Tanzen mit Schinken

Tanzen mit Schinken

In privatem Rahmen hatten wir einige Freunde zum Tanzen eingeladen. Ich hatte die Anlage aufgebaut und unser Musiker, der auch sonst als DJ arbeitet, legte einige südamerikanische Lieder auf. Sofort war die Tanzfläche mit Menschen gefüllt, die schon lange nicht mehr getanzt hatten und die unbedingt mal wieder tanzen wollten. Das hat man gespürt – so wie früher – da hat man sich einmal in der Woche zum Tanzen getroffen. Zur Feier des Tages gab es auch was zu Essen und natürlich eine Auswahl an Getränken.

Ich selbst bin nicht mehr der wahnsinnig Tanzwütige; meine Gelenke lassen schnelle Bewegungen nicht mehr zu und meine Kondition, früher mein Partner, hat mich über die Jahre verlassen. Meine Aufgabe an diesem Abend bestand darin, mich durch die verschiedenen mitgebrachten Speisen zu essen. Ich füllte meinen Teller mit Lachsschnitten, Trauben, Käsewürfeln und Schinkenhörnchen, dazu ein Getränk und setzte mich an den Tisch, um die Tanzenden zu beobachten. Habe ich etwa den Eindruck gemacht als ob ich Tanzen wollen würde?? Ich glaube nicht. Trotzdem wurde ich, gerade als ich herzhaft in das Schinkenbrötchen gebissen hatte, von einer Tanzmaus zum Tanzen aufgefordert. Das war wohl dem offensichtlichen Frauenüberschuss und meiner Unbekümmertheit, mich gerade hier zum Essen niederzulassen, zu verdanken. Da ich den Mund voll hatte, konnte ich verbal keinen Korb geben, also stand ich auf, schluckte meinen Mund leer und begab mich zusammen mit F. auf die Tanzfläche. Fast hätte ich mich noch verschluckt; der Bissen war groß und trocken, aber ich schaffte mit großer Anstrengung den Transport des trockenen Schinkenhörnchenklumpens bis in den Magen. Ich hätte aber lieber nochmal trinken sollen. Ich hatte es trotzdem geschafft und wollte mich schon erleichtert auf das Tanzen konzentrieren als ich ihn bemerkte. Ein Schinkenstreifenrest hatte sich zwischen dem 13er und 14er Zahn rechts oben, also zwischen Schneidezahn und Eckzahn, eingeklemmt und hing, wie ein Miniwürstchen, in den Mund hinein. So sehr ich mich auch bemühte, die Zunge schaffte es nicht, diesen Rest aus seiner Umklammerung zu lösen. Also zog ich heftig die Luft durch die Zähne nach innen, doch auch der Sog half nicht viel.

„Bin ich dir auf die Füße getreten?“, fragte meine Partnerin erschrocken. Ich schüttelte heftig den Kopf und versuchte mich auf den Takt zu konzentrieren. Ach ja, Salsa. Ich wusste, sie war eine sehr gute Tänzerin und ich wollte mich nicht blamieren. Also: 1,2,3, Pause und 5,6,7, Pause. Auf 7 die Hand hoch, um eine Drehung anzuzeigen. Das ging einigermaßen, doch ich fing durch die Anstrengung an, schon heftig durch die Nase zu atmen. Sobald ich den Mund aufmachen wollte, bewegt sich der Schinkenstreifen in Richtung Mundausgang und wäre unweigerlich aus dem Mund herausgehangen, hätte ich nicht wieder schnell die Lippen aufeinandergepresst. Dieses Dilemma hatte ich gemeistert, aber dadurch meinen Beinen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, also kam ich bei der Drehung unweigerlich aus dem Takt.

„Na, schon lange nicht mehr getanzt?“ Ich lächelte mit einem gequälten Gesichtsausdruck und nickte mit zusammengepressten Lippen, die maximale Konzentration aussagten. Erklärungen konnte ich nicht geben und ich konnte auch nicht warten bis sich der Schinkenrest im Mund von selbst verdaut. Meine Zunge arbeitete unermüdlich aber ohne Erfolg, denn der Schinken saß fest wie in einem Schraubstock. Die Konzentration, das Tanzen und das Vertuschen des Essensrestes im Mund saugten an meiner Kondition und bei der Hälfte des Liedes fingen die Oberschenkel mit einer leichten zittrigen Verkrampfung an. Das war Kampf an vielen Fronten. Die Schweißperlen auf der Stirn sammelten sich zu immer größeren Tropfen und ein Rinnsal in der Rückenmitte machte sich auf den Weg nach unten. All dies musste sich irgendwann auf meinem Gesicht wiedergespiegelt haben, denn meine aufmerksame Tanzpartnerin fragte: „Hast du Schmerzen?“ Das war eine normale Frage, denn sie wusste, dass ich nach der Knieoperation noch nicht wieder fit war. Unter heftigem Nicken und einem auf der linken Mundseite herausgepresstem „Ja“, während der rechte Mundwinkel noch die Schinkenwurst verdeckte, schaute ich sie gequält an. Gerne hätte ich zumindest dieses Lied zu Ende getanzt, aber so viele Fronten zermürben.

„Sollen wir uns setzen?“. Ich nickte eifrig und erleichtert, lief mit wackeligen Knien zum Stuhl, atmete heftig durch, nahm einen tiefen kühlen Schluck, erhob mich wieder und ging hinaus in eine dunkle Ecke um mich, mit einer Gabel bewaffnet, von dem Schinkenrest zu befreien. Das war wie eine Erlösung. Endlich frei!

Es hat mir wieder einmal gezeigt, dass man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann. Störfelder sollte man entfernen, sonst kann sogar das Tanzen zu einer Katastrophe werden.

Ich möchte wissen was meine Tanzmaus gedacht hat …….

Nein, ich möchte es überhaupt nicht wissen ……..

fa200906

Rhöngeist, wo bist du?

Rhöngeist, wo bist du?

Es war so schön in der Zeit vor Corona (abgekürzt: ZvC). In der ZvC bis du auf die Gemündener Hütte gefahren, du hast viele Leute gekannt, die Leute haben dich erkannt, sie haben schon gewartet und gesagt: jetzt fangen sie gleich an. Dann wurden die Instrumente ausgepackt, wir nahmen Aufstellung und schon ging die Musik und das allgemeine Singen los. Was für eine Freude, all die Menschen zu sehen die voller Inbrunst die Lieder mitsangen, mal lustig und mal traurig, und wenn gerade Sonnenuntergang war, auch mit einer spürbaren Melancholie, die wie ein leichter Nebel den Berghang hinab zog. Jeder Rhöngeist hätte seine Freude an diesem bunten Treiben und der friedlichen Stimmung gehabt. Oft sind es im Sommer hunderte Menschen gewesen, die sich auf dem Plateau vor und hinter der Hütte versammelt hatten, um gemeinsam gemütliche Abende zu erleben. Keine Scheu gab es vor Nähe, lieber saß man eng und noch enger zusammen, hat geschunkelt, gekuschelt, gegessen, getrunken und vor allem gesungen. Die Hüttenabende im Freien, bei entsprechend gutem Sommerwetter, oder in der Übergangszeit im Zelt, hatten dieses friedliche Gefühl von Gemeinsamkeit, von Zusammengehörigkeit, von Ankommen, von sich Fallenlassen und vor allem von dem Fühlen der sich immer mehr beruhigenden Dämmerung beim freien Blick in die weite Ferne der Rhöner Berge. Ich möchte die Stimmung gerne als rührselige Melancholie bezeichnen, die immer wieder zu spüren war und derentwegen so viele Menschen sich 1-mal im Monat zum Hüttenabend versammelt haben.

Im Winter war die Stimmung anders, vor allem, wenn es oben geschneit hatte und das Tal noch frei von Schnee war. Wir und die Instrumente wurden mit dem Motorschlitten abgeholt; es war sehr kalt und im Schneegestöber bergauf durch den kleinen Wald hat sich schnell ein alpines Gefühl entwickelt. Beim Eintritt in die Hütte ging es erst mal gar nicht weiter. Ein Geschiebe und Gedränge, ein freudiges Singen und verhaltenes Schunkeln, eine Feuchtigkeit in der Luft und beschlagene Brillen. Nach einiger Zeit hatte man es bis zur Ecke geschafft, in der wir immer gespielt haben. Bis unsere Gruppe anfing, gab es schon andere Musiker, die die, oft schon seit Stunden anwesenden Menschen, in Stimmung gebracht hatten. Es war eng, Menschleib an Menschenleib und man hatte wahrhaftig das Gefühl, alle Sommermenschen haben sich auch im Winter in der kleinen Hütte versammelt. Das musste man schon aushalten können, so viel Schweiß hat man nicht mal im Sommer verschwitzt. Aber es erzeugte eine süchtigmachende Stimmung, die einfach schön war. Eng und schön, verschwitzt, erschöpft vom Spielen und von den Zuhörern und Mitsängern gefeiert.

Der Kontrast von neulich zur ZvC könnte nicht größer sein. Es war mal wieder soweit und wir haben mit unseren Instrumenten die Hütte besucht. Übersichtliche Corona-bereinigte Tische mit wenig Personen, verteilt über die gesamte Fläche. Unsere Musikgruppe nicht inmitten der Leute, sondern außerhalb des Geländes, am Hang stehend, im vorgeschriebenen Abstand. Das war grausam. Das fühlte sich erbärmlich an. Keinerlei Bindung in unserer Musikgruppe, wir standen so weit auseinander, dass wir uns gegenseitig nicht mehr gehört haben. Keine Bindung zu den Zuhörern, die viel zu weit weg und zu weit auseinander saßen, um ein Gefühl von Gemeinschaft oder gemeinsamem Singen zu entwickeln. Armes Deutschland, arme Musiker, wenn die Situation so bleiben sollte. Noch sieht es so aus, als wenn die Situation gerade nicht änderbar ist. Man wird sich daran gewöhnen und neue Möglichkeiten finden müssen, die Musik an die Menschen heranzutragen. Die Menschen wollen und mögen die Musik. Man hat es gemerkt, einige waren sehr dankbar, mal wieder einen Hauch von “ So war es früher“ zu erleben und haben sich bedankt. Der Spaßfaktor aber hat komplett gefehlt und es wäre ein emotionales Desaster geworden, hätte uns nicht die Hüttenwirtin ein wundervolles Abendessen spendiert. Und was soll ich sagen, das hat auf jeden Fall genauso gut geschmeckt wie früher.

Man kann feststellen: Wer die Hüttenabende früher nicht erlebt hat, der hat mit Sicherheit etwas verpasst. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese in diesem Jahr und auch auf längerer Sicht wieder durchgeführt werden ist gering. Es wird sich schon so entwickeln, dass jedem einzelnen die Nähe zu anderen Menschen instinktiv unangenehm sein wird und wir für lange Zeit „auseinander“ leben. So wird es schwer für den Rhöngeist, sich wieder zu entwickeln und die Menschen zusammen zu führen. Ich vertraue darauf, dass die Menschen erfinderisch genug sind, die jetzige Situation so zu verändern, dass es einem so vorkommt wie in der ZvC.

Ein „genauso wie vorher“ kann und wird es nie mehr geben, daran sollten wir uns allerdings ­gewöhnen.

Und den Rhöngeist gibt es ja immerhin in der Flasche.

fa200901

Fettbrot mit Maggi

Fettbrot mit Maggi

Ein gesundes Pausenbrot heutzutage ist von der Zusammensetzung her schon enorm durchdacht und zwar so, dass es vor allem für Kinder gesund ist. Es enthält Ballaststoffe, Eiweiß, Fett und Kalorien im richtigen Verhältnis, dazu noch Vitamine und Mineralien. Das gesamte Paket wird eingewickelt in Küchenfolie, zur Sicherung noch in eine Tupperdose gelegt und das Ganze steckt vorne in dem Kinderrucksack aus Nylon und Polyester. Das muss gesund sein und schmeckt sicherlich wunderbar und man kann sagen was man will, Kunststoff hin oder her: Es trocknet nicht aus und schmeckt wie frischgemacht. Dazu für die Hitze noch ein Kindergetränk, z.B: „Twist and Drink Wildberry“, hergestellt aus gesundem Quellwasser, Zucker, Apfelsaftkonzentrat, Brombeersaftkonzentrat, Heidelbeersaftkonzentrat, Citronensäure und als Konservierungsstoff Kaliumsorbat. Das steht so auf der Packung.

Ja das mag die Kinderseele heute; und damals wären wir auch voll darauf abgefahren. Damals war es bei uns im Kindergarten aber völlig anders: einfacher, strenger, spartanischer. Auch damals gab es schon heiße Sommer, den wir im Kindergarten im Freien verbracht haben. Eine Stärkung von zu Hause gab es auch, vor allem erinnere ich mich nicht so gerne an die Fettbrote. Trockenes Brot mit Schweinefett beschmiert und darauf Maggi als Würze für alles. Getränke gab es keine mit; nur wenn es sehr heiß war, drehte die Schwester den Wasserhahn auf, stellte einen Eimer darunter und dann bekam jeder mit der Schöpfkelle Wasser eingeflößt, ob er wollte oder nicht. Das hat immer erstaunlich frisch und gut geschmeckt. Die Essenszeiten waren streng geregelt und wir mussten unseren Pausen Snack im Sitzen in einer Unterstellhalle zu uns nehmen. Wer aufgegessen hatte, konnte wieder nach draußen zum Spielen gehen. Also ran an das Fettbrot, welches in der Erinnerung durchaus einen angenehmen Geschmack hatte. Geschmack ja, aber sehr trocken. Nach zwei Stunden im Kindergarten ungeschützt in einem Stoffbeutel, eingewickelt in Zeitungspapier, war es nicht nur trocken, sondern nahezu staubig trocken und steinhart. Und gerade war wieder ein heißer Tag. Die Zunge klebte eh schon im trockenen Mund, die Schleimhäute hatten sich zurückgezogen.

„Das Brot wird erst vollkommen aufgegessen, sonst gehst du nicht raus!“

Diese Drohung der Kindergartenschwester, es war eine Ordensschwester, hing wie ein Damoklesschwert in der Luft. Wer schon mal bei starker Hitze und starkem Durst ein ausgetrocknetes Fettbrot mit Maggi gegessen hat, weiß wovon ich rede. Jeder Bissen war eine Qual. Mal quietschte das Fett an den Zähnen, mal knackte das Brot wie ein Kräcker, aber es wurde bei aller Mühe nur minibröckelchenweise kleiner. Zusätzlich wurde die Menge der trockenbrotessenden Kinder in der Halle immer kleiner. Sie hatten ihr Menü geschafft, wahrscheinlich mit Obst oder zumindest mit Streichwurst. Selbst wenn du der Letzte gewesen bist: Die unbarmherzige Schwester hatte keinerlei Mitleid. Schließlich sollten die kleinen Racker doch etwas im Magen haben. Erstaunlicherweise gab es diesmal nichts zu trinken. Draußen tobten die Spielkameraden und ich saß immer noch auf der Holzbank in der Halle und starrte das Brot an. Es gelang mir nicht zu tricksen, ich wurde knallhart beobachtet. Ich biss wie wild auf dem Fettbrotkracker herum, mahlte mit den Zähnen und produzierte eine Art Krümmelstaub dessen größten Teil ich im Prinzip mit kurzen Atemstößen auspustete und ausblies und der sich sofort mit der staubigen Luft vermischte, oder am Boden landete und sich mit der dort vorhandenen Erde verband. Irgendwann hatte ich es geschafft, überstand die Endkontrolle der Schwester und durfte mit letzter Kraft nach draußen zum Spielen.

Ja, es war zwar trocken, aber sehr gesund. Brot, noch original vom Bäcker gebacken aus einheimischem Mehl, Fett vom eigenen Schwein im Stall und das schon damals übliche Maggi. Kein Vergleich mehr zu den heute „ach so gesunden“ Pausenbroten. Ich glaube schon, dass ein Fettbrot mit Maggi das Immunsystem stabilisiert und eine gewisse Härte verliehen hat. Gut, dafür haben die Kinder heute viel mehr Konservierungsstoffe, das soll auch gut sein und das Leben verlängern.

Ich konnte mich jedenfalls nie durchsetzen, meinen Kindern ein Fettbrot mit in die Schule zu schicken.

fa200823

Maskengebrauch

Maskengebrauch

Es gibt Menschen, die müssen sparen, weil sie nicht so viel Geld haben. Ich sehe das ein und habe Nachsicht und bin auch zu Kompromissen und Zugeständnissen bereit, auch im Zusammenhang mit der Dauer des Tragens von Fertigmasken als Schutz vor Corona. Ich frage mich auch selbst, wie lange ich dieselbe Maske tragen sollte. Im Beruf ist das klar, je nach Anforderung und je nach Krankheit des Patienten wird häufig gewechselt. Privat sieht das anders aus. Es wird eine Maske eingesteckt und die wird auch mehrfach verwendet, weil man eben manchmal nur mal kurz in ein Geschäft geht. Jetzt muss ich diese Vorgehensweise auf ihren Sinngehalt überprüfen. Also, wie lange sollte man eine Maske nun verwenden?

Vor 2 Tagen bin ich beim Einkaufen gewesen und habe einen Bekannten getroffen, der vorschriftsmäßig eine Maske trug, eine von diesen Einmalmasken. Da wir gleichzeitig wieder am Ausgang waren haben wir die Masken abgenommen. Im Gespräch über die Masken erklärte er mir stolz, dass dies seit der Krise erst seine zweite Maske sei, die zweite deshalb weil er die erste Maske verloren habe.

„Ob er nur zu Hause geblieben sei?“ fragte ich ihn.

„Nein, er gehe ganz normal weg wie jeder andere auch“, sagte er

“Ja aber diese Masken seien ja nur für den Einmalgebrauch bestimmt“.

„Klar, weiß ich, aber ich will auch ein bisschen sparen, und jedes Mal eine neue Maske?“

Beim Gespräch schaute ich mir die Maske genauer an. Die sichtbare Vorderseite sah in der Tat noch ganz gut aus. Die Innenseite jedoch, vielleicht auch deshalb, weil er Raucher war, ließ mich Grausen. Eine unregelmäßige, speckige Schicht in verschiedenen bräunlichen und grüngelben Farbschattierungen zog meinen analytischen Blick wie einen Magnet an. Diese Schicht hing so fest an der Innenseite der Maske, dass man sicher eine Spatel gebraucht hätte, um diese wieder zu lösen. Die Schicht schien auch einen säuerlichen Geruch auszuströmen, so dass ich vorsichtig, ohne die Kommunikation zu stören, einen winzigen Schritt nach rückwärts machte aus Angst, der ausströmende Duft könnte Material aus der Schicht lösen, mich kontaminieren und mein Immunsystem angreifen. Ich bin da etwas empfindlich und meine Fantasie zeigte mir diese Schicht wie unter einem Mikroskop, so dass ich diesen Morast mit seinen Bakterien und Viren, eingebettet in getrocknetem, ausgehustetem Schleim und Hautschuppen, und den Pilzrasen, der sich in der Luft ganz sachte wie ein Getreidefeld wiegte, genau beobachten konnte. Ich stellte mir kurz vor, ich wäre eine Frau und würde diesen Mann, nachdem er die Maske abgenommen hatte, jetzt küssen wollen. Mindestens eine Trillion von Bakterien und Pilzen und Viren hingen sicher noch in seinem Gesicht, und erst in seinem Mund! Zum Glück bin ich keine Frau, aber ich werde ich Zukunft auch die Masken der Frauen, wegen möglicher Gebrauchsspuren, etwas genauer beobachten.

Schließlich gelang es mir, nach einem kurzen wissenschaftlichen Disput, ihn von der Notwenigkeit zu überzeugen, ab und zu die Maske zu wechseln. Nicht weil das gesunder sei, das hatte ihn nicht überzeugt, aber weil die Kosten für diese Masken nun doch nicht so stark in das tägliche Budget fallen. Ich schenkte ihm noch eine von meinen neuen Masken, die ich eigentlich immer im Auto dabeihabe und stieg ein. Gerade als ich losfahren wollte ging mein Bekannter zum Papierkorb, um die alte Maske zu entsorgen. War es der Wind oder manchmal ist es einfach so: die Maske landete knapp neben dem Papierkorb, ohne dass er es bemerkte. Sie fiel, wie beim Marmeladebrot auch, mit der klebrigen schweren Seite nach unten, so dass die noch gute Seite nach oben zeigte.

Im gleichen Moment kam ein anderer Mann gelaufen und man merkte an seinem erschrockenen Blick und an seinem Griff in die Hosentasche, dass er seine Maske vergessen hatte. Man konnte auch beobachten, wie sein Gehirn in Wallung kam und er alle Möglichkeiten abschätzte, einschließlich der Möglichkeit noch einmal nach Hause fahren zu müssen, um eine Maske zu holen.

Manchmal aber liegt die Lösung nahe. Nachdem sein Blick auf die am Boden liegende Maske gefallen war, wurden alle anderen Überlegungen scheinbar eingestellt. Eilig bückte er sich, griff zu und bis zum Eingang des Geschäftes hatte er die schnoddrige Maske aufgezogen.

Zu Hause angekommen, hatte ich plötzlich doch nicht mehr so viel Appetit auf die frischen Brötchen, zumal im Hintergrund ein Krankenwagen zu hören war, der in meiner Fantasie möglicherweise zu dem Geschäft gefahren war, in dem ein Kunde plötzlich ohnmächtig geworden war.

Meine Masken habe ich überprüft, die sind alle in Ordnung und wenig getragen.

fa200725

Dschungelkampf

Dschungelkampf

Wie andere Kolonialmächte auch, hatte Belgien im 18. und 19. Jahrhundert versucht, durch den Erwerb von Land in anderen Kontinenten sowohl das eigene Staatsgebiet zu vergrößern als auch durch die Ausschöpfung von Bodenschätzen Gewinne zu erzielen. In Afrika besaß Belgien damals die heutigen Gebiete von Kongo, Teile vom Sudan, Ruanda und Burundi. Die Eroberung und damit auch die Vernichtung von Ressourcen sind diesen Expansionsnationen damals im Blut gewesen. Wie aus Gewohnheit werden in den ehemaligen Kolonialgebieten bis heute noch immer Bodenschätze ausgebeutet und Landschaftsgebiete für gewinnbringendere Projekte vernichtet.

Wir haben Freunde in Belgien und diese waren jetzt, wie seit 36 Jahren, wieder mal zu Besuch hier bei uns. Zugegeben liegt Belgien klimatisch sehr günstig und Bodenfrüchte wachsen, auch mit Hilfe von Gewächshäusern, sehr gut. So liegt unseren Freunden, neben den alten Kolonisationsgenen auch die Behandlung von Treibhausgewächsen im Erbgut.

In meinem noch relativ neuen Hochbeetgewächshaus habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal Tomatenpflanzen eingesetzt. Denen schien das Klima im Gewächshaus sehr gut zu gefallen. Deshalb wuchsen sie mit einem enormen Tempo nicht nur in die Höhe, sondern auch in alle Richtungen. Nun sollte man, das ist bekannt, die Tomatenpflanzen regelmäßig ausgeizen, das heißt die Quertriebe entfernen, um den Wuchs in die Höhe und die Kraft in die Tomatenfrüchte zu treiben. Dazu sollte man zu Hause sein, denn die häufige Abwesenheit von zu Hause wiederspricht den tomatenpflegerischen Grundsätzen. So hatten meine Tomatenpflanzen genügend Zeit, ohne dass ich es bemerkte, um quer im Gewächshaus umherzuwachsen, bis sich ein richtiger Dschungel gebildet hatte, der die Sonne schon nicht mehr durchgelassen hat. Nach der Definition ist ein Urwald ein Wald, der sich von Menschen unberührt entwickeln kann und noch nie bewirtschaftet wurde. Diese Kriterien hat mein Tomatenurwald erfüllt.

Gut, ich hatte auch Mitleid mit den Pflanzen, da auch die Quertriebe Ansätze von Blüten zeigten und ich diesen auch eine Chance geben wollte. Irgendwann war es dann komplett zu spät und man betrachtet nun sein gewachsenes Stück Urwald nicht mehr als Tomatenquelle, sondern als Sauerstoffproduzent und als Teil des weltweiten Kernurwaldes. Wer hat schon seinen eigenen Urwald, in dem man auch noch fast reinen Sauerstoff einatmen kann. Es hatte sich ein richtiges Mikroklima aus Flora und Fauna gebildet, es war ein Gesumme, ein Rascheln, ein Herumkriechen von allerlei Getier, so dass es eine rechte Freude war.

Dann kamen die Belgier.

Im Gegensatz zu ihren akkurat angeordneten Pflanzenreihen im eigenen Gewächshaus war meine „Tomatenpflanzung“ in den Augen eines Kolonialisierungsnationsmitgliedes und in den Augen eines geübten belgischen Gärtners natürlich ein Unding.

„Es wäre nicht zu spät, um noch einige Tomaten zu retten“ wiesen sie mich zurecht.

Die Verwaltungsmacht über das Gewächshaus wurde mir im Handstreich entzogen. Mit geübten Schnitten mit der Gartenschere und auch auf brutale Art und Weise mit den Händen ging es meinem Dschungel an den Kragen. Erschreckende Bilder von abgeholzten oder abgebrannten Gebieten in der Äquatorzone tauchten in meinem Kopf auf. Hatte mein Urwald bislang immer mit mir gesprochen, wenn ich ihn mal am Abend für ein paar Minuten besucht hatte, so hörte ich jetzt neben dem Schnippen der Messer ein langgezogenes, leise wimmerndes Wehklagen, das wie ein Windhauch durch die Ritzen des Gartenhauses nach draußen strich. Nein, es war nicht mein Seufzen, sondern der Klang der gestutzten Tomatenpflanzen, an denen neben dem noch stehenden Hauptstamm in der Tat auch einige Tomaten hingen, die mir vorher noch gar nicht aufgefallen waren. Vor mir türmte sich ein Berg von abgeschnittenen Zweigen, der – aufeinander geschichtet – eine komplette Wagenladung auf meinem Piaggio ergab. Die Zweige habe ich auf meinen Kompost gebracht und ich hoffe, dass aus den noch daran befindlichen kleinen Tomaten so viel Dschungelsamen ausfällt, dass im nächsten Jahr wieder ein neuer Urwald wächst.

Die traurige Ansicht meines Gewächshauses zeigt nun mehrere gerupfte Pflanzen mit Früchten aber die beruhigende Dschungelatmosphäre ist nur noch Erinnerung. Das wäre mein Beitrag zum Erreichen der europäischen Klimaziele gewesen: Mein privater Sauerstoffproduzent. Alles ist hinfällig.

Wir haben unten am Bach noch einen Garten und daneben liegen noch mehrere Kleingärten. Bin ich froh, dass ich die Belgier dorthin nicht mitgenommen habe. Die hätten, genetisch gesteuert, die Mehrzahl an Pflanzen abgeschnitten und nur noch dürre Gerippe übriggelassen.

Der Preis für den Gewinn ist hoch. Für den Gewinn, also Tomaten zu ernten, muss ich die Pflanzen stutzen und den Dschungel abholzen. Das ist generell so, und deshalb wird bis heute der Urwald abgeholzt. Ich werde jedoch, bei jeder der zehn Tomaten, die ich ernten werde, an unsere Belgier denken.

Und beim nächsten Besuch im Belgien nehme ich auch meine Schere mit. Ich finde schon was zum Abschneiden. Einfach nur so.

fa200720

Einst ging ich am Strande der Donau entlang

Einst ging ich am Strande der Donau entlang

Seit meiner frühen Kindheit kenne ich das Lied, welches einmal für ein Volkslied und ein anderes Mal für ein Sauflied gehalten wird.  Ich habe es oft mitgesungen und ich habe es als Musiker oft selbst angestimmt und weil es so eingängig ist, haben viele Menschen das Lied mitgesungen. Noch nie hatte ich auch nur im Ansatz die Idee, dass der Text, wie jetzt angezeigt, eine Vergewaltigung beschreiben und verherrlichen würde. Das erste Mal wurde ich im letzten Jahr auf den zwiespältigen Text hingewiesen. Wir hatten Besuch von einer Freundin aus Berlin. Wir spielten mit den Rhöner Hüttenmusikanten in der Kissinger Hütte und wir hatten Sie einfach mal mitgenommen. Unsere Freundin ist ein sehr differenzierter Geist, sie hatte das Lied zum ersten Mal gehört und der Text war ihr aufgefallen und sie hat das auch sofort angesprochen.

Ich halte mich nicht für oberflächlich, habe aber Spaß am Singen und am Mitträllern, wenn viele Menschen zusammen sind und sich am Singen von Volksliedern erfreuen. Ich habe es immer für ein schönes Lied gehalten; die Melodie ist harmonisch und der Text ist nur Begleitung für die Musik und war für mich gar nicht so wichtig. Zumindest beim Singen habe ich keine Quergedanken gezogen und wenn das Lied fertig gesungen war kam schon das nächste Lied und man dachte über den gerade gesungenen Text nicht mehr nach.

Das Lied ist im vorletzten Jahrhundert entstanden, damals war das Leben sicherlich anders als heute, es gab Kriege, Soldaten, Söldner und eine Menge raues Gesindel in einem rauen Leben. Mag dies der Grund für den Text gewesen sein. Heute muss man nicht mehr alles singen; nationalsozialistische Lieder werden auch nicht mehr gesungen.

In vielen Interviews sprechen sich Menschen nun dafür aus, dieses „sexistische Lied“ nicht mehr zu singen. Jetzt, da ich über den Text nachgedacht habe, werde ich ihn auch nicht mehr in der bekannten Textversion singen können. Dabei finde ich ihn im Endeffekt für mich nicht so schlimm, aber ich kann Rücksicht nehmen. Viele Menschen haben sich jetzt auf das Lied fokussiert und warten wahrscheinlich darauf, bis es irgendwo gesungen wird, um dann ihrem Ärger freien Lauf zu lassen. Nein, das muss ich nicht haben. Bei fast 2000 Liedeinträgen in meinem Archiv finde ich ein anderes Lied oder singe einen anderen Text zu dieser Melodie.

Es gibt in Passau nun eine Bürgerinitiative gegen das Lied und gegen den Bierzelt-Sexismus. Doch Koller, der stellvertretende Passauer Landrat, stellte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur klar: „Mir gefällt das Lied auch nicht.“ Es sei eben ein „uraltes, primitives Sauflied“. Er findet, dass es angesichts der Corona-Krise jedoch wichtigere Themen als das Donaulied gebe. Ich glaube auch das kann ich für mich so hinnehmen.

Wie dem auch sei: Ich werde das Lied in Zukunft in meiner eigenen Version, mit neuem Text, singen, damit die schöne Melodie erhalten bleibt. Wem der Text gefällt, der kann ihn einfach nachsingen. Ich hoffe nicht, dass dann im nächsten Jahrhundert jemand an dem Text Anstoß nimmt.

Ich habe das Lied „Saaletallied“ genannt.

Einst ging ich am Ufer der Saale entlang (Text: Albin Friedrich)

1.      Einst ging ich am Ufer der Saale entlang

oh oh oh olalala

da sah ich ein Mädchen und mir war ganz bang

oh oh oh olalala

II:: da sah ich ein Mädchen und mir war ganz bang ::II

2.         Sie hatte die Beine in Stiefel gesteckt

oh oh oh olalala

ihr schneeweißes Kleidchen hat alles verdeckt

oh oh oh olalala

II:: ihr schneeweißes Kleidchen hat alles verdeckt ::II

3.      Ich sagte ihr freundlich du bist ja so schön

oh oh oh olalala

wenn´s möglich ist dann kannst du jetzt mit mir geh`n

oh oh oh olalala

II:: wenn´s möglich ist dann kannst du jetzt mit mir geh`n ::II

4.      Sie konnt´ sich nicht halten und mir fiel`s auch schwer

oh oh oh olalala

da hört´ ich das Rauschen der Saale nicht mehr

oh oh oh olalala

II:: da hört´ ich das Rauschen der Saale nicht mehr ::II

5.      Nun war sie mein Weibe und ich war ihr Mann

oh oh oh olalala

die Märchengeschichte fing für uns so an

oh oh oh olalala

II:: die Märchengeschichte fing für uns so an ::II

fa200620

Fensterzupfer

Fensterzupfer

Früher gab es noch allerhand Möglichkeiten, Leuten einen Streich zu spielen und zwar so, wie es heute gar nicht mehr möglich ist. „Einen Streich spielen“ war nichts Kriminelles, es wurde niemand verletzt und es kam keine Polizei. Es ging zwar auf Kosten von Anderen, aber es hat auch wahnsinnig Spaß gemacht. Ich war noch gar nicht so alt, vielleicht 12 oder 13 Jahre. Mein Freund und ich haben uns am Abend in der Dämmerung verabredet. Der eine hatte eine Schnur, einen stabilen „Wurstbindfaden“, wie ihn die Metzger haben – und mein Vater war Metzger – der andere hatte Reisnägel dabei.

Die Fenster der Häuser waren in meinen Kindheitstagen nicht so stabil gebaut wie heute. Damals waren es einfache Scheiben, die in Kitt gesetzt waren und nach einigen Jahren der Sonnenbestrahlung und der Wetteraussetzung durch den getrockneten Kitt immer wieder locker wurden und geklappert haben. Hat man nun an den Reisnagel eine Schnur gemacht und den Reisnagel heimlich in das Fensterkreuz gedrückt, die Schnur gespannt und daran wie an Celloseiten gezupft, so hat das in der jeweiligen Wohnung laute scheppernde Schläge getan, die man nicht einordnen konnte. Natürlich bestand der Kitzel an der ganzen Aktion darin, sich nicht erwischen zu lassen. Aber die Schnur hat man in der Dunkelheit gar nicht gesehen und man konnte sich bei ausgerollter Schnur in sicherer Entfernung verstecken. Wichtig war, diese Aktion bei demselben Haus nicht zu oft zu wiederholen, denn die Leute haben natürlich dies alles irgendwann kapiert.

Ich war ein – mein Onkel sagte immer „kleiner, dürrer Verrecker“ – hatte dünne Beine und konnte schnell wie ein Wiesel laufen. Das war gut so, denn das hat mich wahrscheinlich gerettet. Als wir wieder einmal einen „Anschlag“ beim Clodwig planten, lief zunächst alles ganz normal. Die Schnur und der Reisnagel wurden festgemacht, wir rollten die Schnur ab und wollten uns gerade hinter der Zaunhecke verstecken, da ging schon die Haustür auf: „Ihr Sakaramenter, warte wenn ich euch erwische“. Das waren wir nicht gewohnt, denn wir hatten noch nicht mal gezupft und waren schon erwischt. Zunächst wie erstarrt, hörten wir, wie sich Clodwig mit raschem Schritt und unter lautem Fluchen näherte. Alles fallen lassen und so schnell als möglich loslaufen war die logische Konsequenz. Mein Freund lief die Hauptstraße hoch und verschwand in der Seitengasse. Damals war die Straßenbeleuchtung noch nicht so gut wie heute. Ich spurtete bis zum Garten meines Onkels Paul, der sich rechts neben der Haustüre und unmittelbar neben der Straße befand, machte einen Hechtsprung über das Zäunchen und landete direkt im Salatbeet. Die Salatköpfe waren ziemlich groß und ich blieb einfach zwischen den Köpfen regungslos liegen. Vor Angst ganz blass geworden, hatte ich im Gesicht, wie ein Chamäleon, unmittelbar die Farbe der hellen Salatköpfe angenommen. Regungslos lag ich da, doch mein Herz klopfte so wild und so laut, dass ich dachte, jemand zupft mit Schnüren an meinem Herzen und Clodwig müsste dieses Maschinengeräusch hören. Ich hatte jetzt direkt eine Idee davon, wie laut es erst drinnen in einem Zimmer sein muss, wenn man außen an der Schnur zupft.

