Es kommt die Zeit und dann ist Covid-19 auch wieder abgehakt.
Wir haben gesehen – und hoffentlich bleibt das auch in den Köpfen – dass Vieles was wir haben: unser Gesellschaftssystem, unser Krankensystem, unser politisches System und unsere Familien, dass dies alles wichtig ist. Sonst eher gering geschätzte Berufe, wie die Kranken- und Altenpflege, die Lehrer und Erzieher, die Verkäuferinnen, die Versorger allgemein, haben jetzt einen wichtigen Status erlangt und sind plötzlich systemrelevant. Das sollte unserer Gesellschaft zumindest eine höhere finanzielle Vergütung wert sein.
Wie gehen wir in Zukunft mit der Umwelt um?
Ein Lern- und Umdenkprozess hatte angefangen, wurde jedoch jetzt in den Hintergrund gedrängt. Der Himmel ist blauer als vor wenigen Monaten, die Luftverschmutzung deutlich reduziert; Klimaziele könnten wieder in Reichweite sein. Diese guten Ergebnisse können sich schnell wieder ändern, wenn die Industriemaschine wieder hochfährt. Wollen wir genau das oder schaffen wir uns gleich andere Technologien an, die auch für die Zukunft tragbarer sind? Es braucht Entlastung von Klima und Umwelt und es braucht Perspektiven für die Beschäftigten. Beides ist gut miteinander vereinbar, wenn man es nur will.
Es wird die Aufgabe des nächsten Jahrzehntes sein diesen gordischen Knoten zu lösen. Es braucht die Wirtschaft und dessen Wachstum wegen der Arbeitsplätze, aber wir können nicht so weitermachen wie bisher, das würde noch mehr Natur zerstören und letztendlich Arbeitsplätze und Leben vernichten.
Die Gesellschaft wird sich durch die Krise verändern.
Ich zumindest habe wahrscheinlich Freunde verloren, weil ich nicht an deren Verschwörungstheorien glaubte und sich unvereinbare Gegensätze auftaten. Es ist zu sehen, dass sich Länder in Europa und auch Bundesländer in Deutschland wieder viel mehr abschotten und ihre eigenen Lösungsstrategien suchen. Es ist jedoch positiv zu merken, dass in der Krise auch mal schnelle Hilfen und Lösungen ohne den üblichen Bürokratismus gefunden werden. Auch für das Klima sollten weitere unbürokratische Hilfen gefunden werden, denn auch dadurch drohen für die Zukunft soziale, ökologische und ökonomische Krisenszenarien.
Unser Gesundheitssystem funktioniert gut.
Auch weltweit steht Deutschland, im Vergleich mit vielen andern Systemen, sehr gut da. Es gibt im Notfall genügend Krankenhausbetten und medizinische Technik. Die Ausstattung mit dem Personal ist jedoch schwierig. Zwar systemrelevant, aber, wie schon gesagt, deutlich zu wenig wertgeschätzt und bezahlt. Diese Aufrüstung wird viel Geld kosten, und um für kommende Krisen gerüstet zu sein, muss Material und Medizin vorgehalten werden.
Die Finanzierung der Krankenhäuser sollte nicht nur von privaten börsenorientierten Gesellschaften, sondern auch vom Staat durchgeführt werden. Es darf dabei nicht nur um Gewinn gehen denn das kostet Menschenleben.
Es braucht auch eine viel bessere Vernetzung der Leistungserbringer, es braucht den Austausch von Daten und die elektronische Patientenakte, ohne dass man Angst vor Missbrauch haben muss.
Es braucht auch ein besseres Bewusstsein der Patienten für Krankheiten. Gerade jetzt ist es so, dass man als Arzt den Patienten bei banaler Erkältung gar nicht sehen muss und ihn einfach per Telefon krankschreiben kann. Dies war vor der Krise, wäre dem Patienten etwas zugestoßen, noch ein ärztlicher Kunstfehler. Und ehrlich gesagt, nicht jede Erkältung muss der Arzt sehen, nicht jeder Rückenschmerz braucht ein CT und nicht jeder Bauchschmerz eine Magenspiegelung. Man hört zu oft von den Patienten: „Aber das steht mir doch zu“.