab es viele Mädchen und wir waren erfinderisch genug, um Mittel und Wege für ein Zusammenkommen zu finden. Nach der Schule ging es wieder zurück ins Internat zum Mittagessen. Wir hatten als heranwachsende Pubertiere einen mächtigen Hunger und versammelten uns, auf das Glockenzeichen hin, im Speisesaal. Jeder nahm seinen, zu Jahresanfang festgelegten Tischplatz ein. Wir konnten das Tischgebet kaum abwarten, um uns dann auf das Essen zu stürzen. Das erfolgte aber nicht immer mit großem Appetit, denn manchmal wurde eher ein Fluchtreflex ausgelöst. Das Thema Essen war sehr speziell, deshalb ist diesem Thema ein ganzes eigenes Kapitel gewidmet. Nach dem Essen und nach dem unvermeidlichen Tischgebet, kam die lang ersehnte „Freizeit“. In der Regel wurde Fußball gespielt – entweder auf einem Rasenplatz neben dem Semi oder direkt auf dem Hardcore-Teerplatz im Klosterhof. Tägliche Verletzungen waren hier an der Tagesordnung. Viel zu kurz war diese freie Zeit. Auch wenn wir völlig verschwitzt waren, rief uns die Glocke jetzt zur Studierzeit. Von 14:45 Uhr bis 16 Uhr hatten wir im Studiersaal an den Schreibtischen zu sitzen und bei den Hausaufgaben rauchten die Köpfe. Natürlich war die von uns so genannte „Schwaszeit“ (kommt wahrscheinlich vom Schweiß) sehr wichtig und intensiv. Zur Toilette musste man sich abmelden; man durfte nicht reden und sich nur mit Lernen und Büchern beschäftigen. Der „Aufpasser-Pater“ oder „Bruder“ schlich durch die Reihen und zog seinen Gürtel bei Unaufmerksamkeit, oder wenn die Augen zugefallen waren, quer über das Pult, dass es nur so krachte. Jeder Klasse war zu Anfang des Jahres ein Pater zugeteilt worden, so konnte man sich gut aneinander gewöhnen. Wieder wurde die Pause von 16-17 Uhr für vielerlei Aktivitäten genutzt, es gab Tee in der Küche und manchmal Schnittlauchbrote. Von 17-18:30 Uhr kam die zweite große Studierzeit. Wer jetzt mit den Hausaufgaben fertig war, konnte Bücher lesen oder in eines der Musikzimmer gehen und ein Instrument üben. Nach dem Abendessen – um 19 Uhr – wurde oft eine Andacht oder Abendmesse in der Kapelle abgehalten, die oft von uns selbst gestaltet wurde, denn aktive und musikalische Jungs hatten wir Viele.

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Ich sitze in meinem Garten

Ich sitze in meinem Garten

Es ist Sommer und ich sitze in meinem Garten. Wie schön ist das denn! Die Sonne scheint; jetzt am Morgen ist die Temperatur gerade richtig. Ich habe heute keine Termine, trinke eine Tasse Kaffee und schaue in die Runde. Was für ein herrliches Grün hat uns die Natur in diesem Jahr geschenkt. Es gab genug Regen, für viele Regionen leider zu viel Regen und auch meine Tomaten hat der Regen quasi ertränkt; aber sonst sprießt alle. Links von mir hängen die Trauben, die mit den Blättern ein richtiges Dach bilden, in dicken und fast reifen Formationen, fast wie im Werbefilm, akkurat nach unten und im Stehen kann man fast hineinbeißen. Die Vögel besuchen mich auch in ganzen Familienverbänden am Futterhaus, welches zwischen den Trauben hängt. Der Teich zeigt bei klarem Wasser eine Pflanzenpracht wie nie zuvor. Heute soll es wieder sehr warm werden, aber im Schatten der Markise ist es wie im Paradies. Kein Gedanke daran, irgendwo anders hin in Urlaub zu fahren. Es könnte nirgendwo schöner sein. Vielleicht anders, aber nicht schöner. Vielleicht mit einem anderen Flair, aber auf keinen Fall ruhiger. Auch die Kirchenglocken stören nicht; sie gehören hier einfach dazu. Es ist gerade sehr wenig zu tun im Garten, die Kübelpflanzen brauchen ihre tägliche Ration Wasser, den restlichen Garten hat die Natur gut versorgt. Der Sommer im Garten ist einfach schön.

