Zusammenfassung Verschwörungstheorien/Pascal Wagner-Egger/Psychoscope 2/2018
Immer noch und immer wieder werde ich mit Verschwörungstheorien konfrontiert. Es wundert mich wirklich sehr, dass sogar Menschen aus meinem nächsten Umfeld Anhänger solcher Theorien sind und mir, gut gemeint, ihre vermeintliche Wahrheit über das System, die Regierung und die Weltpolitik näherbringen wollen. Das zwingt mich jetzt wieder dazu, mich erneut damit auseinander zu setzen. Vergleiche ich diese mir bekannten Personen miteinander so finde ich bestimmte Ähnlichkeiten und Muster, die auf eine bestimmte psychische Grundstruktur hinweisen. Ein Bericht im Psychoscope 2/2018 bietet hierzu eine gute Übersicht. Der Einfachheit halber habe ich diesen Artikel zusammengefasst.
Verschwörungstheorien gab es schon immer, derzeit haben sie jedoch Hochkonjunktur, insbesondere im Internet und den sozialen Netzwerken. Viele Menschen glauben an solche Theorien, wobei unter Verschwörungstheorie eine naive Erklärung eines gesellschaftlich bedeutenden Ereignisses wie der Tod eines Promis, eine Klimakatastrophe, ein Terroranschlag oder Flugzeugabsturz verstanden wird, welche die offizielle Version infrage stellt und eine Intervention einer im Verborgenen agierenden Gruppe annimmt. Dabei ist die große Mehrheit der im Internet und anderswo kursierenden Verschwörungstheorien im besten Fall spekulativ und im schlimmsten Fall absurd.
Statistisch gesehen steht fest, dass der Großteil der Verschwörungstheorien falsch ist. Doch das größte Problem besteht nicht darin, dass sie kaum oder nicht fundiert sind, sondern darin, dass sie zu Risikoverhalten führen können, wie der Verweigerung von Impfungen oder gar Terrorismus.
Seit einigen Jahren bemühen sich Forschende der Psychologie, die persönlichen und sozialen Faktoren zu identifizieren, die Menschen dazu bringen, an Verschwörungstheorien zu glauben.
Forschende identifizierten mehrere kognitive Prozesse beziehungsweise Verzerrungen: Personen, bei denen der Glaube an Verschwörungstheorien am ausgeprägtesten ist, tendieren stark zu Anthropomorphismus, das heißt, sie schreiben Gegenständen und
Tieren menschliche Intentionen zu. Zudem wurde in einigen Studien, beispielsweise in den 2011 und 2014 veröffentlichten Arbeiten des Psychologen Viren Swami, eine negative Korrelation zwischen Intelligenz und Verschwörungstheorien festgestellt. Insbesondere eine experimentelle Studie zeigte, dass ein stärkerer Glaube an Verschwörungstheorien mit einer Art intuitivem, nichtrationalem Denken sowie einem geringeren Maß an analytischem Denken und Offenheit einhergeht.
Häufig besteht auch die Neigung, bedeutenden Ereignissen, wie dem Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997, bedeutende Ursachen zuzuschreiben. Beispielsweise eine Verschwörung, statt schlicht und einfach Pech, als Ursache eines Unfalls zu vermuten.
Auf soziopolitischer Ebene wurde die Verschwörungsmentalität in zahlreichen Forschungsarbeiten mit einem Gefühl der Anomie – einer Mischung aus Misstrauen gegenüber den Behörden, dem Gefühl, keine Kontrolle über sein Leben zu haben, und Unzufriedenheit – sowie mit einer extrem rechten (und manchmal, wenngleich seltener, extrem linken) Gesinnung in Zusammenhang gebracht. Durch diese Merkmale wird der Glaube an Verschwörungstheorien zu einer spezifischen politischen Haltung, die für gesellschaftliche Randgruppen charakteristisch ist.
Auf Ebene der Persönlichkeit besteht ein Zusammenhang zwischen dem Glauben an Verschwörungstheorien und bestimmten tendenziell pathologischen Merkmalen wie der Schizotypie – eine Persönlichkeitsstörung, die durch Paranoia (das Gefühl, beobachtet zu werden, dass andere einem etwas verübeln und so weiter) sowie durch eine zur Isolation führende Sozialphobie gekennzeichnet ist und mit wahnhaften Verhaltensweisen und Gedanken einhergeht. Darüber hinaus wurde in der Forschung ein Zusammenhang zwischen Verschwörungsglauben und geringem Selbstwertgefühl festgestellt.
Die von der Forschungsgruppe (Jan Willem van Prooijen) befragten Personen tendierten in Situationen der Unsicherheit beziehungsweise fehlender Kontrolle in stärkerem Masse zu Verschwörungstheorien, um wieder das Gefühl zu haben, die Situation zu kontrollieren.
Der französische Wissenschaftler Anthony Lantian und sein Team zeigten 2017 außerdem, dass das Gefühl, einzigartig zu sein, als Katalysator des Glaubens an Verschwörungstheorien fungieren kann: Dabei hat die betreffende Person das Gefühl, anders oder sogar der „Schafherde“ überlegen zu sein, die die offizielle Version naiv glaubt. Dies könnte auch die Korrelation zwischen geringem Selbstwertgefühl und Verschwörungsglauben erklären.
Diese Bestandsaufnahme der Forschung zu Verschwörungstheorien ergibt ein wenig erfreuliches Bild. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass solche Theorien von einer wenig rationalen Sinnsuche von Individuen oder marginalisierten Gruppen herrühren. Sie zielen nicht auf Wahrheitssuche ab, sondern erfüllen in erster Linie eine psychologische und soziale Funktion: Sie dienen der Sinnsuche oder dem Kontrollstreben in einer als chaotisch empfundenen Welt.
Gut , dass du dieses Thema mal ansprichst. Gerade in dieser Zeit merkt man in seinem Umfeld vermehrt wie empfänglich Einige für diesen Schwachsinn sind. Mit Manchen kann man reden, bei Anderen ist es hoffnungslos. Aber mentalen Stärke ist nicht jedem gegeben.
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