Retzboacher Bledzli
Des wolld ich ihm nou mit uf en Waach gab – e orichinal frisch gebaggds Retsboacher Bledzla. Und die folchende Agdion is a blos mit genau sou e Bledzla gange. Mit kä annersch Gebäg hätt mer des Lawe vo mein Doud sou gued beschreib könn.
Grod is er beerdichd wuern und die Loit sen doanoach a gleich zum Dröasdln nein Pfoarrsool, weils daus nou ziemlich kaald woar. Und genau jetz kumme die Bledzli nein Spiel und des woar a goar nit sou geploand. Mei Doud, dar wu gschdurwe woar, is en groaße Tääl vo sein Lawe Wallfoahrtsführer bei dare Wallfoahrt noach Redzboach gewaasd. Ich koann mich nou erinner, dass ich als Kind ümmer drauf gewoard hob, dass die Wallfoahrer zurück kumme und ich e poar vo dare Bledzli griech. Des woar wie e Dauschgschäfd, weil wenn du dare Walleud Empfangsblümlich gawe hoast, dann höm die sich gfrähd und du hoast a Bledzla griechd. Die Muetter hoat vo frische Blume sou ganz klänne Stroislich gebunne und mit dare höm mir uns o die Stroaß higestelld. Wenn jetz dar Zuuch kumme is, und du hoast jemand vo die Verwandtschoafd gekennd, biste schnell higelaffe und hoast dei Stroisla gäiche Bledzli eigetauschd. Ich hobs ümmer kaum erwoard könn, nei sou a Bledzla zu beisse und daswache hob ich scho dare örschde Loit ganz vurne in dare Brozession mei Blume gawe, ob ich se gekennd hob oder nit. Damit ich mehr Bledzli zomgriech, hob ich die Stroisli vo die Muetter noch amoal getäld, quasi verdobbeld und hat sou om End a mehr Bledzli ogsammld. Dare Walleud woar des egal ob in dann Stroisla drei oder fünef Blume woarn. Es is a scho vürkumme, dass die Loit, dare wu ich die Blume gawe hatt, goar kä Bledzli hatte. Zu dare hob ich dann gsocht: „Ach ich sollt ja die Blümli en Ongl gab“ und hob dare dann des zomgeruepfde Stroisla a wieder waggenumme. Dar Gschmoog vo die Bledzli woar ümmer gleich, vo Joahr zu Joahr darselwe und a blos die orichinale Wallfoahrts-Bledzli höm noach Retzboach gschmeggd, weil des Rezebd doafür woar und is geheim – und sou konnd des a kä Mönsch noachgebag.
Sou und jetz woar die Beerdichung vom Doud und doa woarn guede Bekannde vo ihm vo Retzboach doa und die höm wieder die Bledzli dabei gehoot und höm die ach o unnerm Düüsch ausgetäld. Die höm nit ner geroache wie früher, die höm a gschmeggd wie früher. Nei des änne hob ich gleich gebisse und des annere hob ich in e Serviedde eigewiggeld und aufgehouwe und hob mich innerlich gefräechd, ob dar Doud, wenn ar a jetz im Groob liechd, nit vielleichd Hunger hoat und sich üwer a Wechzehrung für sei letzte Reise fräh täd. Känner wäss ja genau wie des doa zugähet beim Üwergang ins Himmelreich und daswache höm die Loit a früher scho ihrer Versturwene wos zu Esse mit auf die Reise gawe, falls die doch nou Hunger grieche.
Die Gsellschoafd im Pfoarrsoal woar rüm und ella höm sich, wie ich a, auf en Waach häm gemoachd. Es Bledzla woar nawe mir uff en Siedz gelache und hoat geroache und geroache und ich hob dabei o mein Doud gedoachd. Doa hob ich äfoch om Friedhof noch amoal oagehalde. Es woar scho ziemlich dungl, ower des Groob hob ich gleich wieder gfunne. Es woar jetz scho wieder aufgfülld und obgedeggd und die Schole und Grenz woarn, schüe arrangschierd, ouwe drauf gelaache. Doa hob ich des Bledzla ausgwiggeld und hobs unter sou en Granz gschouwe, ower ganz nunt, nit dass om nächsde Dooch nou jemand vorbeikümmd und – wenns nou doa wär – wieder rauszerrd. Auf die Schläfe vo dann Graanz woar gstanne: “Ruhe in Frieden“. Und ich hob gedoachd: „Und loass es dir a in Friedn schmegg, Doud“. Ich bin mir sicher ar hoad sich soufurd o dann Geruch erinnerd, weil, wie ich grod fuerdlaff wolld, doa män ich hob ich ganz leis gehöard: „Ich dank dir schüe dafüer“. Ich hob mich nit derschroagge, weil ich mir scho gedoachd hob, dass dar des säichd, wie ersch hald ümmer gemoachd hoat.
Om nächste Dooch hat ich kä Zeid mehr, zu kondrolliern, ob des Bledza jetz gesse woar oder nit. Des wüerd quasi als Geheimnis mit nein Groob genumme, genauso wie des Rezebd vo die Bledzli aus Retzboach, wos ja bis hoid a Geheimnis is.
Sou sen hald moanche Erinnerunge unauslöschlich in uns dinn, quasi bis in alle Ewichkeid.
fao230305 Albin Friedrich
Lieber Herr Friedrich, ich bin auch ein Mürschter, Abitur 1963. Ich bewundere Ihre Mundart-Essays und freue mich immer auf ein neues. Mit lieben Mürschter Grüßen Guntram Kraus
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