Wenn ich eine Schwalbe wäre

Wenn ich eine Schwalbe wäre

Vor circa 3 Jahren habe ich ein Lied geschrieben, bei dem es um die Vögel ging. Es ging um Vögel die in unserem Garten nicht zu sehen waren. Bei einer Umfrage der Zeitung sollten innerhalb eines bestimmten Zeitraumes alle sichtbaren Vögle gezählt werden. Meine Zählung brachte die erstaunliche Zahl von 0 Vögeln. Es gab das Amselsterben und vielleicht auch andere Vogelkrankheiten, die Klimaveränderung und die Pestizide.

In diesem Jahr sehe ich deutlich mehr Vögel, nur wenige Amseln, aber viele Spatzen und Meisen welche die aufgehängten Vogelhäuschen besetzen. Auch an unserem Haus tummelt sich eine erstaunliche und fast unnormale Vielfalt von Vögeln. Auf dem hinteren Kotbrett für die Schwalben brütet ein Taubenpaar auf der einen, und ein Elsterpaar auf der anderen Seite. An der Giebelspitze im Osten hat der Eichelhäher sein Nest gebaut und im Westen der Turmfalke. An der Südseite ist eine Schwalbenkolonie mit einer Reihe von 6 Nestern.

In diesem Jahr kamen die ersten Schwalben am 6. April in unser Dorf. Man merkt das sofort, da sie aus unserem Teich im Tiefflug Wasser aufnehmen. Es waren 3 Exemplare und bis heute sind es auch nur 3 geblieben. Was ist los mit den Schwalben? Ist etwas passiert auf ihrem langen Flug? Vielleicht kommt die große Welle ja noch; es ist ja noch etwas Zeit.

Seit 2015 gilt die Mehlschwalbe auch bei uns als gefährdet; zuviel Brutraum wurde einerseits vernichtet und andererseits kein Ersatz angeboten, viel zu wenig Futter ist zu finden durch großflächige Vernichtung von Insekten. Nicht nur bei uns geht es den Schwalben also nicht gut. Auch der Vogelzug bietet eine Vielzahl von Gefährdungen, so dass nur 30-60 Prozent der Schwalben das 4. Lebensjahr erreichen.

Wenn ich eine Schwalbe wäre, hätte ich ganz schön Angst vor diesem Flug oft über mehrere Tausend Kilometer. Nicht nur das Wetter ist unkalkulierbar, auch Dürren und andere Katastrophen sind gefährlich. Und was für ein Elend ist auf diesem Weg zu sehen, ein Krieg oder kriegerischer Akt nach dem anderen, eine Klimakatastrophe nach der anderen. Auch das Übernachten ist gefährlich. Nach Schätzungen der Organisation Birdlife Cyprus wurden im Herbst 2014 rund 2 Millionen Zugvögel für den Verzehr gefangen und verkauft. Insgesamt waren 16 km Netze gespannt und 6000 Klebefallen an den Zweigen angebracht. Auch auf Malta, in Frankreich und in einigen afrikanischen Ländern sterben jährlich massenhaft Vögel auf ihrem Zug nach Süden. Der Vogelfang in Ägypten hat mengenmäßig so zugenommen, dass einige Vogelarten in ihrer Existenz bedroht sind. Lars Lachmann – Naturschutzbund Deutschland: „Etwa 140 Millionen Zugvögel landen jeden Herbst in den Fallen ägyptischer Vogeljäger.“ Dies sind nur wenige Beispiele.

Wenn ich eine Schwalbe wäre, was sollte ich machen? Lieber hier bleiben – das Klima ändert sich ja schon – oder den gefährlichen Flug unternehmen.

Wenn ich eine Schwalbe wäre, hätte ich ziemlich Angst vor Hunger, vor Verfolgung, vor Vernichtung von Lebensraum und vor Vertreibung aus dem gewohnten Lebensraum. Wenn ich eine Schwalbe wäre, würde ich lieber eine Schwalbe bleiben, denn vielen Menschen geht es ganz genauso schlecht oder schlechter.

Wenn ich eine Schwalbe wäre, würde ich wahrscheinlich den Weg wieder antreten, würde mir ein gutes Futterpolster zulegen und im Herbst wieder losfliegen.

Wenn ich eine Schwalbe wäre könnte ich direkt jetzt schon losfliegen, das Futterpolster habe ich ja schon.

Aber erst einmal den Frühling und den Sommer erleben und darauf hoffen, dass der Hauptzug der Schwalben noch unterwegs ist und bald eintrifft. Dann ist auch wieder das fröhliche Trillern aus den Nestern an unserer Hauswand zu hören.

Hinterlasse einen Kommentar