„Ich schlag euch windelweich ihr Sauköpf´, ihr Herrgottsschnitzer, ich hau Euch die Ranze voll, dass ihr nicht mehr wisst wo ihr hingehört!“.

Die Stimme von Clodwig war direkt neben mir. Zum Glück war ich katholisch und machte die Erfahrung, dass Stoßgebete in Momenten der Angst sehr hilfreich sein können. Er ging kurz die Straße hoch und kam dann wieder zurück während ich weiter regungslos im Salat lag. Da mein Blick nach oben gerichtet war, konnte ich ihn gegen den schon dunklen Abendhimmel sehen. Er musterte intensiv den Garten und stocherte mit den Händen, etwas von mir entfernt, im Hortensienbusch. So lag ich, scheinbar unsichtbar inmitten des Salatbeetes verborgen, bis sich Clodwig unter Ausstoßung von weiteren schlimmen Dingen, die er uns antun wollte, zurückzog. Nach einer weiteren Ewigkeit stand ich auf, machte über die Ödelsgasse und dem Haus von der Tietze einen riesigen Bogen, umging so das Haus von Clodwig und schlich mich aufatmend nach Hause.

Sich in Sicherheit wiegen ist nicht immer richtig, denn jetzt kam unmittelbar das Nachspiel. Kaum hatte ich das Haus betreten, viel mir ein Stein vom Herzen. Ich hörte das Geräusch, realisierte aber dann, dass ich von meinem Vater eine saftige Ohrfeige bekommen hatte: “Habe ich dir nicht gesagt, dass du zu Hause sein sollst, wenn es dunkel ist? Marsch ins Bett!“

In dieser Nacht träumte ich von Wegelagerern, die mich verfolgten und einfingen, doch am nächsten Morgen war alles wieder ganz normal.  Nach der Schule am nächsten Tag kam ich zu Hause an, doch hatte kaum die Küche betreten, da fing ich mir schon wieder eine Ohrfeige ein, dass mein linker Backen sofort glühte. Auf dem Küchentisch stand die Rolle Wurstbindfaden die ich in der Nacht verloren hatte und so einen Faden hatte in dem Dorf nur mein Vater. Weitere Worte wurden darüber nicht gewechselt, es war quasi alles gesagt und jeder wusste Bescheid und die Backpfeifen waren verteilt. Auf meiner Wange standen sichtbar die Zeichen: „Tu das nie wieder“. Sicher sind aber mit genau diesem Faden noch viele Blutwürste abgebunden und auch noch einige Fenster zum Klirren gebracht worden.

Ich glaube, dass mich Clodwig damals im Garten sehr wohl gesehen hat. So als hätte er geahnt, dass ich später fast sein Schwiegersohn geworden wäre, hat er wahrscheinlich nichts weiter unternommen, außer mir noch weiter Angst zu machen. Wir hatten danach immer ein gutes Verhältnis und diesen Streich haben wir nie mehr ausgeführt, zumindest nie mehr bei ihm.

fa200705

Dar Zwieflplootz

Dar Zwieflplootz

On mei oma Anna konn ich mi nix mer so genau erinner. Sie war klää und kompakt und hat a Ausstrahlung koot wie a Pulverfoos, des häst es war immer Spannung, wenn du zu ihr gange bist. Zumindest mir Kinner hatte des Gfühl sou und ich gläb ihr Söhn hatte des a. Mei Vadder war änner davo und mir musste rechlmässich zu die Oma gia. Sie war arch goddesfürchtich und wenn mer bei ihr in die Küche oder die Stuba nei is, musste mer sach:

„Gelobt sei Jesus Christus“.

Ich wusst nit so genau was des bedeut, weil ich immer gsacht hab: globbt sei Jesus Christus. Des woard „globbt“ hab ich net gekannt, aber Jesus Christus scho. Des war der am Kroiz, des hat mer uns scho beigebracht, vor allem a die Oma. Sie war arch katholisch und in en annere Lawe wär se vielleicht a Pfarrerin geworn. In der Kirch hat se aufgepasst wie a Luchs, und wenn änner vo ihre Naachkumma gschwätzt hat is se a mol für gelaffe und hat dir a Schelle gawe. Des war natürlich beinlich, aber es war sicher im Nome vo Jesus Christus. Mir hatte beim Onkl Paul, des war ihr annerer Sohn, der wo den Hof geerbt hat, noch a Kuh im Stoll, damit mer als Kinner Milch hatte. Also musste mer öftersch als mir wollte mit unner Milichkännle, nach en Melga, nei zu di Oma laff und die Milich abhol.

„Globbt sei Jesus Christus“. „In Ewichkeit Amen“ hat die Oma geantwurtet.

Ich wollt schnell wiedr fuet, aber sie hat mich direkt erwüscht und mich an en Tüsch gsetzt. „Geh har Bua, ich hob Zwieflplootz gebaggt, da ess a Stück“.

Des war zwar a Privilech, wenn äm die Oma wos gawa hoat. Aber Zwieflplootz damals war ungfähr so wie wenn du hoitzutoch an Zuloot mit Würmer ess sollst. Es is einfach nit gange. Jetzt warscht da awer ganz schüa in dara Zwickmühl. Dare Oma was abschlach ist nit gange, des hat se nit agzebtiert. Also hat se mich an en Küchetüsch gezerrt und hat mir a moards Drum Plootz uf en Daler geläicht. Mei Gsichtsfoarb war a bissla weiß woan, so dass die Oma gsacht hat:

„Is dir nit guat bua”? “Jo mir gäets guet Oma“, hab ich gsacht.

Ich bin awer net um des Essa rumkumma. Sie hat mir zugeguckt wie ich in die Spitza vo dan Stück neigebisse hob, und da hat ich sofort a mords Drum Zwiefl im Maul. Noschluck wollt ich´s nit, also ist die Zwiefl vo ä Ecka im Maul nei die annere gewandert, dass ich fast gegöggt hätt.

„Geh har, ich gab dir noch a bissla Milich dazu“.

Do drauf hob ich fast gewort, denn die Grönung für dan Zwieflplootz is, wenn du noch laufworma Milich dazu trink sösst, wu so a schlappriche Haut owe druf schwömmt. Des is a Doppelgögger. Wie die Oma sich zum Head dreht, hob ich schnell des Stück Zwiefl nei die Hoasa gsteckt und sou getuen als ob ich den erschte Bissa gschafft hätt. Zum Glück war die Oma scho elter und hat öftersch auf den Abbort gemüsst. Schnell hob ich vo die Milich die Haut um en Finger gewickelt und hab se zu die Zwiefl nei die Töscha gesteckt. Is ja egal ob die im Mocha oder in die Töscha zammkumme. Sou is mei Stück Plootz immer klänner wurn und mei Töscha hat sich, statt en Mocha, immer weiter gfüllt.

Ich hat an dem Toch a kurze House an und ich gläb uffene Sandale, es war ja warm. So allmählich hob ich ach gemirkt, dass mir so a lauwarme Brüh langsam die Bä noläfft und sich in meim rachte Schuh sammelt. Es hat arch nach Zwiefl geroche, sonst hätt ich gedacht ich hob nei die Housa gemacht. Jetzt warsch aber Zeit. Wie die Oma wieder kurz nausgange is, hob ich schnell die Milich zurück neis Milichhöfele gekippt und mir den Rand vom Plootz nein Maul gsteckt, während der Rest vom Plootz wie in ner Sickergrube in mei Töscha rumgschwömmt is.

„Sou du hast ja alles gschafft Bua. Geh har ich gab dir noch a Stück“.

„Nä, Dankschüa Oma, ich muess doch jetzt häm. Die worta auf die Milich“

„Globbt sie Jesus Christus“. Schnell hob ich mei Milichkännla gschnappt und bin davo gelaffe. Mei rachter Schuh hat gequietscht und ich hab bei jedem Schriet en Tapser gemacht. Aber ich war entronnen.

„In Ewichkeit Amen“ hat se mir noch nachgeruefa, weil se sich gfräht hat, dass mir dar Plootz sou guat gschmeckt hat. Die Oma war zufriede weil ich se so schö gegruesst hab. Ich bin awer dahäm ganz schö gschend worn weil ich mei Housa versaut hat, aber ich hob der Muetter alles gebeicht.

Heutzutach mouch ich dan Zwieflplootz garn, aber es hat a boor schöne Joahr gedauert.

Bloos a die runzeliche Haut auf die Milich hab ich mich bis hoit nit gewöhnt.

fa300620

Elsa liebt mich

Elsa liebt mich

Gerade jetzt in der Krise mit den Schlachtbetrieben wird mir wieder bewusst, was alles in unserer Fleischindustrie schiefläuft. Möglicherweise bin ich selbst am meisten schuld, denn ich habe jahrelang zu dieser angestiegenen Massenpopulation von Schweinen und Rindern beigetragen. Ich war aktiv dabei, habe mein Sperma verteilt an alle, die es haben wollten und ich war gut darin. Ich war gut darin, das Sperma genau dort zu platzieren wo es hinsollte und hatte somit eine hohe Trefferquote und damit hohe Nachkommenszahlen. Damals habe ich den Bereich Mittelfranken und vor allem auch die Oberpfalz unsicher gemacht und es gab eine Zeit, in der die meisten Nachkommen in dieser Gegend unmittelbar von mir waren. Künstliche Befruchtung war im Trend, man konnte sich sein Zuchttier aussuchen und gezielt einsetzen. Damals hatte ich, da ich Tiermedizin studieren wollte, eine Ausbildung als staatlich geprüfter Besamungstechniker gemacht – das gibt es heute noch – und habe im Anschluss daran eine Zeitlang in der Besamungsstation gearbeitet.

Als Besamungstechniker kommt man sehr viel herum, landet in Gegenden, in die man sonst nicht hinkommt, und lernt sehr viele Leute kennen. Oft kam man auf dem Bauernhof an und es hing nur ein Zettel dort: „Elsa, 3.Kuh von links“. Also bin ich auf die Suche nach Elsa gegangen, habe sie geprüft und wenn Elsa wirklich soweit war, habe ich den Samen vorbereitet. Ich habe den tiefgefrorenen Samen aus dem Behälter mit flüssigem Stickstoff entnommen, aufgetaut und in das Führungsgerät eingelegt. Dann zog ich Handschuhe an, die bis zur Achsel gingen und habe den rechten Arm in den Darm eingeführt. Ich habe kurze Arme, deshalb war ich oft bis zur Achsel im Darm. Dann habe ich versucht die Gebärmutter zu fassen und die Tuben zu finden, denn an der Gabelung der Tuben musste der Samen abgesetzt werden. Mit der linken Hand wurde das Besamungsgerät eingeführt und an der richtigen Stelle der Samen abgesetzt. Eine anschließende Massage der Klitoris sollte die Fruchtbarkeit erhöhen. Wenn man Glück hatte, hat sich der Darm nicht gewehrt, sonst hat man eine feuchte Wolke aus Luft und viel Material abbekommen. Ausweichmöglichkeiten gab es nicht viele, wenn man mit dem Arm bis zur Achsel in der Kuh steckte. Junge Kühe haben sich stärker gewehrt, wussten sie doch, dass sie jetzt um das Vergnügen eines Bullenbesuches kamen. Deshalb haben sie häufig nach hinten ausgetreten, manchmal sogar mit 2 Beinen auf einmal.

Zu meinen Kühen hatte ich eher ein inniges Verhältnis. Es ging los, sobald man den Stall betreten hat. Brünstige Kühe können dich ganz verliebt anschauen mit, in dieser Zeit auch nach oben gerollten, unglaublich großen Wimpern, auf die jede Frau neidisch wäre. Sie senken den Kopf und schauen dich von unten und von der Seite richtig verliebt an, so dass du unweigerlich denkst, „du wirst Meine sein“. Dann entfährt ihnen ein tiefes seufzendes und sehnsüchtiges Muhen, das man nur in dieser Zeit hören kann. So kann man Elsa auch finden, wenn du den Standplatz nicht weißt. Dann musst du beim Betreten des Stalles nur schauen welche Kuh dich gerade verliebt anschaut. Die ist die Richtige. Das würde man sich schon mal auch von der eigenen Frau wünschen, diesen sehnsüchtigen, fast lüsternen Blick, der dir sagt: „Nimm mich jetzt und mache mit mir was du willst“.

Bei Schweinen ist das ein bisschen anders, auch das Besamungsgerät sieht deutlich anders aus. Schweine schauen dich nicht an, aber die Erregung ist bei ihnen deutlich zu spüren. Vor allem, wenn man sie mit einem sogenannten „Eberspray“, welches den Geruch eines Ebers imitiert, ansprüht. Sie bleiben einfach an der Stelle stehen, die Ohren senkrecht nach oben und es jagen zitternde Wellen über den Körper. Sie machen keinen Mucks, bis du mit ihnen fertig bist. Hier wird das Besamungsgerät in den Gebärmutterhals wie in ein Gewinde eingedreht und dann der Samen abgesetzt. Auf brünstige Schweine könnte man sich setzen, sie würden dich nicht abwerfen, sondern das als zusätzlichen Effekt genießen. Aber ich bin ja kein Eber, sondern nur ein staatlich geprüfter Besamungstechniker.

Klar hat man Schutzkleidung an, aber nach 20 besuchten Ställen und nach dem Sprühen des Sprays hat man selbst einen Geruch angenommen, der dem eines Bullen oder Ebers fast ebenbürtig ist und man gewöhnt sich daran.  Man fährt sehr viel in der Gegend umher und wir hatten eine Flotte von gelben VW-Golfs, auf denen links und rechts der Schriftzug „Besamungsstation“ stand. Diese Autos waren immer ein Hingucker.

