Ich sitze in meinem Garten

Ich sitze in meinem Garten

Es ist Sommer und ich sitze in meinem Garten. Wie schön ist das denn! Die Sonne scheint; jetzt am Morgen ist die Temperatur gerade richtig. Ich habe heute keine Termine, trinke eine Tasse Kaffee und schaue in die Runde. Was für ein herrliches Grün hat uns die Natur in diesem Jahr geschenkt. Es gab genug Regen, für viele Regionen leider zu viel Regen und auch meine Tomaten hat der Regen quasi ertränkt; aber sonst sprießt alle. Links von mir hängen die Trauben, die mit den Blättern ein richtiges Dach bilden, in dicken und fast reifen Formationen, fast wie im Werbefilm, akkurat nach unten und im Stehen kann man fast hineinbeißen. Die Vögel besuchen mich auch in ganzen Familienverbänden am Futterhaus, welches zwischen den Trauben hängt. Der Teich zeigt bei klarem Wasser eine Pflanzenpracht wie nie zuvor. Heute soll es wieder sehr warm werden, aber im Schatten der Markise ist es wie im Paradies. Kein Gedanke daran, irgendwo anders hin in Urlaub zu fahren. Es könnte nirgendwo schöner sein. Vielleicht anders, aber nicht schöner. Vielleicht mit einem anderen Flair, aber auf keinen Fall ruhiger. Auch die Kirchenglocken stören nicht; sie gehören hier einfach dazu. Es ist gerade sehr wenig zu tun im Garten, die Kübelpflanzen brauchen ihre tägliche Ration Wasser, den restlichen Garten hat die Natur gut versorgt. Der Sommer im Garten ist einfach schön.

Es ist Herbst und ich sitze in meinem Garten. Es ist schön, aber heute ist viel zu tun. Die Pflanzen werden zurückgeschnitten, die Teichpflanzen müssen gekürzt werden, noch der letzte Rasenschnitt und den Sonnenschirm kann ich langsam wieder abbauen. Es gibt kaum noch blühende Pflanzen und manche Pflanzensorten fangen an die Blätter zu verfärben. Es ist ab und zu noch warm genug, um draußen zu sitzen. Da muss aber die Sonne scheinen, sonst wird es sehr schnell kalt. Also trinkt man auch den Kaffee etwas schneller und hat eine Jacke griffbereit, wenn der Wind einen kalten Luftstoß schickt. Die Schildkröten fressen jetzt auch nichts mehr und werden für den Winterschlaf vorbereitet. Die Gartenvögel sind immer noch da und suchen die letzten Trauben zum Naschen. In der Luft ist es ruhig geworden. Wo sonst die Schwalben in wilden Wolken kreuz und quer segelten, sieht man jetzt eher wieder mehr Flugzeuge, denn die Schwalben haben sich auf den Weg gemacht. Die empfindlichen Pflanzen müssen noch in das frostsichere Gartenhaus geschafft werden. Dort können sie gut den Winter verbringen und für uns ist deshalb kein Platz mehr. Noch ein paar schöne Tage mit Arbeit und Vorbereitungen, dann ist das meiste getan. Der Herbst hat auch so schöne Seiten.

Es ist Winter und ich gehe in meinen Garten. In der Nacht hat es geschneit, nicht viel, aber gerade genug um alles ein bisschen weiß zu pudern. Die Vögel fliegen in Scharen davon, als ich die Gartentüre öffne. Im Schnee finden sich Spuren der Vögel, die am Boden Futter suchten und dazwischen auch Katzenpfotentupser. Hoffentlich hat sie nicht wieder einen erwischt. Da die Pflanzen alle zurückgeschnitten sind, gibt es viel weniger Verstecke für die Vögel. Es ist insgesamt viel kahler und kühler. Nur der Bachlauf plätschert, wie sonst auch, seine ewige Wassermelodie. Es ist heute zu kalt, um hier zu sitzen und das Gartenhaus ist mit Pflanzen besetzt. Wenn ich in meiner dicken Jacke meinen Weg durch den Garten laufe, knirscht der Schnee. Der Teich hat nun viel weniger Grün, nur das Schilf schickt noch mächtige Stängel senkrecht nach oben. Das Weinlaub ist abgefallen, nur wenige vergessene Blätter liegen am Boden. Wenn ich jetzt im Urlaub wäre, könnte ich das nicht sehen. Es ist auch sehr schön und verbreitet eine angenehme Ruhe; ein Gegenpol zur Tageshektik. Die Katze kommt zu mir und ist scheinbar auch erstaunt, wie sich der Garten im Vergleich zum Sommer geändert hat. Schönheit auf eine ganze andere Art. Ich mag es noch mehr, wenn die Schneedecke ganz dicht und flauschig ist.

Es ist Frühjahr und ich sitze im Garten. Die Tage werden jetzt schnell wieder länger und überall sieht man das Aufbrechen der Natur. Die Pflanzbeete sind vorbereitet und ich habe große Lust auch vor den Eisheiligen schon Salat und Tomaten zu setzen. Aber die Eisheiligen sind sehr beständig und rauben mir jedes Jahr einige Setzlinge. Doch ich mag diese Tage, weil man sich einfach darauf verlassen kann, dass sie kommen. Einige Pflanzen aus dem Gartenhaus stehen schon wieder draußen, so dass ich auch die Kaffeemaschine für dieses Jahr wieder in Betrieb nehmen kann. Wenn man genau hinsieht, haben auch die Weinranken schon winzige Knospen. Ein paar Tage Wärme und es wird eine Pflanzenexplosion geben. Was für eine Kraft hat die Natur und wie frisch sieht jeder neue Tag aus. Die Vögel haben den Winter überstanden und gestern habe ich die ersten beiden Schwalben gesichtet. Die Meisen tragen Nistmaterial in das Vogelhaus. Jetzt in Urlaub zu fahren wäre schade, es gibt noch einiges zu tun bis ich und die Natur, bis wir beide wissen was wir wollen. Ich und die Pflanzen sind nicht immer einer Meinung. Doch wie herrlich liegt der Garten jetzt schon da. Arbeit und Erholung zur selben Zeit. Das bietet kein Urlaub.

Egal zu welcher Jahreszeit, ein Garten ist ein Segen in jeder Beziehung.

Fao210815

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