Dar Zwieflplootz

Dar Zwieflplootz

On mei oma Anna konn ich mi nix mer so genau erinner. Sie war klää und kompakt und hat a Ausstrahlung koot wie a Pulverfoos, des häst es war immer Spannung, wenn du zu ihr gange bist. Zumindest mir Kinner hatte des Gfühl sou und ich gläb ihr Söhn hatte des a. Mei Vadder war änner davo und mir musste rechlmässich zu die Oma gia. Sie war arch goddesfürchtich und wenn mer bei ihr in die Küche oder die Stuba nei is, musste mer sach:

„Gelobt sei Jesus Christus“.

Ich wusst nit so genau was des bedeut, weil ich immer gsacht hab: globbt sei Jesus Christus. Des woard „globbt“ hab ich net gekannt, aber Jesus Christus scho. Des war der am Kroiz, des hat mer uns scho beigebracht, vor allem a die Oma. Sie war arch katholisch und in en annere Lawe wär se vielleicht a Pfarrerin geworn. In der Kirch hat se aufgepasst wie a Luchs, und wenn änner vo ihre Naachkumma gschwätzt hat is se a mol für gelaffe und hat dir a Schelle gawe. Des war natürlich beinlich, aber es war sicher im Nome vo Jesus Christus. Mir hatte beim Onkl Paul, des war ihr annerer Sohn, der wo den Hof geerbt hat, noch a Kuh im Stoll, damit mer als Kinner Milch hatte. Also musste mer öftersch als mir wollte mit unner Milichkännle, nach en Melga, nei zu di Oma laff und die Milich abhol.

„Globbt sei Jesus Christus“. „In Ewichkeit Amen“ hat die Oma geantwurtet.

Ich wollt schnell wiedr fuet, aber sie hat mich direkt erwüscht und mich an en Tüsch gsetzt. „Geh har Bua, ich hob Zwieflplootz gebaggt, da ess a Stück“.

Des war zwar a Privilech, wenn äm die Oma wos gawa hoat. Aber Zwieflplootz damals war ungfähr so wie wenn du hoitzutoch an Zuloot mit Würmer ess sollst. Es is einfach nit gange. Jetzt warscht da awer ganz schüa in dara Zwickmühl. Dare Oma was abschlach ist nit gange, des hat se nit agzebtiert. Also hat se mich an en Küchetüsch gezerrt und hat mir a moards Drum Plootz uf en Daler geläicht. Mei Gsichtsfoarb war a bissla weiß woan, so dass die Oma gsacht hat:

„Is dir nit guat bua”? “Jo mir gäets guet Oma“, hab ich gsacht.

Ich bin awer net um des Essa rumkumma. Sie hat mir zugeguckt wie ich in die Spitza vo dan Stück neigebisse hob, und da hat ich sofort a mords Drum Zwiefl im Maul. Noschluck wollt ich´s nit, also ist die Zwiefl vo ä Ecka im Maul nei die annere gewandert, dass ich fast gegöggt hätt.

„Geh har, ich gab dir noch a bissla Milich dazu“.

Do drauf hob ich fast gewort, denn die Grönung für dan Zwieflplootz is, wenn du noch laufworma Milich dazu trink sösst, wu so a schlappriche Haut owe druf schwömmt. Des is a Doppelgögger. Wie die Oma sich zum Head dreht, hob ich schnell des Stück Zwiefl nei die Hoasa gsteckt und sou getuen als ob ich den erschte Bissa gschafft hätt. Zum Glück war die Oma scho elter und hat öftersch auf den Abbort gemüsst. Schnell hob ich vo die Milich die Haut um en Finger gewickelt und hab se zu die Zwiefl nei die Töscha gesteckt. Is ja egal ob die im Mocha oder in die Töscha zammkumme. Sou is mei Stück Plootz immer klänner wurn und mei Töscha hat sich, statt en Mocha, immer weiter gfüllt.

Ich hat an dem Toch a kurze House an und ich gläb uffene Sandale, es war ja warm. So allmählich hob ich ach gemirkt, dass mir so a lauwarme Brüh langsam die Bä noläfft und sich in meim rachte Schuh sammelt. Es hat arch nach Zwiefl geroche, sonst hätt ich gedacht ich hob nei die Housa gemacht. Jetzt warsch aber Zeit. Wie die Oma wieder kurz nausgange is, hob ich schnell die Milich zurück neis Milichhöfele gekippt und mir den Rand vom Plootz nein Maul gsteckt, während der Rest vom Plootz wie in ner Sickergrube in mei Töscha rumgschwömmt is.

„Sou du hast ja alles gschafft Bua. Geh har ich gab dir noch a Stück“.

„Nä, Dankschüa Oma, ich muess doch jetzt häm. Die worta auf die Milich“

„Globbt sie Jesus Christus“. Schnell hob ich mei Milichkännla gschnappt und bin davo gelaffe. Mei rachter Schuh hat gequietscht und ich hab bei jedem Schriet en Tapser gemacht. Aber ich war entronnen.

„In Ewichkeit Amen“ hat se mir noch nachgeruefa, weil se sich gfräht hat, dass mir dar Plootz sou guat gschmeckt hat. Die Oma war zufriede weil ich se so schö gegruesst hab. Ich bin awer dahäm ganz schö gschend worn weil ich mei Housa versaut hat, aber ich hob der Muetter alles gebeicht.

Heutzutach mouch ich dan Zwieflplootz garn, aber es hat a boor schöne Joahr gedauert.

Bloos a die runzeliche Haut auf die Milich hab ich mich bis hoit nit gewöhnt.

fa300620

3 Kommentare zu „Dar Zwieflplootz

  1. Albin, ich kann Dich verstehen, bis zum heutigen Tag könnte ich keinen Zwieflplootz essen, geschweige denn Milch und noch dazu mit Haut😩😩, trinken. Da schüttelt es mich.
    Aber toll geschrieben👍👍👍

    Like

  2. Wenn ich auch etwas Schwierigkeiten mit dem Dialekt hatte,so eine Situation kenne ich auch.Bei mir war es Fleisch,was ich nicht essen wollte.Nicht zu Hause, da gab es das höchst selten, sondern bei der Verschickung im Kinderkurheim.Ich behielt es im Mund und beim Spaziergang spuckte ich es aus.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar