Nachtigall ich hör dich singen
Was für ein Schauspiel.
Bei uns, auf dem Firstbalken des Hauses, brüten in diesem Jahr die Eichelhäher. Und gerade vorgestern Abend haben die Jungen beschlossen das Nest zu verlassen. Warum auch immer. Meiner Meinung nach viel zu früh, denn der Flug ging in alle Richtungen, aber relativ steil nach unten, also mehr ein Fallen mit heftigem Flügelschlagen. Und sie landeten bei mir im Garten, im Hof und bei den Nachbarn. Das Junge im Hof machte seine Bauchlandung direkt vor der erschrockenen schwarzen Katze, die aber dann sofort in den Angriff übergehen wollte. Nur mit Mühe konnten wir das Kleine retten, und ich musste es in die Hand nehmen und hochheben. Dadurch erschrak das Junge so sehr, dass es mit einer sehr lauten, anklagenden Stimme das Krächzen anfing. Die Eichelhäher-Eltern waren sowieso total aus dem Häuschen, jetzt aber flippten sie aber vollkommen aus. Sofort flogen sie Angriffe wie Sturzbomber und berührten dabei sogar meinen Kopf. Nach einiger Zeit hatten wir alle Nachkommen eingesammelt und auf das Dach gesetzt, um sie vor der Katze zu schützen. Was so ein krächzendes Junges ausmacht, und dessen Eltern zu todesmutigen Angriffen verleitet, ist kaum zu glauben.
Wie hört sich eigentlich der normale Gesang des Eichelhähers an? Auf YouTube fand ich Tonaufnahmen von Eichelhähern und dachte mir, diese mal über die im Garten installierte Musikanlage laufen zu lassen. Kaum hatte ich die Aufnahme angestellt, flogen die Eltern wieder Angriffe auf mich, während ich am Gartentisch saß, so als ob immer noch ein Junges in Not wäre. „Ist ja Wahnsinn“, dachte ich.
Ich ließ die Situation sich nun beruhigen und wartete bis zur Dämmerung. Jetzt war ich im Vogelfieber, suchte Aufnahmen von Amseln und stellte die Lautstärke auf „deutlich hörbar“, die Nachbarn sollten ja auch was davon haben, und lauschte dem Amselgesang. Schon lange hatte ich bei uns im Garten keine Amsel mehr gehört. Es war so melodisch und vertraut. Nachdem wieder eine Weile vergangen war, dachte ich mir, nun wäre die Zeit für eine Nachtigall. Auch eine Nachtigall hatte ich lange nicht mehr gehört und das fröhliche, sehr abwechslungsreiche Flöten schallte durch den Garten und verbreitete sich bis weit in die benachbarten Grundstücke. Sicher hat dies allen Zuhörern in der Nachbarschaft wunderbar gefallen, da war ich sicher. So einen schönen Gesang hört man doch wirklich selten. Jetzt war es ganz dunkel geworden und ich saß da und überlegte. Wir leben ja in einem Dorf; da sollten auch typisch Geräusch nicht fehlen. Dazu musste ich jedoch am nächsten Morgen sehr früh aufstehen. Und dann, so gegen 5 Uhr, ließ ich das Geschrei, das Gegackere und das Gluckern einer ganzen Hühnerschar und dazwischen auch den lieblichen Dominanzruf eines Gockels erschallen. „Jetzt spinnt der ganz“, müssen die Nachbarn wohl gedacht haben, obwohl keiner lauthals Beschwerde einlegte. Bestimmt lagen sie noch alle im Bett und die Hühner weckten mit Sicherheit viele Erinnerungen an die Kindheit und führten zu süßen Träumen. Es hat niemanden gestört, kein Rollo ging hoch, kein Vorhang hat gewackelt. Doch auch wenn es Jemandem nicht gefallen hat, so wird er dies wohl akzeptieren müssen.
Der Tag verging und auch die Nacht. Am nächsten Morgen wollte ich im Garten frühstücken, ein herrlicher sonniger Tag stand quasi vor der Tür. Ein bisschen Musik wäre da sicherlich ganz angenehm zu frischen Brötchen und selbstgemachter Erdbeermarmelade und Honig. Doch kein Laut kam aus den Lautsprechern obwohl die Anlage lief. Sollte das Gegackere die Lautsprecher kaputt gemacht haben? Ich ging auf Ursachenforschung und überprüfte die Kontakte. Alles in Ordnung. Doch da plötzlich, in der Mitte des freiliegenden Lautsprecherkabels, eine jähe Unterbrechung. Ein glatter Schnitt und auch wenn die Schnittflächen nahe beieinander lagen kam kein Laut mehr aus den Lautsprechern. Das muss mit einem Messer oder einer Schere gemacht worden sein. Ich kann nur vermuten, …es wird doch nicht, …… dass doch einer meiner lieben Nachbarn …..? Aber ich will niemanden beschuldigen, finde aber die Ignoranz mancher Menschen den Lauten der Natur gegenüber nicht in Ordnung. Dabei muss ich mir ja auch allerhand aus der Nachbarschaft anhören. Und überhaupt, vier Häuser weiter steht die Kirche, deren Glocken jede Stunde läuten, auch in der Nacht. Noch nie hat jemand in der Kirche die Glockenseile durchgeschnitten. Aber das kann sich ja ändern, das werden wir ja sehen.
Sofort mache ich mich auf die Suche nach einer Schere. Euch werd´ ich´s zeigen, euch Nachbarn. Auge um Auge, Gockel um Glocke.
fa200608
Wer zum Teufel macht denn so etwas?????
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