Einst ging ich am Strande der Donau entlang

Einst ging ich am Strande der Donau entlang

Seit meiner frühen Kindheit kenne ich das Lied, welches einmal für ein Volkslied und ein anderes Mal für ein Sauflied gehalten wird.  Ich habe es oft mitgesungen und ich habe es als Musiker oft selbst angestimmt und weil es so eingängig ist, haben viele Menschen das Lied mitgesungen. Noch nie hatte ich auch nur im Ansatz die Idee, dass der Text, wie jetzt angezeigt, eine Vergewaltigung beschreiben und verherrlichen würde. Das erste Mal wurde ich im letzten Jahr auf den zwiespältigen Text hingewiesen. Wir hatten Besuch von einer Freundin aus Berlin. Wir spielten mit den Rhöner Hüttenmusikanten in der Kissinger Hütte und wir hatten Sie einfach mal mitgenommen. Unsere Freundin ist ein sehr differenzierter Geist, sie hatte das Lied zum ersten Mal gehört und der Text war ihr aufgefallen und sie hat das auch sofort angesprochen.

Ich halte mich nicht für oberflächlich, habe aber Spaß am Singen und am Mitträllern, wenn viele Menschen zusammen sind und sich am Singen von Volksliedern erfreuen. Ich habe es immer für ein schönes Lied gehalten; die Melodie ist harmonisch und der Text ist nur Begleitung für die Musik und war für mich gar nicht so wichtig. Zumindest beim Singen habe ich keine Quergedanken gezogen und wenn das Lied fertig gesungen war kam schon das nächste Lied und man dachte über den gerade gesungenen Text nicht mehr nach.

Das Lied ist im vorletzten Jahrhundert entstanden, damals war das Leben sicherlich anders als heute, es gab Kriege, Soldaten, Söldner und eine Menge raues Gesindel in einem rauen Leben. Mag dies der Grund für den Text gewesen sein. Heute muss man nicht mehr alles singen; nationalsozialistische Lieder werden auch nicht mehr gesungen.

In vielen Interviews sprechen sich Menschen nun dafür aus, dieses „sexistische Lied“ nicht mehr zu singen. Jetzt, da ich über den Text nachgedacht habe, werde ich ihn auch nicht mehr in der bekannten Textversion singen können. Dabei finde ich ihn im Endeffekt für mich nicht so schlimm, aber ich kann Rücksicht nehmen. Viele Menschen haben sich jetzt auf das Lied fokussiert und warten wahrscheinlich darauf, bis es irgendwo gesungen wird, um dann ihrem Ärger freien Lauf zu lassen. Nein, das muss ich nicht haben. Bei fast 2000 Liedeinträgen in meinem Archiv finde ich ein anderes Lied oder singe einen anderen Text zu dieser Melodie.

Es gibt in Passau nun eine Bürgerinitiative gegen das Lied und gegen den Bierzelt-Sexismus. Doch Koller, der stellvertretende Passauer Landrat, stellte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur klar: „Mir gefällt das Lied auch nicht.“ Es sei eben ein „uraltes, primitives Sauflied“. Er findet, dass es angesichts der Corona-Krise jedoch wichtigere Themen als das Donaulied gebe. Ich glaube auch das kann ich für mich so hinnehmen.

Wie dem auch sei: Ich werde das Lied in Zukunft in meiner eigenen Version, mit neuem Text, singen, damit die schöne Melodie erhalten bleibt. Wem der Text gefällt, der kann ihn einfach nachsingen. Ich hoffe nicht, dass dann im nächsten Jahrhundert jemand an dem Text Anstoß nimmt.

Ich habe das Lied „Saaletallied“ genannt.

Einst ging ich am Ufer der Saale entlang (Text: Albin Friedrich)

1.      Einst ging ich am Ufer der Saale entlang

oh oh oh olalala

da sah ich ein Mädchen und mir war ganz bang

oh oh oh olalala

II:: da sah ich ein Mädchen und mir war ganz bang ::II

2.         Sie hatte die Beine in Stiefel gesteckt

oh oh oh olalala

ihr schneeweißes Kleidchen hat alles verdeckt

oh oh oh olalala

II:: ihr schneeweißes Kleidchen hat alles verdeckt ::II

3.      Ich sagte ihr freundlich du bist ja so schön

oh oh oh olalala

wenn´s möglich ist dann kannst du jetzt mit mir geh`n

oh oh oh olalala

II:: wenn´s möglich ist dann kannst du jetzt mit mir geh`n ::II

4.      Sie konnt´ sich nicht halten und mir fiel`s auch schwer

oh oh oh olalala

da hört´ ich das Rauschen der Saale nicht mehr

oh oh oh olalala

II:: da hört´ ich das Rauschen der Saale nicht mehr ::II

5.      Nun war sie mein Weibe und ich war ihr Mann

oh oh oh olalala

die Märchengeschichte fing für uns so an

oh oh oh olalala

II:: die Märchengeschichte fing für uns so an ::II

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2 Kommentare zu „Einst ging ich am Strande der Donau entlang

  1. Guten Morgen Albin,
    Dein Text gefällt mir wesentlich besser. Die ursprüngliche Fassung fand ich, muss ich ehrlich sagen, noch nie so toll, man hat halt mitgesungen😄😄, aber drüber aufgeregt hat sich keiner.
    Heut wird ja vieles auseinander genommen, als hätte die Welt keine anderen Sorgen, oder???
    Liebe Grüße, Lore

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  2. Bist Du sicher, dass Du diesen Ausdruck “ Weib“ als Umschreibung für Deine über alles geliebte Ehefrau benutzen darfst? 🙂
    Ich bin mal gespannt, was in dieser Hinsicht noch alles an Scheiß auf uns zu kommt.
    Für meinen Teil werde ich dieses Lied weiterhin voller Inbrunst mitsingen, ein Zigeunerschnitzel mit Genuss essen und mir – wenn ich Lust habe – einen Negerkuss zwischen ein Brötchen quetschen.

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