Einmal habe ich einen jungen Mann mitgenommen, der an der Straße stand und getrampt ist. Ich weiß nicht ob er nur irritiert war oder ob die leicht verdrehten Augen schon eine drohende Ohnmacht andeuteten. Dann fing so langsam der Würgereiz bei ihm an, so dass ich ihn nach nur wenigen Kilometern, trotz Regen, wieder aussteigen lassen musste. Ich bin sicher, er wird nie wieder in seinem Leben in ein gelbes Auto mit dem Namen „Besamungsstation“ einsteigen. Dass meine damalige Freundin in Würzburg nicht unbedingt wollte, dass ich sie regelmäßig besuche mag auch damit zusammengehangen haben.

Meine Frau hat sich dagegen bis heute nicht über meine fortgeschrittenen Kenntnisse in Sachen „Besamung“ beschwert. Denn: „Gelernt ist halt gelernt“!

fa200629

Ihre Majestät

Ihre Majestät

Es ist unglaublich, aber es ist wahr und wahrscheinlich alles so passiert. Da während unserer letzten Städtetour in London gerade die alljährliche Militärparade zu Ehren des Geburtstages der britischen Monarchin anstand, blieben wir extra einen Tag länger, um uns das sogenannte „Trooping the Colour“ nicht entgehen zu lassen. Diese Parade findet auf dem Horse Guards Parade, dem größten offenen Platz in London statt, und wird von der Königin und von weiteren Mitgliedern der königlichen Familie abgenommen. Dabei verlässt die Queen in einer Kutsche den Buckingham Palast und wird vor und hinter der Kutsche von einer Abteilung von Grenadier Guards, das ist das Leibregiment der Queen (also die mit den roten Anzügen und den Bärenfellmützen) im Gleichschritt laufend, begleitet. Anschließend findet im Palast mit Offiziellen und mit Menschen aus dem Volk eine Teezeremonie statt.

Meine Frau und ich standen kurz vor dem Paradeplatz und konnten den Anmarsch der Truppen sehr gut beobachten. Ist schon sehr eindrucksvoll, wenn die Grenadier Guards mit ihrem Regimentsmarsch „The British Grenadiers“ vorbeimarschieren.

Dieser Samstag war ein sehr heißer Tag. Es war kurz vor 14 Uhr und die Temperatur war schon auf 29 Grad gestiegen. Keine schattenspendende Wolke zeigte sich am Himmel und zum Glück hatten wir genügend Trinkwasser dabei. Wir standen direkt an den lose angebrachten Absperrgittern, quasi in erster Reihe und hatten vollen Blick auf das, was vor uns geschah. Unter dem Klang der Musik näherte sich das Regiment, mit der offenen Kutsche der Queen in der Mitte. Gerade als die ersten Grenadiere an uns vorbeimarschiert waren, fing einer der bärenfellmützentragenden Männer zu schwanken an. Erst fing er sich noch, doch dann wurde das Schwanken deutlich. Dies fiel sofort auf, da in einer regelmäßig schreitenden Menge einer, der nicht im Gleichschritt läuft einem einfach sofort ins Auge springt. Er war sehr blass und hatte die Augen fast geschlossen. Und gerade auf unserer Höhe stoppte er abrupt, knickte mit dem linken Knie ein, machte noch einige kleine unbeholfene Schritte und fiel dann, mit dem Gesicht voraus und ohne eine Abwehrhaltung zu machen, stocksteif wie ein Brett auf den Boden, wobei er ganz knapp den spitzen Ständerfuß der Absperrung verfehlte. Durch den Sturz löste sich seine unter dem Kinn festgezurrte Mütze und rollte leicht zur Seite. Die Reihe, in der er gelaufen war, kam für einen Moment aus dem Takt und es kam zu einer Verzögerung, die sich bis zur Kutsche der Queen fortpflanzte, so dass die Pferde kurz gezügelt werden mussten. Für einen Moment dreht sich die Queen in unsere Richtung.

Er lag genau in meiner Reichweite. Ich zwängte mich mit meiner Wasserflasche durch das Gitter und kniete, jetzt nicht als Tourist, sondern als Arzt vor ihm. Er fühlte sich heiß an, aber er atmete. Aus einer Wunde an der Stirn und aus der Nase tropfte Blut. Kaum hatte ich ihn etwas zur Seite gedreht und das Gesicht mit Wasser benetzt, öffnete er auch schon wieder die verdrehten Augen. Die blutende Wunde drückte ich mit einem Taschentuch ab. Sofort kamen einige uniformierte Personen, stellten ihn auf seine noch schwankenden Beine, und brachten ihn dann langsam durch eine Gittereinlassung in der Nähe zu einem Fahrzeug. Kurz danach kehrten die Uniformierten zurück und bedeuteten uns mit Gesten und in natürlich einwandfreiem Englisch, dass wir mitkommen sollten. Ich dachte zunächst an einen weiteren medizinischen Einsatz, doch dann wurde uns eröffnet, dass wir auf Wunsch der Königin an der Teezeremonie im Palast teilnehmen sollten. Wir dachten zunächst an einen Scherz, wurden aber umgehend durch die Einlassung zu einer Gruppe von anderen wartenden Menschen geführt und dort kontrolliert. Nach dem Sicherheitscheck geleitete uns eine zivile Einheit durch das Osttor in den riesigen Buckingham Palast. Nachdem wir in einem der vielen Räume bei Erfrischungen gewartet hatten, öffnete sich plötzlich eine Türe und wir betraten eine Art Ballsaal in dem eine riesige lange Tafel, eingedeckt mit Goldgeschirr, aufgebaut war. Immer mehr Menschen, füllten den Raum. Wir standen etwas verloren in der hinteren Abteilung, dort war uns ein Tisch zugewiesen worden. Die Menschen unterhielten sich lauthals und verstummten jedoch schlagartig, als die Königin in Begleitung ihrer Familie von der Stirnseite her den Raum betrat. Eine Musikkapelle spielte einen Marsch, danach nahm die Königin und dann der gesamte Rest des Saales Platz. Für uns lief alles wie im Traume ab. Jetzt erschienen hunderte von Bediensteten und füllten den Tisch mit süßem Gebäck, Zwieback, Sandwiches und kleinen Pasteten. Der Tee wurde eingeschenkt und nachdem eine Art Minister einen Toast ausgesprochen hatte, begann das Teetrinken. Nach ziemlich exakt 45 Minuten erhob sich die Queen und wurde aus dem Saal geleitet. Sofort erhoben sich alle Gäste und in Windeseile wurde auch unsere Gruppe wieder zurück zum Osttor geführt und auf die Straße entlassen. Als Abschiedsgeschenk überreichte uns ein Diener einen kleinen vergoldeten Teelöffel, den ich bis heute wie einen Schatz aufbewahre.

Rückblickend war das alles unglaublich, irreal und zog wie ein Traum vorüber. Es ging so schnell und man hatte kaum Zeit zum Nachdenken. Ich kenne sonst niemanden der je bei der Queen eingeladen gewesen ist und ich bin mir sicher, dass sie mir beim Verlassen des Saales noch wohlwollend zugezwinkert hat. Was für ein seltenes Erlebnis und was für eine menschliche Geste der Queen.

God save the queen.

fa200628