Und danach???
Ja, es geht wieder aufwärts. Die Lockerungen sind schon spürbar. Auf der Autobahn sind merkbar mehr Fahrzeuge unterwegs und im Alltag füllt sich der öffentliche Raum wieder mit Menschen. Endlich wieder zurück in die alte Normalität. Normalität? Oder zurück in das alte gewohnte Chaos. Der Wendepunkt ist da und genau an dieser Stelle ist es ganz gut sich zu fragen was man selber will und was die Zukunft bringen soll.
Wenn mein Rechner abgestürzt ist und nur die Festplatte gerettet wurde, gehe ich in mein Computergeschäft und die spielen auf den neuen Computer alle Programme und Daten 1:1 wieder auf. Neuer Computer mit allem was an alten Daten vorhanden war, die wichtigen Sachen und auch der ganze Mist, den man mal produziert hat und die außerdem die Programme, die auch sonst nicht so richtig gelaufen sind. Ist es nicht besser, genau jetzt etwas Mühe zu investieren und nur die wirklich guten und wichtigen Dinge in die neue Zeit mit hinüber zu nehmen, ohne den alten Ballast? Es kostet Zeit und die Mühe des Nachdenkens, aber es rentiert sich.
Zumindest für unseren ländlichen Lebensraum habe ich festgestellt: die Menschen sind, mit kleinen Einschränkungen, nicht unzufrieden mit der Situation wie sie bis jetzt in den letzten Wochen war. Der Termindruck, der einen aufgefressen hat, der Freizeitstress, den man sich selber gemacht hat, die ganze Tagesroutine, die einen gelenkt hat. Wir haben alles mitgemacht, weil es nun mal so war. Man reflektiert nicht mehr was man eigentlich will, sondern man funktioniert, weil es so ja auch läuft.
Jetzt bietet sich die große Chance für jeden und auch für die Gesellschaft, die Zukunft neu zu überdenken und neu zu planen und so manches anders zu machen. Wir können, da wir aus unserer Alltagsroutine herausgerissen wurden, und damit auch unsere Komfortzone aufgebrochen ist, jetzt unser Leben und unsere Zukunft mehr aus der Distanz betrachten. Vielleicht beschleicht uns das Gefühl, dass unser normales Leben gar nicht so normal war. Immer weiter, immer schneller, immer höher? Ich habe mich schon immer gefragt, wie weit das noch gehen soll, und es kann doch gar nicht sein, dass es immer so weiter geht.
Eine Krise bedeutet Änderung und in der Krisenzeit werden Alternativen zum bisherigen Leben wieder in den Vordergrund gerückt und neu überdacht.
Und wäre es wirklich so schlimm, wenn sich einzelne Dinge jetzt ändern, auch solche Verhaltensregeln, die bis jetzt unabänderlich waren? Doch so viele Menschen jammern und klagen über diese vermeintliche Einschränkung von Grundrechten und Verlust von persönlicher Freiheit.
Nimmt etwa die Lebensqualität ab, wenn man nicht mehr im Billigflieger für 79 Euro oder weniger nach Mallorca fliegt und sich dann auch noch beschwert, dass trotz des niedrigen Preises kein Essen dabei ist?
Sind innerdeutsche Flüge unbedingt notwendig, da auch der Zeitgewinn nur gering ist?
Sind Kreuzfahrtschiffe so wichtig, dass ein Verbot meine Grundrechte einschränkt?
Muss ich mit dem Benziner nach München und zurück fahren, nur weil ich etwas schneller da bin? Klar muss ich mein Elektroauto laden, das dauert in der Tat etwas länger als Benzin zu tanken. Aber ich komme entspannter an, habe das Geld für 720 km Benzin gespart und etwas für die Umweltbilanz getan.
Was wurde geschimpft als die Pflicht kam, im Auto die Sicherheitsgurte anzulegen, wie schlimm war es für viele, als das Rauchverbot kam. Jetzt will doch wirklich keiner mehr zurück, denn die Todesfallraten für diese Bereiche wurden dramatisch gesenkt. Und auch das alles war immer verbunden mit dem Vorwurf, die Grundrechte würden eingeschränkt.
Sollte die Erderwärmung weiter ansteigen, wird wirklich alles anders. Die Lebensumstände werden so katastrophal sein, dass dann ein Leben ohne verordnete Einschränkung von Grundrechten gar nicht mehr möglich ist. Der gesamte gesellschaftliche Luxus muss reduziert werden, damit langfristig die Grundrechte nicht eingeschränkt werden müssen. Das sollte so irgendwie in die Köpfe rein.
Jetzt ist wieder mal der Moment „Krisenzeit“, in der wir einfach merken, dass wir menschliche und sterbliche und natürliche Wesen sind. Zum Glück und wegen unserem guten Gesundheitssystem und der vorrausschauenden Politik, hat uns das Sterben nicht so getroffen. Wir leben in und mit der Natur und ohne eine einigermaßen intakte Natur können wir nicht leben. Auf keinen Fall stehen wir über der Natur. Es ist klar, dass die Zerstörung der Natur, das Eindringen des Menschen in Naturreservoirs und Lebensräume der Tiere solche Ausbrüche wie Covid 19 begünstigen. Den meisten Wissenschaftlern ist auch klar, dass dies nicht der letzte Ausbruch sein wird. Möglicherweise war dies nur die Generalprobe für die nächste Pandemie.
Toller Beitrag, Albin 👍
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