Es ist Herbst und ich sitze in meinem Garten. Es ist schön, aber heute ist viel zu tun. Die Pflanzen werden zurückgeschnitten, die Teichpflanzen müssen gekürzt werden, noch der letzte Rasenschnitt und den Sonnenschirm kann ich langsam wieder abbauen. Es gibt kaum noch blühende Pflanzen und manche Pflanzensorten fangen an die Blätter zu verfärben. Es ist ab und zu noch warm genug, um draußen zu sitzen. Da muss aber die Sonne scheinen, sonst wird es sehr schnell kalt. Also trinkt man auch den Kaffee etwas schneller und hat eine Jacke griffbereit, wenn der Wind einen kalten Luftstoß schickt. Die Schildkröten fressen jetzt auch nichts mehr und werden für den Winterschlaf vorbereitet. Die Gartenvögel sind immer noch da und suchen die letzten Trauben zum Naschen. In der Luft ist es ruhig geworden. Wo sonst die Schwalben in wilden Wolken kreuz und quer segelten, sieht man jetzt eher wieder mehr Flugzeuge, denn die Schwalben haben sich auf den Weg gemacht. Die empfindlichen Pflanzen müssen noch in das frostsichere Gartenhaus geschafft werden. Dort können sie gut den Winter verbringen und für uns ist deshalb kein Platz mehr. Noch ein paar schöne Tage mit Arbeit und Vorbereitungen, dann ist das meiste getan. Der Herbst hat auch so schöne Seiten.

Es ist Winter und ich gehe in meinen Garten. In der Nacht hat es geschneit, nicht viel, aber gerade genug um alles ein bisschen weiß zu pudern. Die Vögel fliegen in Scharen davon, als ich die Gartentüre öffne. Im Schnee finden sich Spuren der Vögel, die am Boden Futter suchten und dazwischen auch Katzenpfotentupser. Hoffentlich hat sie nicht wieder einen erwischt. Da die Pflanzen alle zurückgeschnitten sind, gibt es viel weniger Verstecke für die Vögel. Es ist insgesamt viel kahler und kühler. Nur der Bachlauf plätschert, wie sonst auch, seine ewige Wassermelodie. Es ist heute zu kalt, um hier zu sitzen und das Gartenhaus ist mit Pflanzen besetzt. Wenn ich in meiner dicken Jacke meinen Weg durch den Garten laufe, knirscht der Schnee. Der Teich hat nun viel weniger Grün, nur das Schilf schickt noch mächtige Stängel senkrecht nach oben. Das Weinlaub ist abgefallen, nur wenige vergessene Blätter liegen am Boden. Wenn ich jetzt im Urlaub wäre, könnte ich das nicht sehen. Es ist auch sehr schön und verbreitet eine angenehme Ruhe; ein Gegenpol zur Tageshektik. Die Katze kommt zu mir und ist scheinbar auch erstaunt, wie sich der Garten im Vergleich zum Sommer geändert hat. Schönheit auf eine ganze andere Art. Ich mag es noch mehr, wenn die Schneedecke ganz dicht und flauschig ist.

Es ist Frühjahr und ich sitze im Garten. Die Tage werden jetzt schnell wieder länger und überall sieht man das Aufbrechen der Natur. Die Pflanzbeete sind vorbereitet und ich habe große Lust auch vor den Eisheiligen schon Salat und Tomaten zu setzen. Aber die Eisheiligen sind sehr beständig und rauben mir jedes Jahr einige Setzlinge. Doch ich mag diese Tage, weil man sich einfach darauf verlassen kann, dass sie kommen. Einige Pflanzen aus dem Gartenhaus stehen schon wieder draußen, so dass ich auch die Kaffeemaschine für dieses Jahr wieder in Betrieb nehmen kann. Wenn man genau hinsieht, haben auch die Weinranken schon winzige Knospen. Ein paar Tage Wärme und es wird eine Pflanzenexplosion geben. Was für eine Kraft hat die Natur und wie frisch sieht jeder neue Tag aus. Die Vögel haben den Winter überstanden und gestern habe ich die ersten beiden Schwalben gesichtet. Die Meisen tragen Nistmaterial in das Vogelhaus. Jetzt in Urlaub zu fahren wäre schade, es gibt noch einiges zu tun bis ich und die Natur, bis wir beide wissen was wir wollen. Ich und die Pflanzen sind nicht immer einer Meinung. Doch wie herrlich liegt der Garten jetzt schon da. Arbeit und Erholung zur selben Zeit. Das bietet kein Urlaub.

Egal zu welcher Jahreszeit, ein Garten ist ein Segen in jeder Beziehung.

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In Nomine Patris – 1

In Nomine Patris – Die Geschichte eines Klosterschülers

  1. Der Beginn

Das Wort „Kloster“ kommt von dem lateinischen Wort „claustrum“, was so viel wie „verschlossener Ort“ bedeutet. Das war sicherlich auch so ein bisschen unser Eindruck, als wir den ersten Kontakt mit dem Kloster hatten. Der Eindruck von hohen, gewaltigen Mauern, die verschlossenen eisernen Türen und Tore nach draußen, die pompöse Kirche und die sofort einsetzende, ordnende Tagesstruktur gaben so ein bisschen das Gefühl des Ausgeliefertseins. Wie wird das alles werden, die nächsten Tage, Wochen und Jahre, wie kann man das aushalten, wie schlage ich mich in dieser engen, sozialen Gruppe, wie komme ich mit dieser strengen Ordnung zurecht, wie halte ich das Heimweh aus und will ich wirklich Pfarrer werden? Diese Fragen beschäftigten uns zunächst nur am Rande, als wir von unseren Eltern für 3 Tage ins Kloster „eingeliefert“ wurden, um die Aufnahmeprüfung am Gymnasium zu bestehen und um uns an das zukünftige Leben in einem Klosterinternat der Augustiner zu gewöhnen. Dies war der Startpunkt für die nächsten 9 Jahre, als diese Herde von kleinen Jungen,  von lebenshungrigen, präpubertären Menschen im Alter von 11-12 Jahren, ausgestattet mit einem Kleiderbündel, auf den Schlafsaal, den Waschplatz, den Platz im Studiersaal und den Platz im Speisesaal verteilt und in die Organisation des Internats eingepflegt wurde. Ich hatte für diese drei Probetage nicht viele Kleider dabei, und nach der Aufnahmeprüfung kam ich in exakt denselben Kleidern wieder nach Hause. Ich hatte damit die Prüfung bestanden, war in der Kirche gewesen, hatte viel Sport gemacht, vielleicht sogar damit geschlafen. Die Zeit, mal von zu Hause weg zu sein, war sehr aufregend, noch nicht traumatisierend; es fühlte sich eher an wie ein Ausflug ins Abenteuerland.

Nach den Sommerferien wurde es aber ernst. Die Vorbereitungen waren getroffen. Es wurde ein Satz Kleider besorgt, auch Sonntagskleider, Bettwäsche, Sportsachen und Schulsachen. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurden alle Kleider mit einer Nummer versehen, in meinem Fall war es die Nummer 13, die mich 9 Jahre lange auszeichnete. Ich war nicht aber gläubig, so hat mir das Tragen der Nummer über all die Jahre glaube ich nichts ausgemacht. Die Tagesroutine brachte schnell Ordnung in das Gewusel von 36 Jungs, die alle dasselbe Ziel hatten: in 9 Jahren die Gymnasialzeit mit dem Abitur abzuschließen. Das war ein sehr sehr fernes Ziel, welches wir noch nicht mal annähernd absehen konnten. Einige hatten sicherlich schon einen Berufswunsch, auch mit einer kirchlichen Laufbahn, aber da sollte noch so viel dazwischenkommen. So viel Neues, so viel Anderes prasselte auf uns ein, dass eigentlich alles unerreichbar weit weg schien.

Vor allem zu Beginn, und dann vor allem immer nach den Ferien gab es etwas, was die Zeit unheimlich zu verlangsamen schien und das war das Heimweh. Nein, kein Gefühl mehr von Abenteuer und Zukunftsvisionen, das jetzt war Realität und musste durchgestanden werden. Die Zeit bis zur nächsten Heimfahrt nach den Sommerferien, das waren die Herbstferien im November, war ein Zeitrahmen, dessen Ende nicht näher zu kommen schien. So war Heimweh, das Gefühl verlassen zu sein und die Tatsache, dass diese Zeit hier nicht vergeht und nicht endet, ein ständiger Begleiter. Jeder Tag zog sich, zog sich unendlich, aber es wurde leichter, wenn man sich dem auslieferte und wirklich jeden langen Tag und damit die Zeit abhakte. Viele Tränen wurden auf den Toiletten oder abends in die feuchten Kissen geweint. Aber Vorsicht: ein Schluchzen durfte nicht auftreten, hätte als verweichlicht gegolten und die soziale Gruppe hätte das sofort ausgenutzt. So mancher hat es nicht geschafft und hat enttäuscht abgebrochen Jeder hatte einen anderen Umgang damit. Ich habe die Tage abgehackt, einen nach dem anderen, und so kam ich auch immer wieder ein kleines Stückchen näher an die Heimat und habe durchgehalten. Bezugspersonen, denen man sich anvertrauen konnte, gab es zu dieser Zeit nicht. Damals hatte ich den Begriff „Heimat“ noch nicht erfasst. Was hat mich in die Heimat gezogen? Es war kein lohnendes Ziel: ich erinnere mich an kärgliches Essen, wenig Aufmerksamkeit von den Eltern, bei vielen anderen Geschwistern und doch gab es dieses Gefühl, diese tief verwurzelte Sehnsucht nach dem was Heimat ist.

