Elsa liebt mich
Gerade jetzt in der Krise mit den Schlachtbetrieben wird mir wieder bewusst, was alles in unserer Fleischindustrie schiefläuft. Möglicherweise bin ich selbst am meisten schuld, denn ich habe jahrelang zu dieser angestiegenen Massenpopulation von Schweinen und Rindern beigetragen. Ich war aktiv dabei, habe mein Sperma verteilt an alle, die es haben wollten und ich war gut darin. Ich war gut darin, das Sperma genau dort zu platzieren wo es hinsollte und hatte somit eine hohe Trefferquote und damit hohe Nachkommenszahlen. Damals habe ich den Bereich Mittelfranken und vor allem auch die Oberpfalz unsicher gemacht und es gab eine Zeit, in der die meisten Nachkommen in dieser Gegend unmittelbar von mir waren. Künstliche Befruchtung war im Trend, man konnte sich sein Zuchttier aussuchen und gezielt einsetzen. Damals hatte ich, da ich Tiermedizin studieren wollte, eine Ausbildung als staatlich geprüfter Besamungstechniker gemacht – das gibt es heute noch – und habe im Anschluss daran eine Zeitlang in der Besamungsstation gearbeitet.
Als Besamungstechniker kommt man sehr viel herum, landet in Gegenden, in die man sonst nicht hinkommt, und lernt sehr viele Leute kennen. Oft kam man auf dem Bauernhof an und es hing nur ein Zettel dort: „Elsa, 3.Kuh von links“. Also bin ich auf die Suche nach Elsa gegangen, habe sie geprüft und wenn Elsa wirklich soweit war, habe ich den Samen vorbereitet. Ich habe den tiefgefrorenen Samen aus dem Behälter mit flüssigem Stickstoff entnommen, aufgetaut und in das Führungsgerät eingelegt. Dann zog ich Handschuhe an, die bis zur Achsel gingen und habe den rechten Arm in den Darm eingeführt. Ich habe kurze Arme, deshalb war ich oft bis zur Achsel im Darm. Dann habe ich versucht die Gebärmutter zu fassen und die Tuben zu finden, denn an der Gabelung der Tuben musste der Samen abgesetzt werden. Mit der linken Hand wurde das Besamungsgerät eingeführt und an der richtigen Stelle der Samen abgesetzt. Eine anschließende Massage der Klitoris sollte die Fruchtbarkeit erhöhen. Wenn man Glück hatte, hat sich der Darm nicht gewehrt, sonst hat man eine feuchte Wolke aus Luft und viel Material abbekommen. Ausweichmöglichkeiten gab es nicht viele, wenn man mit dem Arm bis zur Achsel in der Kuh steckte. Junge Kühe haben sich stärker gewehrt, wussten sie doch, dass sie jetzt um das Vergnügen eines Bullenbesuches kamen. Deshalb haben sie häufig nach hinten ausgetreten, manchmal sogar mit 2 Beinen auf einmal.
Zu meinen Kühen hatte ich eher ein inniges Verhältnis. Es ging los, sobald man den Stall betreten hat. Brünstige Kühe können dich ganz verliebt anschauen mit, in dieser Zeit auch nach oben gerollten, unglaublich großen Wimpern, auf die jede Frau neidisch wäre. Sie senken den Kopf und schauen dich von unten und von der Seite richtig verliebt an, so dass du unweigerlich denkst, „du wirst Meine sein“. Dann entfährt ihnen ein tiefes seufzendes und sehnsüchtiges Muhen, das man nur in dieser Zeit hören kann. So kann man Elsa auch finden, wenn du den Standplatz nicht weißt. Dann musst du beim Betreten des Stalles nur schauen welche Kuh dich gerade verliebt anschaut. Die ist die Richtige. Das würde man sich schon mal auch von der eigenen Frau wünschen, diesen sehnsüchtigen, fast lüsternen Blick, der dir sagt: „Nimm mich jetzt und mache mit mir was du willst“.
Bei Schweinen ist das ein bisschen anders, auch das Besamungsgerät sieht deutlich anders aus. Schweine schauen dich nicht an, aber die Erregung ist bei ihnen deutlich zu spüren. Vor allem, wenn man sie mit einem sogenannten „Eberspray“, welches den Geruch eines Ebers imitiert, ansprüht. Sie bleiben einfach an der Stelle stehen, die Ohren senkrecht nach oben und es jagen zitternde Wellen über den Körper. Sie machen keinen Mucks, bis du mit ihnen fertig bist. Hier wird das Besamungsgerät in den Gebärmutterhals wie in ein Gewinde eingedreht und dann der Samen abgesetzt. Auf brünstige Schweine könnte man sich setzen, sie würden dich nicht abwerfen, sondern das als zusätzlichen Effekt genießen. Aber ich bin ja kein Eber, sondern nur ein staatlich geprüfter Besamungstechniker.
Klar hat man Schutzkleidung an, aber nach 20 besuchten Ställen und nach dem Sprühen des Sprays hat man selbst einen Geruch angenommen, der dem eines Bullen oder Ebers fast ebenbürtig ist und man gewöhnt sich daran. Man fährt sehr viel in der Gegend umher und wir hatten eine Flotte von gelben VW-Golfs, auf denen links und rechts der Schriftzug „Besamungsstation“ stand. Diese Autos waren immer ein Hingucker.
Einmal habe ich einen jungen Mann mitgenommen, der an der Straße stand und getrampt ist. Ich weiß nicht ob er nur irritiert war oder ob die leicht verdrehten Augen schon eine drohende Ohnmacht andeuteten. Dann fing so langsam der Würgereiz bei ihm an, so dass ich ihn nach nur wenigen Kilometern, trotz Regen, wieder aussteigen lassen musste. Ich bin sicher, er wird nie wieder in seinem Leben in ein gelbes Auto mit dem Namen „Besamungsstation“ einsteigen. Dass meine damalige Freundin in Würzburg nicht unbedingt wollte, dass ich sie regelmäßig besuche mag auch damit zusammengehangen haben.
Meine Frau hat sich dagegen bis heute nicht über meine fortgeschrittenen Kenntnisse in Sachen „Besamung“ beschwert. Denn: „Gelernt ist halt gelernt“!
fa200629
Albin, was für ein interessanter Bericht😄😄😄
Kann mir aber nicht vorstellen, dass diese Arbeit „Spass“ macht?????
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Sorry, aber vor lauter Lachen komme ich nicht zum Schreiben. Album, ich werde Dich von nun an mit ganz anderen Augen betrachten.
Lol, ich lach mich kaputt. Fisting ist also wirklich kein Fremdwort für Dich. 😂😂😂😂
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