Panem et Circenses
Den Ausdruck „panem et circenses“, also „Brot und Spiele“, gibt es schon seit der Römerzeit. Der Begriff wurde von dem römischen Dichter Juvental geprägt und hat eine weitreichende Bedeutung, die sich auch auf die heutige Zeit übertragen lässt. In der damaligen römischen Republik wurde das Volk vom Magistrat dadurch bestochen, dass sie Brot und meist kostenlose Zirkusspiele bekamen. So wurden sie bei der Stimmabgabe für Wahlen manipuliert und gefügig gemacht und in Notzeiten hat es der Obrigkeit geholfen, Aufstände des Volkes zu vermeiden. Wer Essen hat, rebelliert nun mal nicht und wer durch Spiele abgelenkt ist, hat keine Zeit mehr sich aufzulehnen. So konnte man sich damals schon bei Wahlen Vorteile verschaffen und sich sogar in Ämter hineinkaufen. Wer das meiste bezahlt hat und die schönsten Spiele abgehalten hat, hatte die größten Vorteile.
Gerade jetzt wird wieder viel diskutiert, warum noch sportliche Ereignisse wie Wintersport und Fußball, wenn auch ohne Zuschauer, stattfinden dürfen. Ich persönlich finde das ganz wichtig, weil nach einigen Tagen „Lockdown“ Zuhause ist man schon mal geneigt sich ablenken zu lassen. Da kommt das Fernsehprogramm mit seinem Sportteil von 09:00 Uhr bis 22:00 Uhr am Wochenende doch gerade recht. Spiele, die wir beobachten können, sindgut für die Seele und lenken ab von den Problemen der sonstigen Welt. Insofern hat sich doch im Vergleich zu früher nichts geändert. Klar, damals hatte das Volk keine Rechte, wurde dirigiert und hatte nur im Rahmen von Aufständen die Möglichkeit etwas zu ändern. Das ist in unserer demokratischen Grundordnung anders. Wir haben andere Möglichkeiten im Bezug auf Meinungsfreiheit und persönlicher Freiheit. Vergleichbar ist jedoch, dass die gesamte Bevölkerung gerade Einschränkungen hinnehmen muss, dass sich viele einfach nicht gut fühlen und sich durch Anweisungen von oben gesteuert und eingeengt fühlen, obwohl das völlig in Ordnung ist und auch nicht anders geht. Gerade jetzt bin ich froh, dass es noch Spiele gibt, zwar nicht im Kolosseum in Rom, aber im Fernseher. Fußballspiele rauf und runter, Winterspiele das ganze Wochenende, Singspiele, Geschicklichkeitsspiele und vieles mehr. Das alles wird uns geboten und ist wie ein kleiner Ausgleich dafür, dass wir uns viel zu Hause aufhalten müssen, denn irgendwann ist die Arbeit zu Hause getan und dann ist es gut noch zur Abwechslung die „Spiele“ zu haben. „Brot“ und Nahrungsmittel haben wir ja eigentlich genug oder zumindest so viel, dass wir keinen Hunger leiden müssen. Unsere gewonnene Freizeit können wir mit vielen sinnvollen Tätigkeiten ausfüllen, und jetzt gerade, weil es auch nicht anders geht, mit den öffentlichen Spielen. Ich bin wirklich, wie schon gesagt, froh darüber und viele andere Menschen auch. Also lasst uns doch nicht dagegen protestieren, dass „die in den oberen Ligen“ noch spielen dürfen. Der Großteile der Bevölkerung profitiert davon.
Natürlich kann man hinterfragen, was das für eine Zeit ist, wenn die Spiele, die wir im TV anschauen, dafür herhalten müssen unsere Freizeit zu gestalten. Da gewinnt man schnell den Eindruck einer sich verschärfenden Lage, aber man bleibt trotzdem ruhig und abgelenkt. Ja, genauso wie früher: Wenn die Zeiten schlechter werden, gibt es Brot und Spiele, Geschenke und Ablenkung, Streicheleinheiten und Zugeständnisse. Ich glaube wir werden das noch oft genauso erleben müssen, denn es werden noch weitere selbstverschuldete Pandemien, Kriege und Naturkatastrophen kommen, die wir auch dann wieder aushalten müssen. Insofern ist die öffentliche Einrichtung mit „Brot und Spiele“ schon seit Jahrtausenden bewährt. So wie früher lassen wir uns durch die vielen Angebote ganz leicht ablenken und leiten, verharren vor dem Fernseher und warten auf bessere Zeiten. In uns allen steckt halt doch eine große Portion Römer.
Salve!
fa201222