Der kleine grüne Wanderer – Das Problem unter der Maske
Beim Niesen entsteht eine kleine Explosion. Mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde schießt das Sekret aus Schleim und Tropfen aus dem Mund heraus. Entscheidend ist, dass die Tröpfchen nicht einfach geradeaus fliegen. Sie bewegen sich in einem komplexen Gebilde von Kaskaden durch die Luft, nachdem sie den Mund verlassen haben.
Unter hohem Druck und mit hoher Geschwindigkeit schießt die Flüssigkeit beim Niesen heraus und vermischt Tröpfchen mit Schleimhautsekreten aus Mund und Nase. Sie vermischen sich dann zu einer Wolke aus großen und kleinen Tropfen. Die dicken fallen früher heraus, während kleinere Tropfen länger in der Wolke bleiben und immer wieder neu verteilt werden. Diese können bis zu zwölf Meter weit fliegen, deutlich weiter als noch vor einigen Jahren angenommen. Gefährlich sind also auch die Tropfen, die nicht durch direkten Kontakt auf der Haut landen. Sie übertragen zum Beispiel Grippe-, Masern, – und Coronaviren nicht nur über die Luft. Sie lagern sich auch auf Oberflächen ab oder erreichen Belüftungsanlagen an der Raumdecke, die dann die Tropfen und damit auch Viren durch die Luft wirbeln und im ganzen Raum verteilen.
Bei jedem Menschen hört sich das Niesen anders an. Einige bemühen sich, die kleine Explosion, die sich kaum unterdrücken lässt, dezent zu gestalten. Andere schnauben so laut und heftig, dass die Umgebung zusammenzuckt, oder verpacken die Körpereruption in ein ausgesprochenes: „Hatschi!“ Auch beim Sprechen gibt es kleine Wolken; somit ist das Tragen von Masken auf jeden Fall notwendig.
Bei mir ist das Niesen eine ausgesprochene Granatenexplosion. Bei mir ist das Niesen nicht nur eine Kaskade von Tröpfchen, es ist einfach mehr. Das Niesen in die Hand: da kann ich direkt zum Waschen gehen. Das Niesen in die Ellenbeuge: das Hemd kann ich bestimmt wechseln. Das Niesen unter der Maske; ich kann mir das gut vorstellen. Ich habe da einschlägige Erfahrungen.
Wie gesagt, das Niesen ist bei mir mehr. Neulich war ich bei meinen Bienen und hatte die Schutzhaube auf, da die Bienen, es war schon ein schwüler Tag, heftig und auch aggressiv geflogen sind. Vorne an der Maske ist ein Gitter aus Flies mit so kleinen Öffnungen angebracht, sowohl zum Schutz als auch zum Durchschauen. Hier passen die Bienen garantiert nicht hindurch.
Ausgerecht jetzt fing es an – wahrscheinlich durch die Polle – mir heftig in der Nase zu kitzeln. Empört habe ich die Nasenspitze verzogen um diesen Reiz zu unterdrücken. Ging nicht. Ging gar nicht. Ehe ich mich versah, begann der Prozess des Niesens sich unaufhörlich seinen Weg zu bahnen. Niesen ist wie gesagt bei mir mehr. Und es kam auch mehr. Also nicht nur eine Kaskade von kleinen unsichtbaren Tröpfchen, es war mehr ein Vulkanausbruch mit Lavaeruption. Das alles spielte sich unmittelbar vor meinem rechten Auge ab; ich hatte quasi alles klar im Blick.
Die Lava stellte sich bei mir als ein Klumpen von grünlichem Material heraus, welcher wie ein Geschoss den Mund-Rachenraum verließ und nach kurzem Flug von innen an dem Flies hängen blieb. Durch den plötzlichen Stopp wurde die Flugenergie in Druckenergie umgewandelt und das wabernde grüne Fluggebilde wie ein Pfannkuchen gegen das undurchdringliche Flies gepresst, um sich dann, eine Millisekunde später, durch die Adhäsionskräfte wieder zusammenzuziehen, um eher wieder die ideale Form einer Kugel anzunehmen. Auch diese Form hielt nicht lange und die klebrige Masse wurde durch die Schwerkraft nach unten gezogen. Langsam bildete sich an der Unterseite ein spitz zulaufender Kegel, der zunehmend die über ihm hängende Masse nach sich zog. Als wenn Leben in ihm wäre, rollte und zog sich so das ausgehustete Gebilde, wie ein Lebewesen aus einem Science-Fiction-Film, langsam nach unten, bis es in meinem Halsausschnitt verschwand. Das Gefühl, wenn ein mittlerweile erkaltender Schleimpfropfen auf der nackten Haut ankommt und in das Hemd kriecht, möchte ich nun nicht weiter beschreiben.
Wichtig ist, dass ich dem Versuch widerstand die Bienenhaube abzunehmen. Da wären mir einige Bienenstiche sicher gewesen.Wichtig ist zu wissen, dass dies auch unter einer normalen Atemschutzmaske passieren kann, wie sie jetzt überall angeboten und gefordert werden. Allerdings haben viele Masken eine Querfältelung die diese kleinen grünen und zähen Wanderer einfach aufnehmen kann.
Also: die Maskenpflicht ist notwendig und das Niesen unter der Maske ist erlaubt.
Albin, das war eine sehr schöne Situationsbeschreibung. Konnte mir es bildlich gut vorstellen….. freue mich auf deinen nächsten Bericht:) LG
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Guten Appetit 🤮
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