HOIT WÜRD DIE SAU GSCHLOCHT, TEIL 1

Hoit würd die Sau gschlocht

Teil I: Hätte när nou mer Loit vo dan Hirn gessa

Ich hob nou gschlofa, da hob ich se scho gehöart. Die Sau hoat ganz laut gschria, wie wenn se scho om Spieß hengt und ich hob gedocht, jetz nix wie nei die Kläder, sust verpoasst de a nou wos.

Mir hatte ümmer Soi im Stool, manchmoal zwä oder manchmoal a drei vo dare Läffer. Äne hömmer selwer gebraucht und die annere sen verkäfft wuern. Da is früh dar Soihöug kumme, dar Voader vo die Lummels Brigitte, dar hoat se gewouche und auf sein Soiwocha mitgenumme. Geld hoat mer ümmer gebraucht doamols, daswache hoat die Sau a die besta Krumbeern griecht mit Mochermilich und mir selwer hatte nou die verfaulte Krumbeern zum Essa. Hoit geast de neis Gschäft und käffst wos de wisst. Doamols hoats ower a blos Fläsch gawe, wenn de selwer a Sau gezouche hoast und die gschlacht hoast. Mir höm nie Wuerscht gekäfft, da konnst de dich nou sou lang vor die Vitrine beim Metzger hiestell: Es hoat dich känner gfräacht, ob du e Schoiwa Gelbwuerscht willst, weil mir höm ja nix gekäfft.

Richtich, hoit söll ja die Sau toad gemocht war. Wie ich nauskumme bin, hoat dar Voadder die Sau scho am hinnere Bä mit en Strieck ogebune und hoat se aus en Stool nausgezärrt. Als hätt se wos geoahnt, war se orch widerspenstich und wollt nit naus, ower ich hob ihr a Ruewa hieghalte, die hoat se gemöicht und na isse mit naus. Wie se daus woar hoat se sich beruhicht und kaum woar dar Knall vo dan Bolzaschussapparat vorbei, woar se scho am Bouda gelaache, hoat ower sou gezoppelt, dass de gemähnt hoast sie läfft nou amol davo. Des hoats scho gawe, dass monche Sau in dan Moment wieder aufgstanne is und mit e muerds Karacho en Houf nogerennt is. Daswache ist dar Strick nou om Bä gebliewe und ich hob dan fäisthalt müess. Doamals woar ich e ganz dürrer Spirk, die hätt mich hinner sich har gezäärt, wenn se obghaut wär. Ower uner Sau ist nix mer aufgstanne.

Jetzt is se mit em schoarfe Messer nei´n Hals gstoche woarn und soufurt is es Bluet rausgelaffe, nei e Schüssel und vo do nei´n Bluetämmer gekippt wuern. Ümmer wenn der Voadder mit dan äne Bä auf die Brust gedrückt hoat, ist no sou a Schwall Bluet kumme. Bis des fertich woar, ist mit em Kochlöffel des Bluet fäist geklöppert wuern, damit des nit todal durchgerinnt. Des Bluet is schließlich später für die Bluetwürscht gebraucht woarn. Für die Loit, die des Schlochte nit gewöhnt sen, höart sich des dramatisch o, ower die Sau hoat nix mer gspürt. Jetz muest se neis Stücht zum Brühn und is dafür om Bä hoachgezouche wuern. In dara Zwischezeit hoat die Muetter vo die Wöschküche e poar Ämer mit häß Wasser aus em Kessel raus neis Brühstücht gschütt und wenn die Temperatur gstimmt hoat, is die Sau langsom nei des Stücht gelossa woarn, bis se blos nou mit em Koupf rausgeguckt hoat. Jetzt is se hi und har gschwenkt woarn und wenn sich die Borschte leicht hom rauszieh loas, no isse ganz e goar aus dara häße Brüh rauskumme und uf en Schroucha geleicht wurn. Des Sääl vo dan Floaschezuch hoast de dobei om besta losgelosse, sonst wärscht de durch dann Schwung bis nauf o die Rolle gsaust. A Schroucha is wie e Latterost uf Bä, e bissle gebouche, dass die Sau nit rogeroll konn. Jetz hot jeder a Schelle nei die Hand griecht und mit dara schorfe Kante host du die Hoar vo die Sau ihr Haut rogerubbelt bis se sou ziemlich ella fuert woarn. Zwischedurch is se vielleicht a numol neis Stücht kumme, wenn se zu schnell kaalt woarn is. Die Schelle hatt a sou en Hoacke am End und domit hot mer die Klaue vo die Füeß rogerisse. Dar letzte Rest Hoar, vor allem aus die Oahrn, ist jetz mit en Bunsebrönner obgsengt woarn und dann woarsch fertich und die Sau is nackert dogelache. Jetz woar se scho wie zum obeiße.

Als nächstes is sou en Galche durch die Kniesehne o die Hinnerbä durchgführt woarn und mit em Floaschezuch hoat mer se hoachgezouche, dass die Schnauze jetzt noach unna freigehengt woar. Auf die Oart konnt mer se schüe vuerne aufmoch, mit än Schnitt vo ouwe noch unne. Bei die Bloase und die Dierm muesst mer aufpass, die sollte nit kaputt gieh, weil des hät nit guet geroche. Mir hoat des gfalle, wenn dar Voadder die ganze Doarmgschichte und die Innerreie komplett in sei Oarm hat und nei e Mulde geleicht hoat. Des hoat richtich gedampft, is ower elles nawe hie gstellt woarn, weils erscht später gebraucht woarn is. Für des Ausenannermoche ist des Beil gebraucht woarn. Erscht is gschnitte woarn und dann die Wirbelsäule mit dan Beil durchghackt woarn bis ro durch en Koupf, dass zum Schluß blos nou die Schnauze zomghengt woar. Ich hat scho e groaße Schole gehoult und muesst jetz des ganze Hirn rauskratz. Und wie bei die Mönsche a, woar des amol gröaßer und amol klänner.

Für mich woar frisches Hirn e Leibgericht. Ich hob mich jetzt verobschied vo daus und bin gleich nei die Küche, hob die Haut vo dan Hirn obgezouche, hobs gewöscht, Zwiefl gschniete, die Zwiefel nei die Pfann und ogebroate, des Hirn nei dezu, e Ää neigeglöppert und rümgerührt bis des durchgegoart woar. Es ist schnell gange; jetz nou gewürzt mit Essich, Saalz und Pföffer, vielleicht nou e Schuss Essich und fertich woar des Frühstück.

Ich wäss a nit wos aus mir wuern wär, wenn ich nit doamols sou viel Hirn gesse hätt.

Fao210322

Ein Kommentar zu „HOIT WÜRD DIE SAU GSCHLOCHT, TEIL 1

  1. Albin, viele Deiner tollen Geschichten erinnern mich an meine Kindheit. Bei uns wurde ja auch geschlachtet und ich mochte das überhaupt nicht. Es hat immer komisch gerochen, daran erinnere ich mich sehr gut. Aber bei uns gab es auch selten Wurst vom „Blümm“, obwohl wir Kinder alle scharf drauf waren, meistens gab es nur „Hausmacher“. Aber es ging uns trotzdem immer gut.
    Freu mich schon auf die nächste Geschichte😄😄

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