Märchentrilogie Teil 4

Die kleine Mücke Piecksefix

Die kleine Stechmücke hatte alles was man so braucht, wenn man eine Stechmücke ist. Sie war klein und wendig, konnte in der Dunkelheit sehen und hatte einen spitzen Rüssel mit einer winzigen Lanze und damit konnte sie bequem in die Haut stechen und ein Tröpfchen Blut absaugen. Piecksefix war sehr frech und ließ sich auch von den Eltern nichts sagen. Sie hatte gelernt, dass sie das Blut von allen Lebewesen, den Menschen und den Tieren saugen konnte. Aber Piecksefix wollte am liebsten nur die kleinen Kinder stechen und sie wohnte deshalb auch in einem Kinderzimmer, wo die Kinder ihr Bettchen hatten.

„Die anderen Lebewesen mag ich nicht, da ist die Haut zu dick und außerdem ist das Blut bei den kleinen Kindern ganz süß“, sagte sie jedes Mal, wenn sie darauf angesprochen wurde. Die Menschen mochten die kleine Mücke aber nicht besonders. Wenn sie flog, bewegte sie die Flügel so schnell, dass immer ein feiner hoher Ton „Ssssssssss“ zu hören war. Diesen Ton konnten die Menschen hören und sie versuchten die Stechmücke zu vertreiben, indem sie nach ihr schlugen. Das war sehr gefährlich für Picksefix, war sie doch schon einige Male knapp dem Schlag ausgewichen. Sie hatte sich angewöhnt, nur in der Nacht zu fliegen und kaum hatten sich die Kinder hingelegt, hörte man sie schon wieder summen. Die Kinder weinten oft, denn durch den Stich kam es am nächsten Tag zu einem starken Juckreiz auf der Haut. Und es kam soweit, dass die Kinder nicht mehr in ihrem Bettchen schlafen wollten und zu den Eltern in das große Bett zogen.

Jetzt war Piecksefix allein im Zimmer. Kaum war es dunkel, kroch sie aus dem Versteck und startete zu ihrem Rundflug. Aber so sehr sie auch durch die Gegend flog und so sehr sie auch suchte, sie fand kein einziges Kind. Somit konnte sie an diesem Abend nicht mehr saugen, hatte dadurch nichts zu essen und musste sich hungrig wieder verstecken. Am nächsten Abend geschah das gleiche: sie flog los und da sie niemanden fand, konnte sie wieder nichts essen. Ihr Magen knurrte so sehr, dass sie immer weiter auf die Suche ging, bis sie das Fenster entdeckte, welches einen Spalt offenstand.

Sie flog hinaus in die Nacht, direkt in den Baum, der vor dem Fenster stand. Es war eine große Eiche und es war die Wohnung der alten grauen Eule mit dem Namen „Etlaru Elue“, die schon seit mindestens 100 Jahren auf dem Baum wohnte und deren Namen, rückwärts ausgesprochen, einfach „uralte Eule“ hieß.

Piecksefix verkroch sich unter einem Blatt und fing an vor Hunger zu zittern.

„Huhuuu, warum bist du heute hier? Huhuuu, ist irgend etwas los mit dir“? fragte die alte Eule, die immer in Versen sprach.

„Ach, ich habe so Hunger. Ich esse immer ein bisschen von den Kindern, wenn ich sie steche. Aber sie haben Angst vor mir und schlafen jetzt bei den Eltern. Darum habe ich nichts mehr zu essen“, jammerte sie und weinte ganz bitterlich.

„Huhuuu, das ist lustig, das ist fein, Huhuuu, ich sag dir was, du Mückelein“, antwortete Etlaru Elue mit ihrer tiefen Stimme.

„Hättest du die Eltern nicht vergessen, Huhuuu, könntest du auch was anderes essen“!

Und sie verdrehte voller geduldiger Weisheit den Kopf ganz nach hinten.

„Ja, ich habe leider immer nur von den kleinen Kindern gegessen“, antwortete Picksefix zerknirscht.“

Da richtete sich die Eule auf, machte ein ganz strenges Gesicht und sagte mit lauter Stimme:

„Pass mal auf, du kleines Piecksedings.

Du fliegst jetzt zu dem Baum da links.

Da gibt’s Äpfel mit ganz viel Saft,

die geben dir auch neue Kraft.

Lass die Kinder von nun an in Ruh,

denn Äpfel gibt es hier immer zu!“

Da flog Piecksefix zu dem Apfelbaum, rollte ihren Rüssel mit der Lanze aus und machte vorsichtig ein kleines Löchlein in die Apfelhaut. Sofort kam ein ganz süßer Tropfen von reinstem Apfelsaft heraus den Piecksefix gierig und hungrig aufsaugte.

Sie hat an diesem Abend noch so viel getrunken, dass sie es nicht mehr bis in ihr Versteck schaffte und den ganzen Tag im Eulenbaum verschlief.

Von da an ließ sie die kleinen Kinder in Ruhe und diese schliefen wieder jede Nacht ganz ruhig und sicher in ihren Bettchen. Als Piecksefix selbst Kinder hatte, zeigte sie diesen sofort den Apfelbaum und nie wieder hatten Kinder Angst vor Stechmücken.

So ging das Leben von Piecksefix weiter immer zu und wurde von nun an bewacht von der Eule Etlaru.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sitzt sie auch heute noch in der alten Eiche.

Fao060321

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