Trotz der seelischen Schmerzen durch die Trennung von Eltern, Geschwistern und dem Zuhause gab es auch die Erkenntnis für mich: um „etwas werden zu können“ war dies eine hervorragende und damals auch die einzige Möglichkeit. Zu Hause gab es kein Studierzimmer, keine Bibliothek und keinen Schulbus in die Stadt und vor allem keine zusätzlichen Fördermöglichkeiten. Im Internat hatte ich das alles: schulische Ansprechpartner, einen Schreibtisch, einen Schlafplatz, Essen und eine ausgefüllte Freizeit mit Gleichgesinnten.

Das Augustinerkloster-Internat musste in all seinem Gewusel straff organisiert sein. Es war eine manchmal harte, einschränkende aber doch eine stabilisierende Ordnung, an die man sich halten konnte. Es war eine Ordnung, die uns nicht geschadet hat und gegen die wir trotzdem ab und an rebelliert haben. Es gab im Tagesablauf viele katholische/kirchliche Inhalte, schließlich sollten wir zum Priesterberuf hingeführt werden. So lautete der „Vertrag“, den die Klosterleitung im Vorfeld mit den Eltern geschlossen hatte. Auch ich hatte, als ich in der Volksschule gefragt wurde, gesagt, dass ich gerne Priester werden wollte. Das lag in der Tradition, denn ich hatte einen Onkel bei den Augustinern, der in der Schweiz als Pfarrer arbeitete. Immer wenn der nach Hause in unser Dorf kam, wurde er nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Es gab jeden Tag „Sonntagsessen“, immer bei einer anderen Familie seiner zahlreichen Geschwister. Ich musste für ihn Zigarren kaufen. Was für ein Luxus! Wahrscheinlich hatte ich mir diesen Luxus auch für mich gewünscht, was meinen Wunsch, Pfarrer zu werden, sehr stark förderte.

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Habe ich recht?

Habe ich recht??

Jeder kommt im Leben mal in eine Situation, in der er zweifelt, in der er an sich zweifelt und in der er zweifelt an dem, was er erlebt und in der er zweifelt an der eigenen Reaktion und dabei hinterfragt, ob die eigene Sicht der Dinge die Richtige ist.

Wie soll ich wissen, was richtig ist, denn meine Reaktion ist immer die Summe von dem, was ich erlebt habe. Es gibt viele Rahmenbedingungen und Gesetze, die man beachten kann und diese sind, wie zum Beispiel auch die Verkehrsregeln, doch wahnsinnig wichtig, damit alles im Fluss bleibt und es nicht dauernd Kollisionen gibt. Anders sind die Ansichten und Meinungen, die sich tief in meinem Inneren entwickeln, die sich auch erst mal an dem allgemeinen Recht und an den beigebrachten ethischen Grundsätzen orientieren, also eine Voraussetzung, die wir alle haben sollten. Und trotzdem entwickeln sich Meinungsbilder, die unterschiedlich, bis zu absolut konträr sind. Dabei möchte ich so gerne, dass meine Meinung die „Richtige“ ist; dass ich mich an den richtigen Dingen orientiere und dass der Rest der Menschheit auch so denkt wie ich.

Ich habe aber gewiss nicht immer recht und manchmal liege ich sogar absolut daneben. Es gab vor einiger Zeit einen Boxkampf, mit einem deutschen Boxer gegen irgendeinen anderen. Ich wollte unbedingt, dass der der Deutsche gewinnt und war auch während des gesamten Kampfes der Meinung er würde nach Punkten führen. Auch der Kommentator war auf meiner Seite und so waren wir beide wahnsinnig überrascht, dass die Punktrichter zu einem anderen Urteil gekommen waren und mein Boxer klar nach Punkten verloren hatte. Ich hatte also eine vorgefertigte Meinung bzw. Erwartung; diese hat mein Urteilsvermögen so stark beeinflusst, dass ich den Boxkampf nicht mehr neutral sehen konnte und somit in der Beurteilung absolut falsch lag. Das hatte ich nicht erwartet.

