Impfen und Corona
Mein Leserbrief zu „Impfstoff-Behauptungen geprüft“ vom 18.1.21, Saalezeitung, veröffentlicht am 23.1.21
Der Artikel vom 18.1.21 in der Saalezeitung hat die Fehlinformationen bezüglich der Corona-Impfung dargestellt und berichtigt. Der Impfstoff ist sicher, er wurde genügend getestet, verändert das Erbgut nicht und hat nicht mehr Nebenwirkungen als die anderen bekannten Impfungen auch. Als Impfarzt kann ich bestätigen, dass die Reaktionen nach der Impfung sich darauf beschränken, dass der Impfstoff „arbeitet“ und das macht bei einigen geimpften Schmerzen im Arm. Das ist soweit normal. Trotzdem gibt es noch eine Menge Menschen, die sich wegen der Impfung noch nicht sicher sind, auf der anderen Seite finden sich handfeste Impfgegner. Mit der ersten Gruppe kann man reden und kann sie überzeugen, die unbelehrbaren querdenkenden Verschwörungsanhänger werden, ganz egal was sie hören, dagegen sein – sie leben weiter auf ihrem eigenen Planeten.
Oft hört man, auch von jungen Leuten, sie seien nicht richtig aufgeklärt. Hä?? Wofür gibt es die Medien, die Fachzeitschriften, das Internet welches täglich über Stunden benutzt wird, da könnt ihr euch nicht informieren? Das kann ich nicht glauben. Und ihr habt Angst vor den Nebenwirkungen? Wenn ihr mal wieder einen großartigen Auslandsurlaub plant und die Gelbfieberimpfung und Hepatitisimpfung braucht, wird in der Regel auch nicht groß nach den Nebenwirkungen gefragt. Wie viele von Euch rauchen immer noch? Im Jahre 2021 waren das 121.000 Menschen, die in Deutschland direkt durch Rauchen gestorben sind. Weltweit sind es etwa 7.000.000 Todesfälle durch das Rauchen, in 1 Jahr!!! Das scheint jedoch keine große Tragödie für die Öffentlichkeit zu sein. Wer von den Impfskeptikern trinkt Alkohol? Etwa 1,61 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken missbräuchlich Alkohol. Sie nehmen körperliche, psychische und soziale Folgen in Kauf, obwohl die Fakten glasklar bekannt sind. Wer nimmt am Straßenverkehr teil? Laut statistischem Bundesamt sind im Jahre 1919 in Deutschland 3 059 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Es gibt im Straßenverkehr immer ein Risiko, aber man fährt und denkt gar nicht daran. Die Nebenwirkungen beim Rauchen und Trinken sind bekannt, aber man tut dies. Ich finde die permanente Debatte über die Impfrisiken ziemlich schräg, weil der Vergleich zu den Alltagsrisiken einfach verloren gegangen ist.
Bei genügendem Nachdenken muss man einfach zu der Einsicht kommen, dass die Impfung notwendig ist. Niemand weiß, wann ich jemanden anstecke oder selbst angesteckt werde und wie dann der Krankheitsverlauf ist. Es kann auch ein schwerer Verlauf mit Todesfolge sein. Die Spätfolgen sind auch bei mildem Verlauf manchmal gravierend, auch bei jungen Menschen (Abgeschlagenheit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung über Monate). Nur bei einer genügenden Menge an Geimpften (sollte bedeuten man wird nicht krank und kann durch eigene Krankheit niemand mehr anstecken) lässt sich die Pandemie beherrschen und der Viruspool austrocknen. Impfungen gelten heutzutage allgemein als wirksame, präventive Maßnahmen und schützen vor Krankheiten, die früher oft tödlich endeten. Dies ist allgemeiner weltweiter Konsens.
Die Impfskepsis, die in der Bevölkerung herrscht, trifft man natürlich auch beim Pflegepersonal im Krankenhaus und in den Pflegeheimen. Gerade diese Menschen mit ihrer medizinischen Vorbildung sollten vorangehen, ihre Bedenken besprechen und sich dann impfen lassen. Es wird, und da bin ich mir ganz sicher, einen Impfausweis geben, da irgendwann bei Reisen in andere Länder und für bestimmte Tätigkeiten ein Coronaimpfschutz nachgewiesen werden muss. Das wird die Entscheidung – pro-Impfung – weiter erleichtern.
Gerade jetzt muss aber die eigene Strategie:“ Ich warte erst mal ab“, über den Haufen geworfen werden. Trotz möglicher eigener Bedenken ist ein solidarischer staatsbürgerlicher Akt gefragt, der, zum Wohle aller, ins Impfzentrum führt.
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