Frauen sind eigentlich wunderbar

Frauen sind eigentlich wunderbar

Die Frauen zu verstehen ist für die Männerwelt wirklich nicht so einfach. Frauen haben so viele Seiten, zu denen wir keinen Zugang haben, und je mehr wir das versuchen, umso mehr werden wir scheitern. Dies alles zu beschreiben ist nicht so einfach. Es liegt nicht nur daran, dass der Chromosomensatz der Frau, im Gegensatz zum Mann, aus zwei X-Chromosomen besteht. Nein, es gibt eine riesige Bandbreite an Unterschieden, woran Männer einfach manchmal verzweifeln, weil kognitives Verstehen nicht möglich ist. Ich habe mir heute mal exemplarisch zwei Felder herausgegriffen: Das Essen und das Einkaufen.

Also gehe mal mit deiner Frau einkaufen. Die Meine hat dazu meist gar nicht so viel Lust, es ist alles zu viel und „eigentlich“ braucht sie ja nichts. Jetzt müsste man definieren was das Wort „eigentlich“ bedeutet. Das Wort „eigentlich“ verstärkt laut Duden im Satz eine Bemerkung oder hebt sie etwas hervor. Wenn sie also sagt: „Eigentlich“ brauche ich nichts, bleibt im Endeffekt übrig: „Eigentlich“ brauche ich!!

Diese Woche habe ich meine Frau mit zum Shoppen in ein Kleidergeschäft genommen. Für eine Einladung zur Hochzeit wollte ich mir ein neues Sakko kaufen, da Corona meine bisher getragenen untersetzten Größen quasi torpediert hat. Es musste also zwingend etwas Neues angeschafft werden. Ich konnte meine Frau, nachdem sie ihren Vortrag über die Vorteile der Gewichtsabnahme beendet hatte, und ich ihr klargenmacht hatte, dass eine notwendige Gewichtsabnahme in den 14 Tagen bis zur Hochzeit nicht funktionieren würde, überreden, mit in die Stadt zu fahren. Aber sie brauche ja nichts. Im Geschäft war ein Sakko für mich sehr schnell gefunden, dazu noch ein Hemd und somit war ich schon fast wieder für die Heimfahrt fertig. Ich war noch am Anziehen, als meine Frau plötzlich mit verschiedenen Blusen, Jacken und Hosen neben mir in der Kabine erschien. Ja, die Teile würden ja doch ganz toll ausschauen, sie würde sie nur mal kurz anprobieren. Von den 8 verschiedenen Kleidungsstücken haben 7 auf Anhieb gepasst, nur die Winterjacke sollte ich noch schnell eine Nummer größer holen. Der zeitliche Aufwand hielt sich wider Erwarten in Grenzen, aber der Preis war sehr hoch. Dafür, dass sie auch diesmal nichts brauchte, hatte sie das Vierfache mehr an Kosten als ich, und ich hatte wirklich was gebraucht. Nachdem wir bezahlt hatten, und aus dem Geschäft gegangen waren, wollte ich gerade einsteigen, als ihr Blick auf das danebenliegende Schuhgeschäft fiel. Sie wolle nur mal schnell gucken, weil „eigentlich“ brauche sie nichts an Schuhen (Ich weiß genau, dass mehrere Reihen ähnlich aussehender Ballerinas unseren Hausgang zieren). Mein schwacher Einwand, sie habe doch genügend Schuhe, schien sie, wie bei Gedankenübertragung, direkt zu den Ballerinas zu führen und zielsicher griff sie sich eines der teureren Modelle. Pro forma wurde ich gefragt, ob die nicht sehr schön seien, und ich musste dies mit leichtem Nicken bestätigen. Kein Mann hätte in dieser Situation nicht genickt. Dafür, dass sie „eigentlich“ nichts brauchte, hatte sie wirklich stark zugeschlagen.

Das Essen ist ein weiteres schönes Beispiel, aber da hat sich meine Frau stark gebessert, da sie weiß, dass ich aufgrund meiner Sozialisation im Internat sehr futterneidisch bin. „Eigentlich“ habe sie ja keinen Hunger, aber wenn ich was essen wolle, würde sie mitgehen und nur was Trinken. Beim Bestellen war sie noch hart geblieben, hatte die Lende, die Steaks, den Sauerbraten und das Hochzeitsessen abgelehnt und nur einen Wein bestellt. Meine Wahl fiel auf das Strindberg Steak mit einem Salat. Zunächst kam dann der Salat, den ich aber zu dem Steak essen wollte. Ob sie mal den Salat probieren dürfe? Ja klar, so schlimm bin ich auch nicht. Scheinbar ohne es zu merken, verschwand während unseres Gespräches Gabel um Gabel des Salates in ihrem Mund und der Teller wurde immer leerer. Ich dagegen wurde innerlich immer unruhiger, denn ich wusste genau, an welcher Stelle im Magen ich den Salat platzieren wollte. Unmerklich verschob ich den Teller langsam auf die andere Seite, so als ob ich Platz für den Hauptgang machen würde, und so konnte ich den halben Salat noch für mich retten. Der Salat schien ihr Appetit zu machen, denn kaum war der Hauptgang aufgetragen, wollte sie schon wieder nur mal probieren.

„Dann bestell dir doch noch was !!“ Das dachte ich nur, denn ich wollte unsere harmonische Stimmung nicht verderben. Ein normales Steak hat nun mal nur ein Standardgewicht von ungefähr 200 Gramm. Wenn man jemanden 2-3 mal probieren lässt (a´ 50 Gramm), fällt das prozentual schon sehr ins Gewicht und vor allem hat man das Gefühl von den übrig gebliebenen gefühlten 50 Gramm nicht mehr so richtig satt zu werden.

„Hat es dir geschmeckt?“ fragte sie. „Ja, natürlich, aber ich bin fast noch ein bisschen hungrig“. Das war nur ein unbeholfener und hilfloser Einwand von mir, denn sofort folgte die weibliche logische Erklärung: „Ach was, von so einem großen Steak muss man doch satt werden. Denk doch nur an deine Sakkos, die im Schrank hängen“. Damit war das Thema erledigt. Aber hätte sie sich nicht was bestellen können?

Auf dem Heimweg fand meine Frau, dass der Abend eigentlich sehr schön gewesen sei, sie sei so froh mal gar nichts bestellt zu haben, und ob wir vielleicht im Anschluss noch ein bisschen auf der Couch….???

Ich sagte: „Eigentlich“ sei ich ja noch hungrig, und müsse zu Hause auf jeden Fall noch einen kleinen Happen vernaschen.

„Oh ja“, sagt sie, und ich konnte ihre Gedanken lesen und das was sie eigentlich wieder verstanden hatte: „Eigentlich ja auf jeden Fall vernaschen“. Ob das Augenblinkern nicht doch vom Hunger kommt?

Frauen zu verstehen ist auch nach gemeinsamen Jahrzehnten nicht so leicht.

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