Maskengebrauch
Es gibt Menschen, die müssen sparen, weil sie nicht so viel Geld haben. Ich sehe das ein und habe Nachsicht und bin auch zu Kompromissen und Zugeständnissen bereit, auch im Zusammenhang mit der Dauer des Tragens von Fertigmasken als Schutz vor Corona. Ich frage mich auch selbst, wie lange ich dieselbe Maske tragen sollte. Im Beruf ist das klar, je nach Anforderung und je nach Krankheit des Patienten wird häufig gewechselt. Privat sieht das anders aus. Es wird eine Maske eingesteckt und die wird auch mehrfach verwendet, weil man eben manchmal nur mal kurz in ein Geschäft geht. Jetzt muss ich diese Vorgehensweise auf ihren Sinngehalt überprüfen. Also, wie lange sollte man eine Maske nun verwenden?
Vor 2 Tagen bin ich beim Einkaufen gewesen und habe einen Bekannten getroffen, der vorschriftsmäßig eine Maske trug, eine von diesen Einmalmasken. Da wir gleichzeitig wieder am Ausgang waren haben wir die Masken abgenommen. Im Gespräch über die Masken erklärte er mir stolz, dass dies seit der Krise erst seine zweite Maske sei, die zweite deshalb weil er die erste Maske verloren habe.
„Ob er nur zu Hause geblieben sei?“ fragte ich ihn.
„Nein, er gehe ganz normal weg wie jeder andere auch“, sagte er
“Ja aber diese Masken seien ja nur für den Einmalgebrauch bestimmt“.
„Klar, weiß ich, aber ich will auch ein bisschen sparen, und jedes Mal eine neue Maske?“
Beim Gespräch schaute ich mir die Maske genauer an. Die sichtbare Vorderseite sah in der Tat noch ganz gut aus. Die Innenseite jedoch, vielleicht auch deshalb, weil er Raucher war, ließ mich Grausen. Eine unregelmäßige, speckige Schicht in verschiedenen bräunlichen und grüngelben Farbschattierungen zog meinen analytischen Blick wie einen Magnet an. Diese Schicht hing so fest an der Innenseite der Maske, dass man sicher eine Spatel gebraucht hätte, um diese wieder zu lösen. Die Schicht schien auch einen säuerlichen Geruch auszuströmen, so dass ich vorsichtig, ohne die Kommunikation zu stören, einen winzigen Schritt nach rückwärts machte aus Angst, der ausströmende Duft könnte Material aus der Schicht lösen, mich kontaminieren und mein Immunsystem angreifen. Ich bin da etwas empfindlich und meine Fantasie zeigte mir diese Schicht wie unter einem Mikroskop, so dass ich diesen Morast mit seinen Bakterien und Viren, eingebettet in getrocknetem, ausgehustetem Schleim und Hautschuppen, und den Pilzrasen, der sich in der Luft ganz sachte wie ein Getreidefeld wiegte, genau beobachten konnte. Ich stellte mir kurz vor, ich wäre eine Frau und würde diesen Mann, nachdem er die Maske abgenommen hatte, jetzt küssen wollen. Mindestens eine Trillion von Bakterien und Pilzen und Viren hingen sicher noch in seinem Gesicht, und erst in seinem Mund! Zum Glück bin ich keine Frau, aber ich werde ich Zukunft auch die Masken der Frauen, wegen möglicher Gebrauchsspuren, etwas genauer beobachten.
Schließlich gelang es mir, nach einem kurzen wissenschaftlichen Disput, ihn von der Notwenigkeit zu überzeugen, ab und zu die Maske zu wechseln. Nicht weil das gesunder sei, das hatte ihn nicht überzeugt, aber weil die Kosten für diese Masken nun doch nicht so stark in das tägliche Budget fallen. Ich schenkte ihm noch eine von meinen neuen Masken, die ich eigentlich immer im Auto dabeihabe und stieg ein. Gerade als ich losfahren wollte ging mein Bekannter zum Papierkorb, um die alte Maske zu entsorgen. War es der Wind oder manchmal ist es einfach so: die Maske landete knapp neben dem Papierkorb, ohne dass er es bemerkte. Sie fiel, wie beim Marmeladebrot auch, mit der klebrigen schweren Seite nach unten, so dass die noch gute Seite nach oben zeigte.
Im gleichen Moment kam ein anderer Mann gelaufen und man merkte an seinem erschrockenen Blick und an seinem Griff in die Hosentasche, dass er seine Maske vergessen hatte. Man konnte auch beobachten, wie sein Gehirn in Wallung kam und er alle Möglichkeiten abschätzte, einschließlich der Möglichkeit noch einmal nach Hause fahren zu müssen, um eine Maske zu holen.
Manchmal aber liegt die Lösung nahe. Nachdem sein Blick auf die am Boden liegende Maske gefallen war, wurden alle anderen Überlegungen scheinbar eingestellt. Eilig bückte er sich, griff zu und bis zum Eingang des Geschäftes hatte er die schnoddrige Maske aufgezogen.
Zu Hause angekommen, hatte ich plötzlich doch nicht mehr so viel Appetit auf die frischen Brötchen, zumal im Hintergrund ein Krankenwagen zu hören war, der in meiner Fantasie möglicherweise zu dem Geschäft gefahren war, in dem ein Kunde plötzlich ohnmächtig geworden war.
Meine Masken habe ich überprüft, die sind alle in Ordnung und wenig getragen.
fa200725
Albin, der Mann war Raucher, gut, seine Sache. Aber, ein Päckchen Zigaretten kostet inzwischen 7,00 €.
Masken kann man leicht selber nähen und die kann man auch gut waschen. Die Fertigmasken, habe ich auch schon einige gekauft, sind so teuer auch nicht.
Vielleicht ist der Mann stolz, dass er in Sachen Mundschutz sooooo sparsam ist?????
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