Menner sen sou romandisch

Menner sen romandischer wie Fraa denkt

Jeder Moo hoat dann Satz vo seiner Fraa oder Padnerin scho amol gehöart:

„Sei doch a bissla romandisch!“

So als ob die Weiwer generell besser wüsste, wos Romandig is und mir Menner dovo noch nie wos gehöart hätte. Ich hob des vo meiner Fraa a scho gehöart, obwohl ich denk, dass ich e besondersch romandisches Exemplar vo dare Gaddung Moo bin.

Weil dar Vorwurf, dass Menner kä Romandig höm, ja ümmer wieder auftritt, hob ich jetz amol des Dema in dara Literatur ausgiebich studiert. Und, ich wills kuez moach, ich und viel annere Menner, mir sen in Wirklichkät oarch romandisch, a wenn die Weiwer des nit sou sann und mir vielleicht äher sou Spätromantiker sen.

Romandig wüerd ja gemeinhin sou a weng üwerbewertet und mer verstähet darunner en Zustaand vo Emotione, wu viel Gfühl und Liebe und Sehnsucht dabei is. Und wenn mer sou Däitingforen oguckt, do sen folchende Sache besondersch romandisch: wenn du deiner Padnerin en Strauß vo ihrer Lieblingsblume schengst, des Lieblingsesse koachst, wenn du dir mierkst woos se gann hoat (Esse, Musik, Kläder), wenn de se ümmer fräechst, wie ihr Tooch sou woar und vor allem, wenn du dei Gfühle in Gedichtfoarm ausdrückst. Wenn mer jetz des elles wäss, no is es überhaupt nix mer schwäär, dass mer romandisch is.

Also hob ich gleich des amol zomgfasst und en Versuch unternumme. Ich bi früh e bissle ähr aufgstanne, hob beim Begg die Wegg gehoult, en Tüüsch gericht, hob en Kaffee gemoacht und ihr e Schole voul os Bed gebroacht. Des hoat mei Fraa aussergwöhlich gfunna und sie woar en ganze Tooch oarch guet zu mir, schua fast a weng zäerdlich.

Bein nächste Versuch hob ich a Steicherung eigebaut, weil in der Romantig gehöarn a sou gereimte Gedichtli als Stilmittl dozu. Also hob ich wieder Frühstück gemoacht und uff ihrn Taaler en Zäidl geläicht mit en Väes:

„Während du nou gschloffe hoast, hob ich en Kaffee gemoacht und die ganze Zeit o dich gedoacht“

Mei Fraa woar oarch begeistert und hoat om Telefon ihr ganze Freundinne erzähilt, dass ich uff ämol sou romandisch wär und des wär ja sou a schüene Sach und sie hofft, dass des nou lang ohellt.

Ich woar owr nou überhaupt nit om Ende mit meiner Studie und bin dann zur näxte Stufe gange. Ich hob wieder Frühstück gemoacht, die Lieblingsbrödli gehoult, en Kaffe os Bett gebroacht und dann gfräecht, ob se nit zum Kaffee mit nein Goarde kumm tät, do könnte mer in der Sunn frühstück. Dann Strauß mit roate Roase hob ich mitte uff en Tüüsch gstellt. Mei Fraa woar richtich ergriffe und e poar Träne senn era üwer die Bagge gerollt. Domit hoat se üwerhaupt nit gerechert, weil sie hoat känn Hoachzetstooch und a känn Gebuetstooch gehoot. Tja, do hob ich wieder gemirkt, wenn mer des guet eifäidlt, nocher wüed des a wos. Wie gsocht, Weiwer möicha die gereime Verse und daswache hob ich gleich nou ein Zweizeiler zum Besta gawe als Höhepunkt vo dann außergewöhnliche Frühstück:

„Ich hob die Roase vom Nochber gstoule, ich woar a Dieb,

ower die sölle dir soch, ich hob dich ganz schüe lieb“.

Des plötzliche Klirre hoat mir gsocht, dass meiner Fraa die Kaffeeschole aus die Haand gfalle woar. Sie wor emotional fertich, is aufgstanne und hoat mich obgeknutscht, dass ich kaum nou gschnauf konnt.

Ich selwer woar begeistert, dass des sou guet funktioniert und jetz muesst ich blos nou, noach meiner ächene Anleidung, des mit dare Sehnsucht befriedich. Also hob ich se gfräecht, ob mier nit bald mit em Wohnmobil os Meer foahr wölle, wu mer genuch Zeit hätte, dass mer unner Romandig sou richtich ausleb könnte. Mei Fraa hoat hormonelle Luftsprüng gemoacht und ich wär ja wohl der beste Moo üwerhaupt, sie könnt sich känn annere vürstell und sie wär sou froah, dass se mich grod getroaffe hoat. Do konnt ich ere beim beste Wille nit widersprech.

Mir woarn jetz scho a poar Tooch om Meer und do hoat mer direkt die gschlechterschpezifische Unnerschiede in der romandischen Betrochtung vo die Welt gsahn. Ümmer oweds hoats mei Fraa und fast elle annere Weiwer vom Campingplatz os Meer zum Sunneuntergang gezoucha. Wenn die do uff en Felse sitze und nei die Sun gucke, scheint des direkt ihrn emotionale G-Punkt zu stimuliern. Und mei Hinweis, dass doch näichte und vornäichte dieselwe roate Foarb zu sahn woar, is mit dan Hinweis gekondert wuern, dass ower die Stimmung jedes moal annerscht is und ob ich des nit märk tät.

„Ja freilich du hoast racht“ hob ich gsocht und wenn ich genau da drü nochgedoacht hob … nä, ich hob die Stimmung nit sou gemirkt. Ich hob blos gemirkt, dass mei Stimmung verändert woar. Mir woarn ümmer grod uff en Waach zum Awedesse, ich hat Hunger und mei Fraa hoat sich o die roate Foarb vo die Sun gelaabt.

Später hob ich ihr dann nou e selwerverfasstes Gedicht fürgetroche in dann elle Stilelemente vo die Romandig dinn woarn, nämlich: Owed, Sun, Mond, Träume, Sehnsucht, Ruhe und Gfühle:

Durch die Hoar vo deiner Lider, spichlt sich e Bild vo mir

Des gähet ja a nit annerscht, weil ich stiah direkt vor dir

Weiter gähet dei Blick, bis nüwer nei des Abendrot

Jedn Tooch do stirbt die Sunn ihren abendlichen Tod

Leise plätschern tun die Wellen, duert om hoarte Felsehang

Zieht es dich jetz in die Ferne, fuert vo deim geliebte Mann?

Nein, nur Träume tun dich leiten, erwecken in dir die Gefühle

Romandig is wenn du geniest, die Sun, dann Mond und dazu die Stille.

In dann Urlaub hatt ich nou viele Wünsche frei und mir hatte viele romandische Awede. Noch meiner Anleidung is es jetz a nit schwär, dass mer romandisch is.

Ich bin genau sou romandisch wie dar Dichter „Friedrich Hebbel“, weil dar hoat vor langer Zeit scho des typische romantische Gedicht gschriewe:

Ich und Du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

(Friedrich Hebbel)

Fao201021

Ein Kommentar zu „Menner sen sou romandisch

  1. Eine besonders ergreifende Geschichte, von der ich hoffe,dass sie viel Wahres aus eurem Leben enthält.Das Gedicht von Hebbel. habe ich meinem Freund am Telefon vorgelesen.Er hat es gleich bei Romantik eingeordnet.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar