Emotionale Momente der Geschichte
Es passiert genug in der Welt, Katastrophen, Kriege und sonstige schlimmste Ereignisse. Viele vergisst man sofort wieder, andere bleiben ein Leben lang im Gedächtnis, weil sie mit einer wahnsinnigen Emotionalität verknüpft sind und Herz und Gefühl berühren. Es ist schwer zu sagen, warum gerade diese Geschichte dich berührt und nicht die andere, aber es hat sicher irgend etwas mit deinem eigenen Leben und deiner Art zu leben zu tun.
Ich war schon immer ein Fußballfan, habe selbst seit frühester Kindheit gespielt und habe 1966 das WM Finale miterleben dürfen. In unserem Haus hatten wir eine kleine Wohnung vermietet und diese Mieter hatten einen Fernseher. Mein Vater und ich durften uns das Endspiel mit ansehen. Damals verstand ich noch nicht so viel von Gefühlen, aber meine Mitzuschauer waren danach sowohl wütend als auch traurig, also sehr stark berührt. Das habe ich nicht vergessen.
Ich kann mich erinnern an die 1. Mondlandung der Amerikaner im Jahre 1969. Dies wurde live im Fernsehen übertragen; was für ein sensationelles Spektakel. Ich war damals im Internat, wir waren in der Nacht aufgestanden, um dieses einmalige Geschehen zu beobachten. Ich fand schon damals die Worte richtig, dass dies für die Menschheit ein großer Schritt war, weil so viele Menschen daran gearbeitet hatten. Sie hatten ein Problem, haben Lösungsansätze entwickelt und alles zu Ende gebracht, obwohl die Technik im Jahre 1969 im Vergleich zu heute noch unterirdisch war. Das habe ich nicht vergessen.
Prinzessin Dianas Unfalltod im Jahre 1997 war unwahrscheinlich emotional. Immerhin zählte ich mich schon zu den Erwachsenen, aber wir waren in der Familie alle sehr erschüttert, haben stundenlang vor dem Fernseher gehangen und konnten gar nicht mehr klar denken. Was für ein Verlust war das damals und es war nicht zu begreifen, dass auch so eine glorifizierte Person durch einen Unfall sterben kann. Diese Tage habe ich bis heute nicht vergessen.
Als die Zwillingstürme und das WTC am 11.9.2001 in sich zusammenstürzten, mussten wir die Arbeit unterbrechen. Wir waren gerade dabei eine Garage zu betonieren als die ersten Nachrichten von den Treffern der Zwillingstürme gemeldet wurden. Aufgrund der Dramatik konnten wir nicht mehr arbeiten, gingen nach Hause, um das weitere Geschehen direkt zu beobachten. Man ist einfach fassungslos, dass so etwas überhaupt passieren kann. Die Tage danach, die Aufarbeitung und die Folgen haben uns sehr mitgenommen. Das haben wir nicht vergessen.
In den letzten Tagen war ich wieder sehr mit einem einzigen Thema beschäftigt. Die Wahlen in Amerika sind noch nicht zu Ende und man fiebert dem Ende der Auszählung entgegen. In den letzten Jahren sind ja viele Menschen durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen und es lässt sich so schwer glauben, dass ein einzelner Mensch, ein Präsident, so eine Unruhe in die Welt hineintragen kann. Jetzt, da die Chance groß ist, diesen Menschen wieder loszuwerden, ist man natürlich sehr aufgeregt und verfolgt staunend was alles passiert. Menschen, denen es gut geht, gehen vor der Wahl aufeinander los, aus Angst etwas von ihren Gütern zu verlieren und sie stehen sich mit Waffen gegenüber, um ihre angeblichen Werte zu verteidigen. Dies alles geschieht, weil ein einzelner Präsident, losgelöst von allen moralischen Herangehensweisen, Hass und Zwietracht schürt. Man hätte es sich ja denken können, so wie er, von manchen auch als „Anomalie der amerikanischen Geschichte“ bezeichnet, die letzten 4 Jahre gewirkt hat. Jetzt sitzt man hier und verfolgt die Zahlen der Wahl und fühlt sich mal gut und mal schlecht, je nachdem wie die Auszählung gerade läuft. Es ist schon Wahnsinn, dass eine solche Wahl in meine persönliche Hitliste der „emotionalen Momente“ der Geschichte gelangt. Aber nicht nur in Amerika, nein auch hier bei uns hat es zu einer fühlbaren Spaltung geführt. Es gibt Menschen, die ich mal gemocht habe und zu denen ich in dieser Zeit ein sehr gespaltenes bis ablehnendes Verhältnis entwickelt habe. Gerade heute, während ich die Wahlen in Amerika verfolge, habe ich noch einen Tweet eines dieser Menschen, der gerade auf dem Weg nach Leipzig zur Querdenkerdemo ist, bekommen: „Ich erwarte heute Hundert Tausende Menschen in Leipzig, die erkannt haben, was die Regierung uns antut. Nur wenige stumpfsinnige, dumme und gutgläubige Menschen folgen noch unserer Regierung, die im Deckmantel der Pandemie ein weltweites totalitäres Regime errichten will ….. und ich bin Anhänger von Trump und Putin“. Diese Aussage ist für mich so Sinn frei, dass sie gar nicht kommentiert werden muss.
Ja und gestern ist es passiert. Trump ist fertig und hat offensichtlich verloren, auch wenn das Endergebnis offiziell noch nicht feststeht. Den meisten fällt ein Stein vom Herzen, die Emotionen kochen hoch und der Tag wird für viele als „Meilensteintag“ in die Geschichte eingehen. Während gerade in Leipzig noch 20.000 Pandemieleugner auf der Straße demonstrieren, wird gerade einer davon völlig demontiert. Das hat auch die Presse rund um den Globus in eine unheimliche Euphorie und Erwartung versetzt; überall kann man das Aufatmen spüren, doch jetzt wird erst mal gefeiert. Man liest schon von Befreiung, von Vertrauen, das wiederhergestellt wird und von der Hoffnung der Verbesserung der frostigen Weltpolitik, ausgelöst durch das Tauwetter, welches Biden und Harris einleiten werden. Viel heftiger urteilt die „New York Times“ über ihren noch amtierenden Präsidenten: „Das amerikanische Volk hat in den Abgrund des autokratischen Nationalismus geblickt und sich entschieden, einen Schritt zurückzutreten. Der vier Jahre anhaltende Angriff des Präsidenten auf die Demokratie wird bald enden“. Auch der „Guardian“ reagiert mit aufgestauter Wut: “Die Wähler haben sich gegen das entschieden was nur als die krasseste, eitelste, dümmste und dysfunktionalste Führung bezeichnet werden kann, unter der dieses Land jemals gelitten hat“.
Also ich freue mich wie viele andere auch. Eines hat Trump erreicht: er wird in die Geschichtsbücher eingehen. Aber nicht durch besondere Leistungen wird er ausgezeichnet werden, sondern er wird immer damit in Verbindung stehen, dass er einfach ein scheinbar kranker Typ war. Trump, ich werde dich nie vergessen. Halleluja !!
fa201108
Lieber Albin, heute muss ich leider das 1. Mal widersprechen! Ich hoffe von Herzen, dass diesem Menschen keine Zeile in den Geschichtsbuechern gewidmet wird. Was wir die letzten 4 Jahre erleben durften, sollte mit nichts anderem als „Ignorieren“ belohnt werden. Dieser Mensch hatte die Aufmerksamkeit und die grosse Buehne fuer eine lange Zeit inne. Meiner Meinung nach reicht das fuer den Rest der Zeit.
Dein gluehender Fan Uli
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