Fettbrot mit Maggi
Ein gesundes Pausenbrot heutzutage ist von der Zusammensetzung her schon enorm durchdacht und zwar so, dass es vor allem für Kinder gesund ist. Es enthält Ballaststoffe, Eiweiß, Fett und Kalorien im richtigen Verhältnis, dazu noch Vitamine und Mineralien. Das gesamte Paket wird eingewickelt in Küchenfolie, zur Sicherung noch in eine Tupperdose gelegt und das Ganze steckt vorne in dem Kinderrucksack aus Nylon und Polyester. Das muss gesund sein und schmeckt sicherlich wunderbar und man kann sagen was man will, Kunststoff hin oder her: Es trocknet nicht aus und schmeckt wie frischgemacht. Dazu für die Hitze noch ein Kindergetränk, z.B: „Twist and Drink Wildberry“, hergestellt aus gesundem Quellwasser, Zucker, Apfelsaftkonzentrat, Brombeersaftkonzentrat, Heidelbeersaftkonzentrat, Citronensäure und als Konservierungsstoff Kaliumsorbat. Das steht so auf der Packung.
Ja das mag die Kinderseele heute; und damals wären wir auch voll darauf abgefahren. Damals war es bei uns im Kindergarten aber völlig anders: einfacher, strenger, spartanischer. Auch damals gab es schon heiße Sommer, den wir im Kindergarten im Freien verbracht haben. Eine Stärkung von zu Hause gab es auch, vor allem erinnere ich mich nicht so gerne an die Fettbrote. Trockenes Brot mit Schweinefett beschmiert und darauf Maggi als Würze für alles. Getränke gab es keine mit; nur wenn es sehr heiß war, drehte die Schwester den Wasserhahn auf, stellte einen Eimer darunter und dann bekam jeder mit der Schöpfkelle Wasser eingeflößt, ob er wollte oder nicht. Das hat immer erstaunlich frisch und gut geschmeckt. Die Essenszeiten waren streng geregelt und wir mussten unseren Pausen Snack im Sitzen in einer Unterstellhalle zu uns nehmen. Wer aufgegessen hatte, konnte wieder nach draußen zum Spielen gehen. Also ran an das Fettbrot, welches in der Erinnerung durchaus einen angenehmen Geschmack hatte. Geschmack ja, aber sehr trocken. Nach zwei Stunden im Kindergarten ungeschützt in einem Stoffbeutel, eingewickelt in Zeitungspapier, war es nicht nur trocken, sondern nahezu staubig trocken und steinhart. Und gerade war wieder ein heißer Tag. Die Zunge klebte eh schon im trockenen Mund, die Schleimhäute hatten sich zurückgezogen.
„Das Brot wird erst vollkommen aufgegessen, sonst gehst du nicht raus!“
Diese Drohung der Kindergartenschwester, es war eine Ordensschwester, hing wie ein Damoklesschwert in der Luft. Wer schon mal bei starker Hitze und starkem Durst ein ausgetrocknetes Fettbrot mit Maggi gegessen hat, weiß wovon ich rede. Jeder Bissen war eine Qual. Mal quietschte das Fett an den Zähnen, mal knackte das Brot wie ein Kräcker, aber es wurde bei aller Mühe nur minibröckelchenweise kleiner. Zusätzlich wurde die Menge der trockenbrotessenden Kinder in der Halle immer kleiner. Sie hatten ihr Menü geschafft, wahrscheinlich mit Obst oder zumindest mit Streichwurst. Selbst wenn du der Letzte gewesen bist: Die unbarmherzige Schwester hatte keinerlei Mitleid. Schließlich sollten die kleinen Racker doch etwas im Magen haben. Erstaunlicherweise gab es diesmal nichts zu trinken. Draußen tobten die Spielkameraden und ich saß immer noch auf der Holzbank in der Halle und starrte das Brot an. Es gelang mir nicht zu tricksen, ich wurde knallhart beobachtet. Ich biss wie wild auf dem Fettbrotkracker herum, mahlte mit den Zähnen und produzierte eine Art Krümmelstaub dessen größten Teil ich im Prinzip mit kurzen Atemstößen auspustete und ausblies und der sich sofort mit der staubigen Luft vermischte, oder am Boden landete und sich mit der dort vorhandenen Erde verband. Irgendwann hatte ich es geschafft, überstand die Endkontrolle der Schwester und durfte mit letzter Kraft nach draußen zum Spielen.
Ja, es war zwar trocken, aber sehr gesund. Brot, noch original vom Bäcker gebacken aus einheimischem Mehl, Fett vom eigenen Schwein im Stall und das schon damals übliche Maggi. Kein Vergleich mehr zu den heute „ach so gesunden“ Pausenbroten. Ich glaube schon, dass ein Fettbrot mit Maggi das Immunsystem stabilisiert und eine gewisse Härte verliehen hat. Gut, dafür haben die Kinder heute viel mehr Konservierungsstoffe, das soll auch gut sein und das Leben verlängern.
Ich konnte mich jedenfalls nie durchsetzen, meinen Kindern ein Fettbrot mit in die Schule zu schicken.
fa200823
Albin, die Zeiten unserer Kindheit waren nicht so einfach aber doch irgendwie schön, wenn ich so zurückdenke. Fettbrot musste ich allerdings nicht essen, das hätte ich auch nie geschafft😄😄😄
Kann mich aber erinnern, dass mein Opa Franz das oft gegessen hat, auch mit Maggi (wir hatten immer eine große Flasche im Haus) drauf😩😩😩😩
LikeLike