So manches Mal dämmert es einem langsam doch, dass man auch Unrecht haben könnte. Doch man will dies nicht einsehen und vor allem bei Diskussionen fokussiert man sich auf sein eigenes „Recht haben“ und gräbt weiter nach fadenscheinigen Argumenten und Ausreden. Warum ist es so schwer zuzugeben, dass man auch mal daneben liegen kann? Sachliche Themen lassen sich recht einfach und neutral einordnen, man kann sie nachfragen oder nachschauen und hat schnell das richtige Ergebnis. Andere Themen lassen, von vorneherein, verschiedene Meinungen zu. Dann ist es sehr schwierig, das Gegenüber von der eigenen Meinung zu überzeugen, auch wenn das eigene Argument noch so gut ist. Verschiedene Menschen haben verschiedene Sichtweisen und sehen Dinge als richtig an, die für einen selbst offensichtlich völlig verkehrt sind. In deiner Bewertung findest du das dann als absolut lächerlich und es führt zur Ablehnung.

Auch das Ertragen von konstruktiver Kritik ist für viele Menschen sehr schwierig, weil jede noch so kleine Äußerung an deren Ego kratzt. Menschen mit geringem Selbstbewusstsein vertragen Kritik sehr schlecht und können auch keine Selbstkritik üben. Ein starkes Selbstbewusstsein dagegen erträgt auch mal Kritik, vor allem wenn man erkennt, dass sie gerechtfertigt ist.

Kürzlich habe ich mit einer absolut liebenswerten alten Freundin telefoniert, mit der ich früher sehr viel durchgemacht habe. Ich habe mich immer gefreut an ihrem Leben teilzuhaben, auch wenn wir uns nur einmal im Jahr sehen. Seit Corona ist das anders. Seit Corona ist sie völlig verändert und ich habe das Gefühl, sie hat eine Gehirnwäsche bekommen. Ihre Gedanken kreisen nur darum, welches Unrecht sie erleidet, wie sie sich durch die Maske einschränken muss und wie sie durch die Coronaimpfung manipuliert werden soll. Sie ist intelligent, hat Medizin studiert und mit Sicherheit viel Lebenserfahrung. Ihre Verteidigung enthält auch sehr viele Angriffe, wie dumm wir wären, dem „Mainstream“ zu folgen und wir würden schon noch sehen was dabei rauskommt. Und wenn sie doch ein bisschen recht hat? Sie ist ja nicht die Einzige, die so denkt und mit denen meine eigene Sichtweise der Dinge überhaupt nicht kompatibel ist. Auch hier möchte ich gerne Recht haben und es fällt mir schwer, ihre Meinung zu akzeptieren oder zumindest als Meinung stehen zu lassen, auch wenn ich sie sehr gerne habe. Man muss aufpassen, dass die beiden gegensätzlichen Meinungen nicht zu einer gegenseitigen Ablehnung führen. Hätte man dadurch etwas gewonnen? Wahrscheinlich nicht. Freunde verloren, eigene Meinung behalten. Das Thema bei einem Treffen ganz ausklammern kann ich noch nicht. Das lässt mein Ego dann doch noch nicht zu.

Ein Gedicht von Jehuda Amichai aus dem Gedichtband „Zeit“:

Der vielgelesene Dichter wurde 1924 in Würzburg geboren, emigrierte 1935 mit seiner orthodoxen Familie nach Palästina, kämpfte im Zweiten Weltkrieg in der „Jewish Brigade“, war Soldat im israelischen Unabhängigkeitskrieg und den drei folgenden Kriegen, danach Lehrer, später Professor für hebräische Literatur. Seit 1937 lebt Amichai bis zu seinem Tod im Jahr 2000 als Lyriker, Erzähler und Dramatiker in Jerusalem.

Der Ort, an dem wir recht haben

An dem Ort, an dem wir recht haben,

werden niemals Blumen wachsen im Frühjahr.

Der Ort, an dem wir recht haben,

ist zertrampelt und hart

wie ein Hof.

Zweifel und Liebe aber

lockern die Welt auf

wie ein Maulwurf, wie ein Pflug.

Und ein Flüstern wird hörbar

an dem Ort, wo das Haus stand,

das zerstört wurde.

Fao210625

Die Rache des Bärlauchs

Die Rache des Bärlauchs

In meinem Garten wächst Bärlauch. Ich pflege ihn gut und kann dafür im Frühjahr frische Blätter ernten. Es ist jetzt nicht so viel, reicht aber für ein paar Gläser selbstgemachtes „Pesto“ aus. Ich habe genügend Blätter abgeschnitten, die groben Stile entfernt, die Blätter kurz blanchiert, im Mixer püriert, Hartkäse und einige gemahlene Cashew-Nüsse dazu gegeben, mit Salz und Pfeffer und einem Schuss Zitrone gewürzt, mit einem guten italienischen Bio-Olivenöl aufgegossen und anschließend in Gläser abgefüllt.

Just an dem Tag ergab es sich, dass ich kurzfristig mit dem Zug nach Berlin fahren musste. Ich wollte nur einen Tag bleiben, hatte deshalb wenig Gepäck und dafür nur meinen kleinen Reisetrolley genommen. Ich wollte bei meiner Tochter übernachten und habe deshalb, als Mitbringsel, ein Glas von dem frisch hergestellten Bärlauchpesto, zur Sicherheit noch in einer Extratüte, eingepackt.

Ich war froh, dass ich für den ICE noch einen Fenstersitzplatz mit Tisch reserviert hatte. Ich kann im Zug in einem Ruheabteil sehr gut und bequem arbeiten. Als ich in Erfurt in den ICE gestiegen war, 1. Klasse, Waggon 2, fand ich den Sitzplatz 115 sehr schnell. Dieser war jedoch besetzt. Ich vergewisserte mich, im richtigen Abteil zu sein, kontrollierte nochmals die Sitznummer vor der Abteiltüre und doch, ich hatte recht, der einzige besetzte Platz in dem Abteil für 8 Personen war mein reservierter Platz. Na sowas! Der Mensch, der dort saß, hatte sich ganz schön breit gemacht. Er hatte den Fensterplatz genommen, neben sich eine Tasche und die beiden Plätze an dem Tisch gegenüber waren auch mit seinen Taschen belegt. Nur um meinen Anspruch auf den Sitzplatz 115 am Fenster zu demonstrieren, wuchtete ich meinen kleinen Koffer über diese Platznummer. Der Mensch schaute mich missbilligend an.

„Ob ich nicht wüsste, dass es Corona gäbe und ich solle mich doch wegen des Abstandes auf einen Platz neben dem Eingang setzen“. Ich verneinte dies und kramte mein Ticket mit der Reservierung heraus, um ihm meine Ansprüche zu beweisen. „Ja, also das wäre ihm jetzt egal und für ihn sei die Anzeige an der Türe wichtig, danach wäre alles frei. Er sitze schließlich auch schon 3 Stunden hier und niemand hätte sich beschwert“. Da auch ein weiterer Versuch keinen Erfolg für mich brachte, kein Schaffner in der Nähe war und ich nicht auf Konfrontation aus war, setzte ich mich auf einen freien Platz, um zu arbeiten. Am Computer arbeiten kann ich schließlich von jedem Sitz aus. Auch der Mensch auf meinem Fensterplatz arbeitete an seinem Laptop und schaltete nach einiger Zeit einen Film ein. Immerhin benutzte er Kopfhörer, war aber nach einer Weile eingeschlafen. Er musste sehr müde sein, denn auch bei einem Stop in Halle wachte er nicht auf. Der Mensch war sicher ein Geschäftsmann, denn er trug einen hellgrauen Anzug von Pierre Cardin und ein dazu passendes dunkelgrau gemustertes Business-Hemd von Olymp, dessen Muster ich aus dem Katalog kannte. Als der ICE wenig später dann Potsdam passierte, wachte mein Sitzbesetzer auf, um zur Toilette zu gehen. Als er zurückkam fiel mein Blick auf seinen Rücken. Auf seinem Jackett zeigte sich ein handflächengroßer, grünlicher Fleck, der allerdings gut mit der grauen Farbe des Anzuges kontrastierte. Er setzte sich, verschränkte die Arme vor sich auf den Tisch, legte seinen Kopf ab um sofort wieder, erkennbar an den ruhigen Atemzügen, einzuschlafen.

Jetzt hörte ich es. Es hatte „Plopp“ gemacht. Ich schaute mich um und sah gerade noch, wie ein grüner Tropfen von der grauen Jacke förmlich aufgesaugt wurde. Als ich den Blick zu meinem Koffer hob, erblickte ich drei weitere Tropfen, die am Rande der Ablage hingen, sich innerhalb mehrerer Minuten vergrößerten, um dann, wie auf ein Zeichen, nacheinander loszulassen und in die Tiefe zu stürzen. Jetzt bemerkte ich auch den leichten Knoblauchgeruch, der das gesamte Abteil ausfüllte. Ich beobachtete faszinierte dieses Schauspiel. Der Fleck am Rücken hatte nun eine Größe von zwei Handflächen. Das Öl penetrierte sofort das Jackett, während die kleinen Bärlauchblätterreste auf dem Stoff schon fast eine Kruste bildeten. Klar, ich hätte das Glas noch besser zuschrauben sollen, aber ich beobachtete weiter, wie mein Bärlauch wie ein wütender Ninja, meine Rachegelüste befriedigte. Mein Gesichtsausdruck blieb weiterhin völlig unschuldig und falls er aufgewacht wäre, hätte er mir nichts angemerkt. Ich hätte die Tasche aus der Ablage nehmen können, war aber irgendwie zu bequem dazu. Bis zur Einfahrt im Hauptbahnhof in Berlin waren noch 12 weitere Tropfen gefallen. Ich holte leise meinen Trolley von der Ablage und verschwand aus dem Abteil. Mein Begleitermensch war nicht mehr aufgewacht, er konnte ja bis Hamburg schlafen. Vielleicht war er jetzt im Knoblauchkoma.

Ich selbst mag Bärlauch nicht, aber sympathisch ist mir dieses Kampfgemüse schon.

Fao210424

Ich schlafe nackt

Ich schlafe nackt.

Das hört man von vielen Männern. Manche tragen noch einen Slip oder eine Bermudaunterhose. Der Oberkörper bleibt aber nackt, wahrscheinlich damit man die gut ausgeprägte Brustmuskulatur und den trainierten Zustand der Bizepse im Schlaf bewundern kann. Das alles habe ich in dieser Form nicht zu bieten. Obwohl ich nicht komplett untertrainiert bin, wäre meine Muskulatur nicht das augenfällige Moment. Denn wenn man mich im Bett liegen sieht, sieht man fast nichts von mir, außer die Füße, die Hände und den Kopf. Egal ob es Sommer oder Winter ist, ich bin eingepackt und ich bin ein Mann, der Bündchenschlafanzüge trägt. Da man von meinen körperlichen Merkmalen nicht viel sieht, kann ich, außer mit versteckter Erotik, nur mit modischen Farben punkten. Aber auch das ist ja nicht so wichtig, weil es beim Schlafen meist schon dunkel ist.

Bündchenschlafanzüge haben einen tieferen Sinn, der weit über das Visuelle hinausgeht. Man fühlt sich geborgen, alles ist irgendwie abgeriegelt und man hat das Gefühl von Sicherheit. Ja, ich habe auch beim Schlafen ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Und die Temperatur muss stimmen. Die korrekte Schlaftemperatur kann man mit so einem semikondomartigen Schlafanzug viel besser erreichen. Ich habe das oft getestet. Ich schlafe immer mit den Armen über der Bettdecke. Rutscht jetzt in der Nacht ein Ärmel nach oben, liegt der Arm nackt und frei. Sofort macht sich ein auskühlender Effekt bemerkbar und ich muss den Arm unter die Bettdecke stecken. Das geht aber gar nicht, denn sofort fängt die Haut zu schwitzen an und ich muss den Arm wieder rausstrecken. Jetzt kann man sich gut vorstellen, welche Unruhe das in der Nacht erzeugt – an einen erholsamen Schlaf ist nicht mehr zu denken. Mit den Beinen ist es ähnlich. Das Bündchen muss direkt oberhalb der Knöchel abschließen. Wacht man nun in der Nacht auf und merkt, dass ein Hosenbein über die Wade nach oben gerutscht ist, weil das Bündchen nicht fest genug war, ist es mit der Ruhe vorbei, bis man das Bündchen wieder an seinen Originalsitz über dem Knöchel zurückgepfriemelt hat. Auch im Sommer in heißen Nächten ist das wichtig. Ein leichter Luftzug vom Fenster, der sanft über deine nackte Haut streichelt, fühlt sich eher unerträglich an. Du bist ja ein sehr sensibler Mann und wenn der Wind deine ebenso sensiblen Härchen auch nur ein bisschen verkrümmt, kommst du sofort in einen Zustand, den du nicht aushalten kannst. Oder du legst deinen Arm hinüber zu deiner Frau, die gerade selig neben dir eingeschlafen ist. Ihr ruhiger, aber regelmäßiger Atemzug erzeugt über deiner Haut und deinen Härchen dermaßen Turbulenzen, dass du sofort den Arm zurückziehen musst. Man weiß ja jetzt in den Coronazeiten, welche Verwirbelungen im gesamten Raum durch Atemzüge entstehen. Mit Bündchen kann dir das nicht passieren. Mit Bündchen kannst du alles aushalten und bist ausgeschlafen und fit für den nächsten Tag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer mit freiem Oberkörper im Bett am nächsten Tag ausgeruht sind. Der Schlaf muss ja zwangsläufig unruhig sein!

Und vor allem: die wahre Sensibilität haben diejenigen Männer entwickelt, die nicht nackt schlafen. Sie sind so einfühlsam, dass sie jeden Luftzug bemerken. Sie können schneller reagieren und sind, wie gesagt, in der Regel viel munterer. Ich rate deshalb auch allen Frauen, bei der Auswahl ihrer Schlafpartner darauf zu achten, wie diese schlafen. Sie sollten nicht nur auf banale Äußerlichkeiten wie Muskulatur oder Aussehen oder Einkommen achten. Nein, die wahrhaft attraktiven Männer, die genügend Sensibilität für Frauen mitbringen, stecken in Bündchenschlafanzügen. Da dies erst jetzt erkannt wurde, wird das auch erst jetzt im Fragenkatalog bei den Dating-foren umgesetzt.

Achtet deshalb auf die Frage: „Wie schlafen Sie, wenn Sie nicht allein schlafen:

a, nackt oder b, mit Schlafanzug mit Bündchen oder c, Schlafanzug ohne Bündchen?“

Die Antwort B ist in diesem Fall die attraktivste, weil man in jedem Fall den richtigen, sensiblen und aufgeweckten Mann bekommt. Das sollten alle Frauen wissen.

Die richtigen Kerle tragen Bündchen!

Fao210423

Trippel Trappel auf der Pappel

Trippel Trappel auf der Pappel

Ameisenfamilie Appel lebte hier im Park auf einer Pappel. Was war das für vielbeiniges Gezappel, wenn Familie Appel, unter lautem Gepappel am Sonntag spazieren geht. Es war eine hohle Pappel, deshalb macht es immer viel zu laut „Trippel-Trappel“, das war auf Dauer inakzeptabel.

Deshalb lebten sie jetzt mit dem ganzen Volk zusammen im Park auf zahlreichen sich gleichenden Eichen, zwischen den Deichen. Heute war Sonntag und sie wollten ihre Verwandten besuchen, später auch Tante Meike, so eine neureiche Bleiche auf der Nachbareiche. Der Kuchen müsste ausreichen, rief die Mutter, wir müssen ihn nur noch anstreichen und dazu den Guss einweichen. Dazu müsstest du mir den Zucker reichen und dann aufpassen, dass keiner sich mit dem Kuchen traut zu entweichen. Den Kuchen können wir der Tante Meike schnell hineinreichen, das wird ihre Gesinnung, auch wenn wir uns anschleichen, ausgleichen. Aber bleibt auf dem Weg, sonst liegt ihr auch unter den Eichen, wie diese zahlreichen Blindschleichenleichen, die schon in der Sonne bleichen.

Und sie bewegten sich „Trippel Trappel“ von der Pappel und den Eichen auf die nächste Kiefer zu Onkel Dieter, aber 2 Stockwerke tiefer. Denn höher gab es Ungeziefer, deshalb hatte er ein Dach aus Schiefer und wenn er sie sah, dann lief er ins Haus und selbst am Nachmittag da schlief er mit offenem Unterkiefer. Er war so müde, denn in der Nacht machte er Jagd auf Borkenkiefer.

Also weiter zur Tante Hanne auf der Tanne. Hier wurde der Kaffee serviert in einer Milchkanne, denn die Thermoskanne hatte eine Panne und der Kaffee lief in die Badewanne. Die Töchter Susanne und Anne planten gerade ihren Urlaub in der Savanne, hatten aber eine Autopanne.

Also weiter bis zu den Fichten, dort wohnten die jüngsten Nichten. Auch die Kinder dort hatten Plichten, erzählten Geschichten und mussten in Schichten das Haus abdichten. Als Onkel Hans und Tante Erika damals ehelichten, trug er einen Anzug, so einen blickdichten und musste ihrer Ehe zu pflichten, wobei er sagte, ich will nie mehr auf dich verzichten.

Wir wollten das nicht weiter wichten und zogen auf den nächsten Baum, eine Sommerlinde, dort lebte Tante Sieglinde hinter einem Stück der Rinde. Sie trug immer so eine Halsbinde mit Punkt, denn sie war eine Blinde. Heute trug sie eine Damenbinde, denn sie hatte es mit der Nebennierenrinde, außerdem plagten sie die Winde und deshalb rief sie meiner Mutter zu: „verschwinde mit dem Kinde von meiner Linde“!

Das war schade und so gingen wir zum Abschluss auf einen Strauch mit Haselnuss, der liegt unten direkt am Fluss. Dort bekam Mamma von Onkel Julius einen dicken Kuss. Ach was für ein Genuss, rief die Mamma, erzähl keinen Stuss, rief der Papa, und beachte den Bus, sonst bist du Mus. Das wäre dann wäre zu allem Überfluss, für dich ein Warnschuss.

Was für ein Tag, sagte erschöpft die Ameisenmamma Appel, immer nur dummes Gepappel und Gezappel und Trippeltrappel. Ich fände es schön, wäre ich wieder, wie früher, zu Hause auf der Pappel!

Fao210317