Einladung in Zeiten der Krise

Einladung zum Abendessen

Weil uns, aufgrund der geforderten Einschränkungen, schon nach kurzer Zeit die gewohnten Sozialkontakte fehlten, hatten wir uns gedacht, ein befreundetes Ehepaar zum Abendessen einzuladen.  Diese hatten, nach einigen Überlegungen, auch mehr oder weniger spontan zugesagt. Also ging ich zum Einkaufen, besorgte Gemüse,  Hähnchenbrustfilet und Kartoffeln. Das Abendessen mit kurzgebratener Hähnchenbrust  an einer Chilimarinade und Ofengemüse war schnell gerichtet und pünktlich um 19:00 Uhr ging die Türklingel und die Gäste trafen ein. Wir begrüßten uns alle im vorgeschriebenen 2 m Abstand und begaben uns in das Esszimmer. Nachdem sich die Gäste an den Tisch gesetzt hatten, konnte ich unter Verwendung eines Mundschutzes schon das Essen servieren.

Unser Esszimmer ist sehr klein und wir waren uns bewusst, dass wir ja schon alleine mit der bloßen Einladung die aktuellen Vorgaben von Zusammenkünften mehr als ausgereizt hatten. Deshalb wünschten wir den Gästen, nach dem Umfüllen eines fränkischen Rotweines aus dem Dekantiergefäß in die Weingläser, einen guten Appetit und gingen, solange diese aßen, ins Wohnzimmer, wo wir derweilen in der Mediathek eine Reportage über die Klimaprobleme in der Antarktis schauten. So konnten unsere Gäste, durch die räumliche Trennung ohne Gefahr für Ansteckung, das Abendessen in aller Ruhe zu sich nehmen.

Nach 45 Minuten tauschten wir die Räumlichkeiten. Wir aßen das, was unsere Gäste übrig gelassen hatten, während diese im Wohnzimmer in der Mediathek die  Wiederholung der Reportage über die Klimaprobleme in der Antarktis schauten.

Nachdem wir auch noch die Nachspeise genossen hatten, verabschiedeten wir unsere Gäste auch schon wieder, denn der nächste Tag schien durch das amtlich verordnete „Nichtstunkönnen“ ungewohnt und anstrengend zu werden. Da sie den Weg nach draußen schon von früher kannten, mussten wir sie auch nicht zur Haustüre geleiten.

Alle fanden, dass dies ein wunderbarer Abend gewesen sei, auch wenn wir gar nicht viel miteinander gesprochen hatten. Einmal haben wir sogar überschwänglich gelacht, als mir ein Stück Kartoffel in die Soße viel und mir mein Hemd vollspritzte.

So kann man auch in Zeiten der Krise einen lustigen und harmonischen Abend im Kreise von Freunden verbringen und auch noch fast alle Regularien beachten.

Es wäre allerdings blöd gewesen, hätte ich unseren Freunden erzählt, dass ich schon am Vorabend, wie mein Freund, mit dem ich in Südtirol beim Skifahren gewesen war, Fieber, Kopfschmerzen und trockenen Husten hatte.

Die wären womöglich sonst gar nicht gekommen.

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