Hallo, Hallo, hier spricht Ihr gewählter Politiker

Hallo, Hallo, hier spricht Ihr gewählter Politiker

Entschuldigen Sie, Frau Bürger und Herr Bürger, dass ich überhaupt Politiker geworden bin. Tagtäglich mache ich nur Fehler, denn egal was ich mache, empfindet es die eine Seite als richtig und die andere Seite als absolut verkehrt. Schade. Wenn ich diktatorisch regieren könnte, wäre das vielleicht anders, dann würde ich einfach entscheiden, mit oder ohne Zwang und wenn es auf freiwilliger Basis nicht läuft, dann eben mit Gewalt. Das fänden Sie dann doch viel besser und das gesamte Krisenmanagement würde 1 A laufen. Aber wir mit unserer Demokratie, die auch ihre Meinung beachtet! Entschuldigen Sie, dass ich am Abend eines Arbeitstages,  und ich versichere, ich habe nicht nur Kaffee getrunken, sondern mich pausenlos mit Experten beraten, zu einer Meinung komme und diese verkünde, im Namen des Volkes und im guten Glauben, den Menschen etwas Gutes zu tun und in der Hoffnung einen Weg aus der Krise zu finden. Klar, Sie hätten das anders gemacht. Sie hätten zuerst Ihre Branche wieder geöffnet, weil Sie genau damit Geld verdienen. Sie hätten alles gesperrt, die Flüge nach Mallorca oder sonst wohin erlaubt, weil Sie halt gerne da Urlaub machen, Sie würden ihre Familientreffen wie gewohnt abhalten, denn es ist absolut unmöglich, dass gerade Ihre Familie einen „spreader“ haben könnte, der die Statistik nach oben schraubt. Es tut mir leid, denn Sie können nicht verstehen, dass ich als Politiker mit allen Kräften versuche, es möglichst allen recht zu machen und sogar auf die Meinung der Wissenschaft höre. Ach, Sie informieren sich über Ihre eigenen Wissenschaftskanäle? Auf YouTube, facebook und bei weiteren social media Anbietern? Die Wissenschaftler dort vertreten eine ganz andere Meinung? Ja sorry, aber Sie haben mich doch gewählt, damit ich gerade in Krisenzeiten zu einem Entschluss komme. Das müssten Sie halt auch mal hinnehmen und respektieren.

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass ich als Politiker, obwohl ich auch studiert habe und schon viele Jahre politisch tätig bin, nicht annähernd Ihrem Sachverstand auf allen möglichen Ebenen gewachsen bin. Von Ihnen könnte ich viel lernen, lassen Sie sich einfach bei der nächsten Wahl aufstellen. Es wäre eine Freude mit Ihnen zu arbeiten. Sicher werden Sie es schaffen, die Gerichte so zu beeinflussen, dass nicht jeder Beschluss, den wir für Sie getroffen haben, wieder juristisch in Frage gestellt wird. Sicher werden Sie es schaffen, ihre Mitbürger dahin zu beeinflussen, ihre Masken zu tragen, sich an Abstände zu halten und nicht unbedingt in Urlaub zu fahren. Ja, gerade Sie, die an Wochenenden und an anderen Tagen für den Frieden trommeln und düstere Internetparolen durch das Megaphon schreien und Sie, die Sie Märsche zur Stärkung des Immunsystems organisieren und Plakate schwenken, auf denen Sie Ihre Freiheit, Frieden und Demokratie fordern. Das alles haben wir ja scheinbar nicht. Ja, Sie wären sicher eine gute Politikerin/ein guter Politiker und würden alles besser machen. Die Masse der Menschen würde Ihnen folgen und den Boden küssen, auf dem Sie gelaufen sind. Da kann ich nur sagen, bewerben Sie sich doch endlich!

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass Ihnen die derzeitige „Freiheitsberaubung“ angetan wurde. Das Tragen der Maske ist eine wahnsinnige Einschränkung und behindert, egal was Sie gerade machen. Und jetzt will man Ihnen den wohlverdienten Urlaub streichen und Ihre Kinder bekommen bleibende Schäden, durch das Tragen der Maske, durch den Schul- und Kindergartenausfall? Wie hat es nur die Kriegsgeneration geschafft, Abitur zu machen! Ihre Familie hat noch keinen Krankheitsfall und auch keinen Toten durch Corona zu beklagen? Das heißt, Sie können ja gar nicht wissen, dass es diese Krankheit wirklich gibt. Alles dient schließlich nur zur Unterdrückung des Volkes? Wie vermessen ist es von uns Politikern zu glauben, Sie könnten empathisch handeln und sich das Szenario des möglichen Todes vorstellen! Wie vermessen ist es zu glauben, Sie würden Ihre persönlichen, egoistischen Pläne mal hintenanstellen!

Entschuldigen Sie, Frau und Herr Bürger, dass wir als Politiker nicht immer so direkt sagen können, was nötig wäre, sonst hätten wir Sie schon längst öffentlich zum Schuldigen erklärt, weil gerade Sie keine Maske tragen, keinen Abstand halten, keine Einsicht zeigen und in Urlaub fahren. Ja, aber selbstverständlich behandeln wir Sie, wenn Sie krank zurückkommen, mit all unserer modernen Medizin und medizinischen Pflege, übrigens in den Krankenhäusern, die Sie bis jetzt immer beschimpft haben. Aber es wäre ja blanker Zufall, wenn Sie sich gerade im Urlaub anstecken!

Also entschuldigen Sie nochmals, ich werde mir sicher überlegen, ob ich mich jemals noch einmal für Sie aufstellen lasse. Sie haben etwas Besseres verdient, nämlich sich selbst!

Ich wünsche Ihnen eine schöne und sorgenfreie Zukunft.

Fao210323

4 Kommentare zu „Hallo, Hallo, hier spricht Ihr gewählter Politiker

  1. Hallo Albin!
    Dein Text hat mir sehr gut gefallen! Bindehautentzündung ganz deiner Meinung..
    Mach weiter so.
    Freue mich auf deinen nächsten Artikel!

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