Da wo mei Heimat is

Da wo mei Heimat is

Wenn du vo Graßelt kümmst, über die Höha färscht und noguckst, da siehst du des Dörfla sofort. Schüe lieche die Hoiser vo Wasserloasa da unta, änns nawe en annere, fast a bissle zamgeduckt, weil dahinner kann mer bis nei die Rhüe guck, und vor dan Kroizberch sieht a jedes annere Dorf a ziemlich klä aus. Blos dar Kirchturm guckt ouwa raus und streckt sei Spitze bis nein Himmel. Doa bin ich geburn, in änns vo dara Hoiser, war im Kinnergoade und in dara Volkschuel, aber mit 12 Joahr hömsa mich in des Internat nach Muescht neigsteckt, damit aus mir wos wued. Und seitdem wor ich immer blos amol kurz da, wenns hoach kümmt amol a poor Tooch hinnerenanner, des hässt, dan gröaßte Teil vo mein Lawe war ich gor net dahäm. Ower vom Gfühl har hob ich in Wasserloase wos gehot, ohne dass des mir in mei Gedanke war, öbbes wos Viele süche und seltn fine, nämlich a „Heimat“. Nit dass ich persönlich die nit a woanersch gfuna hob, ower da wo mer gebuern is, wu mer es erschte mal nei die Welt geguckt hat, des is noch amol anerschter. Des is wie wenn des Durf dir bei dei Geburt scho wos neigeimpft hat, direkt nei dei Erbgut, dass de quasi häufich gezwunge bist, da immer mal wieder hizufoahrn. Und monchmol föhrscht du auf der Autobahn vo Südn nach Nordn und auf ämal meichst du en Schlenker, bei Rütschehause ro, durch Graßelt bis nach Wasserloase, bleist an Moment owe uf die Höha stiehn und guckst äfach blos no. Da föhrt´s dir dann richtich nein Koupf und du denkst dra wie des früher sou woar. Nacher fährschte langsam durch´s Durf, meichst des Fenster auf und schnupperscht die Luft – und inhalierscht wieder a Dosis „Heimat“.

Is oich aufgfalle dass es für „Heimat“ kä Wurd im Dialekt geit? Es geit nämlich käns, wos des sou beschreibt, und es is ja wahrlich a e schües Wurd. Es beschreibt ja äfoch des Gfühl wos mer hoat und des kann mer gor nit anerscht ausdrück, weil Heimat is a innichs Gfühl, sou ganz tief in dir dinn im Bauch, sou warm, wie wenn du grod an Taller Linsesuppe gesse hast. „Dahäm“ dageiche iss wiedr wos annersch, des is äfach, dass mer da is wu mer garn wohnt.

Die Heimat is wos besondersch, des wäß mer und die wird daswache a in viele Lieder beschriewe und besunge. Wenn mer selwer grod in der Heimat is, merkt mer sou direkt nix. Ower sobald du fuet bist, nacher kümmt des Gfühl uf ämol ganz stark zu dir, sou ähnlich wie Bauchwertich, sou wie wenn du zu wenich Nährstoffe hätt´st im Körper, obwohl du gsund bist. Und jetz grod im Winter frierscht du a viel leichter, wenn du fuet muesst, weil dir die Wierm vo dara Heimat fehlt. Wer also kä Heimat hat, oder da nit hikonn, is also quasi krank. Und weil´s in dara Welt sou viel Loit geit, die nit in ihr Heimat sei könne, is also a groaßer Täl vou dara Welt krank. Dabei könnt die Heimat überool sei, da wo du geburn bist, da wu die Loit sen mit dare du dich verstähest, da wo dei Familie is und wu du eigebunne bist in sou a Gflecht mit annere Mönsche und ihr wos gemeinsam mocht. Des wird än ower a grad wieder ou Weihnachte bewusst, wu jeder ächentlich dahäm sei söllt. Und wenn´s daus ganz kalt is und du guckst zum Fenster naus nein Schnie und mirkst, wie dei Bauch ganz warm is, sou wie wenn du grod a Wirmflöschle drauf geleicht hätt´st, dann isses vielleicht des Heimatgfühl.

Es geit ja des Lied: „Heimatlos sind viele auf der Welt, heimatlos und einsam wie ich“. Ja, mer hat scho a groaße Sehnsucht nach sei Heimat und viele reide davo wie´s is wenn mer känne hat oder grod nit dahäm sei kann. Ich kenn scho Einiche, die höm sofort es Wasser in die Ache wenn sa blos ou Dahäm denke oder blos die Sprach hörn. Stell dir vür du wärscht a Flüchtling, irchendwu in dara Welt, hätt´st du nit a souwos wie Hämkrankert, wärscht einsam und dir wär blos nou zum hoila? Vielleicht sölle mir, die wo in ihrer Heimat senn, jetz grod o Weihnachte a da dro amol denk. Und vielleicht könne mer a, bei dara Gelachehät, irchend jemand a bissle Heimat geb.

Wasserloase is a Dürfle wie viele annere a, nit schüenner, nit gröaßer, awer für mich halt immer nou wie mei Heimat. Und daswache mueß ich äfach immer amol har kumm, wenn ich die Familie besüch, die wu nou da wohnt, oder muess auf a Festla, wenn ma wieder äns is. Und ab und zu will ich a blos a poor Mönscha sah die ich nou kenn und garn mouch.

Und Loit, wenn amol wieder a Auto langsam durch Wasserloasa durchföhrt, wenn des Auto net amol hält, a wenn´s scho Nocht is und wenn änner die Scheibe rokurbelt und sein Rüesl raushengt: es könnt jemand sei, dar äfach ma wieder a bissle „Heimat“ schnupper will.

fa201203

Ein Kommentar zu „Da wo mei Heimat is

  1. Albin, das ist ja wieder herrlich geschrieben, man muss es ganz intensiv lesen.
    Meine Heimat ist „öwerdoll“ und von da möchte ich niemals